Die Deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft Kosmos (DDG Kosmos) war eine Reederei mit Sitz in Hamburg. Sie wurde 1872 gegründet und unterhielt eine Linie von Hamburg zur Westküste Südamerikas, die schließlich bis zur Pazifikküste Kanadas verlängert wurde. 1914 war sie mit 28 Schiffen mit insgesamt 160789 BRT die siebtgrößte deutsche Seereederei. Im Mai 1921 wurde sie mit der DADG zur Deutsch-Austral und Kosmos-Linie fusioniert. Zu diesem Zeitpunkt hatte die DDG Kosmos nicht ein eigenes Schiff in Fahrt, war aber auf dem Papier noch Eigner der größten deutschen Reedereiflotte, da die Mehrzahl ihrer Schiffe, die während des Ersten Weltkrieges in Chile oder Argentinien verblieben waren, noch nicht gemäß den Kapitulationsbestimmungen ausgeliefert waren. Schon Ende 1926 ging die Austral-Kosmos in den Besitz der Hapag über und wurde nach 54 Jahren aufgelöst. Allerdings trat sie nach außen mit ihrer Reedereiflagge und Schornsteinmarke (ganz schwarz, ab 1921 schwarz-weiß-rot gestreifte Kappe) noch bis zum Beginn der 1930er Jahre auf, ehe auch dies langsam beseitigt wurde. mini|Flagge der DDG Kosmos
Geschichte Die Reederei wurde 1872 mit einem Kapital von 5 Millionen Mark für das Betreiben einer Schifffahrtslinie über Montevideo bis nach Chile, Bolivien und Peru in Hamburg gegründet. Initiatoren waren die Hamburger Maklerfirma Knöhr & Burchard, die schon etliche Reedereien gegründet hatte (u. a. die Hamburg-Süd) und die Segelschiffsreederei H.H. Eggers. Mitbegründer waren Ferdinand Laeisz und dessen Sohn Carl, die auch an der Gründung anderer Reedereien beteiligt waren. Nach der Gründung stellte sie zwischen September 1872 und April 1873 sieben Dampfer in ihren Dienst nach Chile ein, die bei den Werften Withy Alexander & Co. und Denton, Gray & Co. in Hartlepool gebaut worden und zwischen 1218 und 1515 BRT groß waren. Alle Schiffe erhielten Namen mit Bezug zum antiken Ägypten. Am 5. Oktober 1872 begann die erste Reise noch des GründungskonsortiumsKludas: Die Geschichte der Deutschen Passagierschiffahrt, Bd. I, S. 67f. mit der 1268 BRT großen Karnak, der noch drei weitere Schiffe dieses Namens bis 1926 folgten. Dieses Schiff war auch das erste Schiff der Reederei, das im Dienst ein Totalverlust wurde, als sie am 23. Januar 1878 südlich von Cap San Antonio an der argentinischen Küste strandeteUntergang der Karnak. Sie war allerdings schon im Dezember 1875 in der Magellan-Straße aufgelaufen und aufgegeben worden. Nachdem sie doch geborgen werden konnte und in Montevideo repariert worden war, war sie nochmals in Dienst genommen worden. Im Februar 1877 stellte die Reederei mit der ersten Ramses (von vier Schiffen dieses Namens) erstmals ein in Deutschland gebautes Schiff in Dienst. Der 1608 BRT große Dampfer war von der Hamburger Reiherstiegwerft gebaut wordenKludas: Passagierschiffahrt, Bd. I, S. 72 f.. 1884 besaß die DDG Kosmos 16 Dampfschiffe mit einer Tonnage von 37400 BRT. Dampfer der DDG Kosmos liefen zunächst von Le Havre, später auch von Antwerpen aus Montevideo und Buenos Aires an und fuhren weiter durch die Magellanstraße nach Valparaíso, Arica, Islay und Callao. Ab 1875 wurde Punta Arenas angelaufen, ab 1876 weitere Häfen, bis 1878 nicht weniger als einundzwanzig. 1877 umfasste die Flotte der DDG Kosmos sieben Schiffe, 1882 neun, 1885 dreizehn. Ab Anfang der achtziger Jahre erfolgten die Abfahrten vierzehntäglich. Ab 1880 wurde Port Stanley auf den Falklandinseln angelaufen, wo von 1882 bis 1884 auch ein kleinerer Dampfer, die bei Schichau gebaute Malvinas von 324 BRT, stationiert war. Ab 1882 wurden versuchsweise Strecken bis Guatemala in Angriff genommen, ab 1884 wurde dorthin regelmäßig verkehrt, in den 1890er Jahren monatlich bzw. dreiwöchentlich.
