Pjetër I. Engjëll (* 1435 in Drisht; † um 1512) war ein albanischer Condottiere im Dienst Venedigs.

Herkunft Die Herkunft der Engjëlli (Pl. von Ëngjëll) ist unklar. Die Familie gehörte wohl dem Patriziat des venezianischen Drisht„Drivasto war keine reiche Siedlung. In den venezianischen und ragusanischen Quellen wird es nicht als Markt- und Handelsplatz erwähnt. Der Weg von der Küste hinauf in das Bergnest galt als mühsam; nicht umsonst mussten die Drivastiner sich verpflichten, die venezianischen Podestà mit Gefolge von deren Ankunft an der Bojanamündung bis in ihren Heimatort auf schweren Wagen zu befördern.“Drisht gehörte zu Dioklitien (622–1217), zu Serbien (1217–1346), dann den Balšić (1356–1392), den Osmanen (1392–1395), den Balšić (1395–1396), den Venezianern (1396–1419), den Balšić (1419–1421), den Serben (1421–1440), den Osmanen (1440–1442), den Venezianern (1442–1478) und ab 1478 den Osmanen. Heute gehört die Stadt zu Albanien. (Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus, Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung. in: Thesaurismata 30 (2000), S. 132 f.) an, was aus einem venezianischen Dokument aus dem Jahr 1455 hervorgeht, als Andrea I. Ëngjëll (Vater von Pal I.) als von „messère“ (mio signore = Mein Herr) () bezeichnet wurde.Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus. Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung. in: Thesaurismata 30 (2000), Note 34, S. 139. Allerdings gibt es kein im Archiv von Venedig aufbewahrtes Dokument über Drisht, das bestätigt, dass sie wie andere albanische Familien einen eigenen Staat besessen haben, was die Nachkommen der Ëngjëlli in der Mitte des 16. Jahrhunderts allerdings behaupteten.Paolo Petta: Despoti d'Epiro e principi di Macedonia. Esuli albanesi nell'Italia del Rinascimento, S. 208.

Leben Pjetër I. Engjëll war wie sein Bruder Pal I. venezianisch gesinnt und widmete sein Leben dem Kampf gegen die Osmanen.Lucia Nadin: Migrazioni e integrazione: il caso degli Albanesi a Venezia (1479-1552), 2008, Note 39, S. 93. Für die Dienste, die er und sein Bruder Pal I. der Republik geleistet hatten, gewährte ihm der Große Rat am 26. Januar 1470 eine jährliche Provision von 25 Dukaten „[…] ducatos vigintiquinque tamen modo pro vna vice tamen reseruata […]“. (Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus, Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung. in: Thesaurismata 30 (2000), Note 135, S. 160), die von der Kammer von Drisht am 20. Dezember 1470 auf sechs Dukaten pro Monat festgesetzt wurde. Im Gegensatz zu der jährlichen Provision von 1.000 Dukaten, die sein Schwiegervater Aleks Span von Venedig erhielt, handelte es sich hierbei um einen vergleichsweise bescheidenen Betrag.Teuta Shala-Peli: Aleks Spani, Vojvoda i Novobërdës (Aleks Spani, Woiwode Novo Brdo), Band 34, September 2018, S. 16.

Am 10. Juli 1475 gewährten die venezianischen ProvisoresIn der Vergangenheit eine Würde, die mit der des Provveditore vergleichbar ist. () et sindiciLokale Funktionäre Dalmatiæ et Albaniæ Egidio Morosini und Domenico Bollani Pietro das Privileg Familien aufzunehmen, die vor den Osmanen nach Drisht geflohen waren, um dort ihre Felder zu bewirtschaften, und im Gegenzug von den Steuern befreit zu werden, die die Eingesessenen zu zahlen hatten. „[…] ab iisdem Venetis obtinuit , anno Christi 1475. ut aliunde accitas familias quae e agros suos colerent , in eos immittere sibi liceret, ab pensitationibus, quibus obnoxii erant caeteri Drivastenfis praefecturae rustici, immunes.“ (Carlos du Fresne: Historia byzantina duplici commentario illustrata ..., 1680, p. 212.)

Als es den osmanischen Truppen bei der letzten Belagerung von Shkodra Ende August 1478 nicht gelang, die Stadt einzunehmen, befahl Sultan Mehmed II. die Erstürmung der umliegenden Festungen. Lezha, Zabljake und Crnojevića (die beiden letzteren gehören heute zu Montenegro) fielen ebenso wie Drisht (September 1478), dessen Bewohner bis zuletzt gekämpft hatten, was sie durch Gefangennahme bitter bezahlen mussten.Francisc Pall: Marino Barlezio - Uno storico umanista, 1938, S. 142. 300 von ihnen wurden auf Befehl Mehmeds vor den Mauern von Shkodra enthauptet, eine einschüchternde Geste gegenüber Venedig, sich zu ergeben.Ludwig Thallóczy: Illyrisch-Albanische Forschungen. Band I., 1916, S. 114. Die Familie von Pjetër I. Engjëll (Lucia Span und Kinder) wurde gefangen genommen und deportiert.Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus, Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung. in: Thesaurismata 30 (2000), S. 159 f.

