Heinrich Richard Engelbert (* 19. Juni 1820 in Barmen;Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 7 † 16. November 1910Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 150 in Duisburg) war ein evangelischer Pastor und Leiter der Pastoralgehülfen- und Diakonenanstalt Duisburg.mini|Richard Engelbert als Kandidat nach einer Zeichnung von Georg Bleibtreu Jugend und Studienzeit

Engelbert wurde als Sohn des Schneidermeisters Heinrich Engelbert aus Aplerbeck und seiner Frau Katharina Elisabeth Rühl aus Homburg v. d. H. in Barmen geboren.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 8 Er besuchte das Gymnasium in Elberfeld, was für ihn morgens und abends eine Stunde Fußmarsch bedeutete, weil seine Eltern nicht über das Geld für den Omnibus verfügten.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 11 1839 ging er zum Studium nach Bonn. Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 13 Er hörte Vorlesungen bei Friedrich Bleek, Gottfried Kinkel und Karl Immanuel Nitzsch, von denen er wenig begeistert war. Auch fand er in studentischen Kreisen nicht den Anschluss, der ihm gefiel. Es gab dort zwar eine Theologenkneipe, die ihm jedoch wenig zusagte.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 13 So wechselte er an die Universität Halle. Dort hörte er Vorlesungen bei August Tholuck und Julius Müller, die damals viele Studenten nach Halle zogen, und geriet bald unter den Einfluss von Tholuck. Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 14f

An den in Halle damals bestehenden studentischen Korporationen fand Engelbert keinen Gefallen, sammelte aber bald einen Kreis gleichgesinnter Studenten, die wie er Hörer von Tholuck und Müller waren, um sich und gründete mit diesen eine neue Vereinigung, die die Schlemmerei und Völlerei der übrigen Korporationen ablehnte und das Duell verwarf.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 14f Dieser Verein war 1844 am Schleizer Konzil des Wingolf beteiligt, um sich kurz darauf in den Hallenser Wingolf und die Pflüger zu spalten. Engelbert und seine Freunde vom „Alten Verein“ schlossen sich als Alte Herrn dem Hallenser Wingolf an. Die Mitglieder dieses Kreises blieben sich bis an das Lebensende treu verbunden und unterhielten einen Briefkreis. Engelbert war der Sekretär und sorgte für den Weiterversand der Briefe. Hin und wieder traf man sich auch an den Wirkungsstätten der Freunde. Auch dem Hallenser Wingolf blieb er zeitlebens eng verbunden und hielt noch beim 50-jährigen Bestehen im Jahre 1894 die Ernste Feier.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 16f Bei seinen zahlreichen Reisen besuchte er immer wieder gerne seine Brüder, besonders Pfarrer Kind in Davos und Pfarrer Eisenlohr in Gernsbach. Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 104 Auch trafen sich die Brüder bis ins hohe Alter u. a. in Boppard am Rhein.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 146. mini|links|Die Stifter Engelbert (links) und Reinhardt auf dem 65. Stiftungsfest des Bonner Wingolf, 1906

In den Weihnachtsferien 1840 ereilte Engelbert ein schwerer Schicksalsschlag. Er weilte mit Freunden in Berlin, um die Hauptstadt Preußens kennen zu lernen, als ihn ein Brief Tholucks ereilte, in dem dieser ihm mitteilte, dass seine Mutter im Sterben liege.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 16f

Nach zwei Semestern kehrte Engelbert im Herbst 1841 zurück nach Bonn. Auch dort schaffte er es nun gemeinsam mit Klamor Topp vom Hallenser Verein, noch im gleichen Jahr einen gleichgesinnten Verein zu gründen. Zahlreiche Mitglieder des Hallenser Vereins traten in den folgenden Jahren ebenfalls dem neuen Bonner Verein bei, der bald auf Betreiben Albrecht Schölers den Namen Bonner Wingolf führte. Auch diesem blieb Engelbert Zeit seines Lebens eng verbunden.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 21f Andere beteiligen sich an der Gründung des Berliner Wingolfs, der als Tochterverbindung des Bonner Wingolf entstanden ist.Aus dem Wingolf, Marburg, 1860, Berliner Wingolf, S. 1 ff. So wurde Engelbert zum geistigen Vater des nun entstehenden Wingolfsbundes.

Wirken Nach seinem Studium trat er eine Hauslehrerstelle in Barmen bei der Fabrikantenfamilie C. F. Klein-Schlatter an.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 23ff Im Oktober 1843 legte er sein erstes Examen ab. Nach seiner Kandidatenzeit, die er unterbrochen von seinem Aufenthalt in Moers ebenfalls in Barmen verbrachte und sich stark im örtlichen Vereinswesen, insbesondere im von Klein 1836 gegründeten Jünglingsverein (Sonntagsverein-heute CVJM Adlerbrücke) und der ebenfalls von diesem und seiner Frau gegründeten Kleinkinderschule engagierte. Im Juli 1845 legte er sein 2. Examen ab und wurde Hilfsprediger in Herdecke.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 38. Hier wurde er zum leidenschaftlichen Prediger und zeigte stets ein Herz für die Armen. Da Alkohol, insbesondere Brandwein dort verbreitet war und viel Missbrauch getrieben wurde, predigte er entschieden die Mäßigkeit und gründete einen Enthaltsamkeitsverein, dem zahlreiche Gemeindeglieder beitraten.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 38ff

