Pavelsbach ist ein Gemeindeteil des Marktes Postbauer-Heng im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern und eine Gemarkung.
Geographie Lage Das Kirchdorf befindet sich rund 2,5 km südlich des Hauptorts Postbauer-Heng an der Kreisstraße NM 44. Etwa 1,1 km nordwestlich des Orts verläuft die Staatsstraße 2402. Am südlichen Ortsrand fließt der Loh- / bzw. Lachgraben in westlicher Richtung und ca. 650 m nördlich des Dorfes verläuft der Hengerbach.
Gemarkung Die Gemarkung Pavelsbach hat eine Fläche von 9,137 km². Sie ist in 1458 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6266,82 m² haben. In der Gemarkung liegt der Gemeindeteil An der Heide und Pavelsbach sowie die Wüstung Kyrstetten.
Nachbargemarkungen QuelleALKIS - Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen, abgerufen im BayernAtlas am 6. September 2026
Geschichte 220x220px|mini|Rekonstruktion einer Mesolithischen Freilandstation Rund um die Kirche St. Cäcilia und auch auf dem Gebiet des Pavelsbacher Sportgeländes hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mehrere Mesolithische Freilandstationen, also regelmäßig genutzte Sommer- bzw. Winterlager nomadisch lebender Jäger und Sammler, nachgewiesen. Somit sind auf dem Ortsgebiet Pavelsbachs bereits zur Mittelsteinzeit erste menschliche Aktivitäten nachweisbar.BayernAtlas / Unterseite Denkmal-Atlas / abgerufen am 13. März 2026
Eine erste Besiedelung des Gebiets um Pavelsbach ist ebenfalls für die vorgeschichtliche Zeit nachweisbar und wird belegt durch Hügelgräber aus der Bronzezeit (1800–750 v. Chr.) in der östlich des Ortes gelegenen Waldabteilung „Stockenau“. Die im Waldgebiet „Appel“ (zwischen Pavelsbach und Dippenricht) heute noch gut erkennbare Keltenschanze (Viereckschanze) weist eine Besiedelung in der Latènezeit (500–15 v. Chr.) nach.
Erstmals wird der Ort in einer in Eichstätt ausgefertigten bischöflichen Urkunde vom 5. Februar 1249 (Bischof Heinrich IV. 1247–1259) mit dem Namen „Bephensbach“ erwähnt. Mit dieser Urkunde schenkten Gottfried von Sulzbürg und seine Gattin Adelheid von Hohenfels dem von ihnen in 1242 gegründeten Kloster Seligenporten u. a. zwei Höfe in Pavelsbach. Im Jahre 1252 verlieh Hermann von Wolfstein dem Konrad, genannt Rephan, wegen der geleisteten Dienste ein Gut in "Babelspach".
Am 11. Oktober 1267 schenkte Bischof Hildebrand von Eichstätt (1261–1279) dem Kloster Seligenporten den „Zehnten“ des Ortes "Niderenpefenspach" („Unterdorf“), den Ulrich von Sulzbürg als Lehen und der Dorfadelige „Siboto von Pefensbach“ als Afterlehen besaßen. Wenig später erwarb das Kloster auch weitere Zehnten in Pavelsbach; so beurkunden am 24. Februar 1269 die Landgrafen Friderich und Gebhard von Leuchtenberg, dass sie den „Zehnt zu Pæiffensbach“, den „der von Rvicgerdoerf“ (Rückersdorf) und dessen Erben von ihnen zu Lehen hatten, dem Kloster Seligenporten übertragen haben.
Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) schenkte am 8. April 1317 dem „Hohen Deutschen Ritterorden“, der in Postbauer ein Pflegamt errichtet hatte, u. a. den Ort Niederpavelsbach. Die Bezeichnung Ober- und Unterdorf – für Ober- und Niederpavelsbach – ist bei älteren Dorfbewohnern noch heute gebräuchlich. Mit Urkunde vom 8. April 1319 hat Kaiser Ludwig der Bayer dem Kloster Seligenporten das Gut des "Heinricus Mvnich de Pævelspach" verliehen, das der "Ritter Berengar von Ponlant" verkauft hatte. Im Jahre 1337 kam es zu einem Konflikt zwischen der Klosterherrschaft Seligenporten und dem deutschordischen "nidern dorf Peffelsbach". Am 4. September 1337 fand hierzu ein Schiedsgericht statt, an dem, neben Albrecht von Wolfstein auf Seiten des Klosters Seligenporten, auch der Landkomtur der Deutschordensballei Franken, Heinrich von Zipplingen, teilnahm.
Ein erstes Gotteshaus wurde in den Jahren 1437 und 1438 errichtet. Ermöglicht wurde dies durch eine Stiftung eines Regensburger Chorherrn aus der Neumarkter Familie der Plank. 1602 wurde der Friedhof zur Kirche St. Cäcilia verlegt, da es um die Kirche St. Leonhard für einen Gottesacker zu nass war. Die Kirche St. Leonhard wurde im Jahre 1611 mit einer dritten Glocke ausgestattet, die in Nürnberg gegossen wurde. Im Jahre 1735 musste die Dorfkirche aufgrund Baufälligkeit durch einen Neubau ersetzt werden.
