Dies ist ein Glossar zur afrikanischen Philosophie.Paulin J. Hountondji beginnt seine African Philosophy mit den Worten:

Das folgende Glossar zur Philosophie in Afrika liefert stichwortartig einen Überblick zu einer Vielzahl von Denkern und Persönlichkeiten sowie von Konzepten und Strömungen, die in verschiedenen Regionen des afrikanischen Kontinents entstanden sind.

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Kurzeinführung Die afrikanische Philosophie, insbesondere subsaharische, wird – als eine Folge der Kolonialgeschichte – zumeist in westlichen Sprachen, vorwiegend dem Englischen und Französischen, ausgearbeitet und präsentiert, wobei es auch Beiträge auf Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch und anderen Sprachen gibt (siehe auch Liste afrikanischer Sprachen).

Da die Philosophiegeschichte Afrikas äußerst vielfältig und reichhaltig ist, kann es sich nur um eine begrenzte Auswahl handeln. Das dynamische, in stetem Aufbau begriffene Glossar versucht jedoch stichwortartig ein breites Spektrum zu umfassen. Afrikanische Philosophen behandeln in ihren Werken eine Vielzahl von Themen, von Ethik und Identität bis hin zu Religion und Kultur. Die afrikanische Philosophie schöpft aus einer reichen Tradition und hat viele schriftliche Werke hinterlassen, in denen philosophischen Gedanken und Ideen ausgedrückt werden. Weiterführende Hinweise sind dem Artikel „Afrikanische Philosophie“ – einem Artikel unter einem umstrittenen und von verschiedenen Philosophen zudem auch ganz unterschiedlich verwendeten Begriff – zu entnehmen oder den im folgenden Glossar verlinkten weiterführenden Einzelartikeln. Das folgende Glossar von Sachbegriffen und Personen erhebt keinen Anspruch auf Aktualität oder Vollständigkeit.

mini|120px|Nelson Mandela erklärt den Begriff Ubuntu (englisch, 2006)

Glossar

A mini|120px|Der Schriftsteller Chinua Achebe leitete die AWS-Sammlung (Heinemann) bis 1972.

Chinua Achebe (1930–2013), nigerianischer Schriftsteller, der nicht nur literarische Werke verfasste, sondern auch über die Beziehung zwischen afrikanischer Literatur, Kultur und Identität nachdachte. Africana Philosophy (Africana-Philosophie), das Werk von Philosophen afrikanischer Herkunft und anderen, deren Arbeit sich mit der Thematik der afrikanischen Diaspora befasst. Dies ist ein relativ neuer (seit den 1980er Jahren) und sich entwickelnder Name für afrikanisches Denken, der unter anderem von der American Philosophical Association Beachtung fand. Afrikanischer Feminismus: Eine feministische Perspektive, die die Erfahrungen von Frauen in Afrika und deren Beitrag zur Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt. Afrikanischer Humanismus: Eine Denkrichtung, die die Würde und Wertigkeit des Menschen in afrikanischen Kontexten betont und oft in Bezug auf soziale Gerechtigkeit und Entwicklung diskutiert wird. Afrikanischer Kommunitarismus: Eine philosophische Perspektive, die die Bedeutung von Gemeinschaft und sozialen Bindungen in afrikanischen Gesellschaften hervorhebt. Afrikanische Kosmologie: Die Untersuchung der traditionellen afrikanischen Vorstellungen von Kosmos, Universum und Spiritualität. Afrikanische Philosophie: Der Begriff ist umstritten und wird von verschiedenen Philosophen zudem auch ganz unterschiedlich verwendet. Afrikanische Religionen: Eine Betrachtung der vielfältigen religiösen Traditionen auf dem afrikanischen Kontinent und deren philosophische Implikationen. Afrikanischer Sozialismus: Eine politische Philosophie, die in einigen afrikanischen Ländern wie Tansania und Sambia populär war und versuchte, sozialistische Prinzipien mit afrikanischen Traditionen zu verbinden. Afrofuturismus: Ein kulturelles und philosophisches Konzept, das afrikanische und afro-diasporische Erfahrungen mit Science Fiction und futuristischen Ideen verbindet. Afrokariben (siehe z. B. Aimé Césaire, Frantz Fanon, Joseph-Anténor Firmin) Afrozentrik, Afrozentrismus (siehe auch Molefi Kete Asante) mini|100px|Lateinische Dissertation von Anton Wilhelm Amo (1734) Akan-Philosophie: Eine Form der afrikanischen Philosophie im Konzeptsystem des Akan-Volkes. Anton Wilhelm Amo, erster bekannter Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland. Animismus: Ein philosophisches Konzept, das die animistische Weltsicht vieler afrikanischer Kulturen erforscht, bei der Geister und belebte Kräfte in der Natur anerkannt und verehrt werden. Apartheid: Ein politisches System der Rassentrennung und Unterdrückung, das in Südafrika herrschte und zahlreiche ethische und politische Fragen aufwarf. Kwame Anthony Appiah, Verfasser von In My Father's House: Africa in the Philosophy of Culture, Ethics of Authenticity: Confronting the Cultural Contradictions (darin untersucht der Autor Fragen der Identität, Ethik und Authentizität in einer globalisierten Welt) und Ethics of Identity Arusha-Deklaration Molefi Kete Asante: US-amerikanischer Gelehrter, der Pionierarbeit in den Bereichen Afrozentrik und afrikanische Kommunikationstheorie geleistet hat. Ashanti-Philosophie Ashé: Ist in der Religion der Yoruba die Lebenskraft.

