mini|Alexander von Branca in Freiburg mit dem Modell der von ihm entworfenen Oberpostdirektion Freiburg im Breisgau (Foto von Willy Pragher, 1969) Alexander Raimund Freiherr von Branca (* 11. Januar 1919 in Schwabing, München; † 21. März 2011 in Miesbach), BR-online vom 23. März 2011. Abgerufen am 26. Mai 2015. war ein deutscher Architekt.
Familie Freiherr von Branca war der einzige Sohn aus der zweiten Ehe seines Vaters, des Offiziers und Diplomaten Wilhelm Freiherr von Branca (1870–1958) und der Malerin Hedwig Frankenburger (1890–1985), die unter dem Namen Hedwig Branca-Kent bekannt wurde; die Ehe wurde 1922 geschieden.
Alexander Freiherr von Branca war in erster Ehe mit der Tochter von Georg Enoch Freiherr von und zu Guttenberg, Theresa Freiin zu Guttenberg (1929–1953), verheiratet, mit der er einen Sohn hatte. Bald nach dem Tod der ersten Frau heiratete er die in seinem Büro tätige Architektin Carolina Bernasconi (1929–2021). Aus dieser Ehe sind ein Sohn und drei Töchter hervorgegangen.
Er lebte auf einem denkmalgeschützten Bauernhof in Miesbach, wo er am 21. März 2011 verstarb.
Werdegang Die Familie lebte in Schwabing. Er besuchte das Landschulheim Neubeuern. Als Sohn protestantischer Eltern trat er zum Katholizismus über. Während des Zweiten Weltkriegs 1941 besuchte er Abendkurse in der Zeichen- und Architekturschule Blocherer. Von Branca war Soldat, war aber während der Nazi-Herrschaft auch in Gestapo-Haft interniert. „In dieser Zeit gab ihm der Glauben viel Kraft.“tz.de:
Von 1946 bis 1948 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule München. 1948 setzte er sein Studium dann an der ETH Zürich fort. Ab 1951 war er in einem eigenen Architekturbüro in München tätig. 1953 war er künstlerischer Leiter der Deutschen Verkehrsausstellung in München und von 1972 bis 1988 Heimatpfleger von München. Seine Büronachfolge trat 2006 seine Tochter Alexandra Freiin von Branca an.
1970 wurde er von Kardinal-Großmeister Eugène Tisserant, dem Dekan des Kardinalskollegiums, zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 5. Dezember 1970 im Kölner Dom durch Lorenz Kardinal Jaeger, Großprior des Ordens, sowie Alois Hundhammer, Statthalter in Deutschland, investiert.
Architekturverständnis Kennzeichnend für seine Architektur sind die Verwendung großflächiger Wände, Verblendungen mit Natursteinen und der Festungscharakter seiner 29 Kirchenbauten. Über das Architekturverständnis Die Form folgt der Funktion sagt Freiherr von Branca: „Ja, die Formel „form follows function“ ist falsch, ist einfach ein Irrtum. Ich glaube auch, dass Sullivan das nicht nur materialistisch oder in Bezug auf Material gemeint hat, gerade wenn man von einer Kirche spricht. Was ist denn die Funktion einer Kirche? Die Funktion einer Kirche ist, die Menschen aus der Zerstreutheit in die Sammlung zu führen. Wenn ich Sammlung will, muß der Raum so sein, dass er Sammlung zuläßt. Wenn Funktion so verstanden wird, könnte man das so formulieren, aber es ist eben nicht so verstanden worden oder wird nicht so verstanden.“
Bauten mini|Anbetungskirche auf Berg Schönstatt mini|Münchener U-Bahnhof Theresienwiese mini|Münchener U-Bahnhof Marienplatz, Erweiterung 2006 mini|Eingangsbereich des Internationalen Seegerichtshofs Hamburg mini|Der Schanzlturm in Passau mini|Innenraum der Kirche Verklärung Christi in Rohrbach
1953–1955: Kloster Mädchenwohnheim und Klosterkirche Herz Jesu Schwestern vom Göttlichen Erlöser Buttermelcherstrasse in München mit Herbert Groethuysen 1953: Pavillon der Leichtmetallindustrie auf der Deutschen Verkehrsausstellung in München (zusammen mit E. von der Lippe) 1954–1955: Kloster und Klosterkirche der Servitinnen Mater Dolorosa Herzogspitalstr. 