mini|Baldeck-Wappen (Windhund), Scheibler’sches Wappenbuch, älterer Teil, zwischen 1450 und 1480, Bayerische Staatsbibliothek, Cod.icon. 312 c, Scan 80 Die von Baldeck waren eine seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesene Niederadelsfamilie, die im Mannesstamm 1565 und in weiblicher Linie 1603 erlosch. Anfangs wohl gräflich-urachische Ministeriale, stand die Familie seit dem Übergang der Grafschaft Urach an Württemberg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zumeist in württembergischen Diensten, sie stellte mehrere fürstliche Räte, einen Landhofmeister in Stuttgart, Burgvögte, einen königlichen Zeugmeister und zwei bischöflich-augsburgische Hofmarschälle. Eine Linie der Familie besaß von 1440/47 bis 1536 das Schloss Herteneck, jetzt Harteneck bei Ludwigsburg, mit 1/2 Eglosheim und 1/3 Oßweil. Die zweite Linie der Familie besaß von 1427 bis 1594 die Burg Hohengutenberg in Lenningen-Gutenberg. Diese Linie war auch in Ennabeuren und Magolsheim begütert und von 1542 bis 1565 beim Kanton Kocher des Ritterkreises Schwaben immatrikuliert. Wie der Großteil des württembergischen Adels zählten die von Baldeck schon 1459Die Wappenbücher Herzog Albrechts VI. von Österreich: Ingeram-Codex d. ehem. Bibliothek Cotta; hrsg. v. Charlotte Becher u. Ortwin Gamber; Wien; Köln; Graz; 1986. Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft Adler; Folge 3, Bd. 12 Jg. 1984/85 (Bild) und noch um 1554–1568 zur Adelsgesellschaft vom Leitbracken und beide Linien der Familie waren Mitglieder der Vereinigung von St. Jörgenschild am Kocher, die 1488 im Schwäbischen Bund aufging.
Die Familie stand im Konnubium mit den Adelsfamilien Speth, Pfähler, von Lichtenstein, von Kaltental, von Sachsenheim, von Rosenbach, Nothaft von Hohenberg, von Neuhausen (mehrfach), von Ow, von Rietheim, von Fridingen, von Liebenstein, von Schellenberg, von Gaisberg (zweimal), vom Stain zu Steineck, von Urbach, von Wartenberg gen. von Wildenstein, von Weitershausen, von Westerstetten, von Lomersheim, Marschall von Pappenheim, Schletz (aus Hall), von Pelckhofen und Diemer/Diemar zu Lindach. Verwandtschaftsbeziehungen bestanden auch zu Ritter Otto von Stauffenberg, zu den Schilling von Cannstatt und zur Adelsfamilie Herderer/Härderer in Mähringen.
Die Familie von Baldeck war nicht stammes- und nicht wappengleich mit der Schweizer Adelsfamilie von Baldegg mit Stammsitz Schloss Baldegg im Kanton Luzern.
Stammsitz Namengebender Stammsitz der schwäbischen Familie von Baldeck war die Burg Baldeck über dem Ermstal bei Bad Urach-Wittlingen. Nach älterer Ansicht soll die Burg um die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut worden sein, während neueste archäologische Forschungen eine Erbauung der Burg bereits um 1200 bzw. frühestens gegen Ende des 12. Jahrhunderts nahelegen. Die Burg wurde angeblich im September 1256 anlässlich einer Belagerung urkundlich erwähnt,Württembergisches Urkundenbuch, Bd. V, Nr. 1410–1412. doch sind die drei Exemplare dieser Urkunde inzwischen als Marchtaler Fälschungen erwiesen, so dass diesen Urkunden zunächst nichts Sicheres entnommen werden kann. Andererseits spricht auch der archäologische Befund dafür, dass die Nutzungszeit der Burg um die Mitte des 13. Jahrhunderts oder kurz danach endete, so dass die um 1300–1304 verfassten, gefälschten Marchtaler Urkunden sich an einem richtigen Datum der Belagerung und ggf. Zerstörung der Burg orientiert haben können. Nach 1256 wurde Baldeck jedenfalls nicht mehr als bewohnte Burg erwähnt (sondern nur noch als Burgstall oder Ruine) und lt. Kienzle (2022) stützen Rotfärbungen/Brandspuren an den Kalksteinfelsen im Burgareal sowie Lesefunde von mehreren stark überfeuerten Keramikstücken die Annahme, dass die Burg tatsächlich um 1256 durch ein Brandereignis zerstört wurde, also vermutlich im Zuge der Belagerung durch die Grafen Ulrich I. von Württemberg und Hartmann I. von Grüningen und ihre Mitstreiter.Michael Kienzle: Die Belagerung der Burg Baldeck im Herbst des Jahres 1256. In: Michael Kienzle: Burgenbau und Adel im oberen Ermstal : Archäologie und Geschichte, Bad Urach 2022 (Beiträge zur Bad Uracher Stadtgeschichte ; 8), S. 87–111. Wo die Familie von Baldeck nach der Zerstörung ihrer Stammburg lebte, ist nicht explizit überliefert, im 14. Jahrhundert scheint dann Urach der Lebensmittelpunkt gewesen zu sein, wo Hausbesitz und ein Begräbnis in der Amanduskirche nachgewiesen sind.
