Elias Bomelius (auch Eliseus; Licius; )Falschschreibung „Elisaeus Famelius“.Johann Taube und Eilhard Kruse „Sendschreiben“ über „Iwan den Grausamen“ an Gotthard Kettler, 1572, bes. S. 230. (* um 1540/42 in Wesel, Herzogtum Kleve; † 1579Mitteilung des englischen Botschafters Jerome Bowes († 1616), 1583; Richard Hakluyt: Collection of the Early Voyages, Travels, and Discoveries, of the English Nation, Bd. I. G. Woodfall, London 1809, S. 520; Frank Gerard Clemow (1863–1939): Medicine. Past and Present in Russia. 12th International Medical Congress Moscow. In: The Lancet. Supplement 2 (1897), bes. S. 348; Andreas Wilhelm Fechner (1825–1887): Chronik der evangelischen Gemeinden in Moskau, Bd. I. Deubner, Moskau 1876, S. 95. Nach anderen starb Bomelius um 1574.„kurz vor Johanns Vermählungsfeier mit der Nagoi ward er … verbrannt“, d. h.: vor September 1580; Nikolai Michailowitsch Karamsin: Geschichte des Russischen Reiches, Bd. VIII 1560–1582. Hartmann, Riga 1826, S. 256 (Google-Books). in Moskau, Zarentum Russland) war ein Arzt und Astrologe, der in England und Russland wirkte.
Leben Wittenberg Der Sohn Elias des protestantischen, aus dem Gelderland stammenden Moerser (1536–1542), Weseler (1542–1559), Friemersheimer (1560–1568) und Duisburger (1568–1570) Lehrers und Pfarrers Hendrik Bakker van Bommel (1568 in einer Supplik an die Universität Oxford als Henry of Bommel in Holland bezeichnet) wurde am 3. Oktober 1556 als „Heliseus Bomelius Wesaliensis“ in Wittenberg (Leucorea) immatrikuliert. Bomelius veröffentlichte als Wittenberger Student 1557 ein Weihnachtsgedicht und ein Gedicht über die Osterfreude, 1559 eine Festschrift zur Hochzeit seines Kommilitonen Anton Bauer (Agricola) sowie eine Beschreibung des Gartens von Graf Hermann von Neuenahr und Moers d. J., die er dem Medizin-Dozenten Johann Hermann widmete. Philipp Melanchthon soll die Bildung und Frömmigkeit des „Elisaeus“ in persönlichen Briefen (in familiar letters) gerühmt haben.Klaus Bambauer: Eliseus Bomelius – Leibarzt des Zaren. In: Monatshefte für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 32 (1983), S. 233–236, bes. S. 233f, u. a. nach dem Widmungsbrief von Henry Bennet an James Blount, 6th Baron Mountjoy vom 30. November 1561. An den Weseler Stadtrat schrieb Melanchthon Anfang 1559: „Durch Gottes gnad sind die Ewrn alle, Bernhardus a SchoelBernhard (van) Schoel, vermutlich ein Enkel des Weseler Schöffen und Bürgermeisters (1518) Evert van Schoel, am 7. November 1555 immatrikuliert als Notar am Reichskammergericht; Petrus Denaisius: Ius camerale. 7. Aufl. Zetzner, Straßburg 1652, S. 836 (Google-Books), am 10. Juni 1558 als „Bernhardus Schol Vesaliensis“ immatrikuliert in Heidelberg; 1584, 1597 Schöffe zu Wesel.Die Witwe Rixa (Rezke) des Rentmeisters Berndtz van Schoell Evertzsoin († zwischen 1530 und 1553) in Billerbeck – vermutlich seine Tante oder Mutter – prozessierte 1553 in Wesel und 1560/61 vor dem Reichskammergericht wegen eines Wegerechtes; Wilhelm Kohl (Bearb.): Rheinische Urkunden aus dem Gräflich Landsbergischen Archiv. (Inventare Nichtstaatlicher Archive 8). Fredebeul & Koenen, Essen 1962, Nr. 58, S. 15 (afz.lvr.de); Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland (Reichskammergericht AA 0627, Nr. 5380 - S 2126/7277). Bernhard Schöl vertrat 1529 die Äbtissin von Essen auf dem Reichstag zu Speyer. vnd Elisaeus, christlicher sitte ynd studiren löblich“.Brief vom 31. Januar 1559 aus Wittenberg, im Rat verlesen am 12. Februar 1559; MBW 8843. Bomelius’ Studium wurde von seinem „hoch zu verehrenden Mäzen“ Adolph Bars genannt Olisleger († zwischen 1565 und 1575,Joseph Milz: Duisburger Topographie im 16. Jahrhundert. Mercator-Verlag, Duisburg 2005, S. 221. wohl um 1565 kinderlos in Duisburg), dem einzigen„nostri cancellarii filium unicum“; Brief von Nikolaus Roll aus Wesel an Heinrich Bullinger in Zürich vom 30. August 1561; Staatsarchiv Zürich (E II 338,1608 f.; www.bullinger-digital.ch). Sohn des klevischen Rates und Kanzlers Heinrich Bars genannt Olisleger (* vor 1500; † 1575) aus Wesel und der Margaretha Rinck, einer Tochter des Kölner Bürgermeisters Adolf Rinck, finanziell unterstützt, als sein Vater 1557 die Pfarrstelle in Wesel verlor.