Im Auftrag des Generalkapitäns der See (Capitano Generale da Mar) Antonio Loredan begab sich Pjetër I. in das osmanische Lager bei Shkodra, um einen Waffenstillstand auszuhandeln; er gab vor, dem kommandierenden Pascha untertan zu sein, der ihn unter die Mauern der Stadt schickte, um die Verteidiger zur Aufgabe zu bewegen. Dennoch rief er sie unter Einsatz seines Lebens zum Widerstand gegen die Belagerung auf. Offensichtlich gelang ihm die Flucht, denn wir finden ihn im Dezember 1478 in Venedig, wo er den Senat um finanzielle Unterstützung für seinen Lebensunterhalt bat, da er alles verloren habe, was er in Drisht besaß „[…] dum hoc anno ammisisset quecumque eius bona, que in predicto loco Drivasti ipse habebat […]“. (Francisc Pall: Di Nuovo sulle Biografie Scanderbegiane del XVI secolo, 1971, Documento II, S. 105.), ohne jedoch anzugeben, was er verloren hatte. Er berichtete auch, dass seine Familie von den Osmanen gefangen genommen und deportiert worden war.„Et quum predictus remansit pauperrimus, ammissa, preter liberos et universam familiam suam.“ (Francisc Pall: Di Nuovo sulle Biografie Scanderbegiane del XVI secolo, 1971, Documento I, S. 104.)

Am 20. Dezember 1478 bewilligte ihm der Senat eine Pension von vier Dukaten monatlich, von der er leben kann, zahlbar von der venezianischen Kammer in Padua„[…] Cameram nostram Padue in ducatos quatuor tantum in mense […] cum quibus ipse vivere valeat.“ (Francisc Pall: Di Nuovo sulle Biografie Scanderbegiane del XVI secolo, 1971, Documento I, S. 104.), und am 15. März 1479 billigte der Senat wegen seiner und seines Vaters Verdienste„Compatiendum est quidem fidelissimo subdito nostro Petro Angelo de Drivasto et simul sub-venendum ei in quacumque re iusta et honesta, sic requirentibus suis etpaternis dignis meritis.“ (Francisc Pall: Di Nuovo sulle Biografie Scanderbegiane del XVI secolo, 1971, Documento I, S. 104.) sein Gesuch, mit den Osmanen über die Freilassung seiner Frau und seiner Kinder zu verhandeln, und gewährte eine Summe von bis zu 200 Dukaten als Kredit seiner Provision.„Quocirca vadit pars, quod ipso praticare possit suorum redemptionem et polliceri pro eorum liberatione usque duc [atos] CC et si ad conclusionem accordi devenerit, constando nobis dictum accordum cum effectu esse conclusum, tune dan i sibi debeant immediate de quibu-scumque pecuniis nostri dominii non obligatis, ad computum supradicti crediti sui, dicti du-cati ducenti, sicut debito et honori nostro convenit.“ (Francisc Pall: Di Nuovo sulle Biografie Scanderbegiane del XVI secolo, 1971, Documento II, S. 105.)

Nach dem rumänischen Historiker Francisc Pall soll Pjetër I. Engjëll den aus Shkodra nach Venedig exilierten katholischen Priester Marinus Barletius zur Abfassung der 1510 in Rom erschienenen Historia de vita et gestis Scanderbegi, Epirotarum principis und das gleichzeitig veröffentlichte Compendium vitum Summorum Pontificum vsque ad Marcellum II. Imperatorumque Romanorum […] inspiriert haben, wobei er selbst in der Vorrede bestätigt, dass er dieses Werk auf Wunsch seiner Freunde verfasst habe.Francisc Pall: Marino Barlezio - Uno storico umanista. 1938, S. 150.

Pjetër I. Engjëll starb um 1512 und hatte mit Lucia Span fünf Kinder: Alessio († vor 1547) schlug eine militärische Laufbahn ein und fiel im Krieg gegen die OsmanenLucia Nadin: Migrazioni e integrazione: il caso degli Albanesi a Venezia (1479–1552). Bulzoni, Roma 2008, S. 51.: Alexius Angelus, in bello obiit.Charles du Fresne: Historia byzantina duplici commentario illustrata..., 1680, S. 212. Paolo II. († 1573 in Briana) schlug eine kirchliche Laufbahn ein und wurde 1513 bis zu seinem Tod Pfarrer von Briana, heute ein Ortsteil der Gemeinde Noale in der Provinz Venedig, als Nachfolger seines entfernten Verwandten Demetrio Franco. Andrea II. († 1581 in Rom) schlug eine kirchliche Laufbahn ein, wurde für einige Zeit Rektor der Kirche Sant'Angelo di Scala in der Bistum Padua, gründete um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Milizia Aureata Angelica Costantiniano sotto il titolo di San Giorgio und war von 1570 bis zu seinem Tod der erste nachweisbare Großmeister. Girolamo (auch Geronimo; * 1505; † 1591) schlug eine militärische Laufbahn ein; 1559 war er Hauptmann der Reitergarde des Heiligen Stuhls und hatte als Mitglied der Bande NeriBande Nere war die Bezeichnung der organisierten Kompanien vom Söldnerkapitän Ludovico di Giovanni de' Medici. von Giovanni de Medici beträchtliche militärische Erfahrung gesammelt. Er stand noch im päpstlichen Militärdienst, als er im Alter von 86 Jahren bei einer Belagerung in der Lombardei getötet wurde. Giovanni Demetrio (* 1499; † 1571) schlug wahrscheinlich eine militärische Laufbahn ein.„Giovanni Demetrio described in the 1583 Statutes as having served as a general in the armies of Emperor Charles V, and who died in 1571.“ (Guy Stair Sainty: The Constantinian Order of Saint George, 2018, S. 56)

Familienverhältnisse

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise

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