Die Brine (oder Brinaz)Das bei Namen frankoprovenzalischer Herkunft nach dem End-Vokal angefügte -z wird nicht ausgesprochen.Henri Jaccard: Essai de toponymie. Origine des noms de lieux habités et des lieux dits de la Suisse romande. Lausanne 1907, S. 54, erklärt den Gewässernamen Brinaz als Ableitung vom frankoprovenzalischen Mundartwort brin-nây, das «lärmen» bedeutet.Brine auf henrysuter.ch. ist ein rund acht Kilometer langer Zufluss des Neuenburgersees im Kanton Waadt. Sie entwässert einen Abschnitt des Hügelgebietes am Jurasüdfuss. Der Bach liegt im Flusssystem der Thielle und der Aare und gehört damit zum Einzugsgebiet des Rheins.

Geographie Verlauf Das Quellgebiet der Brine befindet sich im Feuchtgebiet Les Marches in der Hügellandschaft sechs Kilometer nördlich von Orbe auf dem Gebiet der Gemeinde Champvent. Bei der Urbarisierung eines Sumpfes am Oberlauf wurde der Quellbach ein Stück weit eingedolt.

Der Verlauf der Brine in nordöstlicher bis östlicher Richtung stellt geologisch gesehen eine Anomalie dar, weil das Tal ungefähr parallel zur Richtung des Juragebirges liegt und nicht wie bei andern Gewässern auf kurzem Weg den Abhang zur Ebene durchquert. Statt auf direktem Weg zum Talfluss Orbe hinunter fliesst die Brine nördlich von dieser gegen Nordosten und mündet direkt in den Neuenburgersee. Die besondere Lage des Flusstales wird mit Erosionsprozessen in den verschiedenen Molasseschichten des Untergrundes und der Ausrichtung eiszeitlicher Moränen erklärt.H. Lazreg: Etude géophysique, géologique et hydrogéologique de la région de Concise à Pompaples (Pied du Jura vaudois) (= Matériaux pour la Géologie de la Suisse.) In: Géophysique. Nr. 10, Bern 1971, S. 7, 24, 27.

Der Bach fliesst drei Kilometer weit durch ein teilweise bewaldetes Tal gegen Nordosten. In der Nähe der Ortschaft Peney münden die Seitenbäche Râpaz, Ruisseau des Crêts und Napettaz in die Brine. Der flache Talabschnitt trug früher den Flurnamen L’Etang, was darauf hindeutet, dass dort einst ein Weiher lag; mit der Verteilung der Besitzrechte an dieser Fläche ist gewiss der auffällige Verlauf der Gemeindegrenzen in der Niederung zu erklären; heute hat die Stelle den Namen La Tuilière.

Die Brine fliesst nun in einem schmalen Tal gegen Osten. Westlich der Ortschaft Essert-sous-Champvent überquert beim Weiler Clos des Ponts die Hauptstrasse 151, die Yverdon-les-Bains mit Sainte-Croix verbindet, den Bach. Daneben führt ein Fussweg mit einer Holzbrücke über das Bachbett.Clos des Ponts. Essert sous Champvent auf swiss-timber-bridges.ch. Über zwei Kilometer liegt das nun nach Osten ausgerichtete Tal der Brine zwischen den Gemeinden Valeyres-sous-Montagny und Montagny-près-Yverdon. Auf dem Berg südlich des Tales steht die Ruine der Burg Montagny.

In der Siedlung La Brinaz, deren Name vom Gewässer abgeleitet ist und die sich aus einer ehemaligen Sägerei am Bach zu einem Wohnquartier der Agglomeration von Yverdon entwickelt hat, überqueren eine Lokalstrasse, ein Fusssteg, die Schmalspurbahn Chemin de fer Yverdon–Ste-Croix und die Brücke Viaduc de la Brine der Autobahn A5 den Bach. Dessen Lauf bildet danach über fast einen Kilometer die Grenze zwischen Montagny-près-Yverdon und Grandson. Die Hauptstrasse 5, die Jurafusslinie der SBB und zwei Flurwege überqueren den Bach in der Ebene. Über die letzte schmale Brücke verläuft der überregionale Radwanderweg mit der Jurasüdfuss-Route und der Route Nord Vaudois-Jura.Karte der Radwege auf SchweizMobil. Der Bach durchquert schliesslich über 400 Meter ein Wald- und Feuchtgebiet und mündet dann, 100 Meter nördlich des Nachbarflusses Bey, in den Neuenburgersee.

Einzugsgebiet Das 13,98 km² grosse Einzugsgebiet der Brine wird durch sie über den Zihlkanal, die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.

Es besteht zu 28,1 % aus bestockter Fläche, zu 62,4 % aus Landwirtschaftsflächen, zu 9,3 % aus Siedlungsfläche und zu 0,2 % aus unproduktiven Flächen.

