Die Shanti-Mantras sind hinduistische Gebete aus den Upanischaden. Diese Mantras erbitten Frieden; sie werden am Anfang und am Ende religiöser Zeremonien intoniert und markieren Beginn und Ende religiöser Texte.

Etymologie mini|hochkant=1.6|Der Schwan (Haṃsa – हंस) ist ein Symbol für Brahman-Atman in der hinduistischen Ikonographie

Die Shanti-Mantras werden auch als Pancha Shanti Mantras bzw. als Friedensmantras bezeichnet. Das Sanskritwort शान्तिः (śāntiḥ), im Englischen Shanti oder Shantih, ist abgeleitet vom Adjektiv शम – śama – mit der Bedeutung ruhig, still und impliziert Zufriedenheit, Ruhe, Beschaulichkeit, Erfülltheit und letztlich Glückseligkeit. Das weibliche Substantiv shanti kann wie folgt übersetzt werden: Ruhe des Gemüts, Seelenruhe, innerer Friede, Friede, Heil, Segen, Wohlergehen, Erlöschen (des Feuers), Nachlassen, Aufhören, Pause, Unterbrechung, Ausbleiben einer üblen Wirkung, der Eingang zur ewigen Ruhe, Sterben und Tod.

Das maskuline Substantiv Mantra (मन्त्र – Spruch, Lied, Hymne) bezeichnet eine heilige Silbe, ein heiliges Wort oder einen heiligen Vers. Das Sanskritwort mantra vereint im etymologischen Sinne die beiden Wortwurzeln manas (मनस् – Geist) und trama (त्रम – Schutz, schützen), sodass die wörtliche Bedeutung Geistesschutz bzw. Schutz des Geistes, aber auch Instrument des Geistes/Denkens gemeint sein kann. Pancha oder vielmehr Pañcan (पञ्चन्) ist die Zahl Fünf.

Einführung Shanti-Mantras werden zu Beginn, oft auch am Ende vieler Upanischaden platziert. Sie sollen auf den Geist und auch auf das Umfeld des Rezitierenden eine beruhigende Wirkung entfalten. Ferner wird angenommen, dass sie zu Beginn neuer Aufgaben Hindernisse beseitigen können.

Shanti-Mantras bestehen immer aus der heiligen Silbe Om (ॐ) bzw. aum (ओम्) und einer dreimaligen Wiederholung des Wortes shanti. Die Wiederholung ist dreifach, da Hindernisse in den drei Daseinsbereichen besänftigt und entfernt werden sollen. Diese drei Arten von Hindernissen werden als Tapa-Traya bezeichnet (wörtlich drei Qualen – तप – Hitze, Glut, Qual und त्रय – drei, dreifach). Die Rezitation der Shanti-Mantras soll Frieden herstellen.

Diese drei Hemmnisse verteilen sich auf folgende Bereiche:

intern und in unserem Innenleben angesiedelt – bezeichnet als Ādhyātmika (आध्यात्मिक) physischer Natur und aus unserer Umwelt stammend – bezeichnet als Ādhibhautika (आधिभौतिक) übernatürlicher oder göttlicher Natur – bezeichnet als Ādhidaivika (आधिदैविक).

Der Ādhyātmika-Bereich betrifft unseren eigenen Körper und unseren Geist – die Störungen äußern sich als Schmerzen, Krankheiten, Trägheit, geistige Abwesenheit usw. Beim Ādhibhautika-Bereich dringen widrige Einflüsse von der Außenwelt auf uns ein, beispielsweise andere Menschen, wilde Tiere oder auch Unwetter und Naturkatastrophen. Der Ādhidaivika-Bereich schließlich umfasst aus der Außenwelt stammende übernatürliche Einflüsse – aus der Welt der Geister, Götter, Engel und sonstiger übernatürlicher Wesen. Gemeint sind hierbei Schicksalsschläge, Unfälle und sonstige unerklärliche Wendungen.

Hierzu erklärt die Bhagavad Gita im Vers 2.56:

Krishna betont somit, wie wichtig es ist, sich nicht von den drei Arten von Leiden aus dem Konzept bringen zu lassen.

Shanti-Mantras in den Upanischaden mini|hochkant=1.6

Isha-Upanishad Das wohl erhabendste Shanti-Mantra dürfte sich in der Isha-Upanishad finden:

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात् पूर्णमुदच्यते ।

पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ||

Kena-Upanishad und Chandogya-Upanishad Die Kena-Upanishad und die Chandogya-Upanishad enthalten folgendes gemeinsame Shanti-Mantra:

Katha-Upanishad und Taittiriya-Upanishad Folgendes Shanti-Mantra findet sich sowohl in der Katha-Upanishad als auch in der Taittiriya-Upanishad:

Prashna-, Mundaka- und Mandukya-Upanishad mini|hochkant=1.6

Die Prashna-Upanishad, die Mundaka-Upanishad und die Mandukya-Upanishad haben folgendes Shanti-Mantra gemein:

Taittiriya-Upanishad Die Taittiriya-Upanishad enthält in ihrem 1. Anuvāka außerdem einen Friedensweg – ein śāntipāṭha (शान्तिपाठः):

Aitareya-Upanishad mini|hochkant=1.6

Die Aitareya-Upanishad enthält gleich zu Beginn folgenden śāntipāṭha:

Brihadaranyaka-Upanishad In der Brihadaranyaka-Upanishad ist ebenfalls ein Shanti-Mantra enthalten, das so genannte Pavamana-Mantra:

Das Pavamana-Mantra ist möglicherweise aus dem Rigveda hervorgegangen.

Shanti-Mantra in den Veden

Auch in den Veden tritt ein Shanti-Mantra auf, so beispielsweise im Yajurveda (Vers 36.17):

Shanti-Mantra unsicherer Zuordnung mini|hochkant=1.6

Ein Shanti-Mantra, dessen Ursprung sich nicht ermitteln lässt, ist folgendes Mantra, das manchmal auch als Friedensmantra bezeichnet wird:

Siehe auch Mantra Shanti (Sanskrit) Upanishaden Veden

Literatur

Einzelnachweise

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