Die Burschenschaft Germania Halle zu Mainz ist eine pflichtschlagende, farbentragende Studentenverbindung in Mainz. Die Burschenschaft ist Mitglied des Korporationsverbandes Deutsche Burschenschaft (DB) und ist Teil der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG).

Geschichte Gründungszeit bis 1900 Nachdem es bereits zuvor (1818–1819, 1828/29–1833, 1851–1852) Burschenschaften mit dem gleichen Namen an der örtlichen Universität gegeben hatteHans-Georg Balder: Die deutschen Burschenschaften. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2005, ISBN 3-933892-97-X. S. 194, 195, 196–197., wurde am 28. Januar 1861 in Halle an der Saale die Burschenschaft Germania mit den Farben Gold-Rot-Schwarz gegründet. Da der Senat der Universität Halle einem Gründungskommers nicht zugestimmt hatte, wurde dieser in Schkeuditz abgehalten. Am 10. März 1862 wurde die Germania auf Senatsbeschluss hin aufgelöst, da die Germania als revolutionär angesehen wurde. Am 5. November 1862 wurde die Burschenschaft Franconia gegründet, mit denselben Farben wie die Germania zuvor. Der Gründungskommers fand wiederum außerhalb von Halle, in Lindenau bei Leipzig statt. Am 1. Juli 1872 wurde die Franconia in Germania umbenannt und die Fuxenfarben Gold-Rot wurden eingeführt. Am 2. Dezember 1878 wurde die Germania aufgrund von Mitgliedermangel in der Aktivitas freiwillig suspendiert. Daraufhin wurde die Burschenschaft als Frankonia rekonstituiert, mit den heutigen Farben weiß-rot-gold von unten. Am 2. März wurde die Frankonia durch den Senat bis zum 11. November suspendiert. Während dieser Zeit existierte sie als Germania weiter, mit den Farben gold-rot-schwarz. 1894 wurde beschlossen, den Namen und die Farben beizubehalten.

Die Zeit der 2 Weltkriege 1919 wurde die Burschenschaft Germania in die Deutsche Burschenschaft (DB) aufgenommen. Während des Wintersemesters 1924/25 wurde beschlossen, wieder zu den alten Farben weiß-rot-gold zurückzukehren. Das gold-rot-schwarze Band wird seither zu feierlichen Anlässen getragen. 1934 trat die Germania, wie andere Verbindungen des Weißen Kreises aus der Deutschen Burschenschaft aus, da sie sich weigerte, jüdische Alte Herren gemäß Arierbestimmung aus ihren Reihen auszuschließen um der Alte Burschenschaft beizutreten. 1938 wurde die Germania aufgelöst.Schriftverkehr Erich Frischbier mit dem Polizeipräsidenten Halle 1948

Rekonstitution 1949 wurde in Hamburg gemeinsam mit der Hamburger Burschenschaft Germania und der Arminia Breslau (heute Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks) der Ostwestdeutsche Bund gegründet. 1952 wurde gemeinsam mit der Hamburger Burschenschaft Germania die Halle-Hamburger Burschenschaft Germania gegründet.Hans-Georg Balder: Die deutschen Burschenschaften. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2005, S. 204. 1959 wurde die Burschenschaft wieder eigenständig in Mainz rekonstituiert. Ein Erlanger Franke, ein Heidelberger Rheno-Armine und ein Mannheimer Hanse bildeten den ersten Aktivenstamm. Später traten noch weitere Mitglieder der Frankonia Erlangen, Rheno-Arminia Heidelberg, Germania Hamburg und Germania Würzburg bei, ehe es nach und nach gelang, Nachwuchs aus den eigenen Reihen heranzuziehen. Im Sommer 1961 konnte das 100. Stiftungsfest in großem Rahmen gefeiert werden.Werner Jahn: Die Entwicklung der halleschen Burschenschaften seit 1945. In: Burschenschaftliche Blätter, 80. Jg. (1965), H. 3, S. 44–45.

Politische Einordnung

Kartell, Freundschaftsverhältnisse, Vorträge Die Germania bildet zusammen mit der Hamburger Burschenschaft Germania und der Erlanger Burschenschaft Frankonia das Schwarz-Weiß-Rote Kartell. Sowohl die Hamburger Burschenschaft Germania als auch die Erlanger Burschenschaft Frankonia wurden zwischenzeitlich vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Germania ist Mitglied der rechtsextremen Burschenschaftlichen Gemeinschaft. Zudem unterhält sie freundschaftliche Beziehungen zur rechtsextremen Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks. Im November 2010 hielt der ehemalige dritte Nationalratspräsident Martin Graf, welcher der rechtspopulistischen FPÖ angehört, auf Einladung der Burschenschaft Germania ein Referat zum Thema „Das Grundrecht auf freie Meinung im demokratischen Rechtsstaat“.

Als die Germania 2015 Tatjana Festerling als Referentin eingeladen hatte, wurde dagegen demonstriert. 2023 fand anlässlich des Stiftungsfestes der Germania eine Demonstration gegen die Germania und ihre politische Ausrichtung statt. In der Nacht zum 17. Februar 2024 wurde auf die Räumlichkeiten der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz ein politischer Anschlag verübt, im Rahmen dessen nach Angaben der Polizei zwischen zehn und zwanzig Täter unter anderem Rollläden, Scheiben und eine Tür beschädigten sowie diese mit kritischen Schriftzügen versahen.

