Michael Semjonowitsch Feofanoff (* 28. September 1873Heiratsurkunde bei familysearch.org in Pärnuhttps://www.geni.com/people/Mihail-Feofanov/6000000180570080823; † 1919 in Locarno)Die GND-Angaben 1828–1910 sind offenbar eine Verwechslung mit Lew Tolstois Lebensdaten, auch der angegebene Name ist eine Verwechslung mit dem russischen Pädagogen Michail Pawlowitsch Feofanoff (1882–nach 1955); es sind keine weiteren Angaben über ihn in russischen Webseiten zu finden war ein russischer Übersetzer russischer Literatur.
Leben und Wirken Michael Feofanoff war einer der Pioniere russischer Literatur in Deutschland und Dänemark. Seit 1901 sind von ihm Übersetzungen von Werken russischer Dichter bekannt. Gleich zu Beginn seines Schaffens geriet er dabei in eine Auseinandersetzung mit August Scholz (Übersetzer) um die Übersetzungsrechte an Maxim Gorkis Roman Drei Menschen, die in einer öffentlichen Erklärung Feofanoffs im Börsenblatt mündete.https://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19011108/16. Erwiderung von Bruno Cassirer: https://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19011108/17
1901 lebte Feofanoff in LeipzigBrief an Anton Tschechow vom 23. Juni 1901, auch in Brief vom 23. September 1910; in den Leipziger Adreßbüchern von 1900 bis 1902 wurde er nicht erwähnt, an dieser Adresse Nürnberger Straße 50 wohnten aber zwei Vermieterinnen, um 1904 in KopenhagenBrief an Edvard Munch vom 2. Dezember 1904. und um 1907 in Berlin., 1909 gab es keinen Eintrag mehr über ihn im Berliner Adreßbuch In Kopenhagen gehörte er zu dem engeren Kreis um Georg Brandes, August Strindberg und Henrik Ibsen. Am 28. September 1904 heiratete er hier die norwegische Sängerin Caroline „Bokken“ Lasson (1871–1970); Trauzeuge war der dänische Dichter und Maler Holger Drachmannhttps://ancestors.familysearch.org/de/K4ND-R1G/caroline-lasson-1871-1970. Die Ehe war höchst unbeständig und endete 1916 mit der Scheidung, worauf Bokken Lasson ihren zwischenzeitlichen Partner Vilhelm Dybwad heiratete.Larsen, Svend Erik Løken. Bokken Lasson. In Helle, Knut (ed.). Norsk biografisk leksikon. Oslo: Kunnskapsforlaget. Bei Kriegsbeginn wurde Feofanoff in Todtmoos im Schwarzwald als feindlicher Ausländer interniert. Noch 1916 hielt sich der schwer an Tuberkulose erkrankte Feofanoff hier auf, wie ein Brief vom 13. April 1916 aus der Wehrawaldklinik an den Verleger Reinhard Piper bezeugt.Catherine Krahmer: Julius Meier-Graefe – Ein Leben für die Kunst. Wallstein Verlag 2021, S. 542 (). Ebenfalls erhalten sind zwei Briefe an Anton Tschechow, ein Brief Wilhelm Raabe, sowie ein Briefwechsel mit dem Insel-Verlag Leipzig und dem Piper-Verlag Leipzig. Handschriften von und an Michael Feofanoff Kalliope, zu den deutschen BriefenBrief an Anton Tschechow vom 23. Juni 1901 (russisch/deutsch); darin bittet er Tschechow um die offizielle Autorisierung für Übersetzungen von mehreren Texten (die dieser aber offenbar nicht erteilte); außerdem klagt er über seine schlechte finanzielle Situation als Hauslehrer und ÜbersetzerBrief vom 23. September 1901 (Text russisch), mit der Wiederholung der Bitte um Autorisierung für Übersetzungen, sowie der Bitte um Vermittlung zu Gorki betreffs Übersetzungsrechten; außerdem mit Anmerkungen zu Briefen von Tschechow an andere über diese Bitten Feofanoffs Der Erfolgsautor Bernhard Kellermann schrieb ihm 1913 einen Brief.
Werke (Auswahl) Es gab über 20 Übersetzungen von Michael Feofanoff zwischen 1901 und 1908.
Leo Tolstoj, Über die sexuelle Frage, Diederichs, Leipzig 1901 Leo N. Tolstoi, Der Sinn des Lebens. Antwort an den Synod. Autorisierte Übersetzung von Raphael Löwenfeld und Michael Feofanoff, Diederichs, Leipzig 1901 Maxim Gorjki, Ausgewählte Erzählungen, 6 Bände, Diederichs, Leipzig, 1901/1902, Neuauflage 1904 1 Einst im Herbst, 1901 2 In der Steppe, 1901 3 Die alte Isergil, 1902 4 Gewesene Menschen, 1902 5 Im Gram, 1902 6 Frühlingsstimmen, 1902 Maxim Gorjki, Die Drei, Roman, 2 Bände, Diederichs, Leipzig 1902, Neuauflage 1904 Leo Tolstoi, Was ist Kunst? Diederichs, Leipzig 1902 kurze Auszüge L. Melschin. Im Lande der Verworfenen. Tagebuchblätter eines Sibirischen Sträflings, Kiepenheuer, Leipzig 1903, Neuauflagen 1904, 1985 Wladimir Korolenko, Der Wald rauscht, Insel, Leipzig 1903, Neuauflagen 1951, 1954 W. Garschin: Attalea princeps und andere Novellen, Insel, Leipzig 1903 Anton Tschechoff, Aus den Aufzeichnungen eines alten Mannes, 1903 Maxim Gorki, Der Mensch, Marchlewski & Co, München, 1904 Wikentij Weressajew, Vor dem Vorhange, Marchlewski & Co, München, 1904 Leonid Andrejew, Wikenti Weresajew, Maxim Gorki, Jung Rußland, Neue Novellen, Marchlewski & Co., München, 1904
Michael Lermontow, Ein Held unserer Zeit, 1906 S. Juschkewitsch, Hunger, Ladyschnikow, Berlin Fjodor Dostojewski, Rodion Raskolnikoff (Schuld und Sühne), Piper, Leipzig, München, 1908; mehrere Neuauflagen 1914, 1921, 1999, 2000, 2004, 2005 Leo N. Tolstoi, Kunst und Wissenschaft, Diederichs, Jena, 1919; (möglicherweise Neuauflage von Was ist Kunst? von 1902)
Weblinks
Werke von Michael Feofanoff WorldCat Dokumente über Michael Feofanoff Kallias, Deutsches Literarur-Archiv Marbach Handschriften von und an Michael Feofanoff Kalliope
Einzelnachweise
Kategorie:Übersetzer aus dem Russischen Kategorie:Übersetzer ins Deutsche Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Schriftsteller (Leipzig) Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1873 Kategorie:Gestorben 1919 Kategorie:Mann Kategorie:Russischer Emigrant in Deutschland