An die Evangelische Kirche Borken (Ostpreußen) erinnern heute nur noch die Ruinenreste eines Backsteinbaus aus dem 15. Jahrhundert. Bis 1945 war sie das Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Borken im ostpreußischen Kreis Preußisch Eylau und liegt heute im Gebiet der Gmina Bartoszyce (Landgemeinde Bartenstein) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Borki () liegt in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, sechs Kilometer westnordwestlich der Stadt Bartoszyce (Bartenstein). Das Dorf ist von der Woiwodschaftsstraße 512 aus auf einer Nebenstraße in Richtung Pilwa (Pillwen) zu erreichen. Die Kirchenruine steht in der Ortsmitte. mini|Blick in das Innere der Turmruine mini|Mauerreste des Kirchenschiffs

Kirchengebäude Bei der Borkener KircheHistorische Aufnahmen der Kirche befinden sich im Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Borken handelt es sich um einen chorlosen verputzten Backsteinbau.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 68, Abb. 233 Das Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert ruht auf einem Feldsteinfundament. An der Ostseite befand sich ein siebenteiliger Giebel. Der Westturm wurde erst in den Jahren 1685 bis 1688 angebaut.

Im Innenraum befand sich eine Holzdecke. Der Sockel und die Flügel des Altarschreins sowie die Kanzel wurden 1618 angefertigt. Die Kreuzigungsgruppe im Obergeschoss wurde um 1715 eingefügt. Die Christusfigur von Bertel Thorvaldsen ersetzte eine Marienfigur des Schreins aus der Zeit um 1430. Aus der Werkstatt der Kreuzigungsgruppe stammt der um 1715 erstellte Taufengel.

Im Jahre 1843 erhielt die Kirche eine Orgel. Das Geläut bestand aus nur einer Glocke aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Borkener Kirche brannte 1945 in den Kriegswirren ab. Ihre Ruine steht heute unter Schutz eines Denkmals niederer Kategorie.

Kirchengemeinde Kirchengeschichte Die Gründung der Kirche in Borken erfolgte bereits vor 1400.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 468 Die Reformation fasste hier nach 1525 Fuß, und die Zahl der Kirchengemeindeglieder stieg bis 1925 auf 1.150.

Bis zum Jahr 1945 war die Kirchengemeinde Borken in den Kirchenkreis Preußisch Eylau (die Kreisstadt liegt heute in der russischen Oblast Kaliningrad und heißt jetzt Bagrationowsk) eingebettet und unterstand dem Superintendenturbezirk Landsberg (heute polnisch Górowo Iławeckie).

Die zerstörte Kirche sowie Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten der evangelischen Gemeinde in Borken ein Ende. Die heute hier lebenden evangelischen Kirchenglieder gehören zur Kirchengemeinde in der Stadt Bartoszyce (Bartenstein), die ihrerseits eine Filialgemeinde der Johanneskirche in Kętrzyn (Rastenburg) ist und zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehört.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel der evangelischen Kirche Borken gehörten bis 1945:Der * verweist auf Schulorte

Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Ardappen Ardapy Paulienen Pawłówka *Borken Borki Pillwen Pilwa Groß Wolla1938–1945 Großwallhof Wola Schonklitten Wysieka Klein Wolla1938–1945 Kleinwallhof Wólka *Spittehnen Spytajny Lengen Łęg *Tolks (Dorf)Das Gut gehörte zur Kirche Reddenaumit Neu Sorge Tolko

Pfarrer Zwischen 1532 und 1945 amtierten an der Kirche Borken die evangelischen Geistlichen:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im MJahre 1945, Hamburg 1968, S. 25 Nicolaus Napps, 1532–1533 NN. Christoph Selig, 1580–1604 Georg Gramm, 1610–1632 Abraham David Lüneburg Johann Seli Johann Täschner, 1655/1668 Daniel Haase, 1678–1707Helmut Ramm: Das Dorf Borken (Pr. Eylau) und sein Pfarrer um 1690 - Aufzeichnungen des Pfarrers Haase über Verfehlungen seiner Gemeindemitglieder - Teil I, in: Genealogie-Tagebuch Johann Jacob Kusch, 1704–1729 Wilhelm Christoph Hasselbach, 1730–1732 Gottfried Schwenkner, 1732–1750 Christian Zeidler, 1736–1750 Johann Richard Bock, 1750–1776 Georg Wilhelm Rhenius, 1776–1806 Georg Karl Fleischer, 1804–1807 Friedrich Theodor Weichert, 1808–1816 Adolf Reinhard Ziegner, 1816–1823 Johann Benjamin Felskau, 1823–1866 Heinrich Theodor Meier, 1866–1885 Friedrich Wilhelm Hermoneit, 1886–1891 Carl Ferdinand Blazejewski, 1892–1900Pfarrer Blazejewski (1862–1900) gilt als Träger der deutschen Gemeinschaftsbewegung in Westpreußen und war Gründer eines Diakonissenhauses in Borken, siehe auch: Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens (I), Göttingen 1968, S. 312 Johannes Urbschat, 1901–1913 Bruno Otto L. Zippel, 1913–1945Pfarrer Zippel wurde beim Einbruch der Russen in Ostpreußen von Rote-Armee-Soldaten erschossen

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Borken sind erhalten und werden bei der Deutschen Gesellschaft für Genealogie (DZfG) in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1678 bis 1695 und 1715 bis 1874 Trauungen: 1678 bis 1695 und 1730 bis 1874 Begräbnisse: 1678 bis 1695 und 1730 bis 1874.

Literatur Borken, Dorf und Rittergut, Kreis Preußisch Eylau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Borken (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. Königsberg 1892, S. 47 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 49(Google Books).

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Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Borki (Bartoszyce)Kirche Borken, Kirche Borken, Kirche Kategorie:Kirchengebäude der Backsteingotik Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Kirchenruine in Polen Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Backsteingotik in Polen