mini|Ehemaliges Stammesgebiet der Nez Percé und heutiges Reservat in Idaho
Die Nez Percé [] (französisch ‚durchbohrte Nase‘,Ruby und Brown (S. 144) geben flat nose -,flache, platte Nase‘ an. englische Aussprache: ˌnɛzˈpɜrs), auch Nez Percehttp://www.nezperce.org/, offizielle Eigenbezeichnung Nimi'ipuu, sind ein Indianer-Volk des Columbia River Plateau des Pazifischen Nordwestens der Vereinigten Staaten. Ihre Sprache, das Niimiipuutímt, zählt neben dem Sahaptin zu den Sahaptian-Sprachen (auch Sahaptin, Shahaptian), einer Untergruppe der Plateau Penuti-Sprachfamilie. Die Nez Percé sind daher sprachlich und kulturell mit den Sahaptin-sprachigen Palus (Palouse), Walla Walla, Yakima, Umatilla und Wanapum (Wánapam) eng verwandt.
Wohngebiet Ihr traditionelles Territorium umfasste ca. 69.000 km² im Nordwesten und Westen des heutigen US-Bundesstaates Idaho, im Nordosten von Oregon sowie teilweise im Südosten von Washington sowie nach dem Erwerb von Pferden Anfang 1700 auch die nordwestlichen Plains im Westen Montanas. Ihr Stammesgebiet war Teil des Columbia Plateau und von tiefen Canyons (teilweise tiefer als der Grand Canyon), Hochebenen und trockenen Steppen geprägt und umfasste die Flusstäler des Snake River (Weyikespe) und Grand Ronde River (Waliwa/Willewah) im Westen und Nordwesten, des Salmon River (Naco’x kuus) („Königslachs Wasser“) (und dessen zahlreiche Nebenflüsse) im Süden, des Clearwater River (Koos-Koos-Kai-Kai) („klares Wasser“) im Zentrum und im Norden. Im Osten erstreckte es sich bis zu den Bitterroot Mountains (dem Tor zu den Nordwestlichen Plains) und im Westen bis zu den Blue Mountains. Jedoch waren oftmals auch große Gruppen der Nez Percé entlang des Yellowstone River anzutreffen.
Im Jahr 1800 gab es mehr als 100 dauerhafte Siedlungen der Nez Percé, die je nach Jahreszeit und sozialer Gruppierung zwischen 50 und 600 Personen umfassten. Hierunter waren mindestens 27 ganzjährig bewohnt; sonst wechselten die Nez Percé zwischen festen Winterdörfern und wechselnden Sommerlagern (die oftmals auch nur Jagdcamps waren). Archäologen haben insgesamt etwa 300 verwandte Stätten identifiziert: Camps und Dörfer, meist im Salmon River Canyon. Mit einer Bevölkerung von ca. 6.000 Menschen (darunter etwa 1.500 Krieger)Man schätzt, dass die Bevölkerung in etwa so zusammensetzte: kampffähige Männer/Krieger (25 Prozent), Frauen (35 Prozent) und Kinder (40 Prozent)., waren die Nez Percé zu dieser Zeit der größte und militärisch mächtigste Stamm auf dem Columbia River Plateau. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Ethnie aufgrund von Epidemien, Konflikten mit weißen Amerikanern und anderen Faktoren auf etwa 1.800 zurückgegangen.
Seine geografische Lage inmitten von vier anderen nordamerikanischen Kulturarealen machte das Columbia River Plateau zu einem Schnittpunkt der Kulturen:
der Nordwestküste (sesshafte Wildbeuter (Meeressäuger) und Fischer (Lachse); Häuptlingstum, ausgeprägte Hierarchie, Sozialinstitutionen: Sklaverei, Potlatch: Chinook-Völker und Küsten-Salish), der Prärie und Plains (halbnomadische Reiterkulturen oder halbsesshafte Gartenbauern, Bisonjagd: meist Sioux- und Algonkin-sprachige Völker: Absarokee, Plains Assiniboine, Lakota, Plains Cree, Blackfoot und Kutenai), dem Great Basin (nomadische (teilweise berittene) Numic-sprachige Sammler und Jäger: Westliche und Nördliche Shoshone, Bannock und Nördliche Paiute) und Kalifornien (halbsesshafte Sammler und Jäger: zumeist Penuti- und Hoka-sprachige Völker: Klamath und Modoc, Karok u. a.)
Ein ausgedehntes Handelsnetz ermöglichte den Austausch von Waren, Ideen und sogar Menschen, da Sklaverei in der Region weit verbreitet war.
