Das Zen-Glossar erläutert häufig verwendete Begriffe und ihre Zusammenhänge aus dem japanischen Zen-, dem chinesischen Chan-, dem vietnamesischen Thiền- und dem koreanischen Seon-Buddhismus.
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Achtsamkeit (mindfulness) Achtsamkeit (englisch mindfulness) bezeichnet einen Zustand von Geistesgegenwart, in dem ein Mensch hellwach die gegenwärtige Verfasstheit seiner direkten Umwelt, seines Körpers und seines Gemüts erfährt, ohne von Gedankenströmen, Erinnerungen, Phantasien oder starken Emotionen abgelenkt zu sein, ohne darüber nachzudenken oder diese Wahrnehmungen zu bewerten. Achtsamkeit kann demnach als Form der Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit einem besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand verstanden werden, als spezielle Persönlichkeitseigenschaft sowie als Methode zur Verminderung von Leiden (im weitesten Sinne).Achtsamkeit kann klar von Konzentration unterschieden werden.Henepola Gunaratana: Achtsamkeit und Konzentration. In: ds.: Die Praxis der Achtsamkeit. Eine Einführung in die Vipassana-Meditation. Kap. 14, Kristkeitz, Heidelberg 1996, S. 161–169.Bhikkhu Analayo: Mindfulness in the Pali Nikayas. In: K. Nauriyal: Buddhist Thought and Applied Psychological Research. Routledge Curzon, London, S. 229–249.Akincano Marc Weber: Achtsamkeit – ein Begriff zwischen den Welten. Teil 1: Zur Psychologie buddhistischer Geistesgegenwart. In: Transpersonale Psychologie und Psychotherapie. 15/2, 2009, S. 71–82.Akincano Marc Weber: Achtsamkeit – ein Begriff zwischen den Welten. Teil 2: Buddhistische Geistesgegenwart in therapeutischer Praxis. In: Transpersonale Psychologie und Psychotherapie. 1, 2010, S. 61–73. Konzentration besteht darin, sich aufmerksam auf ein bestimmtes Objekt oder einen Objektbereich wie etwa eine Schriftzeile einzustellen, darauf seinen Blick zu fokussieren und seine ganze Aufmerksamkeit für diesen begrenzten Bereich seiner Wahrnehmung aufzuwenden. „Achtsamkeit“ hat eine dazu entgegengesetzte Ausrichtung.Von den vielen Aspekten des Begriffs „Achtsamkeit“ ist zuallererst der zu beachten, dass er ein alltagspsychologischer Begriff der deutschen Umgangssprache und entsprechend „unscharf“ ist. Durch die außerkulturellen Einflüsse aus dem Buddhismus ist er inzwischen noch vieldeutiger geworden, wie in den erläutert wird. Hier wird der Fokus der Aufmerksamkeit nicht gezielt eingeengt, sondern vielmehr weit gestellt.Im Buddhismus wird Achtsamkeit (Pali: Sati) zusammen mit konzentrativer Meditation (Samatha) praktiziert, so dass beides als Grundlage für das Erkennen (Vipassana) dient. Achtsamkeit ist das 7. Glied des Edlen Achtfachen Pfades, der erste Punkt der Sieben Faktoren des Erwachens sowie die dritte Fähigkeit der insgesamt Fünf Fähigkeiten: Vertrauen, Energie, Achtsamkeit, Sammlung, Weisheit (Prāñja).
Allmähliche Erleuchtung Ist die Überzeugung, dass Erwachen in mehreren Schritten über einen längeren Zeitraum erreicht werden kann. Im Japanischen gibt es dafür den Begriff Zengo.
Anderes Ufer Deutsche Übersetzung für Pāramitā.
Ango Regenzeit-Retreat, ursprünglich in Indien die Zeit während der Monsunzeit, in der Nonnen und Mönche in einem Tempel oder Kloster intensiv praktizieren. Der Begriff bedeutet wörtlich „friedliches Verweilen“ und ist die japanische Übersetzung des Sanskrit-Wortes „vârsika“. Der Brauch geht auf die Zeit des historischen Buddha zurück, der sich mit seinen Anhängern während der jährlichen Monsunzeit niederließ, da die buddhistische Ordensregel (Vinaya) das Reisen während der Regenzeit verbot. Heute hält die japanische Sangha das Sommer-Retreat als eines von zwei jährlichen Retreats ab. Während der Klausur halten sich die Mönche und Nonnen streng an die monastischen Zen-Regeln (shingi) und konzentrieren sich auf Zazen. Im Japanischen heißen die Klausuren „ge-ango“ (Sommerklausur) oder „u-ango“ (Regenklausur). Dōgen Kigen beschreibt die Tradition des Sôtô für das Ango im neunundsiebzigsten Kapitel des Shōbōgenzō, genannt „Ango“.
