Moorhuhn ist eine Serie von Videospielen im Shooter-Genre. Seit der ungeplanten Veröffentlichung und nachfolgenden Verbreitung des ersten Titels als Shareware, obwohl dieser ursprünglich lediglich als kleineres Werbespiel konzipiert war, gewann die Reihe schnell an Beliebtheit. In den frühen 2000ern galt Moorhuhn als Deutschlands beliebtestes Computerspiel und entwickelte sich schnell zu einem plattformübergreifenden Franchise mit einer Vielfalt an Ablegern und Merchandise.
Geschichte Das erste Moorhuhn-Spiel (inzwischen als Die Original Moorhuhnjagd vertrieben) wurde 1998 von der in Bochum sitzenden Werbeagentur Art Department als Werbespiel für die Whisky-Marke Johnnie Walker in Auftrag gegeben. Die Entwicklung übernahmen die niederländischen Witan Studios. Das Konzept eines Werbespiels für Johnnie Walker entstammte ursprünglich bereits 1997 einer anderen Werbeagentur, namhaft der in Hamburg sitzenden Vorwerk & Buchholz. Witan Studios zeigte auf der Demo-Party Bizarre 98 einen Prototyp des Spiels, damals noch unter dem Namen KippenSchieten.
Im Oktober 1998 wurde das Spiel als Virtuelle Moorhuhnjagd dann von einem als Jäger verkleideten Werbeteam in ausgewählten Kneipen auf Laptops bereitgestellt. Obwohl eine weitere Verbreitung nie geplant war, tauchte das Spiel knapp ein Jahr später auf einer Vielzahl an privaten Websites auf. Was von den Herausgebern anfangs noch kritisch betrachtet wurde, sorgte bald für ein unerwartet hohes öffentliches Interesse an der Marke, weswegen das Spiel ab 1999 offiziell von Art Department zum Download bereitgestellt wurde. Es erfreute sich im deutschen Sprachraum dermaßen großer Beliebtheit, dass es von verschiedenen Medien sogar als Bedrohung für die Geschäftsergebnisse von Unternehmen beschrieben wurde, da die Mitarbeiter angeblich aufgrund der einfachen Zugänglichkeit und Teilbarkeit (das Originalspiel hatte nur eine Dateigröße von circa zwei Megabyte, sodass es per E-Mail verschickt werden konnte) viele Stunden am Arbeitsplatz mit Spielen verschwendeten.
Der Spieleentwickler und Urheberrechtsinhaber des Franchise ging Ende 1999 auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase an die Börse und erreichte einen Marktwert von bis zu einer Milliarde Euro.
Im Jahr 2002 erfuhr der Aktienwert der Phenomedia AG dann einen drastischen Einbruch, nachdem bekannt wurde, dass gegen Führungskräfte des Unternehmens wegen Bilanzfälschung ermittelt wurde. Vorstandsvorsitzender Markus Scheer und Finanzvorstand Björn Denhard, welche die Fälschungen gestanden hatten, wurden entlassen. Im Jahr 2009 wurden sie wegen Kapitalanlagenbetrugs und anderer Verstöße zu 46 bzw. 36 Monaten Haft verurteilt. Anschließend verließ Scheer die Videospielbranche, wandte sich stattdessen der Politik zu und galt als „mächtiger Strippenzieher“ der rechtsextremen AfD in Nordrhein-Westfalen, bis er 2022 mit Bündnis Deutschland seine eigene Partei gründete.
Für die Phenomedia AG wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, in dessen Rahmen ihre Marken, darunter die Rechte für die Moorhuhn-Reihe, an die neugegründete Phenomedia publishing GmbH gingen. Diese widmete sich weiterhin der Entwicklung und Veröffentlichung von Computerspielen, bis die GmbH 2017 liquidiert wurde und die Marke an die ak tronic Software & Services GmbH ging, welche zuvor bereits als Publisher für mehrere Moorhuhn-Spiele agierte.
Stand 2025 sind mehrere Spiele der Reihe in Deutschland auf Steam aus rechtlichen Gründen gesperrt. Dies betrifft unter anderem "Moorhuhn (Crazy Chicken)", "Moorhuhn Invasion (Crazy Chicken Invasion)" und "Moorhuhn / Crazy Chicken Tales".
