Thrash Metal (engl. thrash ‚dreschen‘, ‚prügeln‘) ist eine schnelle und extreme Spielart des Metal, die Anfang der 1980er Jahre entstand.

Stil Oftmals wird Thrash Metal als Verschmelzung der Energie und Geschwindigkeit des Hardcore Punk mit den Techniken der New Wave of British Heavy Metal bezeichnet und war daher einigen frühen Metallern zu punk-lastig.„"Vel, vi har ikke noe i mot det, men vi synest at det er litt for punkete".“ Metalion: Cities. In: Slayer, Nr. 2, 1985, S. 9. Zitiert nach: Jon Kristiansen: SLAYER. N° 1 à 5. Rosières en Haye: Camion Blanc 2009, S. 90. Der ursprüngliche Thrash Metal zeichnet sich vor allem durch schnelles und präzises Riffing aus. Häufig wurde nur die offene E-Saite in Verbindung mit Powerchords verwendet. Thrash Metal wird allgemein als Ausgangspunkt für die extremen Metal-Stile angesehen.Jan Fleckhaus, Christof Leim: Der Ursprung der Härte. In: Metal Hammer, März 2008, S. 34. The LHP Thrash Metal Primer nennt die Punk- und Skater-Subkultur, wo der Ausdruck to thrash für Slam-Dancing und den typischen Schlagzeug-Beat gestanden habe, als Ursprung des Genrebegriffs. Im 1981 gegründeten kalifornischen Skater-Magazin Thrasher schrieb Pushead über Hardcore und Metal, 1982 folgte die Kompilation New York Thrash von Reach Out International Records (ROIR) mit New Yorker Bands wie Bad Brains, Beastie Boys und Kraut und 1983 das erste Thrash-Bash-Konzert in Columbia, Missouri mit Auftritten von Die Kreuzen und lokalen Bands. Die Kreuzung von Hardcore und Metal wurde auch als Crossover bezeichnet. Marcel „Schmier“ Schirmer von Destruction zufolge entstand die Stilbezeichnung in dem Lied Whiplash von Metallica,Kill ’Em All oder Show No Mercy?. So denken die Protagonisten der Szene über die beiden Alben. In: Metal Hammer, März 2008, S. 39. laut Scott Ian von Anthrax war den Initiatoren das Entstehen einer neuen Szene aber noch nicht klar.Jan Fleckhaus, Christof Leim: Der Ursprung der Härte. In: Metal Hammer, März 2008, S. 40.

Typisch für die Texte von Thrash-Metal-Bands sind die Thematisierung von Gewalt sowie von gesellschaftlichen und individuellen Problemen. Einige der frühen Bands spielten mit satanistischen Themen, die aber im traditionellen Metal in der Regel allenfalls zur bewussten Provokation,„[King] Diamond represents one of the only performers of the ’80s Satanic Metal who was more than just a poseur using a devilish image for shock value.“ Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos, First Edition, Feral House 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 15f.Benjamin Hedge Olson: . Bowling Green State University, Mai 2008, S. 13.„Slayer also reveled in Satanic imagery more than any other North American band of their time. However, like Venom, Slayer’s Satanism was almost exclusively for show and provocation. Singer Tom Araya is, in fact, a professed Catholic and his explanations of his musical forays into Satanism are confusing at best.“ Benjamin Hedge Olson: . Bowling Green State University, Mai 2008, S. 17.Benjamin Hedge Olson: . Bowling Green State University, Mai 2008, S. 25. Rebellion und der Betonung der eigenen Freiheit dienen und daher oft mit Schilderungen von Krieg und sozialen Missständen vermischt wurden oder später durch diese ersetzt wurden. Peter Steele (Carnivore, Type O Negative) bezeichnete den Thrash Metal als „Musik der urbanen Fäule“ und „bleichgesichtigen Cousin des Rap“.„Peter Steele of gothic Metal band Type O Negative (and former frontman of the late ’80s “neo-barbarian” Speed Metal act Carnivore) accurately characterizes Thrash Metal as a form of “urban blight music,” a palefaced cousin of Rap.“ Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos, First Edition, Feral House 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 26.

