mini|Die katholische Pfarrkirche in Kaprun Die Pfarrkirche Kaprun, auch St. Margaretha auf dem Stein genannt, ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarre Kaprun. Kaprun ist eine Gemeinde im Pinzgau des Landes Salzburg. Die Pfarre gehört zum Dekanat Stuhlfelden der Erzdiözese Salzburg. Patronin der Kirche ist die heilige Margareta von Antiochia.
Die Ursprünge der Kirche sind unklar. Sie dürften aber bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen, als sie als Filiale der Mutterpfarre Piesendorf errichtet wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche allerdings erst im Jahr 1409. Seit 1862 ist sie eine eigenständige Pfarrkirche. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die alte Kirche umgestaltet, wobei das Langhaus fast vollständig abgetragen und durch einen Neubau ersetzt wurde.
Die Pfarrkirche von Kaprun ist eine in einem neuromanisch-neugotischen Mischstil gestaltete Saalkirche. Sie hat einen im Nordwesten in das Langhaus eingestellten Kirchturm mit Spitzgiebelhelm sowie eine nördlich an den Chor angebaute Sakristei. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten. Dabei wurden unter anderem die alten Wandmalereien wiederhergestellt. Zu den ältesten Objekten in der Kirche zählen zwei Heiligenfiguren aus dem 15. Jahrhundert an den Langhauswänden. Die Altäre und der Großteil des Kircheninventars stammen aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert.
Lage Die Kirche steht im nördlichen Teil der Gemeinde Kaprun über dem Ortszentrum auf einem Felssporn am Westufer der Kapruner Ache, auf einer Seehöhe von Der Felssporn, auch als Kirchbichl bezeichnet, ist ein nach Nordwesten streichender Ausläufer der Dreiwallnerhöhe. Direkt westlich der Kirche befindet sich der Kirchplatz mit dem Friedhof, dem Mesnerhaus, dem Pfarrhof sowie dem Heimatmuseum Kaprun. Die Kirche hat die Adresse Kirchplatz 11. Südlich der Kirche führt eine Treppe entlang des Felsens von der Sigmund-Thun-Straße zum Kirchplatz hoch.
Geschichte Ursprünge bis zur Pfarrerhebung Wann in Kaprun die erste Kirche errichtet wurde, ist unsicher. Als der Salzburger Erzbischof Adalbert II. 931 seine Güter in Chataprunin an den Priester Engelbert und dessen Sohn Luitfried übergab, wurde noch keine Kirche erwähnt. Das Patrozinium der heiligen Margareta von Antiochia lässt auf eine Kirchengründung im späteren Hochmittelalter, vermutlich noch im 12. Jahrhundert, schließen. Die Verehrung von Margareta wurde unter anderem von Agnes von Poitou, der Frau Kaiser Heinrichs III., gefördert und könnte auch durch die ab 1098 heimkehrenden Kreuzritter aus dem Byzantinischen Reich mitgebracht und in der Heimat verbreitet worden sein.
Eine Kirche in Kaprun ist allerdings erstmals 1409 als St. Margaretha auf dem Stein in einem Ablassbrief schriftlich erwähnt. Damals war sie eine Filiale der Mutterpfarre Piesendorf. Die Kapruner Bevölkerung wurde ab 1556 von einem der Piesendorfer Kapläne mitbetreut, die teilweise auch im örtlichen Mesnerhaus wohnten. Erst durch die Schaffung eines Vikariats im Jahr 1624 gab es in Kaprun einen dort dauerhaft ansässigen Seelsorger. Allerdings dürften diese Seelsorger bei der Bevölkerung eher unbeliebt gewesen sein, da sie immer wieder bei den kirchlichen Behörden in Salzburg über die schlechten Zustände in Kaprun klagten. Der Baumeister Oswald Stuelebner wurde 1722 mit der baulichen Umgestaltung des Kirchengebäudes beauftragt. So ersetzte er unter anderem den hölzernen Dachreiter durch einen gemauerten Turm mit Zwiebelhelm an der Westseite des Langhauses. Im Jahr 1736 wurden neue Altäre aufgestellt.
