Das American Petroleum Institute (API) ist der größte Interessenverband der Öl- und Gasindustrie einschließlich der petrochemischen Industrie in den USA. Dem 1919 gegründeten API mit Sitz in Washington, D.C. gehören ca. 600 Unternehmen an, denen c. 11 Mio. US-amerikanische Arbeitsplätze zugerechnet werden.

Arbeitsgebiete mini|Ein Mitarbeiter der US Air Force führt einen Flammpunkttest des Flugturbinenkraftstoff JP-8 durch. Das API hat an die Air National Guard (ANG) 2002 eine Auszeichnung verliehen. Die Organisation sammelt, analysiert und veröffentlicht Kennzahlen zur Ausbeutung (Produktion) von Öl- und Erdgaslagerstätten, Ölverbrauch, Steuern, Handel, Umwelt- und Arbeitsschutz. Ein wichtiges Arbeitsgebiet ist die Erarbeitung von über 800 technischen Richtlinien und Standards. Einer der Tests nach API ist z. B. der „Schwerkraftstest“ (Relative Erdöldichte im Vergleich zu gewöhnlichem Wasser), besser bekannt als API-Grad.

Die vom API herausgegebenen Richtlinien, welche nach einem American National Standards Institute (ANSI) akkreditierten Prozess erstellt und veröffentlicht werden, sind vergleichsweise umfassend und anspruchsvoll. Die Richtlinien werden nicht von unabhängigen Einrichtungen, sondern von Fachleuten aus dem im Verband zusammengeschlossenen Unternehmen erarbeitet. Diese Arbeitsprodukte (Normen und Standards für die Bereiche Upstream, Midstream und Downstream u. a.) werden auch international genutzt. Eine Vielzahl der Normen wird heutzutage von der American Society for Testing and Materials (ASTM) herausgegeben und verwaltet.

Vom API liegen beispielsweise Spezifikationen für Motoröle vor (vgl. auch Schmieröl). Andere Richtlinien beschäftigen sich beispielsweise mit der Ausführung von Maschinen, Öltransport auf Schiffen, Wartung von Apparaten und der Ausführung von Sicherheitseinrichtungen.

Lobbyismus mini|Beispiel für ein vom API herausgegebenes Pamphlet, das argumentiert, wie Erdöl den amerikanischen Alltag positiv beeinflusse und für dessen Verwendung wirbt.

Organisierte Klimawandelleugnung Das American Petroleum Institutes (API) wusste seit den 1950er Jahren von den Gefahren, die durch Globale Erwärmung infolge der Verbrennung fossiler Energieträger drohten, bestritt diese aber in der Öffentlichkeit. Schon 1954 hatte API-Mitarbeiter herausgefunden, dass die Verbrennung fossiler Energieträger zu einem Anstieg des CO2-Anteils in der Atmosphäre geführt hatte, und damit mehrere Jahre vor Veröffentlichung der Keeling-Kurve.

1959 hielt der Physiker Edward Teller auf einem vom API organisierten Symposium anlässlich des 100. Geburtstages der US-Ölindustrie einen Vortrag, in dem er auf negative Folgen der globalen Erwärmung wie z. B. steigende Meeresspiegel hinwies. 1965, drei Tage nachdem Wissenschaftler den damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson in einem Bericht über die Gefahren des Klimawandels informiert hatten, wurde dieser Bericht auf der Jahreshauptversammlung des API besprochen. Dort richtete der damalige API-Präsident Frank N. Ikard folgende Worte an die versammelten führenden US-Industrielle:

1968, und damit rund zwei Jahrzehnte vor der Öffentlichkeit, wurde das API schließlich auch vom Stanford Research Institute darüber informiert, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid durch die Verbrennung fossiler Energieträger erhebliche Gefahren für die Erde bergen würde. Unter anderem warnten Wissenschaftler das API davor, dass der menschengemachte Klimawandel u. a. zu einem Abschmelzen der Arktis sowie einem Meeresspiegelanstieg führen würde. 1979 gründete das API eine geheime Task Force, die sowohl die wissenschaftlichen als auch die politischen Entwicklungen rund ums Thema Klimawandel beobachten sollte. Im selben Jahr hielt ein Wissenschaftler vor Vertretern des API und großer fossiler Energiekonzerne einen Vortrag, in dem er berichtete, dass eine Erwärmung von 1 °C bis zum Jahr 2005 kaum wahrnehmbar sei, 2,5 °C Erwärmung bis zum Jahr 2038 jedoch bereits große wirtschaftliche Folgen und starke regionale Abhängigkeiten verursachen würden, und 5 °C Erwärmung bis zum Jahr 2067 "weltweit katastrophale Folgen" haben würden. Ebenfalls 1979 wurde den Mitgliedern der Task Force ein von Exxon verfasster Bericht präsentiert, der katastrophale Folgen für die Umwelt vorhersagte, sofern nicht 80 % der damals verfügbaren fossilen Energieträger ungenutzt blieben und fossile Energien nicht noch in den 1990er Jahren durch alternative Energien ersetzt würden.