Familiengeschichte Die Adelsfamilie erscheint urkundlich zuerst 1268 mit Otto I. von Baldeck,Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 514 U 164 (auch Württembergisches Urkundenbuch, Bd. VI, Nr. 1988). der ab 1280 Ritter war und von da an als „Herr“ tituliert und als Erster in den Zeugenreihen geführt wurde.Württembergisches Urkundenbuch, Bd. VII, Nr. 2250 (von 1272), und Bd. VIII, Nr. 3213 (von 1283); Immo Eberl (Bearb.): Regesten zur Geschichte des Benediktinerinnenklosters Urspring bei Schelklingen 1127–1806, Stuttgart 1978, Nr. 149 (von 1280). In dieselbe Generation gehören die 1276 gemeinsam genannten Růdolfus und Gotfridus de Baldegge, die sehr wahrscheinlich Brüder Ottos I. waren, denn Otto und Rudolf waren auch später die Leitnamen in der Familie von Baldeck.Württembergisches Urkundenbuch, Bd. VII, Nr. 2603. Der Vater dieser drei Brüder ist namentlich unbekannt.
Als Sohn Ottos I. darf Otto II. von Baldeck gelten, der am 9. Dezember 1317 mit drei Brüdern Ulrich, Konrad und Albrecht gen. Spät (Speth) urkundete.Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 135 U 61. Otto II. scheint bereits verstorben gewesen zu sein, als er 1326 in einer nur abschriftlich erhaltenen Urkunde mit Tochter Adelheid und Sohn Otto III. genannt wurde.Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 511 Bü 5, 1. Für die Familie zeugte 1326 derselbe Ritter Herr Ulrich Spät, der schon 1317 mit seinen Brüdern Ritter Konrad und Albrecht gen. Spät und mit Otto II. von Baldeck urkundete. Ottos II. Enkel Otto IV. von Baldeck war 1394 „Oheim“ Dietrich Späts und 1406 „Oheim“ Ulrich Späts (Dietrich und Ulrich Spät waren „Vettern“). Diese 1394/1406 urkundlich bezeugte Verwandtschaft Baldeck-Spät kann am ehesten darauf beruhen, dass Otto II. von Baldeck um 1300 eine Schwester der Brüder Ulrich, Konrad und Albrecht Spät geheiratet hat, nämlich eine Tochter von Reinhard I. Speth (urk. 1288–1295) und Enkelin des Ritters Heinrich I. Speth (urk. 1248–1263).Kaufmann (2022), S. 35/36. mini|Grabplatte des Edelknechts Otto III. von Baldeck, † 25. April 1363, mit Umschrift, Wappenschild und Helmzier (Windhund) an der Außenwand des Chors der Stiftskirche St. Amandus in Bad Urach Der Edelknecht Otto III. von Baldeck kam urkundlich von 1326 bis 1361 vor, er starb am 25. April 1363 und wurde in der Amanduskirche in Bad Urach beigesetzt, wo seine Grabplatte mit Wappenschild und Helmzier (Windhund) noch erhalten ist. Seine einzige nachgewiesene Ehefrau war am 14. Dezember 1341 Elisabeth, die damals und am 13. Mai 1340 als Witwe des Schultheißen Albrecht Kurtze (Kurze, der Kurtze) in Esslingen urkundete und die als nächste Verwandte ihrer Kinder erster Ehe 1340 Conrad Laimlin und Johann den Roner und 1341 Heinrich von Grüningen (Verwandter väterlicherseits) und Conrad Laimlin (Verwandter mütterlicherseits) nannte, alle drei gehörten zu alten Esslinger Ratsfamilien. Demnach gehörte Elisabeth zum Verwandtenkreis Laimlin in Esslingen. Diese Kurtzin „genant von Baldek“ zinste dort noch 1356 jährlich 10,5 Pfund auf Martini aus ihrem Haus hinter den Lauben an das Spital Esslingen.Stadtarchiv Esslingen, Lagerbuch 3 von ca. 1356, Blatt 13v. Zeitlich als Tochter Ottos III. von Baldeck – der gelegentlich auch als „von Baldegg“ urkundete – passt Anna I. von Baldegg, 1366/70 Klosterfrau in Heiligkreuztal, deren „Oheim“ der 1362 als Ritter bezeugte Herr Ott von Stoffenberg war.Urkundenbuch des Klosters Heiligkreuztal, Bd. 1, 1910, Nr. 681 und 716; Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 486 U 802 (die Ritter Otto von Stoffenberg, Rudolf von Fridingen u. a. bürgen 1362 zusammen); Otto von Stauffenberg siegelte schon 1350 in Urach für zwei Brüder Kaib (Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 551 U 433) https://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-2627231.
