Rolando Mario Toro Araneda, auch bekannt als Rolando Toro (* 19. April 1924 in Concepción; † 16. Februar 2010 in Santiago de Chile), war ein chilenischer Lehrer, Anthropologe und Psychologe. Darüber hinaus war er auch als Poet und Maler aktiv. Er ist vor allem für die Entwicklung des Biodanza-Systems bekannt, einer tänzerischen Ausdrucksform, die sich inzwischen weltweit verbreitet hat, insbesondere in Südamerika und Europa.

Leben und Wirken Toro Aradena war der Sohn von Gregorio Toro Anstrong und dessen Ehefrau Berta Ines Araneda. Er hatte drei Geschwister Norma, Jorge und Carlos.Maya Lefever, Rodrigo Toro Sánchez: Origenes de la Biodanza - Rolando Toro. Antecedentes y Biografía de Rolando Toro hasta 1973. Chile Fotografía, 7. Februar 2019, auf despertardotespiritual.wordpress.com Sein Vater wurde Todesopfer einer Gewalttat eines psychisch kranken Täters.Vanesa Torres Solano: Biodanzas. 13. Oktober 2016, auf issuu.com hier S. 1

Toro Aradena war mit Prudencia del Pilar Acuña (1931–1990)Prudencia del Pilar Acuña wurde in Venezuela geboren. Sie war die Tochter von María Mercedes Acuña Melgarejo und Prudencio Baquedano Cordero, auf ancestors.familysearch.org verheiratet, mit der er die Söhne Alejandro Toro Acuña (1946–1948) und Leonardo Toro Acuña († 1984) sowie weitere Kinder hatte. Eine Tochter, Cecilia Toro Acuña, ist Direktorin der „Escuela de Biodanza Cordillera de los Andes“ und Hochschullehrerin in Santiago de Chile, die sich wissenschaftlich mit den Wirkungen des Biodanzas beschäftigt.Bases Neurobiológicas del Cerebro Social, auf biodanza.org Rolando Mario Toro Araneda. 19. April 1924–16. Februar 2010, LCZ7-PLN Rodrigo Toro Sánchez, ein weiterer Sohn, setzt sich ebenfalls, auch als Lehrer an der Universität, mit wissenschaftlichen Fragen zum Biodanza auseinander.Biografie zu Rodrigo Toro Sánchez, auf biodanzarodrigotoro.com

Doch zunächst besuchte Toro Aradena die Grundschule in seinem Viertel, dem Barrio de la Plaza Condell in Concepción. Er entstammte einer Pädagogenfamilie; schon sein Großvater war Lehrer in der Stadt Cañete, und seine Mutter sowie sieben seiner Tanten und zwei seiner Brüder waren ebenfalls Lehrer. So war sein Großvater mütterlicherseits Leoncio Araneda Figueroa Lehrer und Schulgründer in eben Cañete, ihm zu Ehren wurde die Schule „Escuela Leoncio Araneda Figueroa“ genannt. Es handelte sich ursprünglich um eine Schule für Jungen und wurde im November 1869 gegründet.RESEÑA El Establecimiento Educacional, Leoncio Araneda Figueroa de Cañete (...)

Bevor Toro Araneda sich für eine Ausbildung zum Grundschullehrer an der „Escuela Normal Superior José Abelardo Núñez“ in Santiago de Chile entschied, verbrachte er drei Jahre mit einem Studium an der medizinischen Fakultät der Universidad de Concepción (Facultad de Medicina de la Universidad de Concepción). Im Jahre 1943 beendete er seine Lehrerausbildung, um in den Jahren von 1944 bis 1957 an verschiedenen Schulen in Chile zu unterrichten, so u. a. in Valparaíso, Talcahuano, Pocuro und Santiago de Chile.¿Quién es Rolando Toro? auf biodanzahoy.cl Schon als Grundschullehrer führte er neue Konzepte und Vorschläge zur künstlerischen Ausbildung von Kindern und psychisch Kranken ein. Zusammen mit verschiedenen sozialen, politischen und kulturellen Organisationen organisierte Toro Araneda 1954 ein großes Kinderfest (Primer Festival del Niño), um die schulischen und sozialen Bedingungen von Kindern zu verbessern.Alfonso Espinosa, Carla Zarlenga: Be Coach: El Cuerpo. Bilineata Publishing, Quito (Ecuador) 2019, auf books.google.de