In der Öffentlichkeit bestritt das API hingegen jahrzehntelang, dass die Existenz des Klimawandels wissenschaftlich fundiert sei. Diese für die Öffentlichkeit bestimmte Desinformationskampagne des API begann bereits im Jahr 1980, ein Jahr nach Gründung der Klima-Task-Force, als das API entgegen den dort vorgestellten Erkenntnissen behauptete, dass ein steigender Konsum fossiler Energieträger sicher sei. Dabei untergrub das API wie auch andere Lobbyorganisationen und Unternehmen der Branche der fossilen Energien zur Wahrung der eigenen Geschäftsziele die Klimaforschung und Klimapolitik vorsätzlich. Unter anderem finanzierte das API klima"skeptische" Wissenschaftler, konservative Denkfabriken, die die Existenz der globalen Erwärmung leugneten, und diverse Frontorganisationen der organisierten Klimawandelleugnung, darunter die Global Climate Coalition. Diese wurde zunächst auch von William O’Keefe vom American Petroleum Institute geleitet und engagierte sich sehr stark im Kampf gegen die US-amerikanische Ratifizierung des Kyoto-Protokolls. Es spielte jedoch auch eine entscheidende Rolle bei den Angriffen auf den IPCC-Leitautoren Benjamin D. Santer, die die Diskreditierung des Zweiten Sachstandsberichts des IPCC sowie des Weltklimarats insgesamt zum Ziel hatten; im Nachhinein stellten sie sich als unbegründet heraus.Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, insb. 148–150.

Zu den gesponserten Personen zählt Willie Soon, dessen Arbeiten von vielen Klima"skeptikern" als Beleg gegen die menschengemachte globale Erwärmung angeführt werden, von Klimaforschern aber wegen schwerer methodischer und inhaltlicher Mängel abgelehnt werden.Deeper Ties to Corporate Cash for Doubtful Climate Researcher. In: The New York Times. 21. Februar 2015. Abgerufen am 21. April 2016.

Im Juni 2020 wurde das American Petroleum Institute – zusammen mit ExxonMobil und Koch Industries – aufgrund der von den drei Akteuren betriebenen jahrzehntelangen Desinformationskampagne zum Klimawandel vom US-Bundesstaat Minnesota verklagt.Minnesota sues Exxon, Koch and API for being 'deceptive' on climate change. In: Reuters. 24. Juni 2020. Abgerufen am 29. Juni 2020.

Kampagnen gegen Umweltschutztechnologien Bereits seit den 1960er Jahren betrieb das API unter dem Deckmantel vermeintlicher Technologieoffenheit Lobbyarbeit gegen die Förderung erneuerbarer Energieträger und umweltfreundlicher Technologien wie Elektroautos und Wärmepumpenheizungen. Unter anderem setzte das API Regierungen unter Druck, Förderungen für solche Technologien zurückzufahren, staatliche Gelder für Forschung und Entwicklung zu kürzen und Umweltschutzgesetze aufzuweichen, die solche Technologien begünstigen könnten. Staatliche Förderungen für umweltfreundliche Technologien stellten eine Verzerrung des freien Marktes dar. Z.B. protestierte das API bereits 1967 gegen einen Gesetzentwurf zur Förderung der Entwicklung von E-Autos. 2005 argumentierten Lobbyisten des API dann in einem erneuten Abwehrkampf gegen eine etwaige E-Auto-Förderung, dass E-Autos nicht gefördert werden sollten, weil sie noch nicht weit genug entwickelt seien. Auch setzte sich das API schon 1975 gegen ein Energiespargesetz ein, das Steuergutschriften für Wärmepumpen vorsah.Oil industry has sought to block state backing for green tech since 1960s. In: The Guardian, 8. März 2024. Abgerufen am 17. März 2024.

Veröffentlichungen

Siehe auch National Petroleum Council (NPC) Permian Basin U.S. Bureau of Mines (1910–1996), abgelöst vom Department of Energy (DOE), der U.S. Geological Survey (USGS), Bureau of Land Management, Office of Mine Safety and Health Research und National Mine Map Repository

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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