350px Sinéad O’Connor (1987) Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1990.
Zu den erfolgreichsten Künstlern gehörte Phil Collins. Sein viertes Album …But Seriously, das Ende 1989 erschienen war, war in mindestens 22 Ländern auf Platz eins der Albumcharts und brachte mehrere Hitsingles hervor, darunter Another Day in Paradise. Auch in Deutschland war es das erfolgreichste Album. Hierzulande war Verdammt, ich lieb’ Dich von Matthias Reim die erfolgreichste Single – in der Schweiz kam sie auf Platz zwei, nur Nothing Compares 2 U von Sinéad O’Connor war hier erfolgreicher.
Ereignisse mini|hochkant=0.8|Phil Collins (hier in den 1980er-Jahren) gelang mit …But Seriously ein Nummer-eins-Erfolg in 22 Ländern Populäre Musik und Jazz 1. Januar: Die US-amerikanische Sängerin Whitney Houston startet in Yokohama ihre Feels So Right Tour. 6. Januar: Die britische Band Tears for Fears startet in Dublin ihre The Sowing the Seeds of Love World Tour. 8. Januar: Sinéad O’Connor bringt Nothing Compares 2 U heraus, das Prince ursprünglich 1985 für dessen Projekt The Family geschrieben hatte. 21. Januar: Erstmals wird MTV Unplugged auf MTV ausgestrahlt. Die erste teilnehmende Band ist Squeeze. 6. Februar: Billy Idol hat einen schweren Motorradunfall und erleidet viele Knochenbrüche. Durch den Unfall kann er zwei Filmrollen nicht oder nur teilweise spielen: Die in Film The Doors von Oliver Stone wird stark reduziert, und die als T-1000 in Terminator 2 – Tag der Abrechnung wird neu besetzt. 6. Februar: Der Geburtstag Bob Marleys wird in Jamaika erstmals als Nationalfeiertag begangen. 14. Februar: 50.000 Fans erleben das erste von zehn Konzerten der Rolling Stones im Tokyo Dome in Tokio – der Auftakt ihrer ersten Japan-Tournee. Die Band sollte ursprünglich bereits 1973 dort auftreten, doch eine Verurteilung Mick Jaggers wegen Drogendelikten verhinderte damals dessen Visumserteilung. 16. Februar: Ike Turner wird wegen Kokainbesitzes zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. 18. Februar: Bei den BRIT Awards 1990 werden die Fine Young Cannibals mit zwei Preisen ausgezeichnet. Die Bandmitglieder geben die Preise jedoch wenig später unter Protest zurück, als bei dieser Veranstaltung eine Videobotschaft der britischen Premierministerin Margaret Thatcher eingespielt wird. 21. Februar: Bei den Grammy Awards 1990 in Los Angeles gewinnt Bette Midler in zwei Hauptkategorien, Bonnie Raitt in einer weiteren. Der an Milli Vanilli vergebene Grammy als Best New Artist wird später widerrufen. 24. Februar: Die ehemaligen The-Byrds-Mitglieder Roger McGuinn, Chris Hillman und David Crosby kommen nach 25 Jahren erstmals wieder zusammen, um bei einem Gedenkkonzert für Roy Orbison in Los Angeles aufzutreten. Unerwartet gesellt sich Bob Dylan zu ihnen auf die Bühne und singt gemeinsam mit ihnen Mr. Tambourine Man. 26. Februar: Phil Collins startet im japanischen Nagoya seine Seriously Live! World Tour. 1. März: Die US-amerikanische Sängerin Janet Jackson startet in Miami ihre Rhythm Nation World Tour 1990. 4. März: Der britische Singer-Songwriter David Bowie startet in Quebec City seine Sound+Vision Tour. 5. März: Die Wildecker Herzbuben veröffentlichen ihren Titel Herzilein. 15. März: MCA Inc. erwirbt das Label Geffen Records für über 550 Millionen US-Dollar in Aktien. Laut Vereinbarung wird David Geffen das Plattenlabel weiterhin im Rahmen eines Arbeitsvertrags leiten. 16. März: Flea und Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers werden verhaftet und wegen eines Vorfalls zwei Tage zuvor bei einem Auftritt in Daytona Beach angeklagt, bei dem sie angeblich eine Zuschauerin sexuell angegriffen und verbal beleidigt hatten, nachdem sie von der Bühne gesprungen waren. Sie werden gegen eine Kaution von 2.000 Dollar freigelassen. 