Die Gemeinde Pavelsbach Mit dem königlichen Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 entstand die Ruralgemeinde Pavelsbach.
Am 29. Juni 1829 brach im Pavelsbacher Unterdorf ein Großbrand aus, der 14 Wohnstallgebäude und 8 Nebengebäude vernichtete. Nach Errichtung der Expositur Pavelsbach durch Bischof Franz Leopold Freiherr von Leonrod am 18. Juli 1867 erbaute die Pfarrgemeinde Pavelsbach im Jahre 1870 ein Expositurhaus.
220x220px|mini|Links: kleines Schulhaus aus 1906 / Mitte: Schulhaus aus 1881 / Rechts: Schulstadel Die Gemeinde Pavelsbach errichtete in den Jahren 1880 / 1881 ein zweigeschossiges Schulhaus mit Lehrerwohnung und Nebengebäude und in den Jahren 1905 / 1906 ein zweites, nur eingeschossiges Schulgebäude mit gemeindlicher Amtsstube.
Im Zuge einer Gewerbeneugründung erfolgte am späteren Ortsteil An der Heide im Jahre 1924 die erste, zunächst ausschließlich gewerbliche Bebauung. 220x220px|mini|Ortsstraße NM44 in Pavelsbach (2024) In den Jahren 1927 und 1928 wurde mit dem Ausbau der Orts-Infrastruktur begonnen. Zunächst erfolgte 1927 die Elektrifizierung des Dorfes und dann im Jahre 1928 die Errichtung einer ersten Fernwasserversorgung. Noch im selben Jahr folgte der Bau eines GemeinschaftshausesProtokollbuch des Vereins katholischer landwirtschaftlicher Arbeiter in Pavelsbach. und dort die Einrichtung eines ersten Kindergartens.Mitteilungsblatt der Marktgemeinde Postbauer-Heng aus dem Mai 2013.
Ein verheerender Flieger- und Artilleriebeschuss vernichtete am 21. April 1945 rund ein Drittel der dörflichen Bebauung (18 Wohnhäuser und 34 größere Nebengebäude) und forderte darüber hinaus 3 Todesopfer in der Zivilbevölkerung.
Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg mini|218x218px|Dorfmuseum Fleischmichlhaus Aufgrund der schwierigen Versorgungslage kam der Wiederaufbau der 1945 zerstörten Gebäude zunächst nur schleppend voran.
Von Seiten der Gemeinde Pavelsbach wurden in der Zeitspanne bis 1974 folgende Infrastruktur- und Modernisierungsinvestitionen meist über das gemeindliche Satzungsrecht durchgeführt:
Anlage zweier Feuerlöschteiche (1958)Broschüre 10 Jahre Wiederaufbau Landkreis Neumarkt-Oberpfalz / Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Westlicher Jura / 1948–1958 / Durch den Wasser- und Bodenverband Pavelsbach wurden von 1958 bis 1963 die Pavelsbacher Fließgewässer auf einer Gesamtlänge von 10 km saniert, eine Fläche von rd. 80 Hektar entwässert sowie 4 große Brückenbauwerke errichtet.Zeitungsartikel in der Tageszeitung "Neumarkter Tagblatt" in den Ausgaben vom 3. Januar 1959 und 12. Februar 1963. Mitbegründung des Wasserversorgungs-Zweckverbands „Möninger Gruppe“ am 4. Oktober 1958 und Bau der notwendigen Einrichtungen und Leitungen in den Jahren 1959 bis 1963. Die Einweihung und Inbetriebnahme des Leitungsnetzes erfolgte am 22. Juni 1963 mit 548 Hausanschlüssen in den Orten Möning, Seligenporten, Pavelsbach und (twl.) Reckenstetten.Johann Gruber und Hans Brandl: Möning, wöis amal woar / Möning im März 2017 Auf die Errichtung eines Feuerwehrhauses mit Schlauchturm 1961 folgte die Berufung zur Stützpunktfeuerwehr sowie die Beschaffung eines Löschgruppenfahrzeugs im Jahr 1962. Im Rahmen der von 1968 bis 1974 laufenden Flurbereinigung wurde u. a. ein erstes Wohnbaugebiet, ein erstes Gewerbegebiet (Firma Schaller) sowie die heute noch genutzten Sportflächen bereitgestellt. die Infrastruktur Pavelsbachs mit einem innerörtlichen Abwasserkanalnetz versehen und die Ortsstraßen mit Straßenbeleuchtung errichtet.Bericht auf der Website der Firma Schaller 80 Jahre World’s Finest Guitar Parts / abgerufen am 17. Februar 2026 Zusammen mit den Gemeinden Heng, Oberhembach, Postbauer, Pyrbaum, Rengersricht und Seligenporten gründete die Gemeinde Pavelsbach am 21. August 1969 den „Zweckverband der Volksschule Postbauer und Heng“.
