Igor Šentjurc (* 31. Januar 1927 in Slovenj Gradec, Königreich Jugoslawien; † 28. Januar 1996so Stüssi im Deutschen Literatur-Lexikon, andere Quellen geben den 27. Januar 1996 an. in Herrngiersdorf) war ein jugoslawisch-deutscher Schriftsteller, der vor allem als Autor historischer Romane bekannt wurde. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Igor Georgew und Igor von Percha.

Leben

Igor Šentjurc war der Sohn eines Mathematiklehrers und einer Mathematiklehrerin. Als der Zweite Weltkrieg 1941 Jugoslawien erreichte, wurde der Vater zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert, die Mutter mit den drei Kindern nach Österreich. Igor Šentjurc wurde 1943 zur Wehrmacht einberufen, desertierte zweimal, schloss sich der sowjetischen Roten Armee an und gelangte zurück nach Jugoslawien, wo er sich den Partisanen anschloss. Nach Kriegsende studierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana. Ab 1949 arbeitete er für die wöchentliche Sportzeitung Polet, wo er bald Chefredakteur der illustrierten Beilage PPP wurde. Diese änderte er bald in ihrem Profil zu einer Zeitschrift mit Fortsetzungsromanen, (gelegentlich auch selbst verfassten) Kurzgeschichten, politischen Beiträgen, Haushaltstipps und Witzen. Zu dieser Zeit veröffentlichte er Kurzgeschichten in Zeitschriften wie Novi svet und Naša sodobnost. 1953 wurde Šentjurc vom Verlag auf eine Studienreise nach München geschickt. Dort beantragte er erfolgreich politisches Asyl.Mira Miladinović Zalaznik unterstellt Šentjurc Sympathien mit NS-Kollaborateuren und Stalinisten und geht davon aus, er sei tatsächlich in Gefahr gewesen, politisch verfolgt zu werden. Šentjurcs Schwester sieht hingegen keinen Anlass für diese Vermutung. Dass der Verlag ihm die Studienreise nach München ermöglichte spricht auch gegen die These, es ist wohl wahrscheinlicher, dass Šentjurc, dessen erste Ehe gescheitert war, einfach lieber in München leben wollte. Die Publikationen von Mira Miladinović Zalaznik enthalten zahlreiche sachliche Fehler, beispielsweise den, Šentjurc habe ausschließlich seine drei letzten Romane unter seinem richtigen Namen veröffentlicht (Wer war Igor von Percha?, S. 46). Daraufhin wurde er am 17. Oktober 1953 aus dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens ausgeschlossen, dem er seit August 1950 angehört hatte.

Er arbeitete zunächst als Büchervertreter und verfasste seinen ersten Roman Der Teufel braucht Liebe, der 1956 unter dem Pseudonym Igor Georgew im AWA-Verlag Erich Flatau in München erschien. Weitere Romane veröffentlichte er unter seinem bürgerlichen Namen im Kindler Verlag. Der Kriminalroman Bumerang erschien auch als Fortsetzungsroman in der Münchner Abendzeitung. Hardy Krüger, der ihn auf diesem Wege gelesen hatte, setzte sich für eine Verfilmung ein, für die Herbert Reinecker das Drehbuch verfasste, und die von der Roxy Film unter der Regie von Alfred Weidenmann 1960 als Bumerang ins Kino kam; Hardy Krüger, Martin Held, Mario Adorf und Horst Frank spielten die Hauptrollen. Krüger und Šentjurc waren seitdem befreundet und Krüger gab ihm wiederholt Aufträge für Drehbücher. Einige seiner Romane erschienen auch als Fortsetzungsromane in der Bunte Illustrierte, Quick und Stern.

Er lebte zeitweise in Starnberg (das Pseudonym Percha bezieht sich auf einen Ortsteil Starnbergs), zuletzt ab 1987 in Herrngiersdorf. Von 1973 bis 1986 betrieb Šentjurc neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit eine Forellenzucht. Seit den 1970er Jahren erschienen seine Bücher unter anderem beim Verlag Hestia in Bayreuth sowie beim Langen Müller Verlag. Die Gesamtauflage seiner Romane soll bei mehr als 10 Millionen Exemplaren liegen.

Rezeption

Seine überwiegend der Trivialliteratur zuzurechnenden Werke wurden von der Literaturkritik kaum beachtet. Marianne Jabs-Kriegsmann nennt Igor von Percha als den Autor, der das seit 1945 als tot geltende Genre des historischen Illustriertenromans wiederbelebt habe.Marianne Jabs-Kriegsmann, Zerrspiegel. Der deutsche Illustriertenroman 1950–1977, 1981, ISBN 3-12-934010-6, S. 21 Seit 2008 publizierte die slowenische Germanistin Mira Miladinović Zalaznik mehrere Aufsätze über Igor Šentjurc.