Aufgrund seiner innovativen Vorstellungen und Konzepte über die schulische Ausbildung lud ihn der Dekan der Universidad de Concepción, Rolando Merino Reyes (1898–1957), ein, eine Reihe von Vorlesungen an der Escuela Educación zu halten. Nach diesen Vorlesungen gründete Toro Araneda ein Laboratorio de Psicología an der Pädagogischen Fakultät der Universität Concepción.Camila Arcos: Efemérides: El 16 de febrero de 2010 murió el chileno Rolando Toro creador de la Biodanza. 16. Februar 2022, auf biobiochile.cl

Ausgehend von diesen Erfahrungen mit den psychopädagogischen Experimenten (experimentación psicopedagógica) beschloss Toro Aradena, unter Vermittlung des Rektors der Universidad Chile, Juan Gómez Millas (1900–1987), am Pädagogischen Institut der Universidad de Chile Psychologie zu studieren. Im Jahre 1964 schloss er sein Studium an der Fakultät für Psychologie des Pädagogischen Instituts der Universität Chile (Instituto Pedagógico de la Universidad de Chile) ab. In dieser Zeit lernte er Claudio Benjamín Naranjo Cohen kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.¿Quién es Rolando Toro? auf biodanzahoy.cl

Arbeit am Centro de Estudios de Antropología Médica (CEAM)

Dank der Intervention von Naranjos trat Toro Araneda in das Centro de Estudios de Antropología Médica (CEAM) (ungefähre Übersetzung „Zentrum für medizinische Anthropologiestudien (CEAM)“), der medizinischen Fakultät der Universität von Chile ein. Es war das Jahr 1965, also nach dem Ende des Psychologiestudiums, als Toro Araneda seine kurze Tätigkeit als Lehrprofessor am Zentrum für medizinische Anthropologie an der medizinischen Fakultät der Universität Santiago de Chile aufnahm. Deren Arbeitsinhalte er in seinen Untersuchungen, später in Buenos Aires weiter vertiefte.

Das Institut stand zu diesem Zeitpunkt unter der Leitung von Francisco Hoffmann Lachnit, dem Ehemann von Lola Hoffmann. Hoffmamm hatte das Institut im Jahre 1959 gegründet. Das Konzept des Institutes lag in der Vervollständigung der Ausbildung von Medizinstudenten, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf dem mit der Berufung des Arztes verbundenen Ziel lag, die Humanwissenschaften aber auch die künstlerische Ausdrucksformen in die Ausbildung von Ärzten zu integrieren. Das von dieser kleinen Gruppe von Pionieren geleitete Forschungszentrum wurde nach einigen Jahren im Jahr 1965 aufgelöst, stellte jedoch „einen bedeutenden Schritt in der chilenischen Medizinkultur im Prozess der Humanisierung der Medizin“ dar.Biografía resumida de Rolando Toro (por Pedro Labbe Toro), auf sefano-brumat.webnode.es Francisco Hoffmann (1902–1981), auf memoriachilena.cl

Für Toro Araneda wurden die beiden zu seinen Mentoren und Lehrern. Francisco Hoffmann war, obgleich von Hause aus Physiologe später stark von C. G. Jung, den er persönlich bei seinen Auslandsaufenthalten kennenlernte, und der analytischen Psychologie geprägt worden.

Toro Araneda wirkte am CEA-Institut noch in dem Jahre 1965.siehe hierzu auch Putsch in Chile 1973 Am CEAM führte er Seminare zur medizinischen Anthropologie, Philosophie und Psychologie. So wurde Toro Araneda Teil eines multidisziplinären Teams, dessen Ziel es war, die Lebensqualität psychisch kranker Menschen zu verbessern und ihre Beziehungen zum betreuenden medizinischen Personal der psychiatrischen Klinik von Santiago zu verbessern. Hierzu probierte er verschiedene Therapieansätze und -systeme aus und machte seine ersten Versuche im Bereich des therapeutischen Tanzes.

Wie Toro Araneda in einem Interview mit Isabel Allende für die „Revista Paula“ im März 1968 berichtete, erhielt das CEAM-Institut Ende der 1960er Jahre einige LSD-Proben aus dem Schweizer Sandoz-Laboratorium, die für Forschungszwecke bzw. für mögliche therapeutische Anwendungen des Lysergsäurediethylamids (LSD) verwendet werden sollten. Die Proben enthielten aber keine expliziten Anweisungen zur Einnahme dieser neuen Substanz sowie Informationen zu Risiken und Kontraindikationen.

