Bei Einbruch Mord (Originaltitel: Old Fashioned Murder) ist eine erstmals im Rahmen der NBC-Sunday-Mystery-Movie-Serie gesendete Episode der Kriminalfilm-Reihe Columbo aus dem Jahr 1976. Die deutschsprachige Erstausstrahlung der zweiten Folge der sechsten Staffel folgte erst 1992 auf RTL plus. Die US-amerikanische Schauspielerin Joyce Van Patten verkörpert als Museumsdirektorin und Doppelmörderin Ruth Lytton die Gegenspielerin von Inspektor Columbo, dargestellt von Peter Falk.
Handlung Die altjüngferliche Ruth Lytton ist langjährige Direktorin eines Antiquitätenmuseums. Trotz ihrer leidenschaftlichen Hingabe ist das in Familienbesitz befindliche Unternehmen defizitär. Bestürzt nimmt sie zur Kenntnis, wie ihr Bruder und Treuhänder Edward ankündigt, die Einrichtung zu schließen und alle Vermögenswerte zu veräußern. Ihrer einzigen Lebensaufgabe beraubt, schmiedet sie einen mörderischen Plan. Unter dem Vorwand, mit der Versicherungsprämie den finanziellen Niedergang abwenden zu wollen, überredet sie den Wachmann Milton Shaeffer zu einer Straftat. Ruths Nichte Janie Brandt hat den Bruder ihres verheirateten Liebhabers Dr. Tim Shaeffer kürzlich eingestellt. Der wegen Spielschulden leicht erpressbare Aufseher soll noch in dieser Nacht in das Museum einbrechen und die wertvollsten Exponate stehlen. Als Belohnung werden ihm 100.000 US-Dollar und ein gefälschter Reisepass in Aussicht gestellt. Gegen 21:00 Uhr ruft Milton seinen Bruder von einer Telefonzelle aus an und hinterlässt eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Er gibt vor, in Gefahr zu sein und verleiht seiner dramatischen Schilderung Nachdruck, indem er das Telefonat durch Abgabe eines Schusses beendet. Danach fährt er wie verabredet in das Museum, wo Edward zur selben Zeit alle Ausstellungsstücke unter Einsatz eines Tonbandgerätes inventarisiert. Während Milton die Vitrinen ausräumt, wird er von Ruth überrascht und kaltblütig erschossen. Als Edward aus dem Nebenraum herbeieilt, tötet sie ihn ebenfalls, diesmal mit Miltons Revolver. Nachdem Ruth die Waffen in die Hände der beiden Opfer gelegt hat, schaltet sie gewohnheitsmäßig das Licht aus, geht zu Miltons Wagen, nimmt seinen Koffer aus dem Kofferraum und zersticht einen Reifen.
Nach dem Abhören der Mitteilung seines Bruders macht sich Tim Shaeffer große Sorgen und alarmiert am nächsten Morgen die Polizei. Inspektor Columbo sucht daraufhin das Haus der Lyttons auf, um Edward zu sprechen, der den Vermissten vermeintlich am Vortag entlassen hat. Bei dieser Gelegenheit lernt er neben Janie auch deren Mutter, Ruths ältere Schwester Phyllis Brandt, kennen. Columbo muss jedoch unverrichteter Dinge aufbrechen, weil der Vermögensverwalter nach einer arbeitsreichen Nacht nicht geweckt werden soll. Ruth und Janie kehren zwecks Fortsetzung der Bestandsaufnahme zum Museum zurück. Kurz darauf entdeckt die Nichte beide Leichen. Obwohl viele Spuren am Tatort darauf hindeuten, dass Edward und der Einbrecher sich gegenseitig erschossen haben, irritieren den Inspektor einige