9 in München 1954: Volksbank in der Weißenburgstraße in Weiden in der Oberpfalz 1955: Wohnanlage Diplomatenwohnungen Thiemestraße in München 1957–1958 Altersheim in Pullach, München 1957–1960: Steyler Missionare Wohnhaus Studienkolleg „Pius-Kolleg“ Kirche München (abgerissen) 1958–1959: Kath. Kirchenzentrum mit Pfarrkirche Maria Immaculata in Greifenberg 1959–1961: Klenze-Gymnasium München 1959–1961: Kath. Pfarrkirche Verklärung Christi in Rohrbach 1960–1962: Kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz mit Kindergarten in Weißenburg in Bayern 1960: Haus von Haniel in Haimhausen 1962–1964: Kath. Pfarrkirche Zur Hl. Dreifaltigkeit mit Pfarramt, Kindergarten, und Schwesternheim in Nürnberg-LangwasserRichard Woditsch (Hrsg.): Architekturführer Nürnberg. DOM publishers, Berlin 2021, ISBN 978-3-86922-276-9, S. 211. 1962–1965: Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Madrid 1962–1965: Kath. Pfarrkirche St. Matthias in München 1963–1967: Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg/Inn 1963–1971: Familienerholungsheim Naumburg 1964–1965: Aussegnungshalle Gauting (Mitarbeiter: Erhard Fischer) 1964–1967: Kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz in Bonn-Beuel 1964–1968: Kath. Anbetungskirche (Schönstatt) zur heiligen Dreifaltigkeit auf Berg Schönstatt, sowie Bildungsstätte, Schwesternwohnheim, Ferienhaus, Wallfahrtszentrum zum Kloster 1964–1968: Kirche und Generalat der Schönstätter Marienschwestern, Vallendar bei Koblenz 1965–1971; 2006: U-Bahnhof Marienplatz in München 1965–1981: Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom (WB 1965 und 1968 1. Preis) 1966–1969: Neubau der Marienkapelle am Südhang von Schloss Hirschberg 1967–1969 Dante-Gymnasium München 1967–1970: Wohnhaus Claas in HarsewinkelAW Architektur & Wohnen. Heft 1/1973 1967: Kath. Pfarrkirche St. Martin in Jettingen-Scheppach 1969–1972: Olympia-Pressestadt in München (WB 1. Preis) 1969–1974: Universität-Zentralbibliothek der Universität Regensburg (WB 1966 2. Preis) 1969–1974: Zentralbibliothek der Universität Regensburg (WB 1966 2. Preis) 1970–1972: Pfarrzentrum St. Thomas Morus in Neusäß 1970–1975: Oberpostdirektion Freiburg im BreisgauOberpostdirektion Freiburg im Breisgau. In: Postbauten. Karl Krämer Verlag 1989. 1971–1974: St Ulrich Kath. Bildungs- und Seelsorgezentrum Augsburg (1969 1. Preis Ruhrgaspreis) 1971–1975: Oberpostdirektion Freiburg Breisgau (WB 1. Preis 1968) 1972–1974: Schanzlturm in PassauPassauer Neue Presse, 19. März 2011, Lokalteil Passau, S. 22. 1972–1978: Mensagebäude am Hubland der Universität Würzburg (WB 1970 1. Preis) 1973–1975: 4 U-Bahn Bonn#Stationen (WB 1973 2. Preis) 1973–1977: Universitätsbibliothek am Hubland der Universität Würzburg (WB 1970 1. Preis) 1973–1977: Zentralbibliothek der Universität Würzburg (WB 1970 1. Preis) 1973–1981: Neue Pinakothek mit Doerner Institut in München (1. Preis WB 1967) 1974–1978: Verlag C. H. Beck in München 1976–1980: Kaufhaus Hertie in Würzburg 1977–1979: Kath. Pfarrkirche St. Johannes Ev. in Diesenbach (Markt Regenstauf) 1977: Kath. Pfarrkirche St. Walburga in Heidenheim (Mittelfranken) 1979–1982 Gästehaus und Totenkapelle zum Kloster Schönstatt, Vallendar bei Koblenz 1979–1982 Gästehaus und Totenkapelle zum Kloster Schönstatt, Vallendar bei Koblenz 1979–1982: Gebäude Waldfriedhof in Leutkirch im Allgäu 1981–1984: U-Bahnhof Theresienwiese in München 1981: Sanierung des Herzogskastens, Ingolstadt 1982–1986: Priesterseminar St. Hieronymus in Augsburg 1982: Pater-Josef-Kentenich-Haus in Schönstatt 1983–1987: Polizei und Gesundheitsamt Esslingen (WB 1. Preis 1978/79 und 1. Preis 1979) 1985–1987: Schlossgartenanlage Ettlingen (WB 1. Preis 1985) 1985–1988: Gebäude des Thermalbads Jordanbad in Biberach an der Riß 1985–1989: U-Bahnhof Prinzregentenplatz in München 1985–1989: City-Hilton München 1986–1993: WB 1. Preis Umgestaltung und Sanierung Residenztheater in München 1986: Ev. Kirche St. Michael auf dem Schwanberg bei Kitzingen 1987–1991: Stadthalle Frankenthal (Pfalz) (WB 1. Preis 1987) vor 1987: Erweiterungsbau der Bayernwerk AG in MünchenGlasforum. Heft 2/1987 1990–1996 Kuranlage Sibyllenbad, Neualbenreuth (WB 1. Preis 1986) 1991: Kath. Pfarrkirche