Im Sommer 1847 war die Inspektorenstelle der 1844 von Theodor Fliedner gegründeten Pastoralgehülfen- und Diakonenanstalt neu zu besetzen. Fliedner, der ihn in Barmen kennen gelernt hatte, erinnerte sich an ihn und bot ihm die Stelle an, die Engelbert mit Freude annahm.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 44 Am 17. Oktober 1849 wurde er ordiniert. Auf Bitten der evangelischen Christen in Lintorf, wo keine evangelische Gemeinde mehr bestand, hielt er dort ab Oktober 1849 vierzehntäglich am Sonntagnachmittag Gottesdienst im Betsaal der evangelischen Schule.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 51ff

Als 1848 die Revolution in Deutschland tobte, gründete der konservative Engelbert mit Gleichgesinnten aus einem Kreis gläubiger Christen die „Evangelische Gesellschaft für Deutschland“. Die Mitglieder waren der Ansicht, dass nur das Evangelium von Christus das Volk retten könne.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 134.

Am 12. Dezember wurde auf einer Konferenz der Inneren Mission die Herausgabe eines Sonntagsblattes beschlossen und die Diakonenanstalt gebeten, Herausgabe und Versand zu übernehmen, was zunächst nicht zur Freude von Engelbert war, obwohl auch er die Notwendigkeit einer solchen Zeitung sah. Aber er „fühlte nicht den Drang des Schriftstellers“. Bereits am 9. Januar 1850 erschien das erste Blatt.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 56f

Da sich immer wieder ehemalige Strafgefangene hilfesuchend in der Anstalt meldeten, mit denen diese überfordert war, entstand bei Engelbert und seinem Mitarbeiter, dem Kandidaten Eduard Dietrich, der Plan, ein Asyl für ehemalige Strafgefangene in Lintorf zu gründen. Die dort entstehende Gemeinde hatte zuvor ein altes Bauernhaus erworben mit dem Ziel, dass dieses einst als Pfarrhaus dienen sollte.

Als am 4. November 1850 die Generalversammlung von Freunden und Direktionsmitgliedern des Diakonenhauses in Duisburg tagte, schlug Engelbert die Gründung des Asyls als Tochtergesellschaft des Diakonenhauses vor, was die Versammlung einstimmig billigte. Das Lintorfer Asyl war geboren. Die Anfänge fanden in dem Haus der Lintorfer Gemeinde statt. Bald aber gelang es, einen gegenüberliegenden Bauernhof mit 20 Morgen Acker zu erwerben.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 58ff Im Jahre 1858 wurde eine weitere an das Bessersche Haus angrenzende Fläche hinzugekauft und eine kleine Landwirtschaft eingerichtet. 1863 folgte der Erwerb des „Besserschen Erbes“, in das das kleine anstaltseigene Krankenhaus verlegt wurde.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 77

1864 erhöhten sich die Spannungen um die Herzogtümer Schleswig und Holstein. Engelbert bot dem Kriegsministerium an, in der Krankenpflege erfahrene Diakone zu entsenden. Dieses nahm das Angebot an und forderte ihn auf, diese in das preußische Militärlazarett nach Kiel zu entsenden. So reisten die ersten Brüder bereits am 10. Februar nach Kiel, insgesamt sollten es 16 werden. Am 23. März 1864 reiste Engelbert seinen Brüdern hinterher, um sie zu besuchen und auch um organisatorische Absprachen zu treffen. Denn noch fehlten organisatorische Vorschriften und Absprachen.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 84f Theodor Schäfer: Felddiakonie in Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 3. Auflage, herausgegeben von Albert Hauk, Leipzig 1898, Band V, S. 792–794 So wurde Engelbert einer der Väter der Felddiakonie.

Auch die Handwerkerschaft suchte er zu sammeln. Der Idee Johann Hinrich Wichern folgend gründete er eine Handwerkerassoziation und engagierte sich in deren Vorstand. Später war er im Deutschen Verein aktiv und gründete schließlich gemeinsam mit Pastor Schuster den Bürgerverein (Später Arbeiter- und Bürgerverein) in Duisburg.

1866 bereits zeichnete sich ein erneuter Krieg ab, diesmal zwischen Preußen und Österreich (Deutscher Krieg). Bereits im Vorfeld bot Engelbert seine Hilfe an, die gerne angenommen wurde. Allerdings wurden die Diakonen diesmal in den Johanniterorden eingegliedert, so dass Engelbert die Hilfe nicht wieder selbst organisieren musste. Weil die Diakonenanstalt nicht genügend Diakone stellen konnte, suchte Engelbert erstmals Diakone auf Zeit über das von ihm herausgegebene Sonntagsblatt. Zahlreiche Bereitwillige meldeten sich. Die Anstalt konnte schließlich 65 Diakone stellen.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 86f

Im Deutsch-Französischen Krieg entsandte Engelbert wieder zahlreiche Diakone. Auch diesmal reiste Engelbert ihnen nach. Bei der Rückreise, Frankreich hatte inzwischen kapituliert, machte er mit einigen Brüdern einen Abstecher nach Paris, wo sie verhaftet wurden. Erst nach intensiver Fürsprache des befreundeten Pfarrers Valette wurden sie nach einigen Tagen wieder freigelassen.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 92ff