Einige seiner Romane werden seit 2018 vom S. Fischer Verlag als E-Books angeboten.

Familie Igor Šentjurc war zweimal verheiratet. Aus erster Ehe hatte er eine Tochter, aus zweiter Ehe vier weitere Töchter und einen Sohn.

Eine Schwester von Igor Šentjurc war Mira Šentjurc (verheiratete Čuček, 1923–2014), die in den 1940er Jahren eine erfolgreiche Leichtathletin war (u. a. jugoslawische Meisterin im 100m- und 200m-Lauf 1946, Silber- bzw. Bronzemedaille bei den Balkanspielen 1946 und 1947 im 100m-Lauf).Edita Djogič, Razjov slovenske atletike od leta 1945 do 1950, Diplomarbeit Univ. Ljubljana, 2007

Werke Als Übersetzer Edgar Allan Poe, Propad hiše Usher in druge zgodbe (Der Untergang des Hauses Usher und andere Kurzgeschichten), Ljubljana, Verlag Polet, 1952

Kurzgeschichten in slowenischer Sprache Eden proti trem (Einer gegen drei), in: Novi svet, Jahrgang 7.1952, Heft 4 Ženska ob cesti (Eine Frau am Straßenrand), in: Naša sodobnost, Jahrgang 1.1953, Heft 7/8

Romane unter richtigem Namen

Gebet für den Mörder, 1958 französische Ausgabe: Prière pour un meurtrier, übersetzt von Edith Vincent, 1959 englische Ausgabe: Prayer for an Assassin, übersetzt von Cornelia Schaeffer, 1960 spanische Ausgabe: Oración por un asesino, übersetzt von Hernán del Solar, Santiago de Chile 1963 Bumerang, 1959 (wurde 1960 nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker verfilmt) afrikaanse Ausgabe: Boemerang, Kapstadt 1960 Der unstillbare Strom, 1960 niederländische Ausgabe: De eindeloze stroom, übersetzt von M. de Haas-Tobias, 1961 französische Ausgabe: L' Offensive, übersetzt von Henri Thies, 1962 englische Ausgabe: Thou shalt not kill, übersetzt von Eric Mosbacher, 1963 US-amerikanische Ausgabe: The Torrents of War, übersetzt von Eric Mosbacher, bearbeitet von Elsie Stern, 1963 (gegenüber der englischen Ausgabe gekürzt) Stammtischbrüder oder Nach Hofkirch verirrt sich ein Fremder nur selten, 1971, ISBN 3-463-00489-5 Gottes zornige Hand, 1983, ISBN 3-8131-8204-5 Zeitenwende-Trilogie: Feuer und Schwert, 1988, ISBN 3-7844-2202-0 Im Sturm : Roman einer schlesischen Familie, 1991, ISBN 3-7844-2314-0 Vaters Land, 1997, ISBN 3-7844-2573-9 (Nach dem Konzept des Autors und unter Mitarbeit von Rolf Ulrici zu Ende geführt von Eva-Marianne Šentjurc)Eva-Marianne Šentjurc war die Ehefrau von Igor Šentjurc, Rolf Ulrici (1922–1997) war Schriftsteller. slowenische Ausgabe: Očetova dežela, übersetzt von Dušan Voglar, mit einem Nachwort von Peter Vodopivec, 2001, ISBN 86-11-16026-6

