mini|Ein modernes malaiisches Brautpaar beim Bersanding mini|hochkant|Bersanding-Zeremonie bei der Hochzeit der Tochter des Sultans von Brunei im Istana Nurul Iman Das Bersanding („Nebeinander, Seite-an-Seite“) ist der glanzvolle Höhepunkt der traditionellen Hochzeitszeremonien bei den Malaien. Bei ihm sitzen Braut und Bräutigam feierlich nebeneinander auf einem geschmückten Podest, dem sogenannten Pelamin, um von Respektspersonen und Gästen gesegnet zu werden. Sie werden an diesem Tag als König und Königin behandelt. Der Bersanding schließt viele Einzelrituale ein, wie das Schmücken der Braut, die Prozession des Bräutigams zum Haus der Braut, Silat-Tänze und die gegenseitige Speisung von Braut und Bräutigam mit gelbem Reis. Entweder vorSo Jamour: Malay Kinship and Marriage in Singapore. 1959, S. 76. oder nachSo Koh/Ho: Malay Muslim Marriages 2014. der Zeremonie findet ein größeres Festmahl für Familie und Freunde statt. Obwohl das Brautpaar nach dem islamischen Recht bereits durch die Eheschließung offiziell verheiratet ist, gilt nach dem malaiischen Brauch, dass es bis zur Bersanding-Zeremonie weder zusammenleben noch sich unter vier Augen sehen darf. Eine Bersanding-Zeremonie wird nur durchgeführt, wenn die Braut noch nicht verheiratet war. Wenn die Braut bereits verheiratet war, aber noch sehr jung ist und keine Kinder hat, findet ein Bersanding in etwas bescheidenerem Umfang statt.Jamour: Malay Kinship and Marriage in Singapore. 1959, S. 79, und Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 51. Nach Richard Winstedt handelt es sich beim Bersanding ursprünglich um ein hinduistisches Ritual.Richard Olaf Winstedt: The Malays, a Cultural History. Routledge & Kegan, London 1961, S. 28.
Ort und Zeitpunkt Bis in die 1960er Jahre, als die meisten Malaien in Kampongs lebten, wurde die Bersanding-Zeremonie entweder im Haus der BrautStrange: “Continuity and Change: Patterns of Mate Selection and Marriage Ritual in a Malay Village.” 1976, S. 564. oder unter Zelten im Dorf abgehalten. Heute finden viele Bersanding-Feiern in gemieteten Sälen statt, wobei die Zeremonien an die Umgebung angepasst werden.Samad: Traditional Malay Marriage Ceremonies in Brunei Darussalam: Between Adat and Syariah. 2023, S. 30.
Das Bersanding kann unmittelbar nach der islamischen Eheschließung (akad nikah) stattfinden oder zu einem späteren Zeitpunkt. Heute findet der Bersanding oft schon einen Tag nach der Eheschließung statt. Üblich ist ein Abstand von mehreren Tagen bis zu sechs Monaten.Farrer: The Performance of Enchantment. 2012, Absatz 29. Manchmal kommt es sogar vor, dass nach der Eheschließung der Bersanding mehrere Jahre hinausgezögert wird. In diesem Fall spricht man von einer „hängenden Ehe“ (nikah gantung).David C. Buxbaum: Islam and Customary Law in the Malaysian Legal Context. in D. C. Buxbaum (Hrsg.): Family Law and Customary Law in Asia. A Contemporary Legal Perspective. Nijhoff, Den Haag 1968, S. 107–145. Hier S. 115.
In Singapur hielt man in den 1950er Jahren Bersanding-Feiern mit Vorliebe bei Vollmond ab, also zur Mitte der muslimischen Monate.Jamour: Malay Kinship and Marriage in Singapore. 1959, S. 77. In den Dörfern von Terengganu fand die Bersanding-Zeremonie früher üblicherweise am Abend statt. Ein Artikel in The Straits Times von 1990 gibt dagegen als die übliche Zeit für die Zeremonie den Zeitraum von 11 bis 15 Uhr an.Ahmad: Small Steps to Big Day. 1990.
Der Pelamin Zentrales Element des Bersanding ist der Pelamin. Er ähnelt in seiner Form üblicherweise der des Throns (singgahsana) eines malaiischen Rajas früherer Zeiten. Er besteht aus einer Plattform mit einem Podest (Peterakna) aus Holz und Pappe, ist aufwändig dekoriert, mit glänzender Seide oder Papier in verschiedenen Farben überzogen und mit kleinen bunten Lichtern geschmückt (früher Kokosnussöllampen, heute farbige Glühbirnen). Die Größe und Pracht des Pelamins hängt ganz von den finanziellen Mitteln und dem Status der Familie der Braut ab. Die Plattform des Pelamins ist normalerweise nicht mehr als drei Stufen hoch. Das Podest, auf dem das Brautpaar sitzt, überragt das Pelamin und ist mit aufwändig bestickter Seide oder Samt überzogen.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 37f.
