mini|Josef Tal im Jahr 1987 Josef Tal, auch Joseph, (; geboren als Joseph Grünthal am 18. September 1910 in Pinne, Deutsches Reich; gestorben 25. August 2008 in Jerusalem) war ein israelischer Komponist. Josef Tal kann als einer der Mitbegründer der israelischen klassischen Musik angesehen werden.
Leben mini|hochkant|Julius Grünthal mit Sohn Joseph (1917) Joseph Grünthal wurde in der Provinz Posen geboren. Im Jahr 1910 zogen die Eltern, Ottilie Bloch und Rabbiner Julius GrünthalSein Vater floh später nach Holland, wurde in Eindhoven verhaftet und kam im Vernichtungslager Sobibor am 16. April 1943 um., und seine ältere Schwester Gerda nach Berlin,Robert Jay Fleisher: Twenty Israeli Composers – Voices of a Culture. Wayne State University Press, Detroit 1971, ISBN 978-0-8143-4425-5, S. 68 wo die Familie fortan ein privates Waisenhaus leitete.Heidede Becker: Ein Stück Stadt ergründen. Filum Rubrum Verlag, Nauen bei Berlin 2012, ISBN 978-3-940678-02-7, S. 93–110.Ulrich Eckhardt, Andreas Nechama: Jüdische Orte in Berlin. Nicolai, 2005, ISBN 3-89479-165-9, S. 153. Rabbiner Julius Grünthal war Dozent für semitische Sprachen an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und war spezialisiert auf die Philologie alter Sprachen.siehe auch: Julius Grünthal: Die syrische Uebersetzung zum Buche Esther.Michael Brocke, Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 2: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. Band 1. K. G. Saur, München 2009, ISBN 978-3-598-24874-0, S. 249
Studienzeit Grünthal studierte an der Musikhochschule Berlin bei Paul Hindemith, Max Trapp (Klavier, Komposition), Heinz Tiessen (Musiktheorie), Max Saal (Harfe), Curt Sachs (Instrumentation), Fritz Flemming (Oboe), Georg Schünemann (Musikgeschichte), Charlotte Pfeffer und Siegfried Borris (Gehörbildung), Siegfried Ochs (Chorgesang), Leonid Kreutzer (Klaviermethodik) und Julius Prüwer (Dirigieren). Paul Hindemith – sein Kompositions- und Theorielehrer – machte Tal mit Friedrich Trautwein bekannt, der an der Hochschule ein Studio für Elektronische Musik leitete. Tal beendete seine Studien an der Hochschule 1931 und heiratete ein Jahr später die Tänzerin Rosie Löwenthal. Tal arbeitete als Klavierlehrer und begleitete Tänzer und Sänger, außerdem war er als Pianist in Stummfilmen tätig.
Palästina 1934 verließ Grünthal mit seiner Frau und seinem Sohn Rainer Grünthal (1932–1967) – später ein Mitglied des Kibbuz Megiddo, gefallen im Sechstagekrieg – den NS-Staat und emigrierte nach Palästina. Dort arbeitete er kurze Zeit als Fotograf in Haifa und Chadera. Die Familie zog danach in den Kibbuz Beit Alfa und später in den Kibbuz Gescher, wo Tal beabsichtigte, sich seiner Musik zu widmen. Da es für die Familie schwierig war, sich den gesellschaftlichen Regeln im Kibbuz anzupassen, ließ sie sich in Jerusalem nieder, wo Josef Tal berufliche und soziale Kontakte knüpfte. Er trat als Pianist auf, gab Klavierunterricht und spielte gelegentlich Harfe im neu gegründeten Palestine Orchestra. 1937 wurden Tal und Rosie Löwenthal geschieden.
Jerusalem Von 1937 an unterrichtete er auf eine Einladung von Emil Hauser hin Klavier, Musiktheorie und Komposition an dessen 1933 gegründeten Palestine Conservatory. 1948 wurde er zum Leiter der Jerusalemer Akademie für Musik und Tanz berufen, die er bis 1952 leitete. 1940 heiratete er die Skulpturen-Künstlerin Pola Pfeffer.Ihr Sohn Etan Tal wurde 1948 geboren. 1951 wurde Tal zum Dozenten an der Hebräischen Universität Jerusalem ernannt, wo er 1961 das Center for Electronic Music in Israel gründete.Amnon Shiloah, Edith Gerson-Kiwi: Musicology in Israel, 1960–1980. In: Acta Musicologica, Vol. 53, Fasc. 2 (Jul. - Dec., 1981), S. 203.1962 kam Hugh Le Caine nach Jerusalem, um seinen Creative Tape Recorder im Centre zu installieren. Er veröffentlichte akademische Artikel und schrieb viele Einträge in der Encyclopaedia Hebraica. 1965 wurde er zum Senior Professor und später zum Leiter des Musikdepartements der Hebrew University ernannt, ein Posten, den er bis 1971 innehatte. Bekannte Schüler sind die Komponisten Ben-Zion Orgad, Robert StarerRobert Starer: Continuo – A Life in Music. New York 1987, ISBN 0-394-55515-5, S. 26–44., Naomi Schemer, Jacob Gilboa, Yehuda Sharett, die Musikologin Michal Smoira-Cohn, der Cellist Uzi Wiesel und die Sopranistin Hilde Zadek.