als Igor Georgew

Der Teufel braucht Liebe, 1956

als Igor von Percha

Christina-Maria-Trilogie: Christina Maria. Das Geheimnis der Gräfin von Albassy. Historischer Roman vom Wiener Kaiserhof, 1965 finnische Ausgabe: Christina Maria : Albassyn kreivittären salaisuus, übersetzt von Lea Karvonen, 1967 niederländische Ausgabe: Christina Maria, übersetzt von C. Kila, 1967 afrikaanse Ausgabe: Christina Maria, übersetzt von Gerrit J. van der Merwe, 1969 französische Ausgabe: Christina-Maria. Le secret de la comtesse von Albassy, übersetzt von Odette Gailly, 1970 tschechische Ausgabe: Christina Marie. Hraběnka z Albassy, übersetzt von Jitka Perglová, 2010, ISBN 978-80-249-1339-1 Christina Maria und der Fürst. Eine Liebesromanze am Wiener Kaiserhof, 1966 finnische Ausgabe: Christian Maria ja ruhtinas, übersetzt von Sisko Pylkkänen, 1968 niederländische Ausgabe: Christina Maria. In de maalstroom, übersetzt von Thea Witteveeu, 1968 afrikaanse Ausgabe: Christina Maria en die vors, übersetzt von Gerrit J. van der Merwe, 1969 tschechische Ausgabe: Christina Marie. Kníže Arnsberk, übersetzt von Jitka Perglová, 2010, ISBN 978-80-249-1396-4 Christina Maria und die Petersburger Nächte, 1967 niederländische Ausgabe: Christina Maria. Nacht in St. Petersburg, übersetzt von J. Vos, 1968 afrikaanse Ausgabe: Christina Maria en die Petersburgse nagte, übersetzt von Gerrit J. van der Merwe, 1970 tschechische Ausgabe: Christina Marie. Petrohradské noci, übersetzt von Jitka Perglová, 2010, ISBN 978-80-249-1427-5 Veruschka, 1968 afrikaanse Ausgabe: Veroeska, übersetzt von Gerrit J. van der Merwe, 1970 niederländische Ausgabe: Veroesjka, übersetzt von A. W. S. C. Tamarinof, 1970 Charlotta Gräfin von Potsdam, 1970 französische Ausgabe: Ambitieuse Charlotte, übersetzt von Evelyne Stauffer, 1974, ISBN 2-7112-0065-5 Die rote Prinzessin, 1970 niederländische Ausgabe: De rode prinses, übersetzt von R. van den Akker, ca. 1972, ISBN 978-90-6043-658-5 Der König soll sterben. Verschwörer um Ludwig II., 1973, ISBN 3-7991-5751-4 Der Weg zu Tania, 1973, ISBN 3-7852-1143-0 Vergangen ist der Traum, 1975, ISBN 3-7770-0136-8 niederländische Ausgabe: Vervlogen is de droom, übersetzt von Henk de Rijk, 1976, ISBN 90-235-0321-X Im Auftrag der Königin, 1976, ISBN 3-7770-0150-3 Der lächelnde Dämon, 1977, ISBN 3-7770-0161-9 Ein Herz für eine Krone, 1985, ISBN 978-3-404-10632-5

Kinderbücher Der Junge und das Ungeheuer, 1986, ISBN 3-505-09415-3 französische Ausgabe: Pierre et le monstre, Aartselaar 1987, ISBN 2-8034-1623-9 Luka auf langer Reise, 1992, ISBN 3-88010-251-1

Buch zur Fernsehserie mit Hardy Krüger und Dieter Seelmann: Hardys Bordbuch, ca. 1967

Drehbücher mit Bruno Hampel: Das Kriminalmuseum: Der Brief, (Folge 14, 1965)

Sachbücher Wir gehen essen in Jugoslawien. ADAC-Reiseratgeber, 1977, ISBN 3-87003-109-3 Biogärteln leicht gemacht, 1986, ISBN 3-8231-0504-3

Literatur Axel Poldner, Ein Gespräch mit dem Bestseller-Autor Igor Sentjurc, in: Der Literat (ISSN 0024-4627), Band 15/16.1973, S. 88ffAxel Poldner war Literaturagent, der Beitrag könnte daher Öffentlichkeitsarbeit darstellen. Anna Stüssi, Šentjurc, Igor, in: Deutsches Literatur-Lexikon, 3. Aufl., Band 17, 1997, ISBN 978-3-907820-20-9 Mira Miladinović Zalaznik, Igor Šentjurc (1927–1996), ein slowenischer Autor deutscher Zunge, in: Christoph Parry und Liisa Voßschmidt (Hrsg.): Europäische Literatur auf Deutsch? Beiträge auf der 13. Internationalen Arbeitstagung Germanistische Forschungen zum Literarischen Text, Vaasa 18.–19.5.2006, 2008, ISBN 3-89129-864-1, S. 122–129 Mira Miladinović Zalaznik, Wer war Igor von Percha? : "Die Ursachen dessen, was heute geschieht, liegen stets in der Vergangenheit", in: Acta Neophilologica (ISSN 0567-784X), Jg. 41.2008, S. 45–56 (online auf uni-lj.si) Mira Miladinović Zalaznik, „Die Ursachen dessen, was heute geschieht, liegen stets in der Vergangenheit“. Ein slowenisch-deutscher Autor vor dem Hintergrund des sozialistischen südslawischen Alltags, in: Erinnerung an Jugoslawien in der deutschsprachigen Literatur, herausgegeben von Kristian Donko und Johann Georg Lughofer, 2014, ISBN 978-3-9503072-3-8, S. 47–52 (online beim Goethe-Institut Ljubljana, archiviert bei archive.org, 1. August 2020)

Weblinks

Biographische Angaben bei AVA International Igor von Percha auf krimilexikon.de Igor Šentjurc auf locutio.si

Einzelnachweise

Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Trivialliteratur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Slowenisch) Kategorie:Übersetzer aus dem Englischen Kategorie:Übersetzer ins Slowenische Kategorie:BdKJ-Mitglied Kategorie:Jugoslawe Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 1996 Kategorie:Mann Kategorie:Jugoslawischer Emigrant in Deutschland