mini|Der Sprecher Yinal spricht in Amman mehrere tscherkessische Dialekte:min. 0:00–0:19: schapsugischer Dialekt,min. 0:20-0:40: bjjedughischer (bschedugischer) Dialekt,min. 0:41–0:56: abdzachischer (abadzechischer) Dialekt,min. 0:57–1:17: kabardinischer Dialekt im Kaukasus,min. 1:18–Ende: kabardinischer Dialekt der Diaspora.Video von WIKITONGUES.
Adygeisch (Eigenbezeichnung , „-bze“ bedeutet „Sprache“), deutsch auch Adygejisch, seltener Adygisch, auch West-Tscherkessisch, ist neben Russisch Amtssprache der autonomen Republik Adygeja in der Russischen Föderation. Sie wird von Nachkommen der Angehörigen verschiedener westlicher Tscherkessen-Stämme in Adygeja und Umgebung als Schriftsprache verwendet: den Schapsughen, den Bschedughen, den Absachen, den Temirgojern (Tschemgujern), den Hakutschen, den Kabardinern in Adygeja (nicht in Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien) und anderen Gruppen. Die normierte adygeische Schriftsprache wurde 1918–38 aus dem Dialekt des Stammes der Temirgojer gebildet.
In Russland sprechen vermutlich 125.000 Menschen Adygeisch als Muttersprache, weltweit sind es an die 500.000. Die größte adygeische Gemeinde lebt mit ungefähr 277.000 Sprechern in der Türkei. Ungefähr 4.000 Tscherkessen leben in Galiläa in Israel. Die schulpflichtigen Kinder haben in den Dörfern Kfar Kama und Rehaniye auch Unterricht in adygeischer Sprache. Es gibt weitere Sprechergruppen in Syrien, Jordanien (hier auch mit muttersprachlichem Schul- und Hochschulsystem) und kleinere Gemeinschaften im Kosovo, in Süd-Serbien, im Irak und in einigen Zuwanderergemeinschaften, beispielsweise in Deutschland oder in den USA.
Adygeisch (Westtscherkessisch/Niedertscherkessisch) gehört zur Familie der nordwestkaukasischen Sprachen (adyge-abchasischen Sprachen) und wird zusammen mit der Kabardinischen Sprache auch als „Tscherkessisch“ bezeichnet. Kabardinisch wird vornehmlich in der autonomen Republik Kabardino-Balkarien neben der balkarischen Sprache gesprochen. Weitere verwandte Sprachen sind Ubychisch, Abchasisch und Abasinisch.
Wie alle nordwestkaukasischen Sprachen weist das Adygeische einen agglutinierenden Sprachbau sowie eine hohe Zahl von Konsonanten auf. In den verschiedenen Dialekten gibt es zwischen fünfzig und sechzig Konsonanten, davon viele Ejektive. In der Mundart der Abdsachisch (Abadsechisch) existiert ein zusätzlicher, sehr seltener palataler Ejektiv.
Die Sprache wurde nach der Oktoberrevolution standardisiert und ab 1938 das kyrillische Alphabet verwendet. Zuvor war bis 1927 ein auf dem Arabischen aufbauendes Alphabet und ab 1928 ein auf dem Lateinischen basierendes Alphabet in Verwendung gewesen.
Dialekte mini|Tscherkessien um 1750 mit Namen der Stammesverbände. Heller und abgegrenzt: Gebiete anderer ethnisch-sprachlicher Gruppen; in dunklerem grün im Osten die Kabarda-Fürstentümer Große Kabardei und Kleine Kabardei, im Südwesten die anderssprachigen Ubychen und im Westen die wahrscheinlich ebenfalls anderssprachigen Schanejer. Damals existierten noch die Stämme der Adamijer und Kassogen am Kubanbogen und der Schanejer auf der Tamanhalbinsel, die es 1860 nicht mehr gab.