Tal war ein begeisterter Lehrer. Er vertrat Israel in den Konferenzen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik und nahm an Vorträgen und Symposien in der ganzen Welt teil. Tal war Mitglied der Berliner Akademie der Künste und Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Josef Tal wurde für sein Schaffen vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Israel-Preis (1970), in den Jahren 1949, 1958 und 1977 mit dem Engel-Preis der Stadt Tel Aviv, dem Berliner Kunstpreis (1975), dem Wolf-Preis (1982), dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse (1984) und dem Johann-Wenzel-Stamitz-Preis (1995).
Werke mini|Tal beim Korrekturlesen eines Manuskripts (2006)
Opern Amnon und Tamar (Amnon and Tamar) (1959). Oper in einem Akt für Mezzosopran, Tenor, Bariton, Bass, Männerchor und Kammerorchester. Libretto: Recha Freier nach . Ashmedai (1969; Uraufführung Hamburgische Staatsoper, 9. November 1971). Oper in 2 Akten für 2 Soprane, Mezzosopran, 6 Tenöre, 5 Baritone, 2 Bässe, gemischten Chor, Tonband und Sinfonieorchester. Libretto: Israel Eliraz Massada 967 (1972). Oper in 15 Szenen für 3 Soprane, 2 Alte, 8 Tenöre, 6 Baritone, 2 Knabensoprane, Erzähler, zweistimmigen Männerchor (Bariton, Bass) und Tonband. Libretto: Israel Eliraz Die Versuchung (The Temptation) (1975). Oper in 2 Akten für 6 Tenöre, 4 Baritone, Bass, gemischten Chor, Tonband und Sinfonieorchester. Libretto: Israel Eliraz Der Turm (The Tower) (1983). Oper in 2 Akten für 3 Soprane, Mezzosopran, 7 Tenöre, 4 Bariton, 3 Bässe, 5 Erzähler, gemischten Chor, Tonband und Sinfonieorchester. Libretto: Hans Keller Der Garten (The Garden) (1987). Kammeroper in 7 Szenen für Sopran, Tenor, Erzähler und Instrumentalensemble. Libretto: Israel Eliraz Josef (1993). Oper in 2 Akten für 2 Soprane, Mezzosopran, 2 Tenöre, 2 Baritone, Bass, gemischten Chor und Sinfonieorchester. Libretto: Israel Eliraz
Werke für Tasteninstrumente mini|Josef Tals Klavierkonzert Nr. 2 (1953) Pieces for Piano (1931) für Klavier vierhändig Chaconne (1936) für Klavier Three Pieces (1937) für Klavier Cum Mortuis In Lingua Mortua (1945). 7 Variationen für Klavier über ein Thema von Mussorgski Six Sonnets (1946) für Klavier Sonata (1949) für Klavier A Little Walk (1951) für Klavier vierhändig Five Inventions (1956) für Klavier Dodecaphonic Episodes (1962) für Klavier Concerto No. 5 (1964) für Klavier und MagT Concerto (1964 / 1977) für Cembalo und MagT Concerto No. 6 (1970) für Klavier und MagT Five Densities (1975) für Klavier Salva Venia (1983) für Orgel Five Essays I-V (1986–2000) für Klavier A Tale in Four Parts (1988) für Klavier vierhändig
Werke für Orchester und Instrumental-Ensembles Suite (1937) für Violoncello Sonata (1937) für Violoncello Prelude (1939) für Kammerorchester Suite (1940) für Bratsche Thema und Variationen über Expressionen der Zeit (1940) für 2 Klaviere und Percussion Concerto No. 1 (1945) für Klavier und Sinfonieorchester Lament (1947) für Violoncello und Harfe Hora (1949) für Violoncello und Harfe Reflections (1950) für Streichorchester Sonata (1952) für Oboe und Klavier Sonata (1952) für Violine und Klavier Symphony No. 1 (1952) Concerto No. 2 (1953) für Klavier und Sinfonieorchester Duo (1953) für 2 Flöten Concerto (1954) für Bratsche und Sinfonieorchester String Quartet No. 1 (1954) Festive Vision (1959) für Sinfonieorchester Intrada (1959) für Harfe Symphony No. 2 (1960) Sonata (1960) für Bratsche und Klavier Concerto (1960) für Violoncello und Streichorchester Structure (1962) für Harfe String Quartet No. 2 (1963) Duo (1965) für Bratsche und Klavier Woodwind Quintet (1966) Fanfare (1968) für 3 Trompeten und 3 Posaunen Double Concerto (1969) für Violine, Violoncello und Kammerorchester Concerto(1971/1980) für Harfe und MagT