Ab der Pfarrerhebung mini|Blick von der Kapruner Ache auf die Kirche, 1903 Kaprun wurde 1862 auf Grundlage eines Erlasses der Regierung des Kaisertums Österreich zur Pfarre erhoben und mit Georg Wieland wurde der letzte Vikar zum ersten Pfarrer. Zu dieser Zeit war die Kirche baufällig und Dachstuhl und das Gewölbe standen kurz vor dem Einsturz. Nachdem es zusätzlich zu einem Blitzschaden gekommen war, wurde die Kirche unter Pfarrer Josef Mangst ab 1898 neugestaltet. Wie damals üblich wurde dabei das gesamte Bauwerk bis auf die Grundmauern abgetragen und unter Nachahmung der alten Stile neu errichtet. Die Pläne für den Neubau stammten von dem Mittersiller Baumeister Ferdinand Ranggetiner und die Arbeiten wurden von Jacob Menis aus Zell am See ausgeführt. Der Kirchturm wurde nicht abgetragen, aber sein Zwiebelhelm entfernt. Das neue Kirchenschiff wurde höher als das alte und auch die Sakristei wurde aufgestockt.
Die Kosten für den Umbau fielen mehr als dreimal so hoch aus wie ursprünglich geplant, sodass der Pfarrer mit zahlreichen Schuldscheinen bei der Diözese, aber auch bei reicheren Pfarren Geld aufnahm. Außerdem wurde versucht, durch den Verkauf der Einrichtung Geld einzunehmen. So wurden etwa die Seitenaltäre an die Pfarre Forstau und der barocke Aufbau des Hochaltares an die Pfarre St. Ulrich am Pillersee verkauft. Das alte, von Franz Xaver Kurz gemalte Hochaltarbild, das die heilige Margareta zeigt, blieb aber bei der Pfarre und befindet sich heute in der Kapruner Burgkapelle. Der letzte der Schuldscheine wurde 1926 beglichen. Um 1910 wurde das Kircheninnere von Virgil Groder ausgemalt. Der Neubau wurde unter anderem 1913 vom Weihbischof Ignatius Rieder besucht.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche christliche Zwangsarbeiter, die am Bau der Kraftwerksgruppe Kaprun beteiligt waren, auf dem Friedhof von Kaprun bestattet. Der damalige Pfarrer Johann Berschl ließ aber auch Zwangsarbeiter mit unbekannter Religionszugehörigkeit auf dem Friedhof bestatten. Dadurch reichte der Platz bald nicht mehr aus, so dass im Dezember 1944 der neue Gemeindefriedhof westlich der Kirche eröffnet wurde. Im Krieg wurden Teile der Ausstattung der Burgkapelle, so etwa zwei Heiligenfiguren, zum Schutz in die Pfarrkirche verbracht, nachdem Mitglieder der Hitlerjugend die Kapelle einige Mal geschändet und schwer beschädigt hatten. Bei der Renovierung und Neugestaltung des Innenraums der Pfarrkirche im Jahr 1961 wurden, den vorherrschenden ästhetischen Trends jener Zeit entsprechend, als überladen und kitschig empfundene Dekorationsmalereien mit weißer Farbe übermalt. Zudem erfolgte der Austausch der beiden Seitenaltäre. Im selben Jahr kamen bei Ausgrabungen an der Südseite der Kirche und um die Sakristei Fundamentreste zum Vorschein, die von einem Vorgängerbau stammen könnten, die aber nicht genauer untersucht wurden. Weitere Renovierungsarbeiten an der Außenseite erfolgten 1971 und 1978 erneut innen. Bei dieser Renovierung wurden Teile der alten Wandmalereien wieder freigelegt. Nach Frostschäden am Dach und an der Nordmauer der Kirche wurde das Gebäude 2006 und 2007 neu verputzt und eingedeckt. Diesen Arbeiten folgte 2008 und 2009 eine Innenrestaurierung, bei der ein Großteil der Wandmalereien wiederhergestellt wurde.
Architektur Das Gebäude ist eine einschiffige Saalkirche mit einem hohen Kirchturm. Es ist nach Südosten ausgerichtet und hat eine im Norden an den Chor angebaute zweigeschoßige Sakristei. Im Nordwesten ist der Kirchturm in die Giebelfassade des Kirchenschiffes eingestellt. Das gesamte Bauwerk steht zusammen mit dem umgebenden alten Friedhof unter Denkmalschutz ().