Details. Sein Assistent Sergeant Miller hat den Raum unbeleuchtet vorgefunden. Wie können Milton und Edward im Dunkeln zielsichere Treffer gesetzt haben? Falls das Licht aber eingeschaltet war, wer hat dann den Schalter nach dem Schusswechsel betätigt? Darüber hinaus lassen neue Kleidung und Schuhe, eine Einstichstelle von einer Impfung sowie andere Hinweise nur eine Schlussfolgerung zu: Milton wollte nach dem Kunstraub eine längere Reise in tropische Regionen antreten. Ein Zettel in der Tasche des Toten mit der Aufschrift „Turn twice right after midnight“In der deutschen Synchronfassung lautet der Text: „Direkt nach Mitternacht zweimal rechts rum“. Die Mehrdeutigkeit des englischen Verbs „to turn“ („abbiegen“ den Weg betreffend oder „herumdrehen“ in Bezug auf die Uhr) wird damit nur unscharf wiedergegeben. führt Columbo zunächst zur Vermutung, der Räuber habe einen Komplizen treffen wollen. Die Befragung eines Schmuckhändlers, bei dem Milton eine neue Kalenderuhr gekauft hat, liefert allerdings eine plausiblere Erklärung: Da die Tat am 30. April stattgefunden hat, handelt es sich um eine schriftliche Erinnerung, damit Milton den Kalendertag der Uhr durch Drehen der Krone auf den 1. Mai einstellt. Demnach waren beide Opfer noch bis nach Mitternacht am Leben und der Anruf aus der Telefonzelle vorgetäuscht.
Der Inspektor berichtet Ruth von seinen Ermittlungsergebnissen. Aufgrund der vorliegenden Indizien ist er überzeugt, dass eine dritte Person in den Doppelmord verwickelt war. Im weiteren Verlauf des Gespräches erfährt er zudem von lange zurückliegenden emotionalen Spannungen in der Familie. Wegen eines fehlenden Alibis zum wirklichen Tatzeitpunkt ist Ruth gezwungen, den Verdacht von sich abzulenken. Zu diesem Zweck platziert sie eine mittelalterliche Gürtelschnalle in Janies Kleiderschrank, die sie zuvor selbst aus dem Museum entwendet hat, ihrer Aussage nach aber schon seit zwei Wochen unauffindbar ist. Bei der nachfolgenden Durchsuchung wird das kostbare Stück sichergestellt. Columbo besucht Janie in der Gefängniszelle und bringt neben Lebensmitteln auch Zigaretten und die goldene Schnalle mit. Doch die Verdächtige erkennt deren Bedeutung nicht und benutzt sie als Aschenbecher. Anschließend konfrontiert der Inspektor Janie mit seinen Recherchen zur Familiengeschichte der Lyttons. Ihre Mutter war bereits im dritten Monat schwanger, als Peter Brandt seine Geliebte Ruth verließ, um Phyllis zu heiraten. Ihr Vater verstarb einige Jahre später an einem Herzanfall. Möglicherweise habe Ruth in Verbitterung über die widerfahrene Demütigung ihren damaligen Verlobten umgebracht. Am Abend begibt sich Columbo zusammen mit Janie erneut in das Haus der Geschwister. Zum Beweis ihrer Unschuld spielt er die Inventuraufnahme aus der Mordnacht ab, in der Edward den angeblich vermissten Kunstgegenstand erwähnt. Der Lüge überführt, bittet Ruth den Inspektor in Sorge um ihre Nichte, seine Vermutungen zu den Geheimnissen um ihren Vater zu widerrufen. Als Gegenleistung gesteht sie die beiden anderen Morde.
