mini|Šafov 2014 mini|Kirche des hl. Bartholomäus mini|Statue des hl. Johannes von Nepomuk

Šafov (deutsch Schaffa) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt sieben Kilometer südwestlich von Vranov nad Dyjí (Frain an der Thaya) an der tschechisch-österreichischen Grenze und gehört zum Okres Znojmo (Bezirk Znaim).

Geographie Šafov erstreckt sich rechtsseitig des Baches Křeslický potok. Österreichische Nachbarorte sind Langau und Riegersburg im Waldviertel. Šafov ist als Längsangerdorf angelegt.

Geschichte Im 11. bis 13. Jahrhundert kam es zu einer großen Siedlungsbewegung von West nach Ost. Mähren wurde von 1031 bis 1305 von der Dynastie der Přemysliden regiert. Um größere Gebiete landwirtschaftlich zu nutzen und damit höhere Erträge zu erzielen, bewarben sie die Kolonisten mit Privilegien wie zehn Jahren Steuerfreiheit (deutsches Siedlerrecht). Bis zum Jahre 1150 wurde das Gebiet um Mikulov (Nikolsburg) und Znojmo (Znaim) von deutschen Einwanderern aus Niederösterreich besiedelt. Die bis 1945 gesprochene ui-Mundart und die Anlage des Dorfes bekunden, dass sie ursprünglich aus den bairischen Gebieten der Bistümer Regensburg und Passau stammten. Sie brachten neue landwirtschaftliche Geräte mit und führten die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein.https://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/geschichte_tschechiens/pwiedeutscheintschechien100.htmlJoachim_Rogall: Deutsche und Tschechen: Geschichte, Kultur, Politik Verlag C.H.Beck, 2003. ISBN 3 406 45954 4. Geleitwort von Václav Havel. Kapitel: Die Přemysliden und die deutsche Kolonisierung S33 f.Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9Universität Giessen (Hrsg.): Sudetendeutsches_Wörterbuch Bd. 1, 1988, Oldenbourg Verlag, ISBN 978-3-486-54822-8Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Šafov im Jahr 1323. Kaum ein Jahrhundert später litt der Ort unter den Hussiten. Diese verschanzten sich im Ort, und bei den darauf folgenden Kämpfen im Jahre 1431 wurde der gesamte Ort vernichtet. Erst 1452 wurde er neu besiedelt, und ab dem Jahre 1516 scheint dieser wieder als eine Marktgemeinde auf. Die Marktrechte wurden unterdessen von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1540 bestätigt und erweitert.Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band VII, S. 818 In der Folge wuchs der Ort rasch an und erhielt erste Züge einer Stadt.

Bereits 1556 kommen die ersten Protestanten in die Stadt. Der neue Glaube verbreitet sich so schnell, dass bereits 1589 die katholische Pfarre aufgelöst wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1631 wurde die Stadt wieder durch die Gegenreformation rekatholisiert. 1628 gewährt Ferdinand II. der Stadt einen zweiten Jahrmarkt, zu St. Veit. Doch nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem Wüten der Schweden unter Lennart Torstensson im Jahre 1645 lag der zur Herrschaft Frain an der Thaya gehörende Ort lange marode danieder. Aufgrund dessen verlor Schaffa seine Stadtrechte. Wegen der vorherigen Verwüstungen waren die Gemeindegrenzen nicht mehr klar feststellbar. So lag Schaffa jahrelang im Streit mit dem niederösterreichischen Ort Langau um den genauen Grenzverlauf. Erst im Jahre 1667 wurde eine Grenzkommission eingesetzt, welche diesen Streit regelte. Ab dem Jahre 1673 ist ein Lehrer in der Stadt urkundlich erwähnt.

1670 kam infolge der Judenvertreibung aus Wien und Niederösterreich eine große Zahl von Juden nach Südmähren. Maximilian Graf von Starhemberg, der Besitzer von Frain, erlaubte den aus Weitersfeld (Niederösterreich) vertriebenen 85 jüdischen Familien, sich hier anzusiedeln.Hugo Gold: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens. 1974, S. 106 Das taten sie aber nicht nur auf dem ihnen zugewiesenen Areal, einige von ihnen erwarben auch Grundstücke nördlich der Kirche und beim Petreiner Tor (Schaffa war von einer Mauer mit drei Toren umgeben). So bestand Schaffa aus einer getrennt verwalteten Christen- und einer Judengemeinde. Dies änderte sich erst im Jahre 1919.