Cambridge und London Bomelius zog um 1560 nach England und erwarb – gefördert durch die ehemaligen marianischen Exulanten Katherine Duchess of Suffolk (Mutter von Peregrine Bertie, der in Wesel von Hendrik van Bommel getauft worden war) und John Bale, der in Wesel Bücher hatte drucken lassen – ein medizinisches Doktorat in Cambridge.John Venn, John Archibald Venn (Hrsg.): Alumni Cantabrigienses. A Biographical List of All Known Students, Graduates and Holders of Office at the University of Cambridge, from the Earliest Times to 1900, Bd. I Abbas–Cuts. University Press, Cambridge 1922 (Nachdruck 2011), S. 176 (Google-Books); „Bomelius, Licius“ in der Online-Datenbank der Alumni der Universität Cambridge. 1564 wohnte er im Londoner Pfarrbezirk St Michael-le-QuerneMargaret Pelling, Frances White: Elisaeus &c. BOMELIUS (BOMEL, BOMELIMNN, BOMELINS, BOMLIE). In: Physicians and Irregular Medical Practitioners in London 1550–1640 Database. London 2004 (British History online; abgerufen am 3. August 2023). und heiratete (am oder vor dem 18. Juli)Valerie Schutte: Jane Richards Bomelius Wennington (d. after 1586). In: Carole Levin, Anna Riehl Bertolet, Jo Eldridge Carney (Hrsg.): A Biographical Encyclopedia of Early Modern Englishwomen. Taylor & Francis, London 2016, S. 60 (Google-Books). Jane Richards (* um 1540/45; † nach 1588).Depositions: 1587/88. In: Loreen L Giese (Hrsg.): London Consistory Court Depositions, 1586-1611. List and Indexes. London, 1995, pp. 34–54 (British History Online; aufgerufen am 7. August 2023).
Gervase Markham berichtete 1615 bzw. 1631, er habe dem Kapitel Houshold Physicke seines Buches The English Housewife ein medizinisches Manuskript „for the curing of those ordinary sicknesses wich daily pertube the health of men and Women“ von Dr. Burket (Burcot = Burchard Kranich)Auch Burchard Cranach; deutscher Bergbauingenieur und Arzt in England, behandelte 1562 die Pockenerkrankung von Königin Elisabeth I. und Dr. Bomelius zugrunde gelegt, das die beiden einer „great worthy Countess of this land“ übergeben hätten.Michael Best: Medical Use of a Sixteenth-Century Herball. Gervase Markham and the Banckes Herball. In: Bulletin of the History of Medicine 53 (1979), S. 449–458, bes. S. 451; Michael R. Best (Hrsg.): The English Housewife. McGill-Queen’s University Press, Montreal, London 1994, Introduction S. xxx–xxxi, lvi und S. 8.