Vor den Pelamin wird ein mehretagiges achteckiges Tablett gestellt, das Astakona, auf dem ein oder mehrere Berge mit gekochtem gelben Reis liegen,Yousof: One hundred and one things Malay. 2016, S. 22. die mit sogenannten Bunga-Telur-Merah („roten Eier-Blumen“) gespickt sind. Hierbei handelt es sich um rot bemalte oder gefärbte Eier, aufgespießt auf Bambusstäben, die mit Kunstblumen gekrönt sind. Auf der Spitze des Reisbergs wird ein großer Strauß aus Kunstblumen platziert, der aus Lametta oder Gold- oder Silberfolie besteht.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 38.
Ablauf Vorbereitung der Braut Häufig wird für den Bersanding eine Frau engagiert, die die Braut als Kosmetikerin und Beraterin betreut. Diese Mak Andam bzw. Emak Pengantin („Brautmutter“) sorgt dafür, dass die Braut schön aussieht und dass die traditionellen Riten ordnungsmäßig durchgeführt werden.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 33. Der Bersanding beginnt damit, dass die Braut von ihren Begleitpersonen angezogen und geschmückt wird und ein Bote zum Bräutigam geschickt wird, um ihm mitzuteilen, dass die Braut bereit ist, ihn und sein Gefolge zu empfangen. In Singapur wird bei dieser Gelegenheit ein Betelblatt-Strauß (Sirih Lat-Lat) zum Haus des Bräutigams gebracht.Koh/Ho: Malay Muslim Marriages 2014. Nachdem die Braut ihr Brautkleid angezogen hat, wird sie von der Emak Pengantin aus ihrem Raum geführt. Sie geht dann sehr langsam zum Pelamin, wobei sie von einer ebenfalls schön geschmückten Brautjungfer (pengapit) begleitet wird. Die Braut wird sodann auf die linke Seite des Podests gesetzt, während ihre Brautjungfer links neben ihr stehen bleibt und ihr mit einem kunstvoll bestickten Fächer langsam Luft zufächelt. Nach dem Adat soll die Braut, während sie auf dem Pelamin sitzt, als Zeichen ihrer Sittsamkeit den Kopf senken und die Augen fast geschlossen halten.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 38f.
Die Prozession des Bräutigams zum Haus der Braut mini|hochkant|Bunga Manggar Während der Zeit, in der die Braut von ihrem Zimmer zum Pelamin geführt wird, wird der Bräutigam in einer Prozession von Verwandten und Freunden zum Haus der Braut gebracht. Die Prozession wird dabei üblicherweise von Musikanten angeführt, die auf Kompang-Rahmentrommeln spielen und religiöse Hadrah-Lieder singen, sowie von Männern, die Bunga Manggar, bunte Palmwedel aus Lametta-Papier, tragen. In ihren Liedern rezitieren die Musiker Verse aus dem Koran oder solche zum Lobe Mohammeds und bitten um Segen für das Paar. Nach dem Adat, das Alhady beschreibt, läuft unmittelbar hinter der Gruppe ein älterer Mann, der eine silberne Beteldose (puan) trägt, deren Deckel die Form eines Pfauenkopfs hat. Er wird links und rechts von zwei jungen Männern eskortiert, die Kerzen tragen. Früher wurde der Bräutigam häufig von seinen Begleitern in einer Sänfte getragen. Heute wird er aber üblicherweise mit dem Auto gebracht. Neben dem Bräutigam sitzt gewöhnlich ein Junge als sein Begleiter (pengapit), der ebenso prachtvoll angezogen ist wie er. Auf jeder Seite des Fahrzeugs laufen Männer mit Fackeln. Wenn das Haus der Braut sehr weit entfernt ist, beginnt diese Prozession schon, bevor die Braut aus ihrem Zimmer kommt.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 39f. Meist wird eine Gruppe von Frauen aus dem Haus des Bräutigams vorausgeschickt, um die Ankunft des Bräutigams anzukündigen. Sie werden von weiblichen Verwandten der Braut empfangen, die ihnen gelben Reis über den Kopf streuen und sie mit Rosenwasser besprengen.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 40f.
