mini|Warren MacKenzie bei einer Vorführung für Keramiker in seiner Töpferei nahe Stillwater, Minnesota im Februar 2017
Warren MacKenzie (* 16. Februar 1924 in Kansas City, Missouri; † 31. Dezember 2018 in Stillwater, Minnesota) war ein amerikanischer Keramiker.
Leben MacKenzie wuchs in Wilmette, Illinois auf und besuchte von 1937 bis 1941 die New Trier High School in Winnetka (Illinois). 1942 schrieb er sich am Art Institute of Chicago ein, um Maler zu werden, wurde dann aber 1943 von der US-Armee eingezogen und in den USA als Zeichner und Grafiker eingesetzt. 1946 wurde er zur Ablösung dort schon länger stationierter Soldaten für einige Zeit nach Japan beordert. Bei seiner Rückkehr an das Chicago Art Institute 1946 musste er feststellen, dass die Malereiklasse überfüllt war. Stattdessen schrieb er sich für die Keramikklasse ein. Dort lernte er seine spätere Ehefrau, Alix Kolesky, kennen, die er noch vor dem Abschluss heiratete.
Nach erfolgreichem Abschluss 1948 wurden die MacKenzies zunächst als Keramiklehrer für die St. Paul Gallery and School of Art (heute: Minnesota Museum of American Art) tätig. Von 1949 bis 1952 setzten sie ihre Ausbildung bei Bernard Leach in St Ives (Cornwall) fort. Zum Ende ihrer Zeit dort lernten sie Shoji Hamada und Sōetsu Yanagi kennen, die auf Einladung Leachs an einer Ausstellung in Großbritannien teilnahmen. Als Leach und seine Gäste beschlossen, über die USA nach Japan zu reisen, organisierte das Ehepaar MacKenzie eine Ausstellung Hamadas in der St. Paul Gallery und Vorführungen des japanischen Keramikers dort und an verschiedenen anderen Orten in den USA.
1953 begann MacKenzie als Dozent an der University of Minnesota zu arbeiten und parallel dazu mit seiner Frau eine Töpferei in Stillwater (Minnesota) aufzubauen. In den folgenden Jahren konnten sie ihre Arbeiten verschiedentlich im Walker Art Center ausstellen. MacKenzies Ehefrau Alix verstarb überraschend 1962.
1975 reiste MacKenzie mit weiteren Keramikern für zwei Wochen nach Japan, wo sie die klassischen Töpferorte und verschiedene Ausstellungen und Museen besuchten. Hier traf MacKenzie auch Shoji Hamada wieder und lernte dessen Schüler Tatsuzō Shimaoka kennen.
1984 heiratete MacKenzie die Textilkünstlerin Nancy Spitzer, geb. Stevens. 1990 wurde er als „Regents’ Professor“ der University of Minnesota emeritiert.
Bis Dezember 2006 unterhielt MacKenzie auf seinem Anwesen einen Ausstellungsraum mit Verkauf. Der Verkauf lief auf Vertrauensbasis: die Keramiken waren mit Preisen ausgezeichnet, zur Bezahlung legten die Kunden das Geld einfach in einen bereitstehenden Weidenkorb und entnahmen selbst das Wechselgeld. Aufgrund zunehmender Diebstähle und der Tatsache, dass Kunden begannen, die günstig erworbenen Töpfe online zu horrenden Preisen weiterzuverkaufen, schloss MacKenzie den Ausstellungsraum und verkaufte seine Keramik fortan nur noch über Galerien und auf Ausstellungen.
Am 1. Oktober 2014 verstarb MacKenzies zweite Ehefrau Nancy MacKenzie. Auch nach ihrem Tod lebte und arbeitete er weiter in seiner Töpferei in Stillwater.
Warren MacKenzie starb am 31. Dezember 2018 im Alter von 94 Jahren in Stillwater (Minnesota).
Werk mini|Vase von Warren MacKenzie
Von großem Einfluss auf MacKenzie war das 1940 erschienene „A Potter's Book“ von Bernard Leach, das er während seines Studiums in Chicago gelesen hatte. MacKenzies Ziel war es, ästhetisch ansprechende, aber bezahlbare Gebrauchskeramik und keine Vitrinen- oder Kunstobjekte zu schaffen: In der Handhabung und im Gebrauch erst lagen für ihn Sinn und Wesen eines Gefäßes. Er stellte vor allem an der Töpferscheibe gedrehte Gefäße in Steinzeug her, arbeitete aber hin und wieder auch mit Porzellan. Formal und glasurtechnisch war seine Arbeit stark von der Ästhetik Bernard Leachs und Shoji Hamadas sowie von koreanischer Keramik der frühen Neuzeit geprägt. Damit brachte er den Stil der von Sōetsu Yanagi angestoßenen, japanischen Mingei-Bewegung nach Minnesota. MacKenzies eigener Stil wurde daher – wortspielerisch-ironisch, aber durchaus wohlwollend – auch als „Mingei-sota style“ bezeichnet. Diese Haltung prägte MacKenzies Keramik nicht nur formal, sondern auch ideell: Obwohl seine Werke sich bereits zu Lebzeiten in wichtigen Museen und Sammlungen fanden und unter Sammlern zu hohen Preisen gehandelt wurden, verkaufte McKenzie selbst seine Gefäße zu stets moderaten Preisen. Nachdem er erlebt hatte, dass ein Keramiksammler eine ausgewählte Arbeit von ihm schließlich doch nicht erwerben wollte, weil MacKenzie vergessen hatte, sie zu stempeln, verzichtete er in den 1970er Jahren und während des größten Teils der 2000er Jahre sogar gänzlich darauf, Arbeiten mit persönlicher Marke zu versehen. Ganz im Sinne der Mingei-Bewegung war dies ein höchst achtbarer, freilich aber vergeblicher Versuch, den Kunstmarktmechanismus von belegbarer Autorschaft, die Wichtigkeit eines Namens durch eine gewisse Anonymisierung zu unterlaufen und das Augenmerk der Käufer auf die Qualität und Schönheit des Objektes selbst, ohne Ansehen der dahinterstehenden Person zu lenken. Bis heute freilich erzielen MacKenzies mit Marke gestempelte Keramiken im Galerie- und Auktionshandel höhere Erlöse als ungemarkte Exemplare.
Veröffentlichungen
Literatur
Weblinks DeSmith, Christy and Hanus, Julie K., "The Open Door: Warren MacKenzie has influenced generations of potters through the simple act of welcoming them into his home", American Craft Magazine. 17. November 2014. Kerr, Euan, "To Warren Mackenzie, the best pot was one people used", MPR News, Minnesota Public Radio. 13. Mai 2019.
Einzelnachweise
Kategorie:Hochschullehrer (University of Minnesota) Kategorie:Person (Stillwater, Minnesota) Kategorie:Keramiker Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1924 Kategorie:Gestorben 2018 Kategorie:Mann