1744 ordnete Maria Theresia an, die Juden aus Böhmen und Mähren zu vertreiben, was auch die örtliche jüdische Gemeinde getroffen hätte, doch nach zahlreichen Interventionen wurde dieses Vorhaben fallen gelassen. Die Schaffinger Juden beherrschten in weitem Umkreis den Handel mit Tuch, Leinen Leder, Schafwolle, Flachs, Horn, Geweihen und Borsten. Mit der Eröffnung der Franz Josefs-Bahn 1870 und der Nordwestbahn (1872) ging das Geschäft zurück, und ein Teil der jüdischen Bewohner von Schaffa wanderte auf der Suche nach neuen, besseren Geschäftsmöglichkeiten ab. Im Jahre 1920 wurden die christliche und die jüdische Schule zusammengelegt.

1742 brannte die Kirche von Schaffa ab. 1745 wurden die Kirche und der Pfarrhof nach Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach im Barock-Stil wieder aufgebaut. Die Filialkirche von Schaffa unterstand von 1689 bis 1733 der Pfarre Frain, dann wurde sie zu einer eigenen Pfarre erhoben. Matriken werden seit 1658 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn. 1778 wurde der jüdische Friedhof erweitert.

Um 1800 nach dem Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. im Jahr 1781 errichteten auch die Schaffinger Juden eine Schule, an der ab 1805 der Lehrer Johann Bauer von der christlichen Schule zwei Stunden pro Tag unterrichtete. Nach 1848 wurde die Schule zweiklassig, nach der Ausdehnung der Schulpflicht im Jahr 1869 dreiklassig. Die dreiklassige Schule hielt sich bis 1883. Am 13. Juni 1822 gingen das Judenviertel mit Ausnahme eines einzigen Hauses sowie 69 Häuser der Christengemeinde in Flammen auf. Im Jahre 1833 sollte die Bezirksstraße ausgebaut werden, doch Schaffa und einige andere Gemeinden weigerten sich, sich an den Kosten zu beteiligen. Daraufhin wurden die Vertreter der Gemeinden eine Woche lang eingesperrt. Während des Deutsch-Österreichischen Krieges im Jahre 1866 lagerten die Preußen im Ort.

Im Jahre 1899 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Einer der Mitbegründer war Ludwig Kreisky, der Großvater des späteren österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky.Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009 Der größte Teil der Bewohner von Schaffa lebte von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der sonst in Südmähren wichtige Weinbau keine Rolle spielte. Aufgrund des Klimas wurden neben verschiedenen Getreidesorten auch Kartoffeln, Rüben und Wicken angepflanzt. Bis ins 19. Jahrhundert wurde ebenso Flachs angebaut, was sich aber nach der Entwicklung der Baumwollindustrie nicht mehr rentierte. Neben einem florierenden Kleingewerbe gab es noch zwei Ziegeleien, eine elektrische Mühle, eine Kalkbrennerei, eine Uniformschneiderei, drei Hotels, einen Brunnenbauer, ein Fuhrunternehmen und verschiedene Händler im Ort.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der 25 Ortsbewohner das Leben kostete, zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn, und Šafov, dessen Bewohner im Jahre 1910 zu 97 % der deutschen Sprachgruppe angehörten, wurde zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. 1919 wurden die christliche und die jüdische Gemeinde von Šafov (Schaffa) miteinander vereint. Zwischen den Volkszählungen 1910 und 1930 stieg der Anteil der tschechischen Bevölkerung von 2,3 % auf über 30 % an. Schaffa erhielt ein Zollamt, ein Postamt und einen Gendarmerieposten mit tschechischem Personal sowie eine tschechische Schule.