B

Hampâté Bâ, malischer Schriftsteller und Ethnologe, der traditionelle afrikanische Weisheit und Ethik in seinen Werken betonte. Verfasser von Sagesse africaine: La philosophie de la vie. Bantu-Philosophie / La philosophie bantoue / Banty Philosophy, ein vielfach kritisiertes Buch von Placide Tempels (zuerst 1945). Befreiungsphilosophie Gaston Berger: senegalesischer Philosoph, der den Begriff „Prospective“ prägte, um zukunftsorientiertes Denken und Planen zu fördern. Steve Biko, südafrikanischer Anti-Apartheid-Aktivist und Philosoph, der das Konzept des „Black Consciousness“ (Schwarzes Selbstbewusstsein) entwickelte, um die Wiederentdeckung und Wertschätzung der schwarzen Identität zu fördern. Verfasser von I Write What I Like. Bilad al-Sudan (siehe Ousmane Oumar Kane: Beyond Timbuktu: An Intellectual History of Muslim West Africa. Harvard, 2016) Peter Bodunrin, Autor Fabien Eboussi Boulaga (1934–2018), kamerunischer Philosoph und Theologe. Edward Bruce Bynum, Verfasser von The African Unconscious: Roots of Ancient Mysticism and Modern Psychology.

C mini|100px|Aimé Césaire: Discours sur le colonialisme suivi de Discours sur la Négritude, Paris, Présence Africaine, 2004

Aimé Césaire (1913–2008), Verfasser von Discours sur le colonialisme und Lettre à Maurice Thorez (1956). Charta der madagassischen sozialistischen Revolution (Charte de la Révolution Socialiste Malagasy) Christliche Philosophie: Sammelbegriff für ein breites Spektrum philosophischer Forschungsprogramme, die sich auf christliche Bedingungen des Philosophierens beziehen. Communitarianism (siehe Afrikanischer Kommunitarismus) Consciencism (siehe Nkrumaismus) Franz Crahay (1923–1988), Autor von Le „décollage“ conceptuel: conditions d'une philosophie bantoue. Gallimard, 1965.

D Dekolonialität: Eine Denkrichtung, die sich gegen koloniale Strukturen und Denkweisen wendet und nach alternativen Wegen der Wissensproduktion und des Denkens sucht. Dekolonisierung (siehe Dekolonialisierung) Souleymane Bachir Diagne, senegalesischer Philosoph Dieu d'eau: Entretiens avec Ogotemmêli (Gott des Wassers – Interviews mit Ogotemmêli) *, Werk von Marcel Griaule. Alioune Diop (1910–1980), senegalesischer Schriftsteller französischer Sprache, Politiker und Intellektueller, der eine wichtige Rolle bei der kulturellen Emanzipation Afrikas spielte, indem er die Zeitschrift Présence Africaine gründete und die Négritude-Bewegung unterstützte. Cheikh Anta Diop (1923–1986), französisch-senegalesischer Intellektueller, Historiker und Anthropologe, der die afrikanische Zivilisation und Kultur erforschte und die Idee der afrikanischen Eigenständigkeit und Beiträge zur Menschheitsgeschichte betonte. Verfasser von The African Origin of Civilization: Myth or Reality. W. E. B. Du Bois (siehe auch Panafrikanismus)

E

Ethik, siehe Postkoloniale Ethik Ethnophilosophie (siehe Placide Tempels) Emmanuel Chukwudi Eze (1963–2007), nigerianischer Philosoph

F mini|Der Haitianer Joseph-Anténor Firmin veröffentlichte 1885 in Paris De l’égalité des races humaines („Über die Gleichheit der Menschenrassen“) als Antwort auf das Buch Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen von Gobineau.

