mini|Einband der deutschen Erstausgabe im Dietz Verlag, 1951 Salka Valka ist ein Roman des isländischen Schriftstellers Halldór Laxness. Das Werk erschien ursprünglich in zwei Bänden 1931 und 1932 in isländischer Sprache unter den Titeln Þú vínviður hreini („Du Weinstock, du reiner“) und Fuglinn í fjörunni („Der Vogel am Strand“), seither einbändig als Salka Valka. Unter diesem Titel sind auch die deutschen Übersetzungen erschienen. Die titelgebende Hauptfigur ist eine junge Isländerin, die sich in einem Fischerdorf ihren Platz im Leben erkämpft. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche und politischer Kämpfe zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ihren Auswirkungen, die sie auf das Leben und die Strukturen im Dorf haben. Der in zahlreiche Sprachen übersetzte Roman wurde auch als Kinofilm sowie für das Theater und als Tanzstück adaptiert.

Handlung Der Roman spielt in der Zeit des Ersten Weltkriegs und in den 1920ern im fiktiven Fischerdorf Oseyri am Axlarfjord, der irgendwo zwischen Islands Norden und Reykjavík liegt. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa zwölf Jahren – Salka Valka ist zu Beginn des Romans elfjährig, gegen Ende in ihren frühen Zwanzigern. Der Roman ist in vier Teile mit den Titeln Du Weinstock, du reiner, Der Tod, Eine andere Welt und Der Wahltag des Lebens gegliedert, wobei die ersten beiden Teile ursprünglich in einem Band als Þú vínviður hreini („Du Weinstock, du reiner“) erschienen und die beiden anderen als zweiter Band mit dem Titel Fuglinn í fjörunni („Der Vogel am Strand“).

Du Weinstock, du reiner Im Schneetreiben eines Winterabends verlassen Sigurlina und ihre Tochter Salvör Valgerdur,Die Schreibweise isländischer Eigennamen folgt hier der Übersetzung des Romans von Hubert Seelow, worin auf Sonderzeichen des isländischen Alphabets – im Original zum Beispiel im Namen Valgerður – verzichtet wird. genannt Salka Valka, im Fischerdorf Oseyri einen Postdampfer aus dem Nordland. Obwohl Sigurlina eigentlich nach Reykjavík fahren wollte, sieht sie sich gezwungen, mit der elfjährigen Salka in Oseyri an Land zu gehen, da ihr Geld nicht für die ganze Strecke reicht. Salka wird als schlaksiges Mädchen geschildert, voller Lebenskraft mit „Temperament und auch Eigensinn“. Sigurlina erscheint als schwache Frau, die sich vom Leben treiben lässt und weder sich noch ihrer Tochter recht zu helfen weiß.

Bereits bei der Anlandung wird Sigurlina deutlich gemacht, dass in Oseyri ein Kaufmann namens Johann Bogesen das Sagen hat. So gut wie das ganze Dorf arbeitet für seinen Fischereibetrieb; wer in Oseyri ein Auskommen hat, hat ein Konto bei Bogesen und bezieht die Güter des täglichen Bedarfs bei ihm. Nach einem Erweckungserlebnis Sigurlinas bei einer gottesdienstlichen Zusammenkunft der örtlichen Heilsarmee ist diese bereit, Mutter und Kind für eine Nacht aufzunehmen. Sigurlinas Suche nach einer Anstellung bleibt erfolglos. Bei der Heilsarmee hatte Sigurlina Steinthor Steinsson, einen großsprecherischen Säufer, kennengelernt. Dieser bringt Sigurlina und Salka nun im Haus Mararbud (wörtlich: Seekate) beim alten Ehepaar Steinunn und Eyjolfur unter, bei dem auch er lebt. Salka übernimmt es, die Milch der Kuh des Ehepaars an die Dorfbewohner auszuliefern, wobei sie als uneheliches und ärmlich gekleidetes Kind den Beschimpfungen der Dorfkinder ausgesetzt ist. Steinthor, der als ein roher Mann dargestellt wird, der sich nimmt, was er will – aber zu poetischen Worten fähig ist –, beginnt ein Verhältnis mit Sigurlina. Er belästigt Salka, die ihn hasst und ihrer Mutter schon früh mitteilt, dass Steinthor sie betatscht habe. Sigurlina sagt zwar „Du bist noch so klein. Es wäre nicht recht“, unternimmt aber nichts weiter.