Wie andere indigene Völker des Plateau Kulturareals (Sahaptian-sprachige Völker: Yakama, Umatilla und Tenino sowie Binnen-Salish und Ktunaxa) waren die Nez Percé halbnomadische Lachsfischer, Jäger und Sammler (Wurzeln, Knollenpflanzen) und hatten saisonale Dörfer und Lager, um das ganze Jahr über natürliche Ressourcen zu nutzen. Ihre Wanderungsbewegungen folgten einem wiederkehrenden Muster von permanenten Winterdörfern zu temporären Sommerlagern, die jedes Jahr an die gleichen Orten errichtet wurden. Als östlichste Plateau-Vertreter übernahmen die Nez Percé größtenteils die Lebensweise und viele Kulturtechniken der Plains-Indianer: Kriegsehren (Counting Coup), Kriegstänze und Schlachttaktiken sowie andere materielle Formen der Pferdekultur wie den Travois (vormals von Hunden und Menschen gezogen) und das Tipi. Die Nez Percé, Palus (Palouse) und Cayuse (Weyiiletpuu) („Das Volk des Weidelgrases“) waren unter den amerikanischen Ureinwohnern fast einzigartig in der Durchführung eines selektiven Pferdezuchtprogramms und bauten eine der größten Pferdeherden des Kontinents auf. Die Cayuse züchteten das weniger bekannte „Cayuse Horse“ und die Nez Percé sowie Palus (Palouse) waren maßgeblich an der Schaffung der Appaloosa-Rasse beteiligt. Die Pferde ermöglichten erheblich größere Kriegs- sowie Raubzüge gegenüber den weiterhin sesshaften kleineren Stämmen und ermöglichten den Nez Percé, die Politik sowie oftmals auch die Jagd- und Fischgründe sowie den Handel der militärisch schwächeren Stämme zu kontrollieren. Die verbündeten Cayuse forderten sogar Tribut ein. Zusammen mit verbündeten Plateau-Stämmen (Sahaptin sowie Binnen-Salish) überquerten sie den Lolo Pass (Khoo-say-ne-ise-kit) (in Salish: Naptnišaqs – „Nez Perce-Pfad“) nach Osten auf die Plains (Khoo-sayn/Kuseyn) („Büffel-Land“) von Montana zur Jagd auf amerikanische Bisons (Qoq'a lx) und waren zum Handel mit Waren als Zwischenhändler im Westen bis zur Pazifikküste ('Eteyekuus) („Großes Wasser“) tätig.
Wichtigste Fischgründe und jährliche Treffpunkte vieler Stämme des Plateaus (Sahaptin-Völker, Binnen-Salish) und der Nordwestküste (Küsten-Salish, Lower und Upper Chinook) waren meist verengte Flusstäler oder Wasserfälle, da die Lachse (lé'wliks) und andere Fische sich hier leichter mit Fischwehren, Stangen und Kescher fangen ließen: Celilo Falls oder Horseshoe Falls (Silayloo) (in Sahaptin: Wayám/Wyam – „Echo des herabstürzenden Wassers“, „Klang, wenn Wasser auf Felsen stürzt“) und das etwa 12 Meilen flussabwärts gelegene The Dalles entlang des Middle Columbia River (Xuyelp) („großer Fluss“) waren hierunter die bedeutendsten und zudem gleichzeitig die Grenze der beiden Kulturareale. Westlich hiervon verständigten sich die Stämme mittels der Handelssprache Chinook Wawa, bei Celilo FallsHistory of Celilo Falls (suh-LIE-low) sowie ostwärts landeinwärts war das Sahaptin der Nez Percé dominierend. Weitere bedeutende Lachsfanggründe waren: Cascade Falls, Priest Rapids und Rock Island Rapids am Middle Columbia River sowie die Wenatshapam Fishery nahe der heutigen Stadt Wenatchee.Center for the Study of Migrant and Indian Education YAKIMA INDIAN NATION Alle bedeutenden Fischgründe sind zwischenzeitlich auf Grund der Errichtung von Talsperren (von 1938 bis 1973) zur Trinkwasserversorgung, Energieerzeugung, Betriebswasserversorgung (Industrie und Landwirtschaft), Hochwasserschutz und Schiffbarmachung der Flüsse unter mehreren riesigen Stauseen verschwunden – und damit eine jahrhundertealte indigene Kultur und deren Lebensgrundlage.Columbia River Inter-Tribal Fish Commission – YAKAMA – UMATILLA – WARM SPRINGS – NEZ PERCE
Die Nez Percé lassen sich in zwei große regionale Dialektgruppen unterteilen, die sich auch kulturell unterschieden:
Upper/Upriver Nez Percé (die Bands auf der Ostseite des Snake River in Idaho orientierten sich mehr an den Plains-Stämmen; sprachen den Upper Niimiipuutímt-Dialekt (auch: Upriver oder Östlicher Dialekt)) Lower/Downriver Nez Percé (die Bands auf der Westseite des Snake River waren traditionelle Vertreter der Plateau-Kultur; sprachen den Lower Niimiipuutímt-Dialekt (auch: Downriver oder Westlicher Dialekt))
Namen
Die heutige offizielle Eigenbezeichnung ist Nimi'ipuu Nez Perce Tribe Information Systems: information by the Nez Perce language department and the cultural department. Der Name Nez Percé sei eine Fremdbezeichnung, die von einem Übersetzer der Lewis-und-Clark-Expedition von 1805 stammt. Nez Perce Tribe Information Systems Department: information by the Nez Perce language department and the cultural department Französische Kanadier interpretierten – so die offizielle Darstellung des Nez Perce Tribe – die Bedeutung dieser Bezeichnung als „durchstochene Nase“. Cecil Carter, ein Elder der Nez Percé, habe daran erinnert, dass die Nez Percé die Eigenbezeichnung Cuupn'itpel'uu hatten, bevor sie Pferde nutzten.
