Jan Schmidt (* 9. Mai 1973 in Wiesbaden) ist ein deutscher Künstler.
Leben und Werk
Jan Schmidt wollte eigentlich Lehrer für Biologie und Chemie werden. Das 1993 begonnene Lehramtsstudium an der TU Darmstadt gab er auf, um ein Kunststudium aufzunehmen. Er studierte 1997 bis 2001 an der Kunsthochschule Mainz und war dort Meisterschüler von Ansgar Nierhoff. Es folgten von 2001 bis 2003 Studien bei Ayse Erkman an der Frankfurter Städelschule.
Schmidts grundlegendes Interesse für Naturwissenschaften spiegelt sich auch in seinen Werken wider. In einer Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es: „im Grunde möchte man alle Arbeiten (...) eine Versuchsanordnung nennen.“ So setzt sich Schmidt zum Beispiel mit der Visualisierung von Zeit auseinander. Er arbeitet an wiederkehrenden, manchmal meditativen Prozessen, deren Resultate sichtbar werden. Beim monatelangen Bearbeiten eines Findlings mit Hammer und Meißel fand Schmidt hunderte 10 Millionen Jahre alte versteinerte Schnecken. Reduziert in ihrer Erscheinung zeugen die Werke von den Prozessen ihrer Entstehung, so zersägt er zum Beispiel auch Aluminiumblöcke, deren feine Späne sich zu einer Installation gruppieren.
Für seine Zeichnungen verwendet Schmidt verschiedene, auch experimentelle Aufbauten und Mittel, wie etwa einen hängenden Akkuschrauber, oder das freie Werfen von Bleistiftminen auf Papier, sodass der Zufall in seinen konzeptionell angelegten Werken mitspielt: „Es scheint, als gestalte Jan Schmidt seine Werke mithilfe des Zufalls und spielerisch. Am Ende aber ist doch alles Konzept.“
„Sein Werk umfasst Objekte, Zeichnungen, Filme und Installationen, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind unscheinbar, zurückhaltend, filigran und manchmal fast unsichtbar.“
Schmidt lebt mit seiner Familie in Frankfurt am Main.
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
2000: Myriads, Galerie Appel, Frankfurt a. M. (mit Yvonne Rothe) 2003: Old School, Kunsthistorisches Institut, Bonn 2006: CLOCK, Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden 2007: Sebastian Fath Contemporary, Mannheim 2009: Zeichnungen, 1822-Forum, Frankfurt a. M. 2010: Galerie der Roland Versicherung, Köln 2012: durchgespielt, Galerie Anita Beckers, Frankfurt a. M. 2013: Markierung #1, Kunstverein Ludwigshafen 2013: Markierung #2, Museum Wiesbaden 2013: Ich kann es nur wiederholen, Kunstverein Konstanz 2014: Klaus Kleine, Axel Loytved, Jan Schmidt, Galerie Bertold Pott, Köln 2015: Condition Report, Städtische Galerie Delmenhorst (mit Ane Mette Hol) 2016: Drehen und Wenden, Bellevuesaal, Wiesbaden (mit Nol Hennissen) 2017: Sägearbeit #4, Haus der Kunst St. Josef, Solothurn 2018: Parkett, Kunstverein Bochum 2019: Das Ziel weit genug vor Augen, V8 Plattform für Neue Kunst, Karlsruhe 2020: Grande San Paolo, Neuer Kunstverein Gießen 2022: Archipele, Museum Wiesbaden (mit Jürgen Krause und Masanori Toyoda) 2023: Archiv eines Sommers, AtelierFrankfurt, Frankfurt a. M. 2023: Rosso Levanto, Museum Goch, Goch 2023: „Aufzeichnungen“, Galerie Anita Beckers, Frankfurt a. M. 2024: Cluster, Weißfrauenkirche, Frankfurt a. M.