Bürgermeister
Ab Name Anmerkung Ab Name Anmerkung 1835 Michael o. Johann Mayer wohnhaft Ludwigstr. 28, erster frei gewählter Bürgermeister Pavelsbachs 1927 Willibald Hirschberger wohnhaft Cäciliastr. 15 1837 Michael Schmidt wohnhaft Heinrichstr. 9 1932 Johann Klinger (sen.) wohnhaft Ottostr. 3, urspr. 2. Bürgermeister, Amtsantritt nach dem Amtsverzicht Willibald Hirschbergers 1847 Peter Hirschberger wohnhaft Paulstr. 5 1933 Johann Klinger (sen.) wohnhaft Ottostr. 3 1860 Josef Muschaweck wohnhaft Ludwigstr. 24 1935 Franz Dotzer wohnhaft Ludwigstr. 27 1870 Michael Klinger wohnhaft Ottostr. 3 1942 Beck NSDAP Ortsgruppenleiter aus Pölling 1885 Georg (?) Wild wohnhaft Ludwigstr. 31 1943 Josef Zech wohnhaft Ludwigstr. 26 1894 J. Willibald Hirschberger wohnhaft Cäciliastr. 15 1946 Franz Kerschensteiner wohnhaft Cäciliastr 23 1912 Johann Klinger wohnhaft Ottostr. 3 1948 Michael Meier wohnhaft Ludwigstr. 13 1924 Konrad Siegert wohnhaft Ludwigstr. 3 1956 Johann Hirschmann wohnhaft Paulstr. 14, letzter Bürgermeister Pavelsbachs
Gemeindegebietsreform Im Rahmen der Bayerischen Gemeindegebietsreform stimmten die wahlberechtigten Bürger Pavelsbachs am 2. März 1975 mit rd. ⅔ der abgegebenen Stimmen für einen Anschluss an die Gemeinde Postbauer-Heng. Dieser wurde für Pavelsbach mit seinem Ortsteil An der Heide am 1. April 1975 vollzogen.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): . W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 649
227x227px|mini|Kirche St. Cäcilia
Ortsname Gemäß den Forschungen der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften setzt sich der Ortsname aus dem bairisch-mittelhochdeutschen Personennamen (Kosename) "Pafi(n)" (vgl. oberdeutsch-althochdeutsche Vollname Patufried oder altbairischer Vollname Paldfrid) und dem bairisch-mittelhochdeutschen Wort "pach" (Bach) zusammen, so dass sich die Namensbedeutung "(Siedlung am) Bach des Pafi(n)" oder "(Siedlung an) Pafines Bach" ergibt.
Religion Am 17. Juli 1867 errichtet Bischof Franz Leopold Freiherr von Leonrod die Expositur Pavelsbach.
Es gibt im Ort zwei katholische Kirchen, die Expositurkirche St. Leonhard und die Friedhofskirche St. Cäcilia. Beide sind als Teil der Pfarrei Möning nunmehr dem Pfarrverband Freystadt zugehörig. Die evangelischen Christen sind der Kirchengemeinde Pyrbaum zugeordnet.
Einwohner Einwohner mit Hauptwohnsitz in Pavelsbach: 1840 bis 1950 1871 / 1925 / 1950 / 1970 1975 2005 bis 2025
Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine In Pavelsbach gibt es (Stand: 2024) sechs Vereine. Pavelsbachs ältester Verein ist die Freiwillige Feuerwehr,Website Freiwillige Feuerwehr Pavelsbach die mit Urkunde „Seiner königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold“ vom 6. April 1884 gegründet wurde. Initiiert wurde diese Gründung, der anfangs 41 Mann starken „Wehr“, von dem seinerzeitigen Bürgermeister Georg Wild. Die Notwendigkeit einer schlagkräftigen Feuerwehr erkannten die Bürger Pavelsbachs wohl auch aufgrund eines Großbrands katastrophalen Ausmaßes im Jahr 1878.
Auf Betreiben des Expositus Josef Scheiber und des Organisten Josef Fries wurde der Kirchenchor Pavelsbach ab 1935 aufgebaut und wird seit Jahren von der Organistin Theresia Fürst geleitet.
Bei dem 1965 gegründeten Turn- und Sportverein Pavelsbach (TSV) handelt es sich um den mitgliederstärksten Verein des Ortes. Im Jahr 2020 fusionierte der Schützenverein Eichenlaub Pavelsbach mit dem „TSV“ und bildet seitdem, neben Fußball, Handball, Tennis, Ski, Gymnastik und Laufen, die siebte Abteilung des Turn- und Sportvereins Pavelsbach. 252x252px|mini|St.-Leonhard-Kirche (2024) Der Heimat- und Traditionsverein, der Obst- und Gartenbauverein und die Blaskapelle Pavelsbach ergänzen das Vereinsspektrum in Pavelsbach.
Sehenswürdigkeiten Bronzezeitliche Hügelgräber (in der Waldabteilung Stockenau bei Pavelsbach) Viereckschanze (zwischen Pavelsbach und Dippenricht in der Waldabteilung Appel)