Treatise (1973) für Violoncello Trio (1973) für Violine, Violoncello und Klavier Shape (1975) für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Trompete, 2 Hörner, Posaune, Percussion und Streichquintett Concerto (1977) für Flöte und Kammerorchester Symphony No. 3 (1978) für Sinfonieorchester Double Concerto (1979) für 2 Klaviere und Sinfonieorchester Concerto (1980) für Klarinette und Kammerorchester: Horn und Streicher Movement (1980) für Tuba und Klavier Dance of the Events (1981 / 1986) für Sinfonieorchester Piano Quartet (1982) für Violine, Bratsche, Violoncello und Klavier Imago (1982) für Kammerorchester Chamber Music (1982) für Sopranblockflöte, Marimbaphon und Cembalo Symphony No. 4 (1985) für Sinfonieorchester In Memoriam of a Dear Friend (1985) für Violoncello Symphonic Fanfare (1986) für Sinfonieorchester String Quartet No. 3 (1987) Duo (1989) für Posaune und Harfe Dispute (1989) für Harfe Symphony No. 5 (1991) für Sinfonieorchester Symphony No. 6 (1991) für Sinfonieorchester Duo (1992) für Oboe und Englischhorn Quartet (1994) für Tenor-Saxophon, Violine, Bratsche und Violoncello Perspective (1996) für Bratsche Good Night (2005) für 2 Blockflöten
Vokalkompositionen Sologesang ohne Begleitung Scene (1978/1982) Monodrama für Sopran oder Tenor (szenisch aufzuführen). Text aus Franz Kafkas Tagebüchern Schlichtheit (1997) für Bariton. Text: Jorge Luis Borges Sonett an Orfeus (2000) für Bariton solo. Text: Rainer Maria Rilke (Sonett XXIX) Sologesang mit Instrumentalbegleitung Drei Lieder der Ruhe (Three Songs of Serenity) (1936) für Sopran und Klavier. Texte: Paul Verlaine, Georg Heym, Christian Morgenstern (G) Festive Prologue (1950) für Erzähler und 2 Klaviere. Text: Rachel Bluwstein Three Songs (1936/1955) für Sopran und Klavier. Text: Rachel Bluwstein Song (1971) für Bariton oder Alt, Flöte, Horn, 2 Tom Toms und Klavier. Text: Heinrich Heine My Child (1975) für Sopran und Klarinette. Text: Natan Jonatan Else – Hommage (1975). Kammer-Szene für Mezzosopran, Erzähler, Horn, Klavier, Bratsche und Violoncello. Text: Israel Eliraz Die Hand (1987). Dramatische Szene für Sopran und Violoncello. Text: Israel Eliraz Wars Swept Through Here (1991) für Bariton, Flöte/Picolo, Englischhorn, Klarinette, Tenor-Saxophon, Horn, Trompete, Posaune, Tuba, Percussion (1), Klavier, Bratsche und Violoncello. Text: Israel Eliraz Bitter Line (1991) für Bariton, Klarinette, Fagott, Horn, 2 Violinen, Violoncello und Kontrabass. Text: Israel Eliraz Mein blaues Klavier (My Blue Piano) (1993) für Mezzosopran und Klavier. Text: Else Lasker-Schüler Sologesang mit Orchester Exodus (1946). Symphonisches Poem für Bariton und Sinfonieorchester. Text: Exodus, Buch der Psalmen Concerto No. 3 (1956) für Tenor, Klavier und Kammerorchester. Text: Eleazar Ha'Kalir Saul at Ein Dor (1955). Opera concertante für Erzähler, Mezzosopran, Tenor, Bariton und Kammerorchester. Text: Werke für Chor a cappella und mit Instrumentalbegleitung On the Way (1936) für 4 Frauenstimmen. Texts: Rachel Bluwstein 3 Songs on Yemenite Themes (1952) für Chor Alenu Leshabe'ach (1954) für dreistimmigen Frauenchor, Tenor, Klavier/Orgel Succoth Cantata (1955) für Sopran, Alt, Tenor, Bass, gemischten Chor und Kammerorchester. Text: Eleazar Ha'Kalir The Death of Moses (1967). Requiem für Alt, Tenor, Bass, gemischten Chor, Kammerorchester und MagT. Text: Yehuda Ya'ari Parade of the Fallen (Misdar Ha'Noflim) (1968) Kantate für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Sinfonieorchester. Text: Haim Hefer Death Came to the Wooden Horse Michael (1975) für Sopran, Alt, Tenor, Bass, gemischten Chor und MagT. Text: Natan Zach With All Thy Soul (1978). Kantate für 3 Soprane, Bariton, gleichstimmigen Knabenchor, gemischten Chor und Kammerorchester. Text: 1 Makk