mini|hochkant|Bjørn Lomborg (vor 2007) Bjørn Lomborg (* 6. Januar 1965 in Frederiksberg) ist ein dänischer Buchautor und Gründer des Think Tanks Copenhagen Consensus Center. Lomborg ist aufgrund seines provokanten Auftretens, seines Umgangs mit Quellen und Statistiken sowie der als einseitig kritisierten Ergebnisse seiner Bücher umstritten.

Lomborg ist in den Medien präsent. In wissenschaftlichen Fachzeitschriften hat er bisher fast ausschließlich Kommentare und Meinungsartikel publiziert.Bjørn Lomborg, just a scientist with a different opinion? In: RealClimate. 31. August 2015. Abgerufen am 7. Juni 2017. Er stand bzw. steht zudem in Verbindung mit vielen konservativen und libertären Think Tanks wie dem Competitive Enterprise Institute, der Hoover Institution, dem Heartland Institute, dem Environmental Assessment Institute, der Cooler Heads Coalition und dem Fraser Institute, die unter anderem gezielt die Klimawandelleugnung vorantreiben.Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft. Wiley-VCH, Weinheim 2014, ISBN 978-3-527-41211-2, S. 330.

Das Environmental Assessment Institute, mittlerweile ein Teilbereich des Wirtschaftsministeriums in Kopenhagen, wurde zu Beginn der liberal-konservativen Regierung Anders Fogh Rasmussen I (2001–2005) für ihn eingerichtet. Bekannt wurde Lomborg mit dem kontrovers diskutierten Bestseller The Skeptical Environmentalist (dt. Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln) sowie durch das seit 2002 laufende Projekt Copenhagen Consensus zur Prioritätensetzung bei der weltweiten Entwicklungspolitik.

Leben Bjørn Lomborg stammt aus Frederiksberg nördlich von Kopenhagen und schloss 1991 sein Studium der Politikwissenschaft an der Universität Aarhus ab. Danach trat er eine Doktorandenstelle am Institut für Politikwissenschaft der Universität Kopenhagen an, von dem er 1994 zum Dr. phil. promoviert wurde. Anschließend kehrte er an das Institut für Politikwissenschaft (Institut for Statskundskab) an der Universität Aarhus zurück, an der er vor allem Statistik unterrichtete. 1997 wurde er zum Lektor befördert und erreichte damit Professorenstatus.

Weltweit bekannt wurde Lomborg, als er 1998 sein Buch Verdens sande tilstand (wörtlich: "Der Welt wahrer Zustand"; 2001 auch in Englisch: The Skeptical Environmentalist: Measuring the Real State of the World und 2002 in Deutsch: Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln) veröffentlichte. Darin spielen viele Komponenten neben der globalen Erwärmung eine Rolle: Überbevölkerung, Energieressourcenabbau, überproportionale Entwaldung, Verlust von Tier- und Pflanzenarten, fortschreitender Wassermangel, mögliche Ursachen ebenso wie Folgen des Klimawandels. Grundlage dafür war die Beschäftigung mit Thesen Julian L. Simons und einem Wired-Interview mit demselben.

Bei Gegnern der Umweltschutzpolitik wurde Lomborg populär. So berief ihn der konservative Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen 2002 zum Direktor des neu errichteten dänischen Institut for Miljøvurdering (Institut für Umweltbeurteilung). Im April 2004 erklärte ihn das Time Magazine zu einem der „100 einflussreichsten Menschen der Welt“. Von 20.000 Lesern der Politikzeitschriften Foreign Policy und Prospect wurde er Ende 2005 auf Platz 14 der „20 wichtigsten Intellektuellen der Welt“ gewählt. 2004 ging er nach Aarhus zurück und nahm im folgenden Jahr eine Stellung an der Copenhagen Business School an.