Hintergrund Peter S. Fischer, der als Drehbuchautor die Vorlagen für diverse Episoden der Fernsehreihe schrieb, lieferte die ursprüngliche Story unter dem Arbeitstitel In Deadly Hate. Peter Falk war jedoch mit dem konventionell anmutenden Konzept unzufrieden und übermittelte die von Shakespeares Richard III. inspirierte Geschichte zur Überarbeitung an die befreundeten Autoren Elaine May und Peter Feibleman, ohne das Produktionsteam zu informieren. So wurden die meisten männlichen Hauptfiguren durch weibliche ersetzt und einige überflüssige Comedy-Elemente ergänzt. Über das Ergebnis der Revision zeigte sich nicht nur Fischer erschüttert, der infolgedessen erstmals auf sein Pseudonym Lawrence Vail in den Filmcredits zurückgriff. Der Name stammt bezeichnenderweise von einer Figur aus dem Theaterstück Once in a Lifetime von Moss Hart und George S. Kaufman, die von einem uneinsichtigen Hollywoodstudio in die Irrenanstalt getrieben wird.David Koenig: Shooting Columbo: The Lives and Deaths of TV’s Rumpled Detective. Bonaventure Press, Aliso Viejo, Kalifornien 2021, S. 149–154. Fischer berichtete:
Ungeachtet der Kompetenzen des verantwortlichen Produzenten Everett Chambers begann May eigenmächtig mit dem Casting der Folge. Die meisten Rollen besetzte sie mit Personen aus ihrem Umfeld, darunter ihre Tochter Jeannie Berlin und ihre Freundin Joyce Van Patten. Feibleman spielte den ermordeten Wachmann, Berlins früherer Lebensgefährte Jon Miller den gleichnamigen Sergeant und Feiblemans damaliger Sekretär Gary Krawford den Schmuckverkäufer. Noch während der Dreharbeiten passten die beiden Autoren das Skript an, sodass die Schauspieler zeitweise bis in den späten Abend und auch sonntags proben mussten, um für den Folgetag vorbereitet zu sein. Von Chambers vorgeschlagene Verbesserungen zur Beseitigung von Logiklöchern wurden von May und Falk abgelehnt. Darüber hinaus sorgten zeitaufwändige Fehler in der Produktionsplanung und Falks spontane Änderungswünsche am Filmset für eine Verzögerung des Fertigstellungstermines und eine prognostizierte Budgetüberschreitung von etwa 500.000 US-Dollar. Der Machtkampf zwischen Falk sowie den Verantwortlichen von Universal Television und NBC eskalierte schließlich in der Auflösung des Vertrages mit Chambers. Für die nachfolgende Episode musste ein Großteil der Filmcrew neu zusammengestellt werden.
Celeste Holm, die Oscar-prämierte Darstellerin der Schwester der Mörderin, äußerte sich in einem Interview zum laufenden Projekt ebenfalls irritiert. Seinerzeit konnte sie keine konkreten Angaben zur Handlung und zu ihrer Rolle machen, was nicht an der obligatorischen Verschwiegenheitserklärung lag, sondern an den schwierigen Arbeitsbedingungen:
Besetzung und Synchronisation Die deutschsprachige Synchronfassung entstand im Jahr 1992 bei der Alster Studios Synchron.
Lieutenant Columbo Peter Falk Claus Biederstaedt Gaststars Ruth Lytton Joyce Van Patten Christine Reinhart Janie Brandt Jeannie Berlin Reinhilt Schneider Edward Lytton Tim O’Connor Hans Sievers Phyllis Brandt Celeste Holm Ursula Zeitz Weitere Darsteller Milton Shaeffer Peter S. Feibleman Herbert Tennigkeit Sergeant Miller Jon Miller Wolfgang Jürgen Sergeant Carter Mike Lally Hans Irle Dr. Tim Shaeffer Jess Osuna Joachim Richert Darryl Anthony Holland Michael Lott Elise Lucy Saroyan Uhrenverkäufer Gary Krawford Dienstmädchen Eloise Hardt Anne Schermutzki 2. Detektiv Morris Buchanan Fotograf Giles Douglas
Rezeption Die Fernsehzeitschrift TV Spielfilm vergab eine neutrale Wertung (Daumen mittig):
Das Lexikon des internationalen Films befand:
Der Autor Michael Striss wertete mit zwei von vier Sternen (durchschnittlich). Er sah einige Mängel im Skript, lobte aber die Besetzung der Widersacherin:
Der Autor Mark Dawidziak verzeichnete ähnliche Schwächen:
Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Filmtitel 1976 Kategorie:US-amerikanischer Film Bei Einbruch Mord Kategorie:Kriminalfilm