Das XXI Bomber Command war eine Einheit der Twentieth Air Force der United States Army Air Forces (USAAF) für strategische Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs im Pazifikkrieg. Die Einheit wurde am 1. März 1944 auf dem Smoky Hill Army Air Field in Salina im US-Bundesstaat Kansas gegründet und war ab Mitte Oktober 1944 auf den Marianeninseln stationiert. Bis ca. Mitte Juli 1945 führten die ihr zugehörigen Bomber Bombardierungsoperationen über große Entfernungen (VLR)Very Large Range → Sehr große Reichweite (Langstreckenbomber), vor allem gegen Ziele auf den japanischen Hauptinseln, durch.
Vorgeschichte und Planung
Im Januar 1943 erörterte US-Präsident Franklin D. Roosevelt mit dem britischen Premierminister Winston Churchill auf der Symbol-Konferenz in Casablanca die Möglichkeit von Luftoperationen gegen die Japaner von Stützpunkten in China. General George C. Marshall unterstützte dabei General Henry H. Arnolds Ansicht, dass die japanische Industrie sehr anfällig für Bombardierungen aus der Luft sei. mini|hochkant|General Henry H. Arnold Aus diesen und weiteren Konsultierungen entwickelten sich dann Pläne zur Durchführung der Operationen. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Twentieth Air Force über drei oder eventuell vier Bomberkommandos verfügen sollte; das XX Bomber Command in China und Britisch-Indien; das XXI Bomber Command in den Marianen; das XXII Bomber Command auf den Philippinen, Formosa oder Okinawa; und vielleicht das XXIII Bomber Command in Alaska. Die Gesamtzahl der Flugzeuge der Twentieth Air Force würde aus 1.000 bis 1.500 einsatzbereiten B-29 Langstreckenbomber und deren Begleitjägern bestehen, die entwickelt oder modifiziert werden könnten.
Für die Operation Matterhorn wurden dann B-29 Langstreckenbomber auf Flugplätzen in West- und Südchina stationiert.
Als großes Problem stellte sich die Reichweite der neuen Bomber dar. Tokio, im Osten von Honshū, lag mehr als 3220 Kilometer von den vorgesehenen Stützpunkten in China entfernt und befand sich damit außerhalb der Reichweite der B-29. Die einzige Insel der großen japanischen Heimatinseln innerhalb des Kampfradius von 2575 Kilometern der B-29 war Kyūshū im Südwesten Japans.
Auf den Konferenzen hatten die Joint Chiefs of Staff versprochen, im November 1944 eine Luftoffensive gegen Japan zu starten. Dieser geplante Angriff war mit den sorgfältig vorbereiteten Plänen für die Pazifikfeldzüge von Admiral Chester W. Nimitz und General Douglas MacArthur verknüpft. Das Zieldatum musste eingehalten und der Erfolg einer höchst umstrittenen Operation nachgewiesen werden, wenn die strategische Luftwaffe im Pazifik Früchte tragen wollte.
Die ersten Einsätze des XX Bomber Command von Britisch-Indien und China aus verliefen nicht besonders erfolgreich. Zwar wurde mit logistischen Problemen gerechnet, aber die operativen Taktiken brachten kaum Ergebnisse, selbst wenn die B-29 über genügend Treibstoff und Bomben verfügten, um ihre Ziele anzugreifen. Bei Gesprächen im Oberkommando der Twentieth Air Force bestritt der Befehlshaber des XX Bomber Command, Brigadegeneral Kenneth B. Wolfe, energisch, dass seine B-29 bei Tageslicht in Formationen zu ihren Zielen fliegen könnten. Er sagte auch kategorisch, dass B-29 ihre Ziele bei Tageslicht in Formation von den Marianen aus nicht erreichen könnten. Diese Einschätzung versetzte den Einsatzplänen des geplanten XXI Bomber Command einen schweren Schlag, da Wolfe ein Spezialist für die B-29 war und als „die letzte Autorität“ für die technischen Aspekte der B-29 galt.
Testflug zur Überprüfung der Reichweite mini|B-29 Langstreckenbomber Oberst Cecil Edward Combs, der Chef der Kampfeinsätze der Twentieth Air Force, wurde angewiesen, Übungstests durchzuführen, um diese Behauptung zu bestätigen oder zu widerlegen, dass die B-29 nicht über eine ausreichende Reichweite verfügte, um, wie erforderlich, in Formation zu operieren. Er reiste nach Eglin Field in Florida und organisierte einen Testflug über dem Golf von Mexiko, um den Flug von den Marianen nach Tokio und zurück dort zu simulieren. Es wurden etwa 3,6 Tonnen an simulierter Bombenladungen, sowie volle Munitionsladungen mitgeführt. Combs konnte für den Test allerdings nur drei B-29 aufbieten, aber er wurde mit Kampftaktiken aus Kriegszeiten durchgeführt, die so genau wie möglich nachgeahmt wurden, einschließlich der Art der Formation selbst. Das heißt, der Test umfasste die Erstaufrüstung der Maschinen, eine lockere Formation auf dem Weg, einen Aufstieg auf rund 9000 Meter für den Bombenflug, eine enge Verteidigungsformation in den Bereichen, in denen potenzielle Jagdflugzeuge abgefangen werden könnten und das Beibehalten dieser Formation bis außerhalb der Reichweite feindlicher Jäger, sowie die Rückkehr zur Basis in lockerer Formation.