Auseinandersetzungen mit dem Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz Laut Informationen des Südwestrundfunk vom 9. April 2024 wird die Germania vom rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz beobachtet. Der Verfassungsschutz hatte in seinem Bericht 2024 geschrieben, dass die Studentenverbindung beobachtet werde, weil sie einen "völkischen Nationalismus" vertrete und zudem "enge Verbindungen zur Neuen Rechten und rechtsextremistischen Szene" pflege. Die Burschenschaft Germania vor dem Verwaltungsgericht Mainz gegen die namentliche Nennung im Bericht geklagt. Anfang Januar 2026 wies das Verwaltungsgericht die Klage ab.

Im Juni 2026 untersagte das Oberverwaltungsgericht Koblenz dem rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz die Weiterverbreitung einer Passage des Verfassungsschutzberichtes 2024, in der behauptet wurde, ein Mitglied der Germania habe in einem Artikel in den Burschenschaftlichen Blättern behauptet, nur Staatsangehörige mit nachweisbar deutscher Abstammung könnten als Deutsche gelten. Dies stufte das Gericht als falsche Tatsachenbehauptung ein. Die kommissarische Leiterin des Verfassungsschutzes, Bettina Winter, räumte Anfang September 2026 im Innenausschuss des Landtages „redaktionelle Fehler“ ein. Innenminister Achim Schwickert (CDU) sagte im Innenausschuss, das Land habe nach der Entscheidung des OVG unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen. Der Verfassungsschutzbericht 2024 sei nicht mehr auf der Homepage des Ministeriums veröffentlicht, noch vorhandene Printexemplare seien entsprechend geschwärzt worden.

Bekannte Mitglieder August Ferdinand Richter (1822–1903), Ehrenmitglied, Theologe, Politiker (NLP), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Emil Frommel (1828–1896), Ehrenmitglied, Pfarrer und Schriftsteller Hermann Rademacher (1841–1919), Richter und Politiker (DFP), Reichstagsabgeordneter Georg Kaempffe (1842–1880), Jurist und Politiker, Bürgermeister von Guben Georg Kaufmann (1842–1929), Historiker Richard Engelmann (1844–1909), Archäologe, Lehrer und Journalist Paul Schröder (1844–1915), Generalkonsul Wilhelm Moldenhauer (1845–1898), Mediziner und Professor Otto Rademacher (1847–1918), Historiker Paul Grawitz (1850–1932), Mediziner Otto Luedecke (1851–1910), Geologe und Mineraloge Johann Heinrich Vogel (1862–1930), Chemiker, Agrikulturchemiker und Hochschullehrer Oskar Pirrß (1863–1930), ausgetreten 1924, Pädagoge Otto Gerloff (1876–1956), Jurist und Politiker (NSDAP), Bürgermeister in Stendal und Graudenz, Oberbürgermeister in Landsberg an der Warthe Hermann Strunk (1882–1933), Pädagoge, Politiker (DDP); Senator für Kultus der Freien Stadt Danzig Ernst Martin (1885–1974), Politiker (DNVP, NSDAP), Reichstagsabgeordneter Georg Hagen (1889–1962), Jurist und Postbeamter Heinrich Otto Vogel (1898–1994), Architekt Rudolf Marx (1899–1990), Redakteur und Verleger Werner Wöhlbier (1899–1984), Agrarwissenschaftler, Agrikulturchemiker Theodor Grüneberg (1901–1979), Mediziner und Hochschullehrer Gerhard Spangenberg (1901–1975), Theologe, Superintendent Hans-Herbert Dengler (1905–1982), Verwaltungsjurist, Polizeibeamter und SS-Führer Hans Tiessler (1905–1951), Jurist und Politiker (NSDAP), Oberbürgermeister von Kattowitz Eberhard Doege (1910–1999), Jurist und Politiker (NSDAP, CDU), Landrat im Landkreis Mogilno, Erster Bürgermeister von Tübingen Joachim Dorenburg (1915–1978), Jurist, Politiker (CDU), Staatssekretär und Landrat des Kreises Segeberg Jürgen Damrau (* 1937), ausgetreten, Jurist und Rechtsanwalt Christian Wirth (* 1963), Rechtsanwalt, Politiker (AfD), Mitglied des deutschen Bundestages Alexander Jungbluth (* 1987), Volkswirt und Mitglied des Europäischen Parlaments (AfD) Sebastian Münzenmaier (* 1989), Politiker (AfD), Mitglied des deutschen Bundestages Damian Lohr (* 1993), (Conkneipant), Politiker (AfD), Mitglied des Landtages Rheinland-Pfalz

Siehe auch Liste der Burschenschaften Liste der Studentenverbindungen in Mainz

Literatur Hans-Georg Balder: Die deutschen Burschenschaften. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2005, ISBN 3-933892-97-X. S. 291. Georg Kaufmann, Hermann Rademacher: Geschichte der Burschenschaft Germania in Halle a. S. (1815–1911), Halle (Saale) 1921.

Einzelnachweise

Germania Germania Germania Kategorie:Vereinsgründung 1861