Toro Araneda, Claudio Naranjo und Ludwig Zeller Ocampo (1927–2019) bildenden eine Arbeitsgruppe und verlosten unter den dreien, wer zuerst das LSD einnehmen werden würde; es war Toro Araneda.Entrevista con Rolando Toro publicada en el numero de junio de la revista Cáñamo Chile. „Lo cotidiano habla en voz baja con lo eterno.“ 21. Juni 2009, Bericht über das Interview in einer englischen Übersetzung von Matías Wolff erfolgte aus der auf Mikrofilm gespeicherten Ausgabe der „Revista Paula“ aus der Nationalbibliothek von Chile Paula, nº 9, marzo de 1968 (BN: microfilm, RCH 1583), S. 62–65 und 119–120, auf biodanzaassociation.uk

Aus den Erfahrungen mit dem LSD entstand ein Kontakt und eine lebenslange Freundschaft zu Albert Hofmann, dem Entwickler des LSDs. Er gab ihm eine bestimmte Menge Dosen für wissenschaftliche Forschung. Aus den Erfahrungen und Erlebnissen mit der neuen Substanz versammelten sich Ende der 1960er Jahre ein großer Teil der Kulturszene Santiagos in seinem Haus in der „1 a Avenida Los Olmos“ (Ñuñoa, Santiago de Chile), darunter der Jazzmusiker Alejandro Jodorowsky, bekannte Avantgarde-Schauspieler und Psychologen und andere Intellektuelle, die an Experimenten mit Halluzinogen interessiert waren. Die aus diesen Experimenten hervorgegangenen Werke wurden in der mythischen Kunstgalerie „Casa de la Luna“ in der Calle Villavicencio in Santiago gezeigt, deren Besitzer Susana Wald (* 1937) und Ludwig Zeller (1927–2019) waren.Rolando Toro Aradena.[16.669] Poetas Siglo XXI - Antologia Mundial + 20.000 POETAS: Editor: Fernando Sabido Sánchez #Poesía, 31. Juli 2015, auf poetassigloveintiuno.blogspot.com Ludwig Zeller y Susana Wald vuelven a levantar la bandera del surrealismo, auf radio.uchile.cl

Aus diesen Aktivitäten in besagtem Haus entstanden auch die „Juegos de Psicodanzas“ die sich zum Beginn der 1970er Jahre etablierten und surreale Darstellungen, Theater, Gesang, Poesie, Tanz und Musik berücksichtigten. Die Präsentationen und Aufführungen fanden in zahlreichen Theatern in Santiago de Chile statt.

Lehrstuhl für Psicología del arte y la expresión am Instituto de Estética und weitere berufliche Aktivitäten in Lateinamerika

Nach seinem Psychologiestudium war ihm ein Lehrstuhl für Psicología del arte y la expresión („Kunst- und Ausdruckspsychologie“) am Instituto de Estética de la Pontificia Universidad Católica de Chile an der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile (Pontificia Universidad Católica de Chile (PUC)) angeboten worden. Auf dem Campus Oriente der Universidad Católica in Chile, im Rahmen des Programms des Instituto de Estética, bot er 1972 den ersten Kurs in „Psicodanza“ (curso de psicodanza) an. Toro Aranedas Konzept der Vivencia (zu spanisch „Erlebnis“) weist deutliche Ähnlichkeiten zur Konzeption des „Erlebnis“ in der Psychologie von Wilhelm Dilthey auf, wonach das „Erlebtsein“ einen besonderen Nachdruck hatte, das ihm so eine bleibende Bedeutung verleiht.Teresinha de Oliveira Sassi: Biodanza: Dançando a vida com simplicidade e alegria. In: José Henrique Volpi; Sandra Mara Volpi (Hrsg.): Congresso Brasileiro de Psicoterapias Corpais. Curitiba/PR. Centro Reichiano, 2008, auf centroreichiano.com.br

Die im Jahre 1965 begonnenen Forschungen zur Musik- und Tanztherapie mit psychiatrischen Patienten im psychiatrischen Krankenhaus von Santiago brachten ihm einen späteren Ruf als Professor an der Universidad Abierta Interamericana (UAI) in Buenos Aires ein.

Toro Araneda forschte u. a. über das Unbewusste in den verschiedenen Bewusstseinszuständen und beschäftigte sich mit Fragen der psychosomatischen Medizin.

Zwischen 1968 und 1973 machte er seine ersten Erfahrungen mit Biodanza, das anfangs noch „Psicodanza“ genannt wurde. Toro Araneda wandte dieses System in der psychiatrischen Klinik von Santiago und im Institut für Ästhetik (Instituto de Estética) der Katholischen Universität von Chile an.

In diesen Jahren führte er auch Forschungen zur Gewalt im Gefängnis von Santiago (Cárcel Pública de Santiago) durch. Darüber hinaus gehörte er dem Forschungsinstitut der Psychiatrischen Klinik von Santiago de Chile an (Instituto de Investigación del Hospital Psiquiátrico de Santiago).