Als der örtliche Lehrer feststellt, dass Salka Valka bisher so gut wie nichts gelernt hat, organisiert er einen knapp dreizehnjährigen Jungen, Arnaldur Björnsson, der Salka unterrichten soll. Arnaldur ist in Reykjavík geboren und kam zu seiner Tante Herborg nach Oseyri, als seine Mutter starb – oder ausgewandert ist, an welcher Vorstellung er sich festhält. Der begabte Arnaldur neigt dazu, an Übernatürliches und an Traumbotschaften zu glauben. Salka lernt bei ihm gerne und mit gutem Erfolg. Er hinterlässt einen tiefen Eindruck auf sie: „Salka Valka bewahrte dieses Bild von Arnaldur Björnsson ihr ganzes Leben lang in ihrem Herzen – ein Gesicht, das aus dem Dunkel der Nacht heraus leuchtete, verklärt durch den Glauben an eine andere Welt“. Dieser Glaube Arnaldurs an „eine andere Welt“ wird später im Titel des dritten Teils wieder aufgegriffen.

mini|Fischwäscherinnen in Eskifjörður, ca. 1900 Die kräftige und tüchtige Salka schafft es trotz ihres kindlichen Alters, bei Kaufmann Bogesen als Fischwäscherin angestellt zu werden, in der Hoffnung, so zu Geld für bessere Kleider und eine Hose zu kommen – Arnaldur hatte sie erzählt, ein Junge werden zu wollen. Als sie feststellt, dass ihr wie allen Tagelöhnerinnen Bogesens kein Lohn ausbezahlt wird, sondern nur eine Gutschrift auf ein Konto bei Bogesen erfolgt, fordert sie empört bei Bogesens Buchhalter ihr Guthaben ein. Ihre Enttäuschung steigert sich zu einer großen Kränkung, als sie erfährt, dass sich ihre Mutter Sigurlina für ihren Lohn teure Kleider angeschafft hat, Salka also hintergangen hat. Als Trost bekommt Salka von der Familie Bogesens einige abgetragene Kleidungsstücke.

Sigurlina besucht derweil weiterhin die Veranstaltungen der Heilsarmee; einmal tritt sie mit einem reuevollen Bekenntnis vor die Gemeinde, in dem sie als „arme, sündhafte Frau“ um göttliche Gnade für Steinthor und sich selbst fleht und das Lied vom „reinen Weinstock“ anstimmt. Der erste Teil des Romans endet mit einem Streit zwischen dem betrunkenen Steinthor einerseits, Sigurlina und Salka andererseits. Sigurlina teilt Steinthor mit, von ihm schwanger zu sein. Steinthor wirft Sigurlina zur Kammer heraus und sperrt sich mit Salka ein. Wenige Minuten später wird die Tür von Leuten aufgebrochen, die Sigurlina herbeigerufen hat. Salka liegt bewusstlos im Bett, und Steinthor flüchtet in diesem Moment. Ob Steinthor Salka vergewaltigt hat, bleibt an dieser Stelle offen – erst Jahre später wird er ihr erzählen, dass es ihm nicht gelungen sei. Der Teil endet mit dem Satz „Dies war die erste persönliche Erfahrung, die Salka Valka mit der Liebe machte“.

Der Tod Dieser Teil beginnt zwei Jahre nach dem Verschwinden Steinthors. Salka Valka ist groß und stark und kümmert sich nicht mehr um die Gehässigkeiten der anderen Kinder. Nach der Schule verdient sie jeweils Geld auf ihre eigene Rechnung auf den Landestegen. Salka zeigt Eifersucht, als die aus Kopenhagen zurückgekehrte Tochter von Bogesen Arnaldur schöne Augen macht. Sigurlinas kleiner Junge Sigurlinni, den Steinthor gezeugt hat, ist schwer erkrankt. In einem Gespräch mit der frommen Herborg, Arnaldurs Tante, treten die Ansichten und Wünsche der 13-jährigen Salka zutage:

Bei Herborg trifft Salka auf Arnaldur, mit dem sie sich in einer Weise streitet, dass Herborg darin „erste Anzeichen einer Kinderliebe“ zu erkennen glaubt. Als Arnaldur nach Reykjavik fährt, um das Gymnasium zu besuchen, entschuldigt er sich bei Salka für einige im Affekt ausgesprochene Beleidigungen und schenkt ihr ein Medaillon, das seiner Mutter gehört hatte und ein Bild von ihm als kleines Kind zeigt.

Im folgenden Sommer geht es Sigurlinas Jungen vorübergehend besser, er stirbt jedoch an einem Tag, als Johann Bogesen ein Fest zugunsten der Witwen und Waisen im Ort veranstaltet. Kurz nach Dreikönig kehrt Steinthor in den Ort zurück. Er übernachtet bei der Heilsarmee, sitzt aber oft in der Küche von Mararbud. Steinthor versucht, die Gunst Salkas zu gewinnen. Er habe aufgehört zu trinken und sei bereit, alles zu tun, was sie verlange, etwa nicht mehr zu fluchen oder mehr Bücher zu lesen. Als er zurückkam, habe er vorgehabt, Sigurlina zu heiraten, da er geglaubt habe, ihr gemeinsames Kind sei noch am Leben; nun fühle er sich frei von dieser Verpflichtung – aber wenn Salka es verlange, werde er Sigurlina trotzdem heiraten, „in der Hoffnung, dass du dann vielleicht anfangen würdest, mich für einen anständigen Menschen zu halten“. Er sei auch bereit, sich selbst wegen seiner Zudringlichkeiten beim Bezirksrichter anzuzeigen und ins Zuchthaus zu gehen. Salka ist beeindruckt von der Demut, mit der Steinthor ihr zu Füßen liegt.

