Żory [] (deutsch: Sohrau) ist eine Stadt mit rund 63.000 Einwohnern im südwestlichen Teil der Woiwodschaft Schlesien in Polen.

Geographie mini|Sohrau östlich von Ratibor auf einer Landkarte von 1905 mini|Häuser am Ring mini|hochkant|Pfarrkirche mini|Gebäude aus dem Jahr 1903, beherbergte 2013 eine Musikschule mini|hochkant|Säule mit dem böhmischen Landesheiligen Johannes Nepomuk mini|Museum des Feuers

Die Stadt liegt in der Region Oberschlesien an der Ruda (Raude), etwa 30 Kilometer südwestlich von Katowice (Kattowitz) im Südosten von Schlesien. Die Landesgrenze zu Tschechien liegt etwa 20 Kilometer südwestlich der Stadt.

Stadtgliederung und Einwohnerzahlen Żory gliedert sich in folgende Stadtteile:B. Kieczka, G. Utrata – Moja „Mała Ojczyzna“ Dzieje Żor, wydanie XI

Stadtteil Einwohner os. 700-lecia Żor[Siedlung „700 Jahre Żory“] 3397 os. Sikorskiego[Władysław Sikorski-Siedlung] 9972 os. Korfantego[Korfanty-Siedlung] 4879 os. Księcia Władysława[Herzog-Władysław-Siedlung] 7363 os. Pawlikowskiego[Pawlikowski-Siedlung] 6477 os. Powstańców Śląskich[Siedlung der Schlesischen Aufständischen] 5851 Zachód [West] 3543 Śródmieście [Innenstadt] 2612 Kleszczówka (Klischczowka) 3546 Rowień – Folwarki (Rowin) 2355 Osiny (Oschin) 1155 Kleszczów (Klischczow) 1692 Baranowice (Baranowitz) 1669 Rogoźna (Rogoisna) 2001 Rój (Roy) 4262

Geschichte Sohrau erhielt nach 1273 das Stadtrecht und war bis dahin noch ein Dorf gewesen. Bis 1532 gehörte die Stadt zum Herzogtum Oppeln-Ratibor. Die Stadt erlitt wiederholt starke Rückschläge, 1558 durch die Pest sowie 1552, 1583, 1661, 1702 und 1807 durch Stadtbrände. 1807 wurde auch das Rathaus auf dem Ring vernichtet und danach nicht wieder aufgebaut.

Im 18. Jahrhundert gehörte Sohrau zur Steuerrätlichen Inspektion in Neustadt O.S. Um 1783 war die Stadt von einer Mauer umgeben, die Gassen waren jedoch noch nicht gepflastert, sondern mit unbehauenem Holz belegt. 1782 leistete Friedrich II. der Ortschaft eine Aufbauhilfe in Höhe von 12.850 Reichstalern für die Errichtung von sechs Neubauten und zur Ansiedlung von zehn Tuchmachern und weiteren Fachkräften. Im 18. und 19. Jahrhundert war die Leinenweberei von großer Bedeutung für die Stadt. An ihre Stelle trat im 19. Jahrhundert die Eisen- und Maschinenindustrie.

1818 wurde die Stadt Teil des neu gebildeten preußischen Kreises Rybnik.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Sohrau eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik, eine Wollweberei, zwei Sägewerke, eine Getreidemühle, zwei Ziegeleien, ein Elektrizitätswerk und war Sitz eines Amtsgerichts.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 wurden in Sohrau 2353 Stimmen (69,4 %) für den Verbleib bei Deutschland abgegeben, 1036 Stimmen (30,6 %) waren für den Anschluss an Polen. Mit dem Großteil des Landkreises Rybnik wurde die Stadt dennoch am 3. Juli 1922 dem polnischen Staat eingegliedert.