Spielprinzip links|mini|Abstrakte Darstellung einer typischen Spielszene Innerhalb der Hauptserie, deren Konzept vom schottischen Glorious Twelfth abgeleitet ist, besteht das Ziel des Spiels normalerweise darin, einen Highscore zu erreichen, indem man im Rahmen des Shooter-Genres die titelgebenden Moorhühner abschießt. Dafür stehen den Spielern pro Runde meist 90 Sekunden und eine unendliche Menge an Munition zur Verfügung. Ab Moorhuhn 2 – Die Jagd geht weiter beinhalteten die Spiele auch eine Vielfalt an Rätseln und Geheimnissen, welche sich durch das Abschießen von verschiedenen Objekten auf dem Bildschirm zu einem bestimmten Zeitpunkt und/oder in einer bestimmten Reihenfolge lösen lassen. Der Umstand, dass diese die Punktzahl auch deutlich mehr erhöhten als die regulären Moorhühner, trug viel zum Wettbewerb und zur Diskussion zwischen Spielern bei. Spätere Einträge fügten zudem noch Elemente wie eine größere Vielfalt an Nicht-Spieler-Charakteren, Minispielen nach einer erfolgreichen Runde oder mehrere Level hinzu.
Abgesehen von den Shooter-Spielen beinhaltet das Moorhuhn-Franchise auch eine Vielfalt an Ablegern, wie etwa die Mario-Kart-inspirierte Moorhuhn-Kart-Reihe, die sich als Point-and-Click spielende Moorhuhn-Adventure-Reihe, die Moorhuhn-Jump-'n'-Run-Plattformer, die Moorhuhn-Sportspiele, sowie viele weitere Spiele, welche Moorhuhn-Charaktere und -Schauplätze verwenden.
Charaktere Das Franchise enthält eine Reihe fiktiver wiederkehrender Charaktere:
Moorhuhn: Die namensgebende Spezies der Serie. Diese ursprünglich von Ingo Mesche im Jahr 1992 für das unveröffentlichte Commodore-Amiga-Spiel Duckling entworfenen Hühner gelten als „Deutschlands beliebteste Computerspiel-Figur“. Ihr aktuelles Design, welches seit Moorhuhn X verwendet wird, wurde von 3D-Künstler Ernst Weber kreiert. In ihren Erscheinungen zeigen sie häufig Anzeichen von humanoider Intelligenz, indem sie etwa Werkzeuge verwenden, wie eine organisierte Gesellschaft untereinander interagieren, Kostüme tragen und individuelle Charaktereigenschaften haben. Moorhuhn Indy: Eine Moorhuhn-Karikatur von Indiana Jones. Der Charakter fungiert als Hauptfigur der Moorhuhn Adventure-, sowie Moorhuhn Jump'n Run-Ableger und hatte kleinere Auftritte in verschiedenen anderen Spielen der Reihe. Über die Jahre haben sich für Moorhuhn Indy eigene Charaktereigenschaften (wie eine Mischung aus Abenteuerlust und kindlicher Naivität, gepaart mit einer allgemeinen Unbeholfenheit, die sowohl in seinen Dialogen als auch in seinen Handlungen zum Ausdruck kommt) sowie eine Hintergrundgeschichte etabliert, die seinen Wohnsitz (ein Schloss im schottischen Hochland) und seine Großfamilie, wie etwa seinen Geister jagenden Großvater, umfasst. Moorfrosch: Dieser Frosch diente als Einführung in die Geheimnis- und Rätselmechaniken, die ab Moorhuhn 2 – Die Jagd geht weiter zu einer tragenden Säule der Serie wurden. Er sollte die Aufmerksamkeit der Spieler dadurch erregen, dass er entweder einerseits quakend in Sichtweite saß, jedoch jeglichen Geschossen auswich, sofern nicht bestimmte andere Bedingungen erfüllt waren, oder andererseits als Ausgangspunkt eines eigenen Rätsels diente. Anschließend hatte er mehrere Auftritte in der Moorhuhn-Kart-Serie, trat als Reittier in Moorhuhn – Das verbotene Schloss auf und erhielt sein eigenes Videospiel. In einer Pressemitteilung wurde er offiziell als „die kleine, grüne Nervensäge aus Moorhuhn 2 und dem Online Game der zweiten Meisterschaft“ bezeichnet. Hank: Ein Maulwurf, der in der Moorhuhn Winter-Edition eingeführt wurde. Während sein ursprünglicher Zweck darin bestand, dem Spieler als Tutorial-Charakter zu dienen, wurde er in späteren Teilen stärker eingebunden, wie zum Beispiel in Moorhuhn Wanted, wo Hank aus seinem Maulwurfshügel gelockt werden muss, um den Schlüssel zum nächsten Level aus seinen Händen zu schießen. Abgesehen von seinen Auftritten in der Moorhuhn-Kart-Reihe war er später in seinem eigenen Spiel spielbar, in welchem dem seine Mission darin bestand, den Urus, einer fiktiven Rasse von Erdgeistern, Schätze zu stehlen. Kröt: Diese anthropomorphe Schildkröte tauchte zum ersten Mal in Moorhuhn 3 – Es gibt Huhn! unter dem Namen „Marzipan“ auf und bewachte dieselben Babyschildkröten, die schließlich zum Hauptschwerpunkt eines eigenen Spiels werden sollten. Während ihn frühere Auftritte, etwa in der Moorhuhn-Kart-Serie, ohne viele Unterscheidungsmerkmale zeigten, stattete ihn sein eigener Ableger mit einer Schutzbrille, einem Raketenrucksack und einer Laserpistole aus. Lesshuhn: Ein enger Verwandter des Moorhuhns, welcher in Moorhuhn 3 – Es gibt Huhn! eingeführt wurde. Die Spezies wird als derart unintelligent beschrieben, dass ihre Dummheit sie zu einer bedrohten Art am Rande des Aussterbens gemacht hat, weswegen der Abschuss eines Lesshuhns üblicherweise mit Punktabzug bestraft wird. Ihr Name ist ein Wortspiel, welches auf der Tatsache basiert, dass das „Moor“ im Namen des Moorhuhns dem englischen Wort „more“ (dt.: mehr) ähnlich klingt, zu dem „less“ (dt.: weniger) das natürliche Gegenteil wäre. Darüber hinaus ähnelt ihr Name dem des Blässhuhns.