Vom 14. bis 18./19. Jahrhundert entstanden in jedem der tscherkessischen Stammesverbände interne Umgangssprachen, eigene Dialekte, die aber gegenseitig weitgehend verständlich waren und ein Dialektkontinuum bildeten. Einzige Ausnahme war der Tscherkessenstamm der Ubychen, die ehemals in Sotschi und Umgebung siedelten, deren mit den anderen Dialekten nicht kompatible Ubychische Sprache nicht als tscherkessischer Dialekt, sondern als separate Sprache klassifiziert wird. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch zwölf tscherkessische Stammesverbände, die auch als Sterne auf der tscherkessischen Nationalflagge (gleichzeitig Flagge der autonomen russischen Republik Adygeja) verewigt sind. Diese waren von Ost nach West: die Kabardiner (meist in Kabardino-Balkarien, sie trugen historisch die einzigen tscherkessischen Staatsbildungen, die Fürstentümer der Kabarda), die Beslenejer, die Machoscher, die Jedscherichuajer und die Mamchegher, entlang des Unterlaufs des Kuban: die Temirgojer (auch und besser Tschemgujer genannt), die Hatkuajer (Hetyqwajer), die Bjjedughen (Bschedugen), die Schapsugen und die Natchuajer, südlicher, am Hauptkamm des Westkaukasus die Abadzechen oder Abzachen/Abdzachen und die erwähnten Ubychen. Die Anzahl der Sprecher der Dialekte hing von der Größe und Bevölkerungsdichte der früheren Stammesgebiete ab. Der größte Stammesverband waren die Kabardiner, dessen kabardinischer Dialekt bis heute die meisten Sprecher hat, der kleinste die Hatkuajer.
Bis Mitte des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts existierten weitere Stämme, die sich nach verlorenen Konflikten um ihre Siedlungsgebiet zum Schutz größeren Stämmen anschlossen: die Schanejer (Zhane) auf der Taman-Halbinsel, die bei dessen Eroberung durch Kubankosaken so große Verluste erlitten, dass sich die Reste 1802 den Natchuajern anschlossen, und die Adamijer und Kassogen in der Region der Wendung des Kuban nach Westen, die Ende des 18. Jahrhunderts im Konflikt gegen vor der russischen Herrschaft fliehende Nogaier so dezimiert wurden, dass sich die Reste den Temirgojern anschlossen. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts werden in Quellen weitere kleine Stämme erwähnt, alle im äußersten Westen: die Adaler (Inselbewohner) im Westen der Taman, die Hegaiken bei Anapa und im Hochland des äußeren Westkaukasus die Nadho und Netaho (vielleicht identisch), die Koble, die S’schchapete, die Sotochen und die Guajer und Hakutschen. Abgesehen von den letzten beiden ist aufgrund widersprüchlicher Quellenangaben unklar, ob sie früher selbstständig waren, oder Untergruppen größerer Stämmesverbände. Alle diese kleineren Stämme gingen später in die Natchuajer, Schapsugen oder Abadzechen auf.W.A. Dimitriew: Die Westlichen Adygen: Sozium und Verbreitung vom 18. Jahrhundert – erste Hälfte 19. Jahrhundert. (russisch). Es gibt auch die Hypothese, dass sich diese kleineren adelslosen demokratischen Stämme den größeren anschlossen, nachdem diese die politischen Vorrechte ihres Adels beseitigt hatten. Nach zeitgenössischen Quellen (Evliya Çelebi, Sultan Khan-Giraj, Heinrich Julius Klaproth und Johann Anton Güldenstädt) sprachen die Schanejer früher, wie die Ubychen, eine von den anderen tscherkessischen Dialekten unterschiedliche Sprache. Mangels Überlieferung des Schanejischen sind keine näheren Aussagen möglich. Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert berichten, dass es damals eigene Dialekte der später aufgelösten Stammesverbände gab, die heute nicht mehr gesprochen werden, wie der adalische, oder der adamijische Dialekt.Amjad M. Jaimoukha: A Brief Account of the Circassian Language (PDF; 165 kB), S. 5–6. Von den Dialekten dieser ehemaligen Stammesverbände ist nur der Hakutschi-Dialekt der früheren Hakutschen bis heute erhalten.
Die Verbreitungsgebiete der Dialekte veränderten sich abrupt und grundlegend mit der Deportation der großen Mehrheit der Tscherkessen um 1864, wobei rund 90 % ins Osmanische Reich, die Mehrheit der Zurückgebliebenen 10 %, besonders westliche Tscherkessen, an den Kuban deportiert wurden, über 10 % kamen dabei um (nach jüngeren Untersuchungen von vielen russischen Verantwortlichen sogar beabsichtigt, oder zumindest hingenommen, weshalb die Deportation zunehmend als Völkermord gewertet wird). Heute leben die meisten Sprecher in Nachfolgestaaten des Osmanischen Reiches, besonders in der Türkei, wo hunderte Dörfer mit tscherkessischsprachiger Bevölkerung entstanden, seit 1864 meistens in Zentralanatolien von Samsun aus nach Süden. Seit dem Verlust der osmanischen Gebiete auf der Balkanhalbinsel im Berliner Kongress 1878 und nach den Balkankriegen 1912/13 flüchteten fast alle dort angesiedelten Tscherkessen vorwiegend nach Westanatolien, nach Syrien, Jordanien und Palästina, seltener in den Irak. Nach den Deportationen veränderte sich in der Diaspora der Bestand der verwendeten Dialekte. Einige Dialekte, wie auch die eigene Sprache Ubychisch, starben aus oder verloren die große Mehrheit ihrer Sprecher, andere bestehen bis heute. Ursache dieser Verdrängungen sind die Übernahme der Umgebungssprachen, wie Türkisch oder Arabisch durch die Nachkommen, aber auch in den Siedlungsdörfern die dialektal gemischte Ansiedlung, woraufhin sich ein Dialekt als dörfliche Umgangssprache oft durchsetzte und die anderen verdrängte.
