mini|hochkant|Josefine Rieks (2025) Josefine Rieks (* 1988 in Höxter) ist eine deutsche Schriftstellerin.
Leben und Werk Josefine Rieks studierte Philosophie und Literaturwissenschaften in Bonn und Berlin. Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim brach sie nach zwei Semestern ab.
Ihr erster Roman Serverland erschien 2018 im Carl Hanser Verlag. Er wurde vom Spiegel zu den wichtigsten Büchern der Saison gezählt und im deutschsprachigen Feuilleton breit, sowohl mit anerkennendem („prägnant erdacht“ schrieb die Süddeutsche) als auch negativem Urteil (als „junge, überforderte Autorin“ bezeichnete Rieks Die Zeit) besprochen. Der Roman erschien in Buenos Aires bei Adriana Hidalgo Editora in spanischer Übersetzung. 2022 wurde eine Bühnenfassung von den Landungsbrücken Frankfurt (Main) uraufgeführt. Der WDR produzierte eine zweiteilige Hörspieladaption unter der Regie von Gerrit Booms.
Rieks’ zweiter Roman, Der Naturbursche, erschien 2022 als erste Romanveröffentlichung des Berliner XS-Verlags. Dieser erhielt in linken Medien, wie Junge Welt und Jungle World etwas Aufmerksamkeit. Im XS-Verlag erschien im Oktober 2025 auch ihr dritter Roman, Wenn euch das gefällt.
Sie schrieb außerdem das Drehbuch zu dem No-Budget-Film Erster Berliner Kunstverein e. V. des Filmemachers Hannes Wesendonk, der bei MUBI gelistet ist.
Seit 2022 betreibt Rieks einen Literatursalon im ersten Bezirk von Wien, zu dem sie unter dem Titel „Josefine Rieks präsentiert: xx“ regelmäßig Schriftsteller und Intellektuelle zum Gespräch einlädt, unterstützt durch Kulturfördermittel der Stadt Wien. Rieks wurde von Philipp Tingler zur Lesung beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 eingeladen. Dort fiel ihr Auftritt bei der Kritik weitgehend durch, als „Zero-Literature-Text“ bezeichnete ihn Juror Klaus Kastberger. Rieks erhielt als einzige Autorin des Wettbewerbs keinen Punkt der Jurywertung. Der Spiegel allerdings befand: „Der einzige Roman, den man lesen will, ist der von Josefine Rieks.“ Die FAZ wiederum sah eine überspitzte „Beschreibung von Lifestyle-Frauen mit ‚Lustkonsum ohne Katharsis‘ (Tingler), wobei man dies schon nach einer Seite sehr deutlich verstanden“ habe, der Lesering indes „gut gestylte Kapitulation – an eine Gegenwart, die sich in Wohlfühlkritik erschöpft“.
Ihr dritter Roman Wenn euch das gefällt, aus dem Rieks beim Bachmannpreis las, erschien im Oktober 2025 und wurde von der Kritik vielfach als zeitgenössische Übersetzung von Bret Easton Ellis’ American Psycho in die Welt der Berliner Influencerinnen gelesen. Zugleich erweitere Rieks’ Werk die Perspektive auf die heutige Selbstoptimierungs- und Social-Media-Kultur. Die NZZ schreibt: „Josefine Rieks entwirft ein präzises Porträt einer Gesellschaft, die sich im Spiegel ihrer Körperbilder betrachtet.“ In Der Spiegel heißt es: „Ein Roman gewordener Doomscroll durch Instagram-Feeds von orthorexischen Influencerinnen, deren Lebenssinn aus Selbstoptimierung und Social Media besteht. Stellenweise lesen sich die Schilderungen wie eine Persiflage auf Popliteratur, wären sie nicht so wahr.“ Die Kritiken unterstreichen die kühle, nüchterne Erzählweise, welche die extreme Selbstkontrolle, soziale Distanz und ritualisierte Gewalt eindrucksvoll darstelle, und verweisen auf die satirische sowie gesellschaftskritische Dimension des Romans.
Rieks lebt in Wien.
Werke (Romane) Serverland. Carl Hanser Verlag, München 2018, ISBN 978-3-446-25898-3. Der Naturbursche. XS-Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-944503-19-6. Wenn euch das gefällt. XS-Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-944503-30-1.
Preise und Stipendien 2017: Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste 2018: Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler 2019: Arbeitsstipendium des Berliner Senats
Literatur Christoph Rauen (Hrsg.): Prestige-Science-Fiction – Neue deutschsprachige Romane zwischen Kunstanspruch und Unterhaltung. Peter-Lang-Verlagsgruppe, Berlin/Bern/Brüssel/New York/Oxford/Warschau/Wien 2020. Ann-Marie Riesner: Imaginationen des Internet in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur 1999–2018. Springer, Berlin 2022.
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