19. März: Andrew Wood, Sänger von Mother Love Bone, verstirbt, nachdem er drei Tage zuvor im komatösen Zustand nach Drogenkonsum in seinem Haus aufgefunden wurde. Zwei der verbliebenen Mitmusiker veröffentlichen 1991 mit seinem Mitbewohner Chris Cornell (Soundgarden) als Temple of the Dog ein ihm gewidmetes Album, die Band Pearl Jam wird noch 1990 von zwei seiner Bandkollegen gegründet, womit sich eine der wichtigsten Keimzellen des Grunge formierte. 20. März: Gloria Estefan erleidet bei einem Unfall mit ihrem Tourbus mehrere Knochenbrüche im Rückenbereich und muss sich auf eine langwierige Rehabilitation einstellen. 20. März: In der Innenstadt von Los Angeles bricht beinahe ein Aufruhr aus, als Depeche Mode bei einem Auftritt geschätzte 20.000 Menschen anlockt, die sich ihre Exemplare des neuen Depeche Mode-Albums Violator signieren lassen wollen. 23. März: Die britisch-US-amerikanische Rockband Fleetwood Mac startet in Brisbane ihre Behind the Mask Tour. Die Tournee endet nach 101 Konzerten am 7. Dezember 1990 in Inglewood. 23. März: Beim Deutschen Jazzfestival präsentieren sich Steve Coleman, Greg Osby und Cassandra Wilson mit weiteren Musikern als M-Base-Kollektiv. 25. März: Mötley-Crüe-Sänger Tommy Lee wird verhaftet, weil er während eines Auftritts in Augusta (Georgia) angeblich sein Gesäß entblößt hat. 28. März: Die Go-Go’s kommen für ein Benefizkonzert zugunsten des kalifornischen Umweltschutzgesetzes wieder zusammen. Im Laufe des Jahres geben sie noch mehrere weitere Reunion-Konzerte. 2. April: Nach einem Jahrzehnt von Erfolgen in französischsprachigen Ländern veröffentlicht Céline Dion mit Unison ihr erstes englischsprachiges Album. 5. April: Michael Jackson wird im Weißen Haus von George H. W. Bush als „Künstler des Jahrzehnts“ ausgezeichnet. 6. April: Mötley-Crüe-Sänger Tommy Lee erleidet eine leichte Gehirnerschütterung, nachdem er während eines Auftritts in New Haven (Connecticut) von einem Gerüst über seinem erhöhten Schlagzeug gefallen ist. 7. April: Neil Young, Elton John, Kris Kristofferson, Willie Nelson, John Mellencamp, Guns N’ Roses und Jackson Browne treten beim Benefizkonzert Farm Aid IV in Indianapolis auf. John widmet während seines Auftritts sein Lied Candle in the Wind dem AIDS-Patienten Ryan White, der am darauffolgenden Tag stirbt. 12. April: The Stone Roses werden zu einer Geldstrafe von 6.000 Pfund verurteilt, nachdem sie die Büros ihres ehemaligen Labels FM Revolver beschädigt und Vandalismus begangen hatten. Die Band hatte Anstoß an einem Video genommen, das ihr ehemaliges Label für die Wiederveröffentlichung ihrer Single Sally Cinnamon produziert hatte. 13. April: In Chiba, Japan, startet Madonnas Blond Ambition Tour, die bis zum 13. August weltweit 57 Konzerte umfasst. 16. April: Nach 1988 findet zum zweiten Mal ein Tributkonzert für den kürzlich freigelassenen Anti-Apartheid-Aktivisten Nelson Mandela im Londoner Wembley-Stadion statt, der bei dieser Veranstaltung eine vorab aufgezeichnete 45-minütige Rede hält. Zu den teilnehmenden Künstlern gehören Anita Baker, Tracy Chapman, Peter Gabriel, die Neville Brothers und Neil Young. 24. April: Janet Jackson wird mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt. 25. April: Jimi Hendrix‘ Fender Stratocaster, auf der er 1969 beim Woodstock-Festival seine berühmte Version der US-amerikanischen Nationalhymne The Star Spangled Banner spielte, wird in London für 295.000 Dollar versteigert. 27. April: Tina Turner startet in Antwerpen ihre Foreign Affair: The Farewell Tour. Die Tournee endet nach insgesamt 121 Konzerten am 4. November 1990 in Rotterdam. 