Infolge des Münchner Abkommens, das die Tschechoslowakei zur Abtretung der deutschsprachigen Randgebiete an das Deutsche Reich zwang, wurde Schaffa mit 1. Oktober 1938 ein Teil des Reichsgaus NiederdonauJohann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918–1938, München 1967. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten mussten die tschechischen Bewohner Schaffa verlassen. Die einst große jüdische (deutschsprachige) Bevölkerung wurde in Konzentrationslager deportiert, nur einem Teil von ihnen gelang rechtzeitig die Flucht. Den jüdischen Friedhof ist noch zu besichtigen. Ein Denkmal für die während der nationalsozialistischen Jahre Vertriebenen und die in Konzentrationslagern Ermordeten Juden gibt es nicht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der – abgesehen von ab 1938 vielen jüdischen und tschechischen Opfern – auch 36 Kriegsgefallene aus Schaffa forderte, kamen die im Münchener Abkommen abgetretenen Territorien wieder an die Tschechoslowakei zurück. Schaffa wurde von ortsfremden militanten Tschechen übernommen, dabei kam es durch schwere Misshandlungen an der deutschen Bevölkerung zu drei Ziviltoten.Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, Schaffa 318, 573, 576. ISBN 3-927498-27-0. Der Großteil der Ortsbewohner, 430 Personen, wurden am 27. Juni 1945 versammelt und mit maximal 15 Kilogramm Gepäck über die Grenze nach Österreich wild vertrieben.

Toleriert durch das Potsdamer Abkommen der Alliierten wurden je zwei Personen am 27. August sowie am 18. September 1946 zwangsausgesiedelt. In Schaffa verblieben 62 Personen, das Vermögen der vertriebenen Bevölkerung wurde konfisziert. In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-ZielenCornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995 von Potsdam verlangte die Rote Armee im Jänner 1946 den Abschub aller Sudetendeutschen aus Österreich nach Deutschland. Trotzdem konnten 200 Personen in Österreich verbleiben. mini|Gedenkstein der Heimatvertriebenen aus Schaffa

An die Vertreibung erinnert an der Straße von Langau nach Riegersburg ein 1987 errichteter Gedenkstein.

Am 9. Mai 2006 wurde ein touristischer Grenzübergang für Fußgänger und Radfahrer, der später auch für PKW geöffnet wurde, zwischen Langau und Šafov eröffnet. Ein weiterer Grenzübergang für Fußgänger und Radfahrer, der die Verbindung nach Riegersburg ermöglicht, folgte. Zwischen März und Juli 2014 wurde der auf tschechischem Gebiet gelegene Abschnitt der Straße ausgebaut und offiziell ab 1. August 2014 die Straßenverbindung Riegersburg-Šafov auch für PKW geöffnet.

Der Verein „Eurosola“ eröffnete 2006 nach Langau und Oberhöflein (Gemeinde Weitersfeld) in Šafov ein Jugendgästehaus. Im Rahmen von Treffen wird auch der jüdische Friedhof von Šafov betreut. Nordöstlich des Ortes an der Landstraße 398 befindet sich eine Statue des hl. Johannes Nepomuk.

Wappen und Siegel Im Jahre 1540 erhielt der Ort ein Siegel und das Privileg mit grünem Siegelwachs zu siegeln. Das Siegel zeigt ein Renaissanceschild, darin auf felsigem Grund eine Zinnenmauer mit offenem Flügeltor, hinter der zwei Zinnentürme emporragen. Zwischen den Türmen steht über dem Tor aufgerichtet ein Bär, der sich mit den Vorderpranken auf die Türme stützt.

1540 erhielt Schaffa auch ein Marktwappen: In Rot eine mit Schießscharten versehene silberne Zinnenmauer mit offenem goldenen Flügeltor und goldenem Fallgitter. Über die Mauer ragen zwei silberne Zinnentürme mit je drei Fenstern, dazwischen aufrecht stehend ein naturfarbener (schwarz-brauner) Bär, der sich mit den Vorderpranken auf die Türme stützt. Dieses Wappen wurde wiederholt von verschiedenen österreichischen Herrschern bestätigt. So von Kaiser Ferdinand II (1628), Kaiser Karl VI. (1726), Kaiserin Maria-Theresia (1747), Kaiser Joseph II. (1781), Kaiser Franz I. (1793) und schließlich Kaiser Ferdinand I. 1839.Smrska – Riesenfeld: Heimatkunde des politischen Bezirk Znaim, Heft 2, S. 45

Im Jahre 1850 erhielt der Ort ein neues Siegel. Es zeigte einen Anker, beseitet von einer Sichel und einem Pflugeisen. In den Jahren 1920 bis 1938 führte der Ort einen zweisprachigen bildlosen Gemeindestempel.

Bevölkerungsentwicklung Volkszählung Einwohner