Oft werden heute nur die sechs großen, erhaltenen Dialekte mit zahlreichen Sprechern – Kabardinisch, Beslenejisch, Temirgoisch/Tschemgujisch, Abadzechisch/Ab(d)zachisch, Bjjedugisch/Bschedughisch und Schapsugisch – erwähnt, aber es sind insgesamt mehr Dialekte erhalten, einige auch nur in der Diaspora oder mit nur noch wenigen Sprechern. Größere Dialekte umfassen bis heute mehrere Subdialekte/Unterdialekte, die manchmal verschiedene Mundarten aufweisen. Sie sind nach sprachlichen Charakteristika in zwei Dialektgruppen (eine der beiden in zwei Untergruppen) klassifiziert, die zur Grundlage von zwei Literatur- und Schriftsprachen wurden: der Kabardinischen oder Osttscherkessischen Sprache und der Adygeischen oder Westtscherkessischen Sprache. Weil auch unter den westlichen tscherkessischen Gruppen, die seit 1918 die Adygeische Schriftsprache verwenden, Minderheiten mit osttscherkessischen/kabardinischen Dialekten sind, werden hier alle tscherkessischen Dialekte aufgezähltJuri Korjakow, Timur Majsak et al.: Ҏеестр Кавҝазских Языков. (Russisch: „Register Kaukasischer Sprachen.“) S. 21–23. (Materialsammlung aus Literaturauswertung zur Zusammenstellung eines Atlas Kaukasischer Sprachen. Dazu gehören unter vielen anderen die beiden nebenstehenden Karten.) S. 21–23.:
mini|Verbreitung tscherkessischer Dialekte (grün) im Kaukasus in der Gegenwart. Karte des Linguarium-Projektes unter Juri Korjakow und Timur Majsak der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Lomonossow-Universität Moskau. mini|Verbreitung tscherkessischer Dialekte (grün) in der Türkei in der Gegenwart. Karte des Linguarium-Projektes unter Juri Korjakow und Timur Majsak der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Lomonossow-Universität Moskau. Osttscherkessische Dialekte (auch Obertscherkessische oder Kabardinische Dialekte) Kabardinisch: sprecherreichster Dialekt, vorwiegend in Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien und Umgebung, auch in der Diaspora zahlreich; wurde zur Grundlage der Kabardinischen Schriftsprache, die in den beiden erwähnten russischen Republiken offizielle Landessprache und Schulsprache ist, Unterdialekt der Kabardei/Kabardinisch i. e. S.: Dialekt der Kabardei, des kabardinischen Siedlungsgebietes in Kabardino-Balkarien, Standardkabardinisch/Literaturkabardinisch: in den 1920er Jahren entwickelte Literatur- und Amtssprache Kabardino-Balkariens, Großkabardinische Mundart/Baksan-Mundart/Westkabardinische Mundart: im historischen Gebiet Große Kabardei im Westen, in der Umgebung des Baksan, Kleinkabardinische Mundart/Terek-Mundart/Ostkabardinische Mundart: im historischen Gebiet Kleine Kabardei im Osten, in der Umgebung des oberen Terek, Malka-Mundart/Nordkabardinische Mundart: in der Umgebung des Flusses Malka, Mosdok-Unterdialekt: in der Umgebung von Mosdok/Nordossetien-Alanien und einigen Steppendörfern im Rajon Kursk um Kurskaja/Region Stawropol, die relativ wenigen Mosdok-Kabardiner, die Ende 18. Jahrhundert aus der Kabardei vor der Leibeigenschaft flüchteten, sind die einzige Tscherkessen-Gruppe, die vom 16. bis 19. Jahrhundert nicht zum Islam konvertierten und orthodoxe Christen sind, Mosdok-Kabardinisch hat deshalb faktisch keine Fremdwörter aus Sprachen der islamischen Welt, wie Arabisch, Persisch oder Türkisch,