27. April: Guns-N’-Roses-Sänger Axl Rose heiratet das Model Erin Everly, Tochter des Sängers Don Everly von den Everly Brothers, in Las Vegas. Nur einen Monat später reichen beide die Scheidungspapiere am 24. Mai ein, ziehen sie dann zurück und reichen sie im Oktober erneut ein. 5. Mai: Toto Cutugno gewinnt in Zagreb mit dem Lied Insieme: 1992 für Italien die 35. Auflage des Eurovision Song Contest. Mit 46 Jahren ist Cutugno der bis dato älteste Gewinner des Wettbewerbs; ein Rekord, den er bis ins Jahr 2001 hält. 15. Mai: Mit Vision of Love erscheint die Debütsingle der zu diesem Zeitpunkt 21-jährigen Mariah Carey. Zur Single müssen zwei Musikvideos gedreht werden, da Carey darauf besteht, sich in der ersten Version freizügig im Bikini zu zeigen. Diese erste Version wird zwar abgedreht, jedoch befürchtet Regisseur Bojan Bazelli, dass Musiksender das Video zensieren, bzw. erst nach 23:00 Uhr ausstrahlen werden. Carey fordert daraufhin den Dreh eines neuen Musikvideos, diesmal unter der Regie von Andy Morahan. Laut dem Rolling Stone soll die Produktion beider Musikvideos ca. 450.000 US-Dollar gekostet haben, zu diesem Zeitpunkt ein ungewöhnlich hohes Budget für eine Newcomerin. 28. Mai: Die britische Synthie-Pop-/Synth-Rock-Band Depeche Mode startet in Pensacola ihre World Violation Tour. Die Tournee endet am 27. November 1990 nach 88 Konzerten in Birmingham. 29. Mai: In Toronto droht die örtliche Polizei Madonna mit Verhaftung, falls sie während ihrer Performance von Like a Virgin auf ihrer Blond Ambition Tour eine simulierte Masturbationsszene aufführt. Madonna weigert sich, ihre Show zu ändern, und die Polizei beschließt, keine Anklage zu erheben. Später bestreitet sie, jemals damit gedroht zu haben (eine Behauptung, die durch Filmmaterial widerlegt wird, das während der Dreharbeiten zu Madonnas Tournee-Dokumentarfilm In Bed with Madonna aufgenommen wurde.) 10. Juni: Mitglieder der Hip-Hop-Gruppe 2 Live Crew werden nach einem Auftritt in einem Nachtclub in Hollywood (Florida) wegen Obszönität verhaftet und angeklagt. 12. Juni: Mariah Carey veröffentlicht ihr gleichnamiges Debütalbum, das sich weltweit mehr als 15 Mio. mal verkauft. 30. Juni: In Knebworth findet ein Benefiz-Konzert zugunsten der Nordoff/Robbins Charity Organization statt, die Musiktherapien für Kinder mit psychischen, physischen oder Entwicklungsstörungen ermöglicht. Bei dieser Veranstaltung wirken Tears for Fears, Status Quo, Cliff Richard & The Shadows, Robert Plant, Phil Collins, Genesis, Eric Clapton, die Dire Straits, Elton John, Paul McCartney und Pink Floyd mit. 14. Juli: Ein Konzert von Jean Michel Jarre in Paris la Défense wird von geschätzten 2,5 Millionen Zuschauern gesehen. 14./15. Juli: Im Rahmen seiner Seriously Live! World Tour gastiert Phil Collins zweimal in der ausverkauften Berliner Waldbühne. Der zweite Auftritt wird live in den dritten Programmen der ARD übertragen und für Collins’ offizielles Konzertvideo Seriously Live in Berlin mitgeschnitten. 21. Juli: Roger Waters und viele weitere Künstler führen Pink Floyds The Wall in Berlin auf, um den Fall der Berliner Mauer acht Monate zuvor zu würdigen. Die Scorpions, Cyndi Lauper, Thomas Dolby, Sinéad O’Connor, The Band und Bryan Adams treten ebenfalls auf. 1. August: UB40 erhalten ein Aufenthaltsverbot auf den Seychellen, nachdem sie dort wegen des Verdachts auf Besitz von Marihuana festgenommen wurden. 13. August: Während eines Auftritts von Curtis Mayfield bei einem Open-Air-Konzert in Flatbush stürzt ein Teil der Bühnenbeleuchtung auf den Sänger herab. Mayfield ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt und stirbt 1999 an den Spätfolgen dieses Unfalls. 24. August: Ein Gericht kommt zu dem Urteil, dass die Heavy-Metal-Band Judas Priest nicht für die Taten zweier Jugendlicher aus Nevada verantwortlich ist, die sich im Dezember 1985 nach dem Hören der Musik der Band selbst erschossen hatten, einer davon tödlich. 24. August: Sinéad O’Connor sorgt für Kontroversen, als sie sich weigert, ein Konzert in Holmdel zu geben, es sei denn, der Veranstaltungsort Garden State Arts Center bricht mit seiner Tradition, vor dem Auftritt eine Aufnahme der US-amerikanischen Nationalhymne The Star-Spangled Banner zu spielen. O’Connor wird für diesen Schritt heftig kritisiert, ihre Musik wird daraufhin von mehreren örtlichen Radiosendern aus dem Programm genommen und verärgerte Fans verbrennen ihre Platten. 24./25. August: Das Wacken Open Air, später Europas größtes Metal-Festival, findet zum ersten Mal statt.