Die Flächenverteilung

Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt

Zuflüsse Ruisseau de la Râpe (links), 2,3 km, 2,38 km² Ruisseau des Crêts (links), 2,4 km, 2,3 km² Ruisseau des Vernes (links), 2,3 km, 2,04 km² La Baumaz (links), 0,5 kmEigenmessung.

Hydrologie An der Mündung der Brine in den Neuenburgersee beträgt ihre modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 220 l/s, und ihr Abflussregimetyp ist pluvial jurassienMartin Pfaundler, Rolf Weingartner, Robert Diezig: «Versteckt hinter den Mittelwerten» – die Variabilität des Abflussregimes. In: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung. 50. Jg., Nr. 3, Juni 2006, S. 116–123, hier S. 119 (PDF; 3,2 MB)..

Der modellierte monatliche mittlere Abfluss (MQ) der Brine in l/s

Wasserbau Im 16. Jahrhundert diente ein aus der Brine abgeleiteter Kanal zur Bewässerung von Gärten in der Nähe der Stadt Yverdon. Weil Hochwasser Schäden in den Kulturen anrichteten, liess die Stadt um 1590 den Bach wieder in den ursprünglichen Lauf umlegen.Georges Kasser: Yverdon, les portes et ponts de Gleyres et de Cheminet du XIVe au XVIIe siècle. In: Revue historique vaudoise. Bd. 60, 1952, S. 165.

Korrektionsarbeiten am letzten Abschnitt der Brine fanden von 1859 bis 1861 statt. Als durch die Absenkung des Seespiegels bei der Ersten Juragewässerkorrektion eine neue Uferzone am Seeufer bei Yverdon entstand, wurde um 1870 das Flussbett der Brine dort mit einem geraden, gemauerten Kanal von einem halben Kilometer Länge hindurchgeführt.Th. Bieler: Déviation de cours d’eau dans les environs d’Yverdon. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles. Bd. 40, 1904. Die Landfläche dehnt sich wegen der Sedimente der vielen Zuflüsse bei Yverdon weiterhin stetig gegen Osten aus,A. Girardet: La végétation du Lac de Neuchâtel dans sa partie sud-ouest, jusquz’à Vaumarcus, d’une part, et jusqu’à Estavayer, d’autre part. Lausanne 1926, S. 3. womit auch der Mündungsabschnitt der Brine allmählich etwas länger wird.

1987 verursachte ein Hochwasser der Brine eine verheerende Überschwemmung bei Valeyres und Montagny.La Brinaz renaturée auf aggloy.ch, abgerufen am 22. August 2023. Daraufhin plante der Kanton Waadt einen naturnahen Umbau des Gewässers.Alain Maibach: Etude de faisabilité pour la revitalisation des embouchures de la Brinaz et du Bey dans les Vernes d’Yverdon-Grandson (VD). Oron-la-Ville 2010. Von 2017 bis 2021 liess er die Seitenmauern des Kanals aus dem 19. Jahrhundert abbrechen und die Seitendämme entfernen. Der Fluss erhielt ein breiteres Gerinne und mehr Platz für die dynamische Veränderung des Gebiets im Auwald am Seeufer.Revitalisation de l’embouchure de la Brine (Grandson) auf vd.ch, abgerufen am 22. August 2023.A son aise, La Brinaz devrait contenir ses ardeurs. in laregion.ch. 8. Februar 2019.

Schutzgebiete Die flache natürliche Uferlandschaft bei der Brinemündung mit einem weiten Feld von Schilfröhricht liegt in der Auenlandschaft Les Grèves d’Yverdon-des Tuileries, die im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung aufgeführt ist,Objektblatt Les Grèves d’Yverdon-des Tuileries im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. und im 10 Hektaren grossen national bedeutenden Amphibienlaichgebiet Les Vernes.Objektblatt des Amphibienlaichgebiets Les Vernes im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung. Das Ufergebiet ist unter der Bezeichnung Bois des Vernes et littoral entre Yverdon et Grandson ein Naturschutzgebiet des Kantons Waadt und gehört ausserdem zum geschützten Seeabschnitt Grandson jusqu’à Champ-Pittet, einem Wasser- und Zugvogelreservat von internationaler Bedeutung und Smaragd-Gebiet,Objektblatt des Wasser- und Zugvogelreservats Grandson jusqu’à Champ-Pittet im Bundesinventar der Wasser- und Zugvogelreservate von internationaler und nationaler Bedeutung. das auch als Important Bird Area ausgezeichnet ist.Schutzgebiet Rive sud du lac de Neuchâtel auf birdlife.ch.

Siehe auch Liste der Nebenflüsse der Zihl

Weblinks

Brine auf schweizerfluss.ch Karte der wichtigeren Fliessgewässer des Kantons Waadt (PDF; 0,4 MB) Inventaire des milieux naturels der Gemeinde Grandson

Einzelnachweise

1Brine Kategorie:Fluss in Europa Kategorie:Fluss im Kanton Waadt