Geschichte des Thrash Metal Die Anfänge in den 1980er Jahren mini|Venom (2008) Die Vorgeschichte des Thrash reicht bis in die späten 1970er Jahre zurück. Besonders zwei Bands werden allgemein als größte Einflüsse betrachtet: Motörhead und Venom, deren Album Welcome to Hell „die Suche nach mehr Brutalität richtig ins Rollen“ brachte. Während in den Vereinigten Staaten AOR-Bands wie Journey und Glam-Metal-Bands wie Mötley Crüe angesagt waren, verlangten junge Heavy-Metal-Fans nach härterem und extremerem Metal. So entstanden neue Bands wie Exodus und Death Angel an der Westküste oder Overkill und Anthrax an der Ostküste. Auch in Europa, besonders Deutschland, spielte ein Teil der Szene immer härtere und schnellere Musik. Zu Beginn existierte diese Bewegung jedoch nur im Untergrund durch Fanzines, Tape-Trading und Mundpropaganda.

mini|Metallica (2008) mini|Slayer (2007) Allgemein wird oft Kill ’Em All von Metallica aus dem Jahr 1983 als erstes richtiges Thrash-Metal-Album bezeichnet, obwohl das Album Heavy Metal Maniac der kanadischen Thrash-Band Exciter bereits vor Metallicas Debüt-Album erschien, die Band Exodus schon 1983 „zu den großen Hoffnungsträgern“Jan Fleckhaus, Christof Leim: Der Ursprung der Härte. In: Metal Hammer, März 2008, S. 37. gehörte, jedoch erst später mit Bonded by Blood debütierte, und Cliff Evans von der britischen Band Tank deren 1982 veröffentlichtes Debütalbum Filth Hounds of Hades als „allererste[n] Mix von Heavy Metal und Punk“ sowie als bestes Thrash-Metal-Album angabKill ’Em All oder Show No Mercy?. So denken die Protagonisten der Szene über die beiden Alben. In: Metal Hammer, März 2008, S. 37.. Kill ’Em All verband „hohe Geschwindigkeit mit Präzision, einer gewissen, noch rudimentären Technik – und vor allem viel Aggression“Jan Fleckhaus, Christof Leim: Der Ursprung der Härte. In: Metal Hammer, März 2008, S. 35.. Den darauf enthaltenen Titel Whiplash bezeichnet der Metal Hammer sogar als „vielleicht wichtigsten Ur-Thrash-Song überhaupt“. Als „Geburt“ des Genres gilt zusammen mit Kill ’Em All auch Slayers Debütalbum Show No Mercy aus demselben Jahr, das „brutaler und böser“ klang als ersteres. Die Band präsentierte sich außerdem im Gegensatz zu anderen Ur-Thrash-Metal-Vertretern nicht in Jeans, T-Shirts, Lederjacken und optional auch Patronengurten, sondern mit Lederkleidung und Corpsepaint und ihr Gitarrist Kerry King mit Nagelarmbändern. Während die Wurzeln von Metallicas Debütalbum eher im rock-’n’-roll-lastigen Stil von Motörhead lagen, war Slayers Album „eher eine Riff-Platte, näher an Venom“. Neben Metallica (die ursprünglich aus Los Angeles kamen und später nach San Francisco umzogen) stammen auch viele andere wichtige Thrash-Bands aus der San Francisco Bay Area, darunter Exodus, Testament und Death Angel. Grob lässt sich sagen, dass Bands wie Exodus, Slayer oder Dark Angel einen eher brachialeren und weniger melodiösen Stil verfolgten, während Bands wie Metallica, Megadeth oder Death Angel vielfältiger, melodiöser und etwas experimentierfreudiger waren. Zu den „fünf frühen Thrash-Debüts“ zählt Scott Ian von Anthrax neben Kill ’Em All und Show No Mercy Exodus’ Bonded by Blood, Killing Is My Business… And Business Is Good! von Megadeth und Fistful of Metal von seiner eigenen Band.