Die drei Flugzeuge kehrten erfolgreich zur ursprünglichen Basis, Eglin Field, zurück. Die Treibstoffreserven waren allerdings zu gering. Obwohl der Einsatz machbar war, musste noch viel über den Treibstoffverbrauch und die Taktik bei Tageslicht gelernt werden, wenn große Formationen über diese Distanzen geflogen werden sollten.
Aufstellung des XXI Bomber Command Das XXI Bomber Command wurde dann am 1. März 1944 auf dem Smoky Hill Army Air Field in Salina, Kansas, aufgestellt. Es wurde von der Second Air Force ausgebildet und mit Personal ausgestattet. Der Hauptsitz des XXI Bomber Command wurde später nach Peterson Field in Colorado Springs, Colorado verlegt. Das XXI Bomber Command sollte aus 1.000 B-29 bestehen und musste die nötige Ausbildung auf diesen Flugzeugen erhalten. mini|hochkant|Generalmajor Haywood S. Hansell bei einem Briefing für eine Bombardierungsmission gegen Tokio Im Spätfrühling 1944 teilte General Arnold mit, dass Generalmajor Haywood S. Hansell das Kommando über das XXI Bomber Command auf den Marianen übernehmen sollte. Hansell war zu diesem Zeitpunkt Stabschef der Twentieth Air Force. Sein Nachfolger dort wurde Brigadegeneral Lauris Norstad. Als Hansell am 28. August das Kommando übernahm, wurde dem XXI Bomber Command eine Einheit zugewiesen, das 73rd Bombardment Wing, das sich zu der Zeit noch in Salina, Kansas, in der Ausbildung befand.
Da Mitte November die Bombardierungen gegen Japan beginnen und Anfang Oktober die ersten B-29 auf den Marianen eintreffen sollten, versuchte Hansell der Unerfahrenheit des 73rd Bombardment Wing mit ihren neuen Flugzeug entgegenzuwirken, indem er sie anwies während des Flugs über den Pazifik in Formation zu fliegen. Das Air Transport Command, zu dieser Zeit noch Kommandoführer der Flugzeuge, lehnte allerdings sein Ansinnen ab, da die B-29 nicht über die entsprechenden Fähigkeiten verfüge.
Stützpunkte auf den Marianen Angesichts der begrenzten Landmasse, die für Stützpunkte in den Marianen zur Verfügung stand, und der Notwendigkeit, die B-29 so schnell wie möglich in den Kampfeinsatz zu bringen, wurde beschlossen, die Anzahl der Installationen auf den drei Inseln Guam, Saipan und Tinian zu begrenzen. Jedes Bomber-Geschwader (Bombardment Wing) mit seinen Kampfgruppen und Diensteinheiten operierte von einer einzigen Basis aus die zwölftausend Mann beherbergte und die notwendigen Einrichtungen für bis zu zweihundert B-29 bereitstellte.
Nach der Einnahme der Marianen konnten die dortigen Stützpunkte für die Langstreckenbomber nur unter großen Schwierigkeiten ausgebaut werden. Zwar wurden die Arbeiten energisch vorangetrieben, aber die tropischen Regenfälle und die dadurch vielfach unpassierbaren Straßen, sowie wiederholte japanische Luftangriffe erschwerten den Ausbau der Landebahnen und der zugehörigen Infrastruktur. Als die erste B-29 am 12. Oktober auf dem Isley Field auf Saipan eintraf, waren die letzten Pflasterarbeiten und andere Einrichtungen noch unvollständig. Bis zum 15. Dezember konnte eine zweite Start- und Landebahn für die B-29-Flugzeuge für einen Einsatz gegen Japan genutzt werden, doch die Einrichtungen am Isley Field waren erst im April 1945 im Wesentlichen fertiggestellt.
