Leonija Wuss-Mundeciema (* 2. August 1939 als Leonija Mundeciema in Riga, Lettland) ist eine lettisch-deutsche Filmregisseurin.
Leben und Wirken Sowjetunion 1939 bis 1972 Leonija Mundeciema wurde rund einen Monat vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Riga als Tochter einer Polin geboren. Nach der Schulzeit studierte sie lettische Philologie und arbeitete in einer Internatsschule für Schwerhörige. Danach ging sie nach Akademgorodok. Dort leitete sie für ein Jahr die Filmabteilung und gründete einen Filmklub. Anschließend studierte sie an der Filmhochschule WGIK in Moskau und legte dort 1971 ihren Diplomfilm vor. Während des Studiums lernte sie den Filmwissenschaftler Peter Wuss kennen, den sie heiratete und mit dem sie in die DDR zog.
DDR 1972 bis 1990 In der DDR war es für Wuss-Mundeciema zunächst schwierig, Aufträge für Filme zu erhalten. Der Regisseur Andrew Thorndike sagte ihr damals: „Rennen Sie sich nicht tot, hier werden Sie keine Filme machen können.“ 1974 drehte sie mit Die besondere Farbe von Leningrad. Begegnungen mit Künstlern und Schriftstellern der einst belagerten Stadt ihren ersten Dokumentarfilm für das DDR-Fernsehen, in dem sie unter anderem Olga Bergholz interviewte. 1979 realisierte sie den mittellangen DEFA-Spielfilm Plankton oder das Wunder der Anpassung, der über einen Nachwuchswissenschaftler (gespielt von Klaus Brasch) handelte, der nach dem Studium in der Sowjetunion in die DDR zurückkehrt und sich gemeinsam mit seiner polnischen Freundin an einem DDR-Institut gegen arrogantes Verhalten und Einöde zur Wehr setzt. Der Film durfte mit nur einer Kopie in den DDR-Kinos laufen. Die Regisseurin erinnerte sich an zumindest eine Filmvorführung in Schwerin. Plankton gilt heute als verschollen. Einen weiteren Spielfilm verwirklichte Wuss-Mundeciema nicht mehr.
In den Folgejahren drehte Leonija Wuss-Mundeciema unter anderem kurze Sujets für die DEFA Kinobox. Beim Projekt Singend bin ich geboren wurde sie während der Dreharbeiten ohne Angabe von Gründen suspendiert. 1986 konnte sie auch aufgrund der Fürsprache ihres Kameramannes Hans-Eberhard Leupold einen Beitrag über die 108-jährige Emma Wagner, der zu dieser Zeit ältesten Bürgerin der DDR, zum eigenständigen Kurzdokumentarfilm ausbauen.
Deutschland seit 1990 Die Wendejahre wurden zur produktivsten Zeit der Regisseurin. In mehreren Filmen setzte sie sich mit Leben und Schicksalen von Russlanddeutschen auseinander. Wer sind wir? Deutsche in Sibieren 1990 feierte 1991 in der Sektion Forum der Berlinale Premiere. Ihr letztes Filmprojekt Die Vettern von Wahlstatt finanzierte sie zum Teil selbst und wurde nicht öffentlich gezeigt.
Leonija Wuss-Mundeciema lebt in Berlin.
Filmografie (Auswahl) 1971: Zapiski 32. Goda (deutsch: Notizen aus dem Jahre 1932; WGIK-Diplomfilm) 1974: Die besondere Farbe von Leningrad. Begegnungen mit Künstlern und Schriftstellern der einst belagerten Stadt (TV-Dokumentarfilm) 1979: Plankton oder das Wunder der Anpassung (DEFA-Spielfilm, verschollen) 1985: Singend bin ich geboren 1986: Die Älteste – Vermächtnis einer 108-jährigen (Kurzfilm) 1987: Weil ich nicht singen kann, male ich (Kurzfilm) 1990: Wer sind wir? Deutsche in Sibieren 1990 1991: Wer kennt heute noch die Prussen? 1991: Engel in Leningrad – Wo ist dein Kreuz geblieben? 1992: Rückkehr vom Polarkreis 1993: Hanseatin unterwegs – Weihnachtskrippen aus aller Welt (Kurzfilm) 1994: Die Vettern von Wahlstatt (nicht aufgeführt)
Literatur Lars Meyer: Leonija Wuss-Mundeciema – Die Unerwünschte. In: Ralf Schenk & Cornelia Klauß (Hrsg.): Sie – Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme, Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Bertz + Fischer Verlag, Berlin: 2019, ISBN 978-3-86505-415-9, S. 388–392.
Weblinks Website von Leonija Wuss-Mundeciema
Leonija Wuss-Mundeciema in der Filmdatenbank der DEFA-Stiftung
Einzelnachweise
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