Anjin Anjin, auch Anshin, ist ein japanischer Begriff, der wörtlich „Herz-Geist in Frieden“ bedeutet. Er beschreibt einen Bewusstseinszustand der Seelenruhe oder des Geistesfriedens, wie er sich nach buddhistischer Auffassung nur aus der Erfahrung der Erleuchtung ergibt. Im Zen wird die Praxis des Zazen als einer der kürzesten Wege angesehen, um den Frieden des Geistes zu erlangen.
Agyō Kommentare eines Zen-Meisters zu einem Kōan.
mini|Meditationshalle Antaiji Antaiji ist ein zen-buddhistischer Tempel in Japan. Der Tempel wurde 1921 in Kyōto gegründet und zog 1976 an den heutigen Ort in der Präfektur Hyōgo. Im Antaiji wird Sōtō-Zen praktiziert. Wer sich im Kloster aufhält, muss sich in den anstrengenden Tagesablauf integrieren. Der Tag beginnt morgens um 4 Uhr und endet abends um 21 Uhr. Jeden Monat finden intensive mehrtägige Sesshin mit etwa 15 Stunden Meditation am Tag statt. Die auf dem Antaiji gründende Überlieferungslinie des japanischen Zen-Meisters und Abt des Klosters Kōdō Sawaki ist im Westen weit verbreitet. Sawakis Nachfolger in der Überlieferungslinie sind z. B. Kōshō Uchiyama, Shōhaku Okumura, Gudō Wafu Nishijima, Brad Warner und Muho Nölke.
Arayashiki Japanische Transliteration für den Sanskrit Begriff Alayavijnana, was Alaya-Bewusstsein bedeutet.
Ashi no ha ni nori no hōben Der Ausdruck bedeutet wörtlich übersetzt „Ein Mittel zur Vermittlung des Dharma, selbst für ein Schilfrohrblatt.“ Gemäß der Überlieferung gelangte der legendäre Bodhidharma (Japanisch: Daruma) aus Indien nach China, indem er auf einem Schilfrohrblatt über das Meer segelte. Diese Metapher wird verwendet, um die Nützlichkeit einer auf den ersten Blick nutzlosen Sache zu beschreiben.
Association Zen Internationale (AZI) Die AZI ist eine internationale buddhistische Vereinigung, die 1970 vom Zen-Meister Taisen Deshimaru gegründet wurde. Die AZI verfolgt das Ziel, die Praxis und die Lehren des Zen den Menschen in Europa zugänglich zu machen.zen.ch: Sie ist heute die größte zen-buddhistische Gruppe in Europa und ihr gehören mehr als rund 200 Dōjōs und Zengruppen an.
Aufzeichnungen des Linji Deutsche Bezeichnung für Rinzai-roku.
Avatamsaka-Sutra Bedeutet im Deutschen „Blumengirlanden-Sutra“ und wird nach der chinesischen bzw. japanischen Lesung oft auch als Huayan (Hua-yen)-Sutra oder Kegon-Sutra (Kegon-kyō) bezeichnet. Das Sutra hatte großen Einfluss in China (Huayan-Schule) und gelangte später auch nach Japan (Kegon-Schule) und Korea (Hwaeom jong). Innerhalb des koreanischen Zen-Buddhismus, dem Seon, spielt das Avatamsaka-Sutra bis heute eine bedeutende Rolle.
B mini|Baizhang Huaihai
Baizhang Huaihai Baizhang Huaihai (, * 720; † 814) war ein chinesischer Zen-Meister (Chan). Die Tradition schreibt Ihm die Einführung von Regeln für chinesische Zen-Mönche zu, die Reinen Regeln von Baizhang.《百丈清规》初探 & Dumoulin 2005a: 170.백장청규 Die Regel bestand aus einer Abwandlung der Sanskrit-Sammlung von buddhistischen Ordensregeln (Vinayapitaka).Poceski 2010: 19. Baizhang stand in der Dharma-Tradition von Mazu Daoyi. Zu seinen Schülern gehörten Huangbo Xiyun, Linji Yixuan und Zhenzhou Puhua.
Bambuswald-Schule Vietnamesische Schule (Trúc-Lâm-Schule) des Zen-Buddhismus (vietnamesisch: Thiền), die auf den Lehrer Lieu Quan (der Asket des Bambuswaldes) zurückgeht, der Anfang des 14. Jahrhunderts Buddhismus lehrte.