Außenbeschreibung
Die Außenwände der Kirche sind einfach gehalten, glatt verputzt und werden durch geputzte Ecklisenen und Putzbänder gegliedert. Unter der Dachtraufe verläuft eine Hohlkehle um das ganze Gebäude. Das Kirchenschiff hat ein Satteldach; es ist wie das Walmdach des Chors und das Zeltdach der Sakristei mit Schindeln gedeckt. Die Wandfläche zwischen dem Langhausdach und dem niedriger liegenden Chordach ist ebenfalls mit Schindeln verkleidet. Auf die Dachfläche des Kirchenschiffes sind an der Nord- und an der Südseite je zwei Dachgauben aufgesetzt. Auf dem Dachgrat des Langhauses steht im Osten eine Kugel mit einem Kreuz und darauf aufgesetztem Wetterhahn. Durch je drei rundbogige Fenster an der Nord- und Südseite fällt Licht in das Langhaus. Die Westseite des Langhauses hat links und rechts vom Turm je ein kleineres Rundbogenfenster auf Höhe der Empore. Der Chor hat vier Rundbogenfenster, eines an der Südseite sowie drei im Chorschluss. An der Nordwand der Sakristei sind je Geschoß zwei Rechteckfenster in Rundbogennischen eingelassen sowie an der Westwand eines und an der Ostwand in den beiden Obergeschoßen zwei. Östlich der Sakristei ist an die Nordwand des Langhauses ein überdachter Anbau angesetzt. Er ist an der Nordseite offen. Das mit Blech gedeckte Pultdach ruht auf zwei breiteren Pfeilern mit je zwei Rundbogennischen. Der Anbau führt zur Eingangstür an der Westwand der Sakristei sowie zu einem Eingangsportal an der Nordwand des Langhauses. Durch ein Portal an der Nordseite der Sakristei, das in eine Rundbogennische eingelassen ist, ist eine Lourdesgrotte zugänglich. An der Westseite des Langhauses hängt ein Kruzifix unter einem mit Schindeln gedeckten Pultdach.
Der Kirchturm ist in die Westfassade der Kirche eingestellt. Er ist wie das Kirchenschiff glatt verputzt und gegliedert. Die umlaufende Hohlkehle des Kirchenschiffes wird als Gesims fortgeführt. Der Turm hat einen mit Schindeln gedeckten Spitzgiebelhelm aus dem 19. Jahrhundert. Das Dach endet in einer Turmkugel mit einem 1899 geschmiedeten Kreuz. Die Spitzen der vier Giebelseiten des Helmes tragen als Zier eine Kugel mit darauf stehender Metallfahne. Durch ein Portal in einer Rundbogennische an der Westseite des Turms kommt man in die Turmhalle. Licht gelangt an der Nord-, West- und Südseite durch je zwei übereinander angeordnete rechteckige Wandöffnungen in den Turm. Die Schallöffnungen unter dem Helm auf Höhe der Glockenstube sind an allen vier Turmseiten als Biforenfenster gestaltet. In den Flächen der Dreiecksgiebel ist auf allen vier Seiten ein Ziffernblatt der Turmuhr angebracht. An der Südseite des Turmes hängt ein Kreuz.
Die Kirche umgibt der Friedhof der Pfarre mit Einfriedungsmauer.
Innenraum mini|Blick durch das Langhaus auf den Chor Das 1898/99 erbaute dreijochige Langhaus ist teils neuromanisch, teils neugotisch gestaltet. Einfache flache Wandpfeiler mit Blattkapitellen tragen ein Kreuzrippengewölbe mit Gurtbögen. Im östlichen Joch befindet sich ein Heiliggeistloch. Die flache hölzerne Empore im westlichen Joch des Langhauses ist über eine Treppe an der Südseite des Langhauses zugänglich. Die quadratische Turmhalle des im Westen an das Langhaus angebauten Turmes hat ein Kreuzgratgewölbe. Eine Tür führt unterhalb der Empore in das Langhaus.
Ein stark eingezogener, rundbogiger Fronbogen trennt den schmäleren einjochigen Chor mit dreiseitigem Schluss vom Langhaus. Ihm gegenüber ist der Chor um zwei Stufen erhöht. Wie das Langhaus wird auch das Chorjoch von einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Die sechs Kreuzrippen des Gewölbes lagern dabei auf profilierten Konsolen. Im Norden ist die Sakristei an den Chor angebaut; sie ist durch eine Tür vom Chor aus zu erreichen. In die Südwand des Chores ist eine kleine Rundbogennische eingelassen.
Ausstattung Chorbereich