St. Peter in Kirchheim bei München, Ortsteil Heimstetten 1992–1996: Bischofsgrablege unter dem Westchor des Bamberger Doms 1994–1990: Hotel Marriott München 1996–2000: Spielbank in Bad Füssing 1996–2000: Ev. Gethsemane-Kirche in Würzburg-Heuchelhof WB 1. Preis 1996–2000: mit Emanuela Freiin von Branca (Partner) Gebäude des Internationalen Seegerichtshofs in Hamburg 1996–2001 Neubau Jugend- und Obdachlosengebäude Abtei St. Bonifaz, München 1996–2001: Spielbank und Städtebauliche Rahmenplanung Bad Kötzting mit Carl Schnabel 1998–2002: Neu- und Umbau der DZ-Bank, München 2000–2002: Kapelle Statio Dominus Mundi in Wustweiler (Gemeinde Illingen)
Auszeichnungen und Ehrungen 1957: Förderpreis für Architektur der Landeshauptstadt München 1957: Preis Bayern des Bund Deutscher Architekten (BDA) 1964: Preis Nordrhein-Westfalen des Bund Deutscher Architekten (BDA) (Kirche und Generalat Schönstätter Marienschwestern) 1971: Preis Bayern des Bund Deutscher Architekten (BDA) für die Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg Abgerufen am 26. Mai 2015. 1972: Preis Bayern des BDA für Landeserziehungsheim Neubeuern 1970: Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem 1975: 3 × Preis Bayern des Bund Deutscher Architekten (BDA) (Zentralbibliothek Regensburg; Haus des Gastes Bad Füssing; U-Bahnhof Marienplatz München) und weitere BDA Preise 1980: Ludwig-Thoma-Medaille der Stadt München 1980: Verleihung der Denkmalschutzmedaille 1981: Verleihung Europa-Nostra für Kaufhaus Hertie in Würzburg 1983: Architekturpreis der Landeshauptstadt München 1984: Medaille „München leuchtet“ 1984: Karl-Friedrich-Schinkel-Ring des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz 1989: Bayerische Verfassungsmedaille 1989: Bayerischer Poetentaler 1991: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 1992: Oberbayerischer Kulturpreis 1999: Großstern des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens 1999: Großes Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1999: Leo-von-Klenze-Medaille des Bayerischen Staatsministerium des Innern Akademie der schönen Künste Mitglied der Akademie für Städtebau Mitglied des Landesbaukunstausschusses Mitglied P.I. Accademia dei Virtuosi al Pantheon Ernennung zum Honorarprofessor durch den Freistaat Bayern Ritter des Souveränen Malteserordens Ehrennadel der Stadt Burghausen Bayerischer Verdienstorden Komtur des Päpstlichen Silvesterordens
Ausstellungen Sept./Okt. 2005 Alexander Freiherr von Branca Aquarelle, Skizzen, Architektur. Räume, die das Ganze meinen im Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner
Literatur Alexander von Branca: Facetten eines Lebens. Verlag Urfeld, Bad Tölz 2001, ISBN 3-932857-18-6. Architekturmuseum Schwaben (Hrsg.): Alexander Freiherr von Branca (1919), Augsburg 2019. Karin Blum (Hrsg.): Alexander von Branca – Architektur für Bauherren. Verlagshaus Kastner, Wolnzach 2003, ISBN 3-936154-96-1. E. Burmeister, H. Caspari (Bearb.): Alexander Freiherr von Branca. Kat. Ausst. FH München, 1979. Thomas von Nies: Alexander Freiherr von Branca zum 100. Geburtstag, Ein richtungsweisender Kirchenbaumeister aus Bayern, in: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalpflege Informationen, Nr. 171 (2019), S. 39–42.
Weblinks
Nachlass im Bestand der TU München (Architekturmuseum) Ein außergewöhnlicher Architekt. In: Donaukurier. 23. April 2009.
Mit 45 Jahren schon denkmalgeschützt – St. Matthias in München-Fürstenried. Münchner Kirchenradio, Aufnahme vom 21. Februar 2011
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (München) Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Träger der Bayerischen Verfassungsmedaille Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Person (Malteserorden) Kategorie:Ritter (Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem) Kategorie:Träger des Silvesterordens (Komtur) Kategorie:Träger des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens (Grossstern)