Auf den Marianen wurden die folgenden Einheiten des XXI Bomber Command stationiert: +Twentieth Air Force (General Henry H. Arnold)XXI Bomber Command (Generalmajor Haywood S. Hansell, ab Januar 1945 Generalmajor Curtis LeMay)73rd Bombardment Wing (Brigadegeneral Emmett O’Donnell Jr.)497th Bombardment Group498th Bombardment Group499th Bombardment Group500th Bombardment GroupBefehlshaberOberst Stuart P. Wright, 26. April 1944; ab 26. Februar 1945 Oberst Arnold T. JohnsonMajor Crocker Snow, 20. Januar 1944; ab 14. März 1944 Oberst Wiley D. GaneyOberst Morris Lee, 4. April 1944, ab 17. März 1945 Oberstleutnant Walter E. ChambersMajor Ralph A. Reeve, 28. Januar 1944; ab 7. Februar 1944 Major John E. Gay, ab 8. März 1944 Oberstleutnant John E. Dougherty, ab 5. Mai 1944 Oberst Richard T. King Jr., ab 5. Dezember 1944 Oberst John E. DoughertyStationierungsortIsley Field, Saipan
+313th Bombardment Wing (Brigadegeneral James H. Davies)6th Bombardment Group9th Bombardment Group504th Bombardment Group505th Bombardment GroupBefehlshaberOberst Kenneth H. Gibson, 17. Juni 1944; ab 31. August 1945 Oberstleutnant Theodore W. TuckerOberst Donald W. Eisenhart, 1. Mai 1944; ab 6. März bis August 1945 Oberst Henry C. HuglinOberst James T. Connally, 6. April 1944; ab 6. Februar 1945 Oberst Glen W. MartinOberst Robert A. Ping, 3. Mai 1944; ab 1. Juli 1945 Oberstleutnant Charles M. EisenhartStationierungsortNorth Field, Tinian
+314th Bombardment Wing (General Thomas Sarsfield Power)19th Bombardment Group29th Bombardment Group330th Bombardment Group39th Bombardment GroupBefehlshaberOberstleutnant Philip L. Mathewson, 30. Juni 1944; ab 16. Juli 1944 Oberst John A. Roberts Jr.Hauptmann Samuel W. Bright, 28. April 1944; ab 2. Mai 1944 Major Quinn L. Oldaker, ab 28. Mai 1944 Oberst Carl R. Storrie, ab 23. Juli 1945 Oberst Robert L. MasonMajor Douglas C. Polhamus, 12. August 1944Major Potter B. Paige, 15. Juni 1944; ab 22. Februar 1945 Major John G. Fowler, ab 16. März 1945 Major George W. MundyStationierungsortNorth Field, Guam
+315th Bombardment Wing (Brigadegeneral Frank A. Armstrong Jr.)16th Bombardment Group331st Bombardment Group501st Bombardment Group502nd Bombardment GroupBefehlshaberMajor Richard W. Lavin, 1. Juil 1944; ab 11. Juli 1944 Oberst Samuel C. Gurney Jr., ab 11. Juli 1945 Oberstleutnant Andre F. CastellottiOberst Hoyt L. Prindle, 19. August 1944; ab 24. Januar 1945 Oberst James N. PeytonMajor Boyd Hubbard Jr., 11. August 1944Oberstleutnant Robert C. McBride, 1. August 1944; ab 6. Oktober 1944 Oberst Kenneth O. SanbornStationierungsortNorthwest Field, Guam mini|29th Bombardment Group auf dem North Field, GuamDas 58th Bombardment Wing war ursprünglich dem XX Bomber Command zugeordnet. Das 73th Bombardment Wing sollte ursprünglich dem 58th Bombardment Wing in China zur Operation Matterhorn beitreten, aber als die Marianen eingenommen wurden, ist es nach Saipan umgeleitet worden und das 58th Bombardment Wing nach Tinian verlegt, beides als Teil des neuen XXI Bomber Command.
Zusätzlich zu den Bombardment Wings verfügte jede Bombardment Group über eine Hauptquartiereinheit, mehrere Flugdienstgeschwader für routinemäßige Wartungsarbeiten und andere Aufgaben sowie eine Flugdienstgruppe, die für größere Wartungs- und Reparaturarbeiten verantwortlich war.
Einsätze von den Marianen Nachdem die Marianen erobert waren, konnten die B-29 Ziele in Japan erreichen, die außerhalb der Reichweite Chinas lagen. Dazu gehörte auch die Hauptstadt Tokio. Der benötigte Treibstoff ließ sich von Tankschiffen in örtlichen Häfen beziehen. Die ersten B-29 landeten am 12. Oktober auf Saipan und das XXI. Bomber Command unter dem Kommando von Brigadegeneral Haywood S. Hansell flog den ersten Einsatz am 27./28. Oktober. Hierbei handelte es sich um eine Trainingsmission, bei der die Bombardierung von Truk auf Sicht durchgeführt wurde. Sie wurde am 30. Oktober wiederholt und am 2. November erfolgte die Mission mittels Radarunterstützung.