William C. Sturtevant schreibt, dass die Nez Percé in den Berichten der Lewis-und-Clark-Expedition von 1805 als Chopunnish bezeichnet wurden – dies sei eine Adaption des Begriffs cú·pʼnitpeľu (‚das gepiercte Volk‘, abgeleitet von cú·pʼnit – ‚Piercing mit einem spitzen Gegenstand‘ und peľu – ‚Volk‘).William C. Sturtevant: Plateau: Handbook of North American Indians: 12. Govt Printing Office, 1999, ISBN 978-0-16-049514-4. Da die Nez Percé keinerlei Nasenpiercings oder sonstige Schmuckstücke trugen, war der Name ‚durchbohrte Nasen‘ eine unzutreffende Bezeichnung und sei wahrscheinlich auf eine Verwechslung mit den am Unterlauf des Columbia River lebenden Chinook zurückzuführen. Die verschiedenen Stämme der Chinook, die mit den Nez Percé Fischgründe und Handelsplätze teilten, waren insbesondere als große Händler berühmt – so dass, basierend auf ihrer Sprache, sich das Chinook Wawa als Lingua franca unter den Stämmen des Nordwestens etablierte.
Auch Candy Vyvey Moulton berichtet, dass die Nez Percé sich vor Einführung des Pferdes laut mündlicher Überlieferung als Cuupn'itpel'uu bezeichneten. Der Name Tsoop-Nit-Pa-Loo – ‚wir gingen aus dem Wald heraus‘ oder ‚wir gingen aus den Bergen heraus‘ wurde laut ihr ebenfalls verwendet. Dem Schöpfungsmythos der Nez Percé folgend sei auch die Bezeichnung als Iceyeeye Niim Mama’yac (‚Kinder von Kojote‘) gebräuchlich.Candy Vyvey Moulton: Chief Joseph: Guardian of the People. Forge, 2005, ISBN 978-0-7653-1063-7.
Traditionelle Kultur
Nachfolgend wird die Kultur der Nez Percé beschrieben, so wie sie sich bis zur Aufgabe der Selbstbestimmung und dem Einzug in das Reservat präsentiert hat. Ab diesem Zeitpunkt glich sie sich nach und nach der Kultur der europäischen Einwanderer an.
Politische Organisation Nach Möglichkeit errichteten die Nez Percé ihre Dörfer entlang von Flüssen. Sie organisierten sich analog zum Flusssystem. Die einzelnen Dörfer an einem Seitenfluss fühlten sich als Gruppe zusammengehörig und vereinten sich bei Bedarf – zum Beispiel zur Bisonjagd – mit Gruppen des Hauptflusses. Ob sich sämtliche Nez Percé bereits vor dem ersten Kontakt mit den Europ-Amerikanern zusammengehörig fühlten, ist umstritten. Mit Sicherheit vereinten sie sich nach 1830 unter einem gemeinsamen Häuptling. Gemeinsam versuchten sie dem gewachsenen Druck stand zu halten.
Ein Dorf bestand aus mehreren Großfamilien und wurde von einem Mann – oft der älteste fähige Mann des Dorfes – geführt. Meist assistierte ein jüngerer Mann dem Anführer. Üblicherweise ging das Amt vom Vater auf den Sohn über; war dieser unfähig, wählte der Rat einen fähigeren Mann zum Anführer des Dorfes. In wenigen Fällen übernahm ein Medizinmann die Führung. Vom Anführer wurde erwartet, dass er ein Vorbild war, als offizieller Redner in Erscheinung trat, Streit schlichtete und bestrebt war, Entscheidungen zum Wohl der Dorfbewohner zu fällen. Die Familienführer waren im Rat vertreten, dessen Entschlüsse der Dorf-Anführer zu befolgen hatte. Normalerweise stand der Anführer des größten Dorfes der Gruppe vor. Die Bewohner der verschiedenen Dörfer schlossen sich vor allem zur Verteidigung zusammen, gelegentlich aber auch zu gemeinsamen Zeremonien oder zum Nahrungserwerb.