Beim Überfall auf Polen wurde Żory am 1. September 1939 von der Wehrmacht besetzt, und im Oktober 1939 dem „Großdeutschen Reich“ angeschlossen und erneut in Sohrau umbenannt. Die Sohrauer Synagoge wurde in dieser Zeit zweckentfremdet, wobei das Gebäude zum Kino umgebaut werden sollte. 1942 verwarf die Stadtverwaltung diese Umbaupläne. Am 24. März 1945 wurde die kriegszerstörte Stadt von der Roten Armee erobert. Die deutsche Bevölkerung wurde in den folgenden Jahren zum größten Teil vertrieben. Aufgrund von Zechen- und Hüttenstilllegungen herrscht heute eine hohe Arbeitslosigkeit.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1921 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1783 1100 davon 979 Christen und 121 Juden (214 Bürgerhäuser und 88 wüste Stellen)Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der preussischen Monarchie, Band 3, Teil 1, Halle 1792, S. 109–110. 1794 1554 polnische Sprache ist vorherrschendFelix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 792–793. 1803 1683 1807 1711 1810 1788 1816 1982 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 339, Ziffer 309. nach anderen Angaben 1982 Einwohner, davon 84 Evangelische, 1696 Katholiken, 202 JudenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 384–391, Ziffer 691. 1818 2041 1820 2116 1821 2185 1825 2234 darunter 127 Evangelische, 274 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 1022–1023. 1831 2701 1837 3355 1840 3848 davon 98 Evangelische, 3258 Katholiken, 492 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 929. 1843 4044 1849 3438 nach der Hungersnot und Typhusepidemie 1846–1849 1855 3346 nach anderen Angaben 3336 Einwohner 1858 3611 1861 3662 davon 211 Evangelische, 2976 Katholiken, 475 Juden;Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 738, Ziffer 95. 1264 Einwohner sprechen Deutsch, 2398 Polnisch 1867 3991 am 3. Dezember 1871 4042 darunter 250 Evangelische und 500 Juden (2100 Polen);Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 180–181, Ziffer 12. nach anderen Angaben 4043 Einwohner (am 1. Dezember), davon 175 Evangelische, 3493 Katholiken, 375 JudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 350–351, Ziffer 3. 1890 4429 davon 235 Evangelische, 3944 Katholiken, 250 Juden 1905 4642 davon 323 Evangelische und 98 JudenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 18, Leipzig/Wien 1909, S. 570. 1910 4936

Anzahl Einwohner bis heute

Hochschulen Górnośląska Wyższa Szkoła Handlowa im. Wojciecha Korfantego in Katowice – Studienort Żory Politechnika Śląska in Gliwice – Studienort Żory

Politik Stadtpräsident An der Spitze der Verwaltung steht der Stadtpräsident. Seit 1998 ist dies Waldemar Socha, der zunächst der Unia Wolności angehörte, aber seit 2006 für sein eigenes Wahlkomitee antritt. Die turnusmäßige Wahl im April 2024 brachte folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 27. Juni 2024. Waldemar Socha (Wahlkomitee „Żory-Wählervereinigung und Waldemar Socha“) 55,0 % der Stimmen Kazimierz Daijka (Wahlkomitee „Lokale Verwaltung Żory und Kazimierz Daijka“) 27,9 % der Stimmen Daniel Wawrzyczek (Prawo i Sprawiedliwość) 17,2 % der Stimmen Grzegorz Piliszek (Kukiz’15) 3,5 % der Stimmen

Damit wurde Amtsinhaber Socha bereits im ersten Wahlgang für eine weitere Amtszeit gewählt.

Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 brachte folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 4. September 2020. Waldemar Socha (Wahlkomitee „Żory stimmt für Waldemar Socha“) 47,3 % der Stimmen Anna Gaszka (Lokale Verwaltung Żory) 25,9 % der Stimmen Dariusz Domański (Prawo i Sprawiedliwość) 23,4 % der Stimmen Grzegorz Piliszek (Kukiz’15) 3,5 % der Stimmen

In der daraufhin notwendigen Stichwahl setzte sich Amtsinhaber Socha mit 55,0 % der Stimmen gegen seine Herausforderin Gaszka durch und wurde für eine weitere Amtszeit gewählt.