Gruppenausstellungen 1999: Hörma, UdK Berlin 2000: Am Ort, Symposium des Deutschen Künstlerbundes, Berlin 2001: Junger Westen, Kunsthalle Recklinghausen 2003: Bis ans Ende der Welt, Kunstverein Konstanz 2005: Wahlverwandtschaften, Städelmuseum, Frankfurt a. M. 2005: Emy-Roeder Preis, Kunstverein Ludwigshafen 2006: 12 Statements aus Rheinland-Pfalz, Kunstverein Germersheim 2006: Saar Ferngas Kunstpreis, Pfalzgalerie, Kaiserslautern 2008: Fukushima Biennial for Contemporary Art, Fukushima, Japan 2009: Ausgezeichnet, Grafikpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, Kornelimünster, Aachen 2009: Sebastian Fath Contemporary (mit Martin Noel), Mannheim 2010: Am Ende alles anders, Kunstverein Rüsselsheim 2011: 25+25, Kunstverein Wilhelmshöhe, Ettlingen 2011: Arbeiten aus dem Bleistiftgebiet, VAN HORN, Düsseldorf 2014: Transition, Ausstellungshalle 1A, Frankfurt a. M. 2015: Die Kräfte hinter den Formen, Galerie im Taxispalais, Innsbruck; Haus Lange/Haus Esters, Krefeld; Kunstmuseum Thun 2016: Echtzeit, Kunstmuseum Bonn 2016: Timelines, Kunstverein Ludwigshafen; Port 25, Mannheim 2016: +ultra. wissen schafft gestaltung, Martin-Gropius-Bau, Berlin 2017: Seltene Treffer, Oberfinanzdirektion, Frankfurt a. M. 2017: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel, Kunstverein Gästezimmer, Stuttgart (mit Elisabeth Brose) 2018: The Long Now, Museum Goch 2018: Fett und Wasser, AKKU, Stuttgart 2018: Métamorphoses, Goethe-Institut, Paris 2021: Findungen, Deutscher Künstlerbund, Berlin 2022: SUNSET Ein Hoch auf die sinkende Sonne, Kunsthalle Bremen 2022: Reflections / Spiegelwelten, Museum für konkrete Kunst, Ingolstadt 2022: Blanc de Blancs, Villa Schöningen, Potsdam 2023: Vermessungen, Port25 Raum für Gegenwartskunst, Mannheim 2023: Ever. Present. Past., Neue Galerie, Kassel 2023: Schimmer, Galerie Martin Mertens, Berlin 2024: Schöne Neue Welt, Galerie Anita Beckers, Frankfurt a. M. 2024: Verspielt?, Palmengarten, Frankfurt a. M. Preise und Stipendien Förderpreis für junge Künstler des Landes Rheinland-Pfalz (2005) Raimund Lehmkul Förderpreis, Köln (2007) Stipendium Cité des Arts, Paris (2007) Grafikpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (2009) Reisestipendium der Hessischen Kulturstiftung (2018) Katalogförderung der Stiftung Kunstfonds (2019) Mäzenatisches Projektstipendium der Hessischen Kulturstiftung und den Freunden des Museums Wiesbaden (2020) Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds (2022) Quelle:
Werke in Sammlungen Sammlung des Landes Hessen, Bad Homburg Graphische Sammlung, Städelmuseum, Frankfurt a. M. Sammlung des Landes Rheinland-Pfalz Kunsthalle Mannheim Sammlung des Landes Nordrhein-Westfalen Museum Wiesbaden Kunsthalle Karlsruhe Quelle:
Schriften
Jan Schmidt hat Zeit. Museum Wiesbaden (Hg.), Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-89258-095-9. Jan Schmidt: Findling. In: Andreas Bee (Hrsg.): Zeitschnecken. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2021, ISBN 978-3-96098-988-2, S. 41–67. Jan Schmidt: sägen, zählen, zeichnen. Hrsg.: Stephan Mann, Museum Goch. 1. Auflage. Pagina, Goch 2023, ISBN 978-3-946509-61-5.
Literatur
Jan Schmidt. In: Sandra Danicke: Material. Interviews mit 23 Künstlerinnen und Künstlern. Verlag für Moderne Kunst, Wien 2022, ISBN 978-3-903572-85-0, S. 224–234.
Weblinks
Website von Jan Schmidt Jan Schmidt auf der Website der Galerie Beckers Jan Schmidt in der digitalen Sammlung des Städelmuseums Jan Schmidt in der Online-Collection des Museum Wiesbaden Stipendiat Jan Schmidt Interview auf der Website der Hessischen Kulturstiftung Kunst am Bau: 48.000 Ahornsamen auf der Website der Technischen Hochschule Mittelhessen
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1973 Kategorie:Mann