mini|hochkant|Familienwappen derer von Lüdemann (1798 dem Vater bei Nobilitierung verliehen) Heinrich von Lüdemann (* 1798)Hermann Müller: Eberhardt’s allgemeiner Polizei-Anzeiger. 39. Band. Teubner, Dresden 1854, S. 158 (online). war ein deutscher Verwaltungsbeamter und von 1835 bis 1843 Bürgermeister der Stadt Bochum. Anschließend übernahm er die Verwaltung der Landgemeinden des Amtes Bochum, wurde jedoch 1844 abgesetzt.

Familie Lüdemann war ein Sohn des am 6. Juli 1798 bei der Huldigung zu Breslau von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in den Adelsstand erhobenen Kammerdirektors, damaligen Kriegs- und Domänenrats zu Küstrin,Leopold Freiherr von Zedlitz-Neukirch: Neues preussisches Adels-Lexicon, oder, Genealogische und diplomatische Nachrichten: Band I-O, 1837, S. 315. Friedrich Wilhelm Lüdemann,Archiv für Deutsche Adels-Geschichte, Genealogie, Heraldik und Sphragistik, 1863, S. 315. der auch Rittergutsbesitzer war, 1765 im pommerschen Köslin geboren wurde und am 20. Dezember 1813 starb. Dessen Eltern waren der Kriegs- und Domänenrat Johann George Ludwig Lüdemann (1736–1805) und eine geborene Hannemann (um 1740–1804). Verheiratet war Heinrichs Vater ab 1795 mit Catharina Elisabeth Henriette (* 1779), der einzigen Tochter des Küstriner Regierungsrates Johann George Albrecht Bacmeister (1747–1795), Sohn des George Albrecht Bacmeister (1702–1785), Regierungsrat in Aurich,Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, 2009, S. 598 f. und 34. mithin der Cousine des Georg Albrecht Jhering (1779–1825), Verwaltungsjuristen in Ostfriesland. Heinrichs Bruder Georg Wilhelm von Lüdemann wurde am 15. Mai 1796 geboren und war Schriftsteller sowie 1843 Polizeidirektor zu Aachen.Genealogisch-diplomatisches Jahrbuch für den preußischen Staat und zunächst für dessen Adel und die höheren Stände überhaupt, Band 2, 1843, S. 323.

Ob der 1844 bei der Militäraushebung nicht erschienene wehrdienstpflichtige Wilhelm Carl August von Lüdemann, geboren zu Düsseldorf den 27. Mai 1822, der daher 1845 polizeilich gesucht wurde sowie bei fortgesetztem Ausbleibens zur Dienstmeldung die beschlossene Konfiszierung des Vermögens amtlich bekanntgegeben wurde, ein Sohn oder Neffe war, steht dahin.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, 1845, S. 268 und 493. 1857 wurde in Münster der Unteroffizier a. D. von Lüdemann im März als interimistischer Kasernen-Inspektor angestelltAmtsblatt der Regierung zu Düsseldorf, 1857, S. 228. und im Oktober zum Kasernen-Inspektor ernannt.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf, 1857, S. 721. 1865 wurde Kasernen-Inspektor von Lüdemann von Münster nach Torgau versetzt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg mit öffentlichem Anzeiger, 1865, S. 183. 1867 wurde er von dort nach Oldesloe versetzt.Militair-Wochenblatt, Band 52, 1867, S. 403. wo er 1870 vom Kasernen-InspektorHandbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1868, S. 281. zum Garnison-Verwaltungs-Inspektor ernannt wurde.Königlich Preußischer Staats-Anzeiger, 1870, S. 2923.