Stadtrat Der Stadtrat von Żory besteht aus 23 Mitgliedern. Die Wahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 27. Juni 2024. Koalicja Obywatelska (KO) 27,3 % der Stimmen, 7 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 27,0 % der Stimmen, 7 Sitze Wahlkomitee „Żory-Wählervereinigung und Waldemar Socha“ 25,6 % der Stimmen, 6 Sitze Wahlkomitee „Lokale Verwaltung Żory und Kazimierz Daijka“ 17,4 % der Stimmen, 3 Sitze Übrige 2,6 % der Stimmen, kein Sitz

Die Wahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 4. September 2020. Wahlkomitee „Żory stimmt für Waldemar Socha“ 38,7 % der Stimmen, 9 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 28,8 % der Stimmen, 7 Sitze Lokale Verwaltung Żory 27,9 % der Stimmen, 7 Sitze Kukiz’15 4,6 % der Stimmen, kein Sitz

Verkehr Westlich des Stadtkerns verläuft die Autobahn A1.

In Żory hält der Intercity Porta Moravica, der die Stadt ostwärts mit Krakau und Przemysl und südwärts mit Wien und Graz verbindet. Außerdem gibt es regionale Verbindungen, etwa nach Gliwice.

Der ÖPNV in Żory ist seit dem 1. Mai 2014 kostenlos.

Städtepartnerschaften Żory unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften: Kamp-Lintfort, Deutschland Mezőkövesd, Ungarn Pasvalys, Litauen Montceau-les-Mines, Frankreich

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Reinhold von Krockow (1767–1821), preußischer Offizier und Freikorpsführer Daniel Fränkel (1821–1890), jüdischer Theologe und Rabbiner Emil Nikel (1851–1921), deutscher katholischer Theologe und Komponist Johannes Simon Nikel (1863–1924), katholischer deutscher Theologe Otto Stern (1888–1969), Physiker, Nobelpreisträger Berta Kamm (1889–1963), deutsche Juristin und Sprachlehrerin Hans Wollenberg (1893–1952), deutscher Jurist, Filmkritiker und Filmproduktionsleiter Albert Wilhelm Kukowka (1894–1977), Arzt, Balneologe und Autor Gustav Kucz (1901–1963), Archivar, Dolmetscher und Kirchenliedübersetzer Max Plaut (1901–1974), deutscher Jurist, Ökonom und jüdischer Verbandsfunktionär Walter Schmidetzki (1913–?), deutscher Kriegsverbrecher und SS-Führer Stanisław Sojka (1959–2025), polnischer Jazzsänger und Komponist Iwona Węgrowska (* 1982), polnische Sängerin Igor Jakubowski (* 1992), polnischer Profiboxer im Cruisergewicht Ewa Swoboda (* 1997), polnische Leichtathletin

Personen, die mit diesem Ort in Verbindung stehen Piotr Klimek (1881–1940), von 1924 bis 1940 Propst und Dekan in Żory. Nach ihm ist eine Straße in Żory benannt worden.

Siehe auch Jüdischer Friedhof (Żory)

Literatur Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 791–796. Sohrau (Żory, Kr. Rybnik). In: Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 510–512. Augustin Weltzel: Geschichte der Stadt Sohrau in Ober-Schlesien, Verlag des Magistrats, Sohrau O/S 1888 (Google Books). → polnische Übersetzung: Historia miasta Żory na Górnym Śląsku, 1997. Die Leben der Elena Silber – Alexander Osang

Weblinks

Offizielle Website der Stadt (englisch und polnisch) Informationsseite der Stadtverwaltung (polnisch)

Einzelnachweise Vgl. abger. am 24. August 2010

Kategorie:Ort der Woiwodschaft Schlesien