Das Schlößchen am Inn, auch Weißes Haus am Inn oder Heise-Schlößchen genannt, bezeichnet ein abgegangenes villaartiges Gebäude am linken Innufer in der Vornbacher Enge unweit der Städte Schärding und Passau. Es lag unterhalb des benachbarten Schlosses Neuburg am Inn und gegenüber der österreichischen Burg Wernstein.
Geschichte Das im Biedermeier-Stil gehaltene Anwesen wurde 1922 an der Stelle eines alten Getreidespeichers von Baron Eduard von Nolcken erbaut. 1939 erwarben der Berliner Antiquar, Verleger und Kunsthändler Rolf Heise und die Brauerstochter Erika Simon aus Bitburg die Immobilie gemeinsam mit großem Grundbesitz in der Neuburger Leithen. Rolf Heise war ein Vertrauter des Hauses Hannover und einige Jahre als Direktor der Bibliotheken des letzten Braunschweiger Herzogspaares tätig. Der Vater Rolf Heises, Georg Heise, war königlich preußischer Kommerzienrat und Generaldirektor der Hannoverschen Gummiwerke Excelsior. Vom Schlößchen aus betrieb Rolf Heise ein Antiquariat, über das er antiquarische Bücher und Drucke vertrieb. Das „Heise-Haus“ entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem kulturellen, geistigen und gesellschaftlichen Zentrum der Region. Berühmte Persönlichkeiten wie Gustav Fröhlich, Hilde Weissner oder Karl John schätzten das Schlößchen und ihre Besitzer. Eng verbunden war das Haus auch mit den Passauer Festspielen, in deren Umfeld es als Rückzugsort und Treffpunkt für mitwirkende Künstler diente.
In einem Nebengebäude des Schlößchens arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gruppe von Künstlern, deren Erzeugnisse in der Region verkauft wurden.
Das Hochwasser in Mitteleuropa 1954 beschädigte sowohl das Anwesen als auch den übrigen Teil der Ansiedlung "Leithen" schwer.
Im Zuge des Kraftwerksbaus am Inn in den 1960er Jahren wurde das Heise-Haus ein Opfer der Fluten und abgetragen. Die Passauer Neue Presse veröffentlichte dazu einen Artikel.
Fährunglück 1961 In unmittelbarer Nähe des Schlößchens befand sich bis 1961 der Anleger der Seilfähre ins österreichische Wernstein. Die einzige Überlebende des Fährunglücks am 24. August 1961 war Karoline Ortner, eine Angestellte der Familie Heise. Wenige Meter flussaufwärts der Brücke Mariensteg befindet sich auf deutscher Seite eine Erinnerungsstätte an das Fährunglück. Das dazugehörige Marterl wurde von der Besitzerin des Heise-Schlößchens, Frau Erika Heise, gestiftet.
Artikel in der Passauer Neue Presse alternativtext=Artikel von Theo Riegler (Passauer Neue Presse, 1960)|links|mini|Artikel von Theo Riegler (Passauer Neue Presse, 1960)
Einzelnachweise
Kategorie:Villa in Bayern Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Landkreis Passau Schlosschen am Inn Kategorie:Zerstört in den 1960er Jahren Kategorie:Inn