mini|Megadeth bei einem Konzert im Jahre 2005 am Sauna Open Air Ein weiteres wichtiges lokales Zentrum des Thrash Metal war der Großraum New York/New Jersey an der US-Ostküste. In diesem Gebiet entstanden teilweise unter dem Einfluss des Hardcore Punk stehende Bands wie Overkill, Anthrax, Nuclear Assault oder Demolition Hammer, ferner war auch das Pionier-Label Megaforce Records in New York ansässig, das unter anderem die Debütalben von Metallica, Overkill und Anthrax veröffentlichte.

mini|Kreator live 2009 in Krakau. Eine weitere blühende Underground-Szene bildete sich parallel dazu im Ruhrgebiet in Deutschland. Die Musiker stammten aus dem Arbeitermilieu, ihre Väter „waren fast alle Bergmänner, Bauarbeiter oder Stahlkocher, die Mütter in der Regel Hausfrauen“. Ihr Musikgeschmack verursachte viele Probleme mit Nicht-Metallern: Miland „Mille“ Petrozza von Kreator wurde aus seiner Schule geworfen, „weil er es wagte, Leopardenhosen und Nieten zu tragen“, was anderen von ihren Eltern verboten wurde, und sie mussten ihre Metal-T-Shirts „noch unter dem Pullover rausschmuggeln. Damit zur Schule zu gehen, stand absolut nicht zur Debatte“. Die örtlichen Rocker verboten ihnen das Tragen von Kutten, sodass sie sich stattdessen T-Shirts anfertigten; „Dann standen die im Freibad vor uns und konnten uns nichts“, wie Frank „Pelle“ Below anmerkt. Dafür herrschte ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, und die älteren Szenemitglieder unterstützten die jüngeren und vermittelten ihnen nicht den Eindruck, dass sie „‚nur‘ die Kleinen“ seien. Ein wichtiger Ort für Konzerte und Treffen war die Zeche Carl in Essen. Die ersten Demoaufnahmen in der deutschen Szene entstanden unabhängig von den US-amerikanischen Bands. Die US-amerikanischen Bands, die ebenso wie sie immer härter, lauter und schneller wurden, wurden von ihnen begeistert aufgenommen: „Wir waren blutige Anfänger, und die Amis klangen damals schon göttlich, was uns umso mehr antrieb“, äußerte Marcel „Schmier“ Schirmer von Destruction rückblickend.Jan Fleckhaus, Christof Leim: Der Ursprung der Härte. In: Metal Hammer, März 2008, S. 39. Laut Tom Küppers vom Metal Hammer lässt sich die Frage, „[w]er wen beeinflusst hat, […] heute ohnehin nicht mehr eindeutig klären“; nach dem Eindruck von Andreas „Stoney“ Stein, und seinen Erfahrungen mit US-Amerikanern, die ihn ehrfürchtig fragten, „ob ich wirklich den Tom Angelripper kenne würde“, haben die deutschen Bands die US-amerikanischen „mindestens genauso beeinflusst wie sie uns“. Jürgen „Ventor“ Reil von Kreator erwähnt eine Unterhaltung mit Gary Holt von Exodus darüber, „dass wir uns vielleicht ein bestimmtes Riff von ihnen ‚geborgt‘ hätten […] Und Gary meinte dann ‚Ach, ich dachte echt, wir hätten das von euch‘. Wir haben uns kaputt gelacht.“

mini|Anthrax (2010) Eine Pionierrolle in der Ruhrgebiets-Szene hatte die 1984 gegründete Band Chainsaw aus Essen mit ihrer 1985 veröffentlichten, einzigen LP Hell’s Burnin’ Up!. Kennzeichnend für den deutschen Thrash Metal war das breite Spektrum an Stilen, mit denen der Thrash dort wechselwirkte. So hatten zum Beispiel die Speed-Metal-Bands Helloween und vor allem Running Wild einst einen sehr viel raueren, an den „Speed-Thrash“ der frühen Tage angelehnten Stil, während andererseits Sodom, Kreator und Destruction, die drei bedeutendsten deutschen Thrash-Metal-Bands, einen großen Einfluss auf den Death- und Black Metal ausübten. Weitere bedeutende Vertreter waren bzw. sind Living Death, Violent Force, Tankard und Angel Dust.