Für die Jahre 1567 und 1568 veröffentlichte Bomelius astrologisch aufgestellte Vorhersagen der Ereignisse in London, wobei er besonders von der Sonnenfinsternis am 9. April 1567 schreckliche Unwetter und Seuchen erwartete. Er soll 1567 kurze Zeit im Haus von John Lumley, 1st Baron Lumley (* um 1533; † 1609),Lord Lumley war ein medizinisch interessierter Büchersammler und Antiquar. gelebt haben.A newe almanacke and prognostication for the yere of our Lord God 1567 … to the use of the right honourable and his singuler good Lord, the Lord Lumley. Im selben Jahr wurde er auf Veranlassung von Thomas Francis († 1574), dem Präsidenten des College of Physicians, in England unter dem Vorwurf der Ausübung der Medizin ohne Lizenz des Collegiums inhaftiert. Das Medizinerkollegium forderte für seine Freilassung 20 £ Lizenzgebühr, 15 £ Kostgeld und 100 £ Strafgebühr, die Bomelius nicht zahlen konnte. Bomelius warf Francis mangelhafte Kenntnisse in Latein und der Astronomie vor, nahm die Kritik aber später wieder zurück.Briefregesten von Eliseus Bomelius an William Cecil, 1. Baron Burghley vom 27. Mai und Dezember 1567. Aus der Haft beantragte er am 3. Mai 1568Joseph Foster (Hrsg.): Alumni Oxonienses. The Members of the University of Oxford, 1500-1714. Parker and Company, Oxford 1891, S. 146 (books.google.de). als „M. D. of Cambridge“ erfolglos seine Inkorporation in Oxford. Erzbischof Matthew Parker von Canterbury und der königliche Sekretär William Cecil, 1. Baron Burghley korrespondierten im April 1570 über eine skurrile astrologische Unheils-Prophezeiung Bomelius’, die im Privy Council (Thronrat) beraten werden sollte.Brief von Erzbischof Matthew Parker von Canterbury an William Cecil, 1. Baron Burghley vom 3. April 1570. Mit Hilfe des russischen Botschafters (legatus Ruthenicus) in England Andrei Grigorjewitsch Sawin (Saurin)Letter of credence des Ivan (IV.) Basilowitz for Andrea Gregorowitz Saviena, Vologda, Juni 1569; Elizabeth: June 1569, in Calendar of State Papers Foreign: Elizabeth, Volume 9, 1569–1571, ed. Allan James Crosby (London, 1874), S. 82–92 (British History Online; abgerufen am 4. August 2023). konnte Bomelius das Gefängnis schließlich im Sommer 1570 verlassen und mit seiner Frau nach Russland ausreisen.Brief von Elisaeus Bomel an William Cecil, 1. Baron Burghley aus dem Gefängnis des Court of Queen’s Bench über seine geplante Emigration nach Russland, Mai 1570.
Leibarzt des Zaren in Moskau Von Iwan dem Schrecklichen wurde er nach einer Tätigkeit als Leibarzt und angeblicher Giftmischer für den Zaren in Moskau als „Magier“ und Verschwörer verhaftet.Heinrich von Staden, Fritz T. Epstein (Hrsg.): Aufzeichnungen über den Moskauer Staat. Cram, Walter de Gruyter, Hamburg 1964, S. 110f; vgl. S. 36. Er wurde mitten im Livländischen Krieg in Pskow aufgegriffen, als er sich mit Wertgegenständen über Riga nach Wesel absetzen wollte und verschlüsselte Briefe mit sich führte. Bomelius wurde der Konspiration mit Erzbischof LeonidasIsabel de Madariaga: Ivan the Terrible. University Press, Yale 2205, S. 353f (Google-Books). von Nowgorod und Pskow († 1575), Johann III. von Schweden, Prinz Magnus von Dänemark, König Stefan Báthory von Polen-Litauen und anderen beschuldigt. Er starb in einem Moskauer Gefängnis an den Folgen grausamer Folter, die vom Zarewitsch Iwan geleitet wurde, nachdem er schließlich auf Befehl Zar Iwans IV. zu Tode geröstet worden war.Augenzeugenbericht von Sir Jerome Horsey: Travels, bes. S. 292 (er verwendet für die „Folter“); Kazimierz Waliszewski: Ivan the Terrible. W. Heinemann London 1904, S. 284; Sabine Dumschat: Ausländische Mediziner im Moskauer Russland. Franz Steiner, Stuttgart 2006, S. 248.
Bomels Witwe Jane Richards durfte, nachdem Königin Elisabeth I. sich beim Zaren brieflich für „Jelissejewa, die Ehefrau des Doktors“ (Елисеева жена Доктора) eingesetzt hatte,Brief der Königin Elisabeth I. an Zar Iwan IV. Wassiljewitsch vom 8. Juni 1583. 1583 mit dem englischen Botschafter Jerome Bowes († 1616) nach England zurückkehren.Mitteilung des englischen Botschafters Jerome Bowes, 1583. Sie heiratete 1586 in zweiter Ehe Thomas Wennington (Wyningstone) († nach 1587).Joseph Lemuel Chester, George J. Armytage: Allegations for Marriage Licences Issued by the Bishop of London 1520–1610, Bd. XXV. (Publications of The Harleian Society 25). Mitchel & Hughes, London 1887, S. 155 (Google-Books).
Rezeption „Jelissei Bomeli“ (Eliseus Bomelius, Елисей Бомелий), Leibarzt des Zaren, ist eine Figur (Tenor) der Oper Die Zarenbraut () von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow nach der gleichnamigen historischen Tragödie (1849) von Lew Alexandrowitsch Mei.