Der Silat-Tanz mini|Silat-Tanz bei einer malaiischen Hochzeit Am Haus der Braut wartet gewöhnlich eine Menschenmenge mit Musikanten, um den Bräutigam willkommenzuheißen. Vor dieser Menge steht ein Mann mit einer silbernen Beteldose, deren Deckel die Form des Kopfes einer Pfauenhenne hat, auch er von zwei jungen Männern mit Kerzen eskortiert. Sobald die Prozession mit dem Bräutigam gesichtet wird, beginnen die Musikanten mit Liedern zum Lobe des Propheten Mohammed. Wenn sich die Prozession dem Haus der Braut auf eine Entfernung von zehn bis 20 Meter genähert hat, bedeutet der Puan-Träger des Bräutigams dem Puan-Träger der Braut mit Zeichen, er möge nach vorne kommen, um ihn zu empfangen. Der Puan-Träger der Braut antwortet darauf mit einem Zeichen, dass der Puan-Träger des Bräutigams als erster kommen möge. Der Puan-Träger kommt daraufhin nach vorne, und es beginnt ein Silat-Tanz (tarian silat) zwischen den beiden Puan-Trägern, der von Beifall und Zurufen der Menge begleitet wird. Dieser endet augenblicklich, wenn sich die Köpfe auf den Beteldosen so nahe gekommen sind, das sie sich berühren könnten. Der Bräutigam wird daraufhin zur Eingangstür des Hauses geleitet, wo ein junger Mann mit einer melodischen Stimme drei Mal Verse zum Lobe des Propheten rezitiert, um einen gesegneten Eintritt des Bräutigams in das Haus zu sichern. Üblicherweise ist die Strecke bis zur Vorderseite des Pelamin mit einem lang ausgerollten Teppich abgedeckt, über den der Bräutigam läuft.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 41f.
Die Besteigung des Pelamin Vor der Eingangstür stehen und sitzen üblicherweise einige jugendliche Freunde und Verwandte der Braut und versperren sie. Sie lassen den Bräutigam und seine Angehörigen erst durch, nachdem er den symbolischen Türzoll (tebus pintu) entrichtet hat. Vor dem Pelamin sitzt noch eine zweite Gruppe, dieses Mal Frauen, die dem Bräutigam den Weg versperren. Sie lassen ihn erst durch, wenn er das Pelaminzoll (tebus pelamin) bezahlt hat, das etwas höher ist als das Türgeld. Die letzte und höchste Abgabe, die der Bräutigam entrichten muss, ist der Fächerzoll (tebus kipas). Er wird fällig, wenn der Bräutigam bereits den Pelamin bestiegen hat und vor der Braut steht. Die Brautmutter hält so lange einen Fächer vor das Gesicht der Braut, bis der Bräutigam den Betrag bezahlt hat. Danach nimmt der Bräutigam seinen Platz auf dem Pelamin neben der Braut ein, und sein Pengapit stellt sich neben ihn und fächelt ihm langsam zu.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 42. In Singapur nimmt die Brautmutter nun den Betelblattstrauß aus den Händen des Bräutigams und schwenkt ihn drei oder sieben Mal über den Köpfen des Brautpaars. Danach fordert sie das Brautpaar dazu auf, den Strauß zu küssen.
Das Brautpaar gleicht nun einem Sultan und seiner Sultanin auf ihrem Thron, die die Huldigung ihre Volkes entgegennehmen. Deswegen wird der Bräutigam auch Raja sehari („König für einen Tag“) genannt. Die Halle vor dem Pelamin ist vor allem mit Frauen und Kindern gefüllt.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 42f. Sie sitzen auf Matten auf dem Boden, während die Männer von den Türen und Fenstern aus zuschauen.Jamour: Malay Kinship and Marriage in Singapore. 1959, S. 76. Heute findet, während das Brautpaar auf dem Pelamin sitzt, häufig noch eine Kompang-Aufführung statt.Suradi/Tanuri: Malay-Muslim Weddings: Keeping Up with the Times. 2021.
Gegenseitige Fütterung des Brautpaars und Segnung mini|links|Die gegenseitige Fütterung des Brautpaars, hier auf der Insel Java. Während das Brautpaar noch auf dem Pelamin sitzt und vom Publikum betrachtet wird, wird der Brauch des gegenseitigen Fütterns (adat bersuap-suapan) durchgeführt. Dafür nimmt die Brautmutter etwas von dem gelben Reis (pulut kunyit) auf dem Astakona und gibt es den Brautleuten, die sich dann damit gegenseitig füttern, als Zeichen dafür, dass sie eine Einheit geworden sind. Danach verlässt die Brautmutter das Paar und lädt die männlichen Gäste der Zeremonie, die weiter entfernt sind, dazu ein, das Brautpaar zu betrachten.Alhady: Malay Customs and Traditions. 1967, S. 43f.