Eine Verwandtschaft zu der 1785 in Köslin geborenen Johanne Karoline Wilhelmine Lüdemann († 1827 in Saarlouis), ab 1810 Ehefrau des Generalmajors Wilhelm von der Osten-Sacken (1769–1846) und Mutter des Generalleutnants Leo von der Osten-Sacken (1811–1895) ist wahrscheinlich, da Lüdemanns 1798 nobilitierter Vater aus Köslin stammte.Gothaisches genealogisches taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Gotha 1908, S. 543. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der im Ehrenschutzbunde des Deutschen Adels vereinigten Verbande, Gotha 1910, S. 547. Gleiches gilt für Friederike Dorothea Lüdemann (* Köslin 7. September 1767, † Berlin 24. September 1840),Genealogisches Handbuch des Adels, Band 45, Limburg an der Lahn 1969, S. 487. ab 1787 zweite Ehefrau des nachmaligen Generalleutnants Wilhelm von Zastrow (1752–1830).Rolf Straubel: Grundbesitz und Militärdienst. Kurzbiographien pommerscher Offiziere (1715 bis 1806), 2021, S. 750. Deren gemeinsames Testament, geschlossen zu Köslin am 21. Mai 1790, ist bekannt: Amts-Blatt der preußischen Regierung zu Köslin, 1852, S. 787.

Leben und Wirken Von Lüdemann war zuerst Bürgermeister in Herscheid. Vom 15. März 1835 bis 1843 war er Bürgermeister von Bochum. Mit der Einführung einer neuen Städteordnung wurde die Verwaltung von Stadt und Landgemeinden im Jahr 1843 getrennt.Darpe, S. 528, 530 Er beendete sein Bürgermeisteramt. Als Dank bekam er beim Abschied von der Stadt einen silbernen Becher geschenkt.Darpe, S. 528 Sein Nachfolger wurde Max Greve, der vorher in Castrop als Oberlandesgerichts-Referendar tätig war.

Von Lüdemann übernahm die Verwaltung der Landgemeinden des Amtes Bochum. Allerdings wurde er schon 1844 abgesetzt. Die Absetzung erfolgte wegen Unterschlagungen bei den Militäraushebungen im Jahr 1843. Infolgedessen wurde ihm auch gerichtlich der Adelsstand aberkannt.Heinrich Bill: Adelskartei: Adelsverluste in Preußen 1794 bis 1870. Liste aller ermittelbarer Fälle von preußischem gerichtlich erkannten persönlichem Adelsverlust (Abgerufen am 10. August 2023.) Die Adelsaberkennung erfolgte durch Urteil des Oberlandesgerichts Hamm am 21. Januar 1845 bzw. des Oberlandesgerichts Münster am 7. Oktober 1845 und wurde am 10. März 1846 öffentlich bekanntgegeben.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, 1846, S. 194. Bei der Amtsübergabe hatte er sich auch geweigert, aus der städtischen Dienstwohnung auszuziehen, wodurch der Stadt und seinem Nachfolger Max Greve ein finanzieller Schaden entstand. Weiterhin verlor er 1849 einen Prozess wegen Gehaltsforderungen gegen die Stadt Bochum.Darpe, S. 564 1854 ließ das Kreisgericht Münster wegen Betrugs steckbrieflich nach ihm suchen.

Wappen In der Blasonierung von 1857 des dem Vater 1798 bei der Nobilitierung verliehenen adeligen Familienwappens steht geschrieben: „Im goldenen Schilde ein in seinem frei schwebenden Neste stehender, der rechten Seite zugekehrter, blauer Pelican, welcher seine drei Jungen nährt. Auf dem Schilde steht ein gekrönter Helm, welcher einen offenen, mit goldenen Kleestengeln belegten, schwarzen Adlersflug trägt. Die Helmdecken sind blau und golden“.Ernst Heinrich Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien in genauer, vollständiger und allgemein verständlicher Beschreibung; mit geschichtlichen und urkundlichen Nachweisen. Band 4, Leipzig 1857, S. 273. Eine Verwandtschaft zu der aus der Mark Brandenburg stammenden, erst 1891 in den preußischen Adelsstand erhobenen Familie von Lüdemann anderen Wappens ist nicht bekannt.Marcelli Janecki: Handbuch des preußischen Adels, Band 1, Berlin 1892, S. 369 f.

Einzelnachweise

Kategorie:Bürgermeister (Bochum) Kategorie:Adliger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1798 Kategorie:Gestorben im 19. oder 20. Jahrhundert Kategorie:Mann