Mit Ottos III. Söhnen Otto IV. und Rudolf III. von Baldeck teilte sich das Geschlecht in zwei Linien, die beide bis ins 16. Jahrhundert existierten, nämlich in die Linie zu Herteneck-Oßweil und in die Linie zu Gutenberg-Pfauhausen.
Die Linie zu Herteneck-Oßweil Diese Linie wurde durch den Edelknecht Otto IV. von Baldeck begründet (geboren ab 1341), der 1360 einer Schenkung seines Vaters zustimmte, der 1388 als Bürge auftrat und der 1394 die Burg Lichtenstein bewohnte.Historische Rekonstruktionszeichnung der Burg Lichtenstein von Wolfgang Braun, auf jimdo-storage.freetls.fastly.net Otto war 1399–1405 württembergischer (Land-)Hofmeister und Rat (1400) sowie Haushofmeister (1402). Er kehrte um 1406 auf den Lichtenstein zurück, hatte 1402 auch Hausbesitz in Urach,Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 602 Nr. 14032 = Württembergische Regesten (WR) Nr. 14032. er veräußerte 1410 eine Plochinger Leibeigene an das St.-Katharinen-Hospital in Esslingen und er starb vor 1413. Ott von Baldegg der Ältere, Burgherr zu Lichtenstein, machte am 7. September 1407 eine Jahrzeitstiftung an das Klarissenkloster Pfullingen zu seinem und seiner Vorfahren Seelenheil und setzte dafür Gülten aus Gütern in Münsingen, Auingen und Böttingen ein. Für den Aussteller siegelten auch seine „Oheime“, die Brüder Conrat und Geri die Härdrer, sowie seine „Vettern“, die Brüder Ott von Baldegg der Jüngere und Rudolf von Baldegg.Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 514 U 5. Letztere waren die Neffen Ottos IV., nämlich die Söhne seines verstorbenen Bruders Rudolf III. von Baldeck, alle drei Baldeck-Siegel zeigen das Windhund-Wappen. Auf dem noch erhaltenen Siegel eines der Brüder Härdrer ist ein nach heraldisch rechts blickender Schwan zu erkennen. Die Brüder gehörten also zur Familie Härderer/Herderer, deren Wappen lt. v. Alberti einen Schwan auf einem Dreiberg und als Helmzier den Schwan auf der Krone stehend zeigte (ähnlich wie die Wappen der stammverwandten Reutlinger Patrizierfamilien Bondorfer und Becht).Otto von Alberti: Württembergisches Adels- und Wappenbuch, Stuttgart 1889–1916, Nachdruck Neustadt an der Aisch 1975, S. 303, und Anhang, S. 98. Dieselben Brüder Cuontz und Geri Herdrer bürgten schon 1371 für Adelhait (des Herdrers seligen Tochter), die Ehefrau des Ulmer Bürgers Heinrich Kraf(f)t,Stadtarchiv Reutlingen, A 2 U 1608. und Geri war 1405 Kastvogt der Kirche und Heiligenpfleger zu Mähringen. Gewiss der Vater von Conrat/Cuontz, Geri und Adelhait Herdrer war Rüdiger der Bondorfer, genannt der Härderer/Herderer, aus Reutlingen, der 1324 Patron der Kirche in Mähringen war, und der noch 1356 als Ritter siegelte. Die Brüder Conrat und Geri Härderer gehörten in die Generation Ottos IV. von Baldeck und waren offenbar seine Vettern. Entweder Rüdiger Bondorfer genannt Härderer war mit einer Schwester von Otto III. und Adelheid von Baldeck verheiratet und nannte deshalb seine Tochter Adelheid, oder aber die Mutter Ottos IV. von Baldeck müsste eine Schwester des Rüdiger Bondorfer gen. Härderer gewesen sein, wofür es aber sonst keine Anhaltspunkte gibt, zumal sechs Schwestern Rüdigers namentlich oder mit ihren Ehemännern bekannt sind.