In seinem Buch The Skeptical Environmentalist griff Lomborg die Ansicht an, der allgemeine Zustand der Umwelt verschlechtere sich zunehmend. Ausgehend von statistischem Material versuchte er zu beweisen, dass der Zustand der Umwelt sich verbessert habe, und forderte daher, zum Beispiel weniger staatliche Gelder für die Klimapolitik zu verwenden. Er stieß dabei in den Medien auf große Resonanz und gerade bei Gegnern der Umweltschutzpolitik auf Zustimmung, während das Buch von Wissenschaftlern aufgrund der Vielzahl an inhaltlichen Fehlern und falscher Schlussfolgerungen scharf kritisiert wurde.Ein Kritiker in Deutschland ist Ernst Ulrich von Weizsäcker. Vgl. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Björn oder der Optimismus: Wir leben in der besten aller Umwelten, schreibt der dänische Statistiker Björn Lomborg. Sein Zahlenwerk führt in die Irre. In: Berliner Zeitung. 26. August 2002, abgerufen am 29. Dezember 2025. Lob kam vor allem von journalistischer Seite, während das Buch von Wissenschaftlern und Umweltschutzverbänden hauptsächlich kritisch aufgenommen wurde und zum Teil auch sehr scharfe Kritik geäußert wurde.

In seinem 2007 erschienenen Buch Cool It! kritisierte er die seiner Auffassung nach übertriebene Darstellung der Folgen des Klimawandels, wie er sie bei Al Gore, George Monbiot und Nicholas Stern und bei Organisationen wie dem IPCC und auch bei Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace sieht sowie seitens verschiedener Medien und Politiker. Primäres Ziel seiner Kritik war das Festhalten an den Zielen des Kyoto-Protokolls, da selbst dessen vollständige Umsetzung die Erwärmung nur um fünf Jahre hinauszögern würde. Der für das Kyoto-Protokoll erbrachte finanzielle Aufwand sollte nach Lomborgs Meinung effizienter in die von ihm im organisierten „Kopenhagener Konsens“ vorgeschlagenen Maßnahmen für dort aufgelistete "dringlichere Probleme" der Menschheit aufgewandt werden. Hierzu zählten u. a. die Bekämpfung von Krankheiten und Unterernährung und die Verbesserung von Wasserversorgung und Hygienestandards in unzureichend entwickelten Ländern.

Ebenso meinte er, dass mögliche Folgen der Erwärmung etwa durch Maßnahmen gegen Hurrikane und Überschwemmungen mit einem Bruchteil der Kosten entgegengetreten werden könnte und so mehr Nutzen brächten als die Senkung des gegenwärtigen CO2-Ausstoßes und somit wesentlich nachhaltiger wären.

Für Überraschung sorgte Lomborg jedoch im August 2010, als er eingestand, dass er jährlich 100 Mrd. US-$ für nötig hielte, um den Klimawandel zu bekämpfen. Es sei Tatsache, dass es eine globale Erwärmung gebe, dass sie vom Menschen verursacht werde und dass etwas dagegen getan werden müsse.Benjamin Reuter: "Ich habe nie verharmlost". In: Die Zeit. 14. Oktober 2010, abgerufen am 29. Dezember 2025. Dazu schlug Lomborg die Einführung einer Steuer auf CO2-Emissionen vor. Die 100 Mrd. US-$ sollten nach Lomborgs Vorstellungen in die Erforschung klimafreundlicher Energien investiert werden wie etwa Wind-, Wellen-, Kern- und Solarenergie. Lomborg empfiehlt auch die Forschungen über das sog. Geo-Engineering auszudehnen, auch wenn er einräumt, dass das Geo-Engineering mit Risiken behaftet sei. Die Reevaluierung der Vorschläge des Copenhagen Consensus begründete Lomborg mit einer neueren Analyse von 2008, die neue Ideen zur Bekämpfung der globalen Erwärmung miteinbezogen habe.

2010 veröffentlichte er das Buch Smart Solutions to Climate Change mit Vorschlägen zur Bekämpfung des Klimawandels und forderte Milliardeninvestitionen zur Erforschung von klimafreundlichen Energiequellen. Dessen ungeachtet sieht er bei einer maßvollen Erwärmung mehr Nutzen als Schaden. Des Weiteren sei – in Anknüpfung an Julian Lincoln SimonBjørn Lomborg: Globaler Wandel: Unsere Welt ist seit 1900 viel besser geworden. In: Die Welt. 18. Oktober 2013, abgerufen am 29. Dezember 2025. – die Zukunft der Erde keineswegs düster. Die wichtigsten Indikatoren haben sich Lomborg zufolge seit 1900 zum Positiven verändert und zur Lösung der Probleme stünden mehr Ressourcen denn je zur Verfügung.