Banka Das japanische Wort Banka bezeichnet die Abendzeremonie in einem Zenkloster.Die Abendzeremonie ist eine von drei Perioden des rituellen Singens, welche gemeinsam mit der Morgenzeremonie (Chōka) und der Mittagszeremonie (Hōka) täglich in einem Zen-Kloster abgehalten werden. Die Banka findet vor Dämmerung in der Haupthalle (Butsuden) statt und umfasst das gemeinsame harmonische Rezitieren verschiedener Sutras. In der Literatur wird sie zudem als „Banka Fugin“ bezeichnet. Diese Zeremonien variieren je nach Klosterlinie (z. B. Rinzai oder Sōtō) oder Meister leicht, bleiben jedoch stets zentrale Elemente der Disziplin.
Bendōwa Bendōwa, bedeutet wortwörtlich übersetzt „Gespräche über die Praxis des Weges“ und ist ein Abschnitt aus dem Shōbōgenzō („Der Schatz des Auges des wahren Gesetzes“), dem Meisterwerk von Dōgen, dem Gründer der Sōtō-Zen-Schule. Bendōwa ist ein Grundsatzdokument, das als Prolog zum Shōbōgenzō angesehen werden kann. Der Aufsatz dient in erster Linie dazu, japanischen Buddhisten das Zazen – also die sitzende Meditation – näherzubringen, da nur sehr wenige von ihnen bisher mit dieser Praxis in Berührung gekommen sind.
Beophwa gyeong Koreanische Bezeichnung für Lotus-Sūtra.
Biku Biku ist ein buddhistischer Mönch und die japanische Transkription für den Pali-Begriff Bhikkhu.
Bǐ qiū ; Bǐ qiū ist ein buddhistischer Mönch und die chinesische Transkription für den Pali-Begriff Bhikkhu.
Bikuni Bikuni ist eine buddhistische Nonne und die japanische Transkription für den Pali-Begriff Bhikkhuni.
Bǐ qiū ní Bǐ qiū ní ist eine buddhistische Nonne und die chinesische Transkription für den Pali-Begriff Bhikkhuni.
Bessu Weiße Socken, die von Nonnen und Mönchen während bestimmten Zeremonien verwendet werden.
Biyan Lu Bedeutet im Deutschen näherungsweise Aufzeichnungen des türkisblauen Felsens und ist eine Sammlung von 100 Kōan in 10 Faszikeln (Hefte) aus der Blütezeit des chinesischen Chan-Buddhismus (960–1279). Die Sammlung gilt als Klassiker der Zen-Literatur, mit Beispielen u. a. von dem 1. Patriarchen des Zen-Buddhismus Bodhidharma und Yunmen, von dem der Spruch „Nichi nichi kore kōjitsu“ – „Tag für Tag ein guter Tag“ stammt.
Blumengirlanden-Sutra Deutsche Übersetzung für Avatamsaka-Sutra.
Bodai Bodai ist die japanische Transkription für den Sanskrit-Begriff Bodhi. Der Begriff „Bodhi“ wird gemeinhin mit „Erleuchtung“ oder „Weisheit“ übersetzt. Er bezeichnet das Ziel der buddhistischen Praxis. Der historische Buddha erlangte Bodhi, als er unter dem Bodhi-Baum meditierte. Der Theravada-Buddhismus beschreibt Bodhi als den Punkt, an dem man sich von allen Leiden (Sanskrit: Dhuka) und illusorischen Missverständnissen befreit hat und die vier edlen Wahrheiten verwirklicht. Der Bodhisattva-Pfad wird als Weg zur Erlangung von Bodai beschrieben. Die verschiedenen Schulen des Mahayana-Buddhismus beschreiben die Bodai-Weisheit auf unterschiedliche Weise, wobei eine der häufigsten Beschreibungen darin besteht, sie als Verwirklichung der Leerheit (Sanskrit: Shunyata) zu bezeichnen. Dies führt zur Erkenntnis der Einheit von Samsara und Nirwana.
Bodai-Daruma Bodai-Daruma oder Bodhidharma oder Daruma auf Japanisch war ein buddhistischer Mönch, der aus Indien stammte und als der erste Patriarch der Chan- und Zen-Linien gilt.
Bodaiju Japanische Bezeichnung für den Boddhi-Baum (Pappel-Feige). In der buddhistischen Symbolik steht der „bodaiju“ für Erleuchtung (Satori) und Weisheit. Bồ-đề Vietnamesische Bezeichnung für den Pali- und Sanskritbegriff bodhi.
Bồ-đề tâm Bồ-đề tâm ist die vietnamesische Bezeichnung für den Sankrit-Begriff bodhichitta.
Bodaishin Bodaishin ist die japanische Transkription für den Sanskrit-Begriff Bodhichitta. Bodaishin ist das Streben nach Erleuchtung (Sanskrit: Bodhi), die selbstlose Entschlossenheit, das Ziel des Erwachens nicht aus Eigennutz, sondern zum Wohle aller Wesen zu erlangen.