Einige Zeit später besteht Steinthor darauf, dass Salka einen Ring von ihm als Geschenk annimmt, und bestürmt sie, sich ein Gedicht, das er für sie verfasst hat, anzuhören. Er drängt sie in eine Scheune, wo er nicht nur das Gedicht vorträgt, sondern sie erneut plump berührt. Salka reißt sich zwar von ihm los, aber Sigurlina wird Zeugin der Szene. Salka kann ihre Beteuerungen, dass nichts geschehen sei, nur unglaubwürdig vorbringen. Sigurlina versucht, Steinthor trotz dessen rüpelhaften Verhaltens zurückzugewinnen, und sieht in ihrer Tochter, die noch ein Kind ist, eine Rivalin. Kurz darauf wird die „große Hallejula-Hochzeit“ von Sigurlina und Steinthor im Versammlungssaal der Heilsarmee angekündigt. Steinthor aber flieht unmittelbar vor dem Termin erneut und setzt sich auf einem Dampfer ins Ausland ab. Am Karsamstag verschwindet auch Sigurlina. Am Ostersonntag findet man sie ertrunken am Strand, mit den Knabenschuhen in der Hand, die ihr Steinthor für seinen Sohn geschenkt hatte. Die Dorfbevölkerung steht um die Leiche herum; Bogesens snobistisch veranlagter Sohn Angantyr tritt mit dem Fuß gegen sie. Salka nimmt bei Bogesen einen Kredit auf und bezahlt die Beerdigung aus eigener Tasche.

Eine andere Welt Dieser Teil spielt etwa acht Jahre nach dem Ende des zweiten Teils.Nach Bemerkungen des ehemaligen Heilsarmeekadetten Gudmundur Jonsson, wie lange er schon im Dorf sei, müssten es mehr als zehn Jahre sein, aber Steinthor sagt im letzten Teil, er habe Salka acht Jahre nicht gesehen. Salka lebt nun alleine in Mararbud und ist Schriftführerin des Fischervereins, den sie mitgegründet hat, um bei Bogesen einen angemessenen Preis für den Fisch durchzusetzen. Sie sticht im Dorf immer noch durch ihre Angewohnheit, Hosen zu tragen, heraus. Ein Bekannter erzählt ihr, dass es in Reykjavík jetzt Leute gebe, die „den Reichen alles Geld wegnehmen und es unter die Armen verteilen wollen“; diese hätten vor, in Oseyri einen neuen Verein zu gründen. In einem Gespräch Salkas mit Bogesen beklagt sich dieser über den Fischerverein, auch kommt seine Furcht vor dem gesellschaftlichen Wandel zum Ausdruck; er warnt sie vor Kristofer Torfdal aus Reykjavík, der „der fanatischste Bolschewik in Island“ sei und möglicherweise gar selbst nach Oseyri komme.

Eines Tages soll dieser Kristofer Torfdal, als unheimlicher Revolutionär in aller Munde, wirklich in Oseyri eingetroffen sein. Der Neuankömmling stellt sich aber als ein Vorarbeiter namens Katrinus heraus, den Bogesen angeheuert hat. Wenig später besuchen Katrinus, Bogesens Sohn Angantyr, Bogesens Geschäftsführer Stephensen und der Vorsitzende des Fischereivereins Salka. Sie teilen ihr mit, dass Arnaldur Björnsson, der im Ausland an einen „revolutionären Verein“ geraten sei, nach Oseyri gekommen sei, um einen Arbeiterverein zu gründen. Sie versuchen, Salka davon zu überzeugen, auf einer angekündigten Versammlung die Hauptrede gegen ihn zu halten, da sie bei den Fischern und den Arbeitern an Land wegen ihrer Selbständigkeit hohes Ansehen genieße. Salka verpflichtet sich nicht. Nachdem die Besucher sie verlassen haben, kreisen ihre Gedanken um Arnaldur. Als Angantyr Bogesen noch am selben Abend zu ihr zurückkommt, versucht er sich bei ihr einzuschmeicheln und bietet ihr ein Darlehen an, wenn sie verhindere, dass in Oseyri ein „Bolschewikenverein“ gegründet werde. Sie weist ihn harsch zurück: „Du hast dem Leichnam meiner Mutter einen Fußtritt gegeben. Biete mir nicht Geld an, um auch mir einen Fußtritt versetzen zu dürfen“.