Frantz Fanon (1925–1961), französisch-algerischer Philosoph aus Martinique, der das Verhältnis zwischen Kolonialismus, Psychologie und Gewalt untersuchte und die Notwendigkeit der Dekolonisierung betonte. Verfasser von Peau noire, masques blancs (Schwarze Haut, weiße Masken) und Les Damnés de la terre (Die Verdammten dieser Erde). Joseph-Anténor Firmin (1850–1911), haitianischer Anthropologe, Journalist und Politiker, Mitglied der Société d’anthropologie de Paris. Verfasser von De l’Égalité des Races Humaines (Über die Gleichheit der Menschenrassen) (1885).

G mini|100px|Marcus Garvey, bedeutender Vordenker des radikalen Panafrikanismus

Marcus Garvey, Philosophy and Opinions of Marcus Garvey, eine Sammlung von Schriften des jamaikanischen Aktivisten und Philosophen Marcus Garvey, der eine wichtige Figur in der schwarzen Befreiungsbewegung war. Gewohnheitsrecht (Rechtssysteme in Afrika) Vusi Gumede, südafrikanischer Ökonom und Denker, der über ökonomische Entwicklung, globale Ungleichheit und afrikanische Politik geschrieben hat. Kwame Gyekye, ghanaischer Philosoph, der über Ethik, politische Philosophie und afrikanische Philosophie geschrieben hat. Verfasser von Ubuntu: An African Assessment of the Religious Other, welches das afrikanische Konzept von Ubuntu und seine Bedeutung für interreligiösen Dialog und Ethik diskutiert, auch von African Cultural Values: An Introduction.

H

Harambee: Unter diesem Motto hatte Kenias erster Präsident Jomo Kenyatta eine noch heute wichtige gesellschaftliche Selbsthilfebewegung ins Leben gerufen. Éditions L’Harmattan, französischer Verlag, veröffentlichte z. B. das Vocabulaire des philosophes africains (siehe auch Harmattan) Holismus Paulin J. Hountondji, Verfasser von African Philosophy: Myth and Reality.

I

Ifá: Ein religionsphilosophisches System der Yoruba-Kultur in Nigeria und Westafrika, das eine Verbindung zwischen Spiritualität, Ethik und Lebensführung herstellt. Igbo-Philosophie, bezieht sich auf die philosophischen Traditionen, Überlegungen und Denkweisen des Igbo-Volkes in Nigeria, Westafrika. Ein prominentes Konzept in der Igbo-Philosophie ist „Igwebuike“. Siehe auch Igbo Philosophical Association. Inkarnation Inter-African Council for Philosophy, gegründet 1973 in Dahomey, mit Hountondji als Executive Secretary General und Olu Sodipo (Nigeria) als Präsident. Abiola Irele (1936–2017), nigerianischer Akademiker Islamische Philosophie: Umfasst begrifflich die in der islamischen Welt entwickelten Philosophien. Die Berechtigung des Terminus ist umstritten. Iwa (Yoruba)

J

Janheinz Jahn (1918–1973), deutscher Schriftsteller und Übersetzer, der den Versuch unternahm, die künstlerischen und literarischen Leistungen vornehmlich Schwarzafrikas dem europäischen Bewußtsein näher zu bringen. Publikationen: Muntu. Umrisse der neoafrikanischen Kultur (1958), Geschichte der neoafrikanischen Literatur (1966), Anthologien (Das junge Afrika, 1963; Afrika lacht, 1968), Übersetzungen (u. a. von Leopold Senghor und Aimé Césaire), Bibliographie Die Neoafrikanische Literatur (1965), Biographie Who s Who in African Literature (vgl. DBE). Journal on African Philosophy: Eine elektronische Zeitschrift, die von der International Society for African Philosophy and Studies finanziert und vom Africa Resource Center herausgegeben wird.

K

Alexis Kagame, ruandischer Abt, einer der ersten modernen afrikanischen Philosophen, der 1956 das Buch La philosophie bantu-rwandaise de l'Être veröffentlichte. Wie Tempels ging er von der Existenz einer kollektiven und unveränderlichen Philosophie der Bantu aus, leitete diese jedoch hauptsächlich aus den Daten der Analyse der Kinyarwanda-Sprache ab.