Liste von Moorhuhn-Spielen
Hauptserie TitelDetailsKurzbeschreibungDie Original MoorhuhnjagdErscheinungsdatum:23. Dezember 1999Ursprüngliche Systeme: PC – 1999 Game Boy Color – 2000 PalmOS – 2001 Java – 2002
Remake:
PC – 2005 Browser – 2005 iOS, Android – 2017 Nintendo Switch – 2018 PlayStation 5 – 2021Ursprünglich als Werbespiel im kleinen Maßstab konzipiert (sämtliche Anspielungen an echte Marken wurden in späteren Versionen entfernt), bietet dieser Shooter dem Spieler 90 Sekunden und unendlich viel Munition, um durch das Abschießen verschiedener Elemente in einer schottischen Landschaft – hauptsächlich die titelgebenden Moorhühner, welche umso mehr Punkte vergeben, je ferner sie im Hintergrund sind – so viele Punkte wie möglich zu erreichen.
Das 2005 erschienene Remake enthält lediglich visuelle Aktualisierungen des Spiels, während spätere Neuveröffentlichungen auch Elemente aus Moorhuhn 3 hinzufügen.Notizen: Original-Versionen veröffentlicht von Ravensburger Interactive Media PC-Version des Remakes von veröffentlicht von ak tronic Software & Services GmbH Spätere Versionen des Remakes veröffentlicht von Higgs Games Die Java-Version heißt Moorhuhn Classic Eine spezielle Browserversion wurde für die 1. Deutsche Moorhuhn-Meisterschaft veröffentlicht, wobei der einzig nennenswerte Unterschied die Online-Highscore-Tabelle istMoorhuhn 2 – Die Jagd geht weiter Erscheinungsdatum:20. September 2000Systeme: PC – 2000 PlayStation – 2000 Game Boy Color – 2001 Mac – 2001Die sich ähnlich dem Original spielende Fortsetzung fügt viele weitere abzuschießende Objekte hinzu, von denen manche miteinander interagieren und dem Spieler als Rätsel dienen, die es zu lösen gilt. Diese Rätsel sollten zu einem Hauptbestandteil der Serie werden. Auch Geheimnisse wie eine versteckte Version von Snake wurden implementiert. Spielt in der Nähe eines schottischen Dorfes.Notizen: Veröffentlicht von Ravensburger Interactive Media Mac-Version veröffentlicht von Arktis Software GmbH Das Snake-Minispiel wurde auch alleinstehend über Adobe Flash veröffentlicht Eine spezielle Browserversion wurde für den zweiten Moorhuhn Online-Contest Deutschland veröffentlichtMoorhuhn Schweizer MeisterschaftErscheinungsdatum:1. März 2001Systeme: Browser – 2001Ein Trainingsspiel für die titelgebende Schweizer Moorhuhn-Meisterschaft, welches sich ähnlich zu Moorhuhn 2 spielt, aber von seinem alpinen Schauplatz mit neuen Rätseln, die sich um Elemente wie einer Berghütte oder einen vorbeifahrenden Bus drehen, Gebrauch macht.Notizen: Veröffentlicht von BluewinMoorhuhn Winter-EditionErscheinungsdatum:18. März 2001Systeme: PC – 2001Als eigenständiges Add-on ähnelt dieses Spiel sehr Moorhuhn 2, nur mit dem Unterschied, dass die Landschaft und dementsprechend einige Rätsel nun winterlich angehaucht sind. Das Spiel enthält Werbung für Haribo.Notizen: Veröffentlicht von Ravensburger Interactive MediaMoorhuhn PottmastersErscheinungsdatum:17. März 2001Ursprüngliche Systeme: Browser – 2001
2003er-Version: