Das Castello Ducale di Bisaccia ist eine Burg aus dem 13. Jahrhundert im Zentrum der Stadt Bisaccia in der italienischen Region Kampanien. Es liegt neben der dortigen Kathedrale. Dort errichteten bereits Mitte des 8. Jahrhunderts die Langobarden eine Burg, die aber bei einem Erdbeben im Jahre 1198 zerstört wurde. Im 13. Jahrhundert ließ Kaiser Friedrich II. die Burg wiederaufbauen. Zu Zeiten Friedrichs II. gehörte das Lehen Riccardo di Bisaccia. Im 16. Jahrhundert wurde sie in eine Adelsresidenz umgebaut.
Beschreibung Die Mauern sind aus einer Mischung von groben Flusskieseln und zurechtgeschnittenen Kalksteinblöcken, sowie sehr dauerhaftem Mörtel, errichtet. Auf der Burg gibt es eine Zisterne mit Filter und Bogenrohren für Trinkwasser, einen 12 Meter hohen und 8 Meter breiten Turm, sowie eine kleine Kirche mit Apsis. Die Burg hat 42 Räume.
Über dem Tor ist das Wappen der Familie Pignatelli d’Egmont angebracht, der die Burg vom Ende des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte.
Der Wohnbereich, in dem der Lehensherr logierte, befand sich im Südflügel.
Früher gab es eine strategisch bedeutende Kontrollbastion, die Teil der Verteidigungslinie zum Schutz des Gebietes des westlichen und nördlichen Apulien war. Diese Verteidigungslinie, die entlang der Via Appia und der Via Traiana verlief, und zu der neben der Festung von Bisaccia die von Sant’Agata di Puglia und das Castello di Ariano Irpino gehörten, war das Werk des byzantinischen Katepans Basilio Boioanne, der sie im Verlauf seiner Verwaltungsreorganisation des Westlichen Katepanats bauen ließ. Die Burg von Bisaccia wurde in dieser Zeit castrum Byzacium oder castrum Bycantii genannt und war ein Verteidigungsvorposten der Byzantiner.
Geschichte Die Normannen Die ersten Dokumente, die die Existenz einer Burg bezeugen, sind aus normannischer Zeit, auch wenn die Langobarden um die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts bereits eine einfache Festung gebaut hatten.
Unter den Normannen wurde Bisaccia ein Lehen unter der Herrschaft eines Lehensherrn. Die Lehensherren banden die Bauern an das Lehen; diese wurden zusammen mit dem Lehen verkauft (die sogenannten Leibeigenen). Es gab zwei Arten von Agrarabkommen zwischen dem Lehensherrn und den Bauern: Der Bauer erhielt ein Stück Land zum Bestellen und dafür musste er eine jährliche Pacht bezahlen. Der Bauer musste die jährliche Pacht nur bezahlen, wenn das Stück Land, das er erhalten hatte, auch genügend abwarf. Am Ende des Vertrages wurde das Land zwischen dem Eigentümer und dem Bauern aufgeteilt oder der Bauer erhielt weiterhin die Konzession zu den vereinbarten Bedingungen.
In Bisaccia wurde die zweite Art von Abkommen praktiziert (it: Pastinato), wonach unter anderem ein Teil von Bisaccia Pastina benannt wurde. Dies führte dazu, dass das Castello di Bisaccia zu einem Zentrum der Bevölkerung werden sollte, um das herum neue Wohngebäude entstehen sollten, was unter anderem zur Verbreitung kleiner, bäuerlicher Anwesen führte.
1198 zerstörte ein schweres Erdbeben die Burg. Infolge der Heirat zwischen der normannischen Königin Konstanze von Sizilien und dem Kaiser Heinrich VI. wurden die Kronen von Sizilien und des Heiligen Römischen Reiches in den Händen von Friedrich II., König von Sizilien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, vereint.
Wiederaufbau der Burg durch Friedrich II. Zwischen 1230 und 1246 gehörte das Lehen von Bisaccia dem Lehensherrn von Bisaccia, nämlich Lavello Riccardo I. di Bisaccia, dessen Sohn Ruggero di Bisaccia, die Mabilia de Amicis, direkte Verwandte des Dichters der sizilianischen Dichterschule Ruggero de Amicis, heiratete; aus der Ehe ging Riccardo II. di Bisaccia hervor. 1246 aber wurde der Herr von Bisaccia, Riccardo I., vom Kaiser Friedrich II. von seinem Lehen verjagt und anschließend zusammen mit seinem Sohn wegen seiner Verstrickung in die Verschwörung von Capaccio angeklagt. Friedrich II. ließ fast das gesamte Castello die Bisaccia wiederaufbauen, das fast vollständig von dem Erdbeben von 1198 zerstört worden war, und nutzte die Keller als Gefängnis. Der Turm der Burg mit quadratischem Grundriss – typisch für die Staufer – ist auf die Zeit Friedrichs II. zurückzuführen und wurde sicherlich so errichtet, dass „sein höchster Teil mit dem Netz der umliegenden Burgen Friederichs bis in die benachbarte Basilikata optisch verbunden war“. Friedrich II. besuchte Bisaccia darüber hinaus 1250, wie aus der „Historia Diplomatica Fridericia II.“ hervorgeht, die berichtet, dass der Kaiser am 28. Juni 1250 „auf dem Feld in der Nähe von Bisaccia“ das folgende Dokument ausstellte: “28. Junii 1250. In campis prope Bisacciam.Fratri Benedicto procuratori honorum quondam Petri De Vinea proditoris mandat quod monasterio cassinensi restituat quamdam petiam terrae quam Nicolaus Rufulus dudum magister camerarius Terrae laboris eidem monasterio resignaverat.“(dt.: 28. Juni 1250. Im Feld bei Bisaccia. Es ist dem Bruder Benedikt, dem Bewahrer der Ehre, in der Zeit des Verrats von Pietro delle Vigne auferlegt, dem Kloster von Cassino das Stück Land zurückzugeben, das Nicolao Rufolo, früher Meisterkämmerer der Terra di Lavoro dem genannten Kloster zurückgegeben hat.)
In der Nähe von Bisaccia befindet sich der Formicoso, eine Hochebene, die Friedrich II. in „Mons Sanum“ umbenannte, was die Wertschätzung des Kaisers für diesen Ort bestätigt. Gemäß der Ausgabe 1980 des historischen Archivs für die neapolitanischen Provinzen „ist es leicht, dass Friedrich II. (...) an besagtem Ort sich zur Jagd (...) begab (...), der heute noch Formicoso genannt wird“ und das würde auch erklären, warum der Kaiser den Formicoso in „Mons Sanum“ umbenannte. Laut der Website der Beni culturali ist es höchstwahrscheinlich, dass Friedrich II. das Castello di Bisaccia als Jagdschloss genutzt hat, wenn man an die Leidenschaft des Kaisers für die Falkenjagd und die Nähe des Dorfes zum Formicoso denkt, wo es reichlich Wild gab. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass die Burg gelegentlich Sitz der sizilianischen Dichterschule war.
1254 flüchtete sich der Kaiser Manfred, der Sohn von Friedrich II., der von der Armee des Papstes gejagt wurde, genau auf das Castello di Bisaccia und rettete sich: “Fatto questo discorso agli abitanti di Guardia, il Principe [Manfredi] procedé oltre, e nello stesso giorno giunse ad un castello detto Bisaccia, dove mandò segretamente innanzi a sé Bimio, suo legato, affinché annunziasse la sua venuta agli abitanti di quella terra, la quale per ragione della stessa contea di Andria si appartenea pure al detto Principe. Gli abitanti udita poi la felice venuta del principe oltre a modo si rallegrarono, e dimostrarono la loro letizia con luminarie e con tutti gli altri modi che poterono, e così il Principe spedì al Castello, acciocché lo guardasse fedelmente, un milite della sua compagnia a nome Arduino. (...) Il principe intanto l’altro giorno si partì dal castello di Bisaccia per alla volta di Ascoli (...).“(dt.: Als der Prinz (Manfred) diese Rede vor den Einwohnern von Guardia gehalten hatte, ging er weiter und gelangte am selben Tage auf eine Burg namens Bisaccia, wo er Bimio, seinen Vertrauten, heimlich vor sich her schickte, damit dieser sein Kommen den Bewohnern dieses Ortes kundtäte, der, wie die gleichnamige Grafschaft Andria, ebenfalls diesem Prinzen gehörte. Dann hörten die Anwohner freudig vom Kommen des Prinzen und freuten sich außerdem und demonstrierten ihre Freude mit Lichtern und allen anderen Möglichkeiten, die sie kannten, und so sandte der Prinz einen Soldaten seiner Kompanie namens Arduino auf die Burg, damit er sie treu betrachten konnte. (...) Der Prinz verließ in der Zwischenzeit am anderen Tage das Castello di Bisaccio in Richtung Ascoli (...))
Manfred schenkte später das Lehen Bisaccia erst dem Grafen von Acerra und dann Matteo di Monticchio. Nachdem Manfred 1266 in der Schlacht bei Benevent gefallen war, in deren Folge das Haus Anjou das Königreich Sizilien eroberten, kam Konradin, der Enkel von Manfred, 1267 nach Italien herunter, um zu versuchen, das Königreich zurückzuerobern, wurde aber geschlagen. In der Zwischenzeit organisierte Riccardo II. von Bisaccia, der Großvater des Barons von Bisaccia, Riccardo I. während der versuchten Rückeroberung Konradins, die Ehe seiner Schwester mit Matteo di Monticchio auch ohne die Genehmigung des Königs aus dem Hause Anjou; die Schwester brachte ihm so die Hälfte des Lehens Bisaccia als Mitgift. Als Karl I. von Neapel Konradin besiegt und Matteo di Monticchio wegen Verrats verurteilt hatte, verlehnte er 1268 das Lehen von Bisaccio an Anselme de Chevreuse. Riccardo II. legte Berufung ein und 1268 gelangte er wieder in den Besitz des Lehens von Bisaccia, obwohl er der Schwager von Matteo di Manticchio, der den König verraten hatte, war: “Al barone Riccardo di Bisaccia fu restituita Bisaccia, di cui, al tempo della congiura di Capaccio, fu spogliato dall’imperatore Federico il barone Riccardo di Bisaccia, suo avo, e fu donata dal principe Manfredi al conte di Acerra, e successivamente a Matteo di Monticchio (...).“br>(dt.: Dem Baron Riccardo di Bisaccia wurde Bisaccia zurückerstattet, wovon der Baron Riccardo di Bisaccia, sein Großvater, zur Zeit des Verrats von Capaccio vom Kaiser Friedrich II. vertrieben worden war, und es wurde vom Prinzen Manfred dem Graf von Acerra gegeben und später Matteo di Monticchio (...))
1274 wurde das Lehen Bisaccia an Guillaume de Cotigny verlehnt.
Das Castello di Bisaccia unter den Häusern Anjou und Aragón (1266–1503) Das Lehen fiel an Guillaume de Cotigny, nach dessen Tod dessen Sohn Ruggiero es erbte, aber, nachdem dieser noch minderjährig war, wurde es verschiedenen Treuhändern überantwortet: Pietro de Narra (Schwager), Francesco di Montefusco und Nicola di Gesualdo. Als Ruggiero 1294 volljährig wurde, erhielt er die volle Macht über das Lehen.
In der Zwischenzeit gab es 1282 eine Revolution in Sizilien (Sizilianische Vesper), das sich vom Joch des Hauses Anjou befreite und an das Haus Aragón fiel. Letztere bemächtigten sich später auch des Königreichs Neapel, einschließlich des Lehens Bisaccia. 1419 gehörte die Burg Albanese Picciolo Sein Nachfolger, Giacomo della Marra, lehnte sich gegen die Krone auf: Er scheiterte und wurde mit dem Verlust des Lehens bestraft. Das Lehen und die Burg vergaben die Herrscher aus dem Hause Aragón an den Condottiere Giacomo Piccinino. Am 8. September 1462 vergab König Ferdinand I. von Neapel das Lehen Bisaccia an Pirro del Balzo, den Herzog von Venosa, nachdem er erfahren hatte, dass Giacomo Piccinino auf die Seite des Feindes (des Herzogs Karl II. von Neapel) gewechselt hatte.
Spanische Epoche (1503–1707) 1503 wurde Bisaccia spanisches Herrschaftsgebiet. Am 6. Juni 1504 wurde Bisaccia, das königlicher Besitz war (Friedrich von Aragón hatte die Eigentümerin des Lehens, Isabella del Balzo, geheiratet), an Niccolò Maria de Somma verkauft. 1518, nach dem Tod von De Somma ohne Erben fielen die Burg und das Lehen von Bisaccia an den königlichen Hof, der das Lehen an den Soldaten Giuliano Buccino verlehnte. Am 29. Juli 1532 wurde das Lehen als Anerkennung für der Krone geleistete Dienste an Alfonso d’Avalos, Markgraf von Vasto, abgegeben.
1533 wurde die Burg für 3500 Dukaten an Giovan Battista Manso verkauft. 1567 fiel das Lehen an Giulio Manso, der 1571 verstarb, und das Lehen seinem minderjährigen Sohn, Giovanni Battista Manso II. unter der Treuhänderschaft der Großmutter Laura Manso hinterließ. Letztere war gezwungen, noch 1571 das Lehen von Cucolo (Cuccari) wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten durch die durch ihren Neffen angehäuften Schulden, versteigern zu lassen. Giovanni Battista blieb also die Burg, in der 1588 sein Freund Torquato Tasso zu Gast war; wie Tasso war auch Giovanni Battista Schriftsteller, wenn auch mit geringerem Erfolg.
Torquato Tasso in Bisaccia miniatur|Torquato Tasso krank in Bisaccia