2012 wurde dem Copenhagen Consensus Center von der neuen, sozialdemokratischen Regierung Helle Thorning-Schmidt I die staatliche Finanzierung entzogen.Bjorn Lomborg's climate sceptic thinktank to close. In: The Guardian. 23. Januar 2012, abgerufen am 29. Dezember 2025. Dessen ungeachtet wird das Projekt weitergeführt. 2012 wurde Nahrungsergänzungsstoffen die höchste Priorität gegeben.

Im Zusammenhang mit der 2026 vom US-Justizministerium veranlassten Freigabe umfangreicher Unterlagen zur Epstein-Affäre wird Lomborg in Dokumenten aus dem Jahr 2012 mehrfach erwähnt; eine E-Mail-Korrespondenz mit seinem literarischen Agenten John Brockman dokumentiert ein für den 25. September 2012 angesetztes einstündiges Treffen mit Jeffrey Epstein in dessen Haus in New York. Gegenüber der Zeitung bestätigte Lomborgs Manager, dass das Treffen stattfand; Lomborg sei damals über Epsteins frühere Verurteilung nicht informiert gewesen und es habe im Anschluss keinen weiteren Kontakt gegeben. Inhaltlich habe sich das Gespräch um die Frage gedreht, welche philanthropischen Investitionen pro eingesetztem Dollar den größten gesellschaftlichen Nutzen stiften.

Rezeption 2003 rügte das Dänische Komitee für unredliches Verhalten in der Wissenschaft Lomborg für sein Buch The Skeptical Environmentalist. Ausgangspunkt waren Beschwerden durch anerkannte internationale Forscher wie z. B. Edward O. Wilson. Unter anderem hielt das Komitee fest, dass Lomborg in seinem Buch u. a. erfundene Daten genutzt, selektiv unerwünschte Ergebnisse aussortiert und vorsätzlich irreführende statistische Methoden angewandt hatte, zudem Plagiate begangen und Ergebnisse anderer Forscher vorsätzlich falsch interpretiert hatte.James Hoggan, Richard Littlemore: Climate Cover-Up: The Crusade to Deny Global Warming. Greystone Books 2009, S. 120., Vgl. auch Haydn Washington, John Cook: Climate Change Denial. Heads in the Sand. Earthscan 2011, S. 73. Insgesamt fand der dänische Biologe Kare Fog 110 klare Fehler und 208 inhaltliche Mängel, also etwa einen Irrtum pro Seite.James Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. Columbia University Press, New York 2012, S. 85. Zudem wurde das Buch als "ein Lehrbuchbeispiel für den Missbrauch von Statistik" bezeichnet.Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft. Wiley-VCH, Weinheim 2014, ISBN 978-3-527-41211-2, S. 328. Das dänische Ministerium für Wissenschaft, Technik und Innovation sprach ihn schließlich nach einer Überprüfung von dem Vorwurf der wissenschaftlichen Unlauterkeit frei, da nicht nachgewiesen werden konnte, dass das Buch überhaupt ein wissenschaftliches Werk sei.Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft. Wiley-VCH, Weinheim 2014, ISBN 978-3-527-41211-2, S. 328 f.

Aufgrund einer Petition von Sozialwissenschaftlern, die dem Komitee Verfahrensfehler und fehlerhafte Methoden bei der Einschätzung der wissenschaftlichen Qualität von Lomborgs Buch vorwarfen, sowie einer Beschwerde seitens Lomborgs annullierte das Ministerium die Entscheidung des Komitees und forderte es zur erneuten Überprüfung des Falles auf. Da das Komitee in seiner ursprünglichen Entscheidung explizit das Buch kritisierte und Lomborg nicht bewusste wissenschaftliche Unredlichkeit unterstellte (unter Verweis auf seine mangelnde Expertise in den betreffenden Feldern), beschloss es 2004, kein neues Verfahren zu eröffnen.