Konkurrenz und Verständigung Ab 1886 trat eine Konkurrenzlinie mit der von A. Kirsten (1839–1915) gegründeten „Hamburg-Pacific-Dampfschiffs-Linie“ auf. Eine Kapitalerhöhung erfolgte 1889 auf 6 Millionen Mark. Durch neue Schiffe und Bemühungen um mehr Passagiere versuchte die DDG Kosmos ihre Position zu verstärken. Auch wurden die eingesetzten Schiffe größer. Die Mitte 1886 in Dienst genommene zweite Denderah übertraf erstmals 2000 BRTKludas: Passagierschiffahrt, Bd. I, S. 72 und die von Armstrong, Mitchell & Co. 1891 gelieferte zweite Neko 3000 BRT und bot Platz für 75 Passagiere in drei KlassenKludas: Passagierschiffahrt, Bd. I, S. 73. 1894 kam es zu einem Pool-Vertrag mit KirstenKludas: Passagierschiffahrt, Bd. I, S. 74. Durch eine weitere Vergrößerung des Schiffparks hoffte die Reederei bei den gegebenen Bedingungen des Vertrags, den Konkurrenten Kirsten auszuschalten. 1896/97 wurden fünf Schiffe der Ammon-Klasse von 4600 BRT, 7000 tdw Nutzlast mit einer Passagierkapazität von 70 Fahrgästen beschafft. Kirsten beschaffte gleichzeitig drei sehr ähnliche Schiffe. Albert Ballin, der seit 1896 dem Aufsichtsrat beider Reedereien angehörte, verhandelte den Ausgleich. Die DDG Kosmos übernahm die Pacific-Linie und ihre Schiffe und deren Aktionäre tauschten die Aktien. Nach Abgabe einiger älterer Schiffe aus beiden Flotten verblieben der DDG Kosmos 25 Schiffe mit 90000 BRTKludas: Passagierschiffahrt, Bd. II, S. 126–132. So wurde ab April 1898 die DDG Kosmos wieder alleiniger Träger der Verbindung Hamburgs mit der Westküste Süd- und Mittelamerikas durch die Magellanstraße. Im Auftrag der britischen Regierung erledigte sie auch weiter die Postbeförderung für die Falklandinseln. 1899 stationierte die DDG Kosmos in Punta Arenas einen kleineren Dampfer von 383 BRT, der die Wollproduktion Patagoniens und Feuerlands an den einzelnen Küstenplätzen einsammelte und einer nahe Punta Arenas gelegenen Hulk (der zurückgekauften, von 1873 bis 1888 im Liniendienst genutzten Ibis) zuführte. Im Januar 1901 schloss die DDG Kosmos mit der Hapag überraschend einen Betriebsvertrag ab, der dieser einen Anteil am Westküstenverkehr sicherte. Durch diesen großen Partner wollte die DDG Kosmos sicher etwaige erneute Konkurrenz abschrecken und die Hapag konnte ihr Liniennetz ohne Probleme erweiternKludas: Passagierschiffahrt, Bd. II, S. 132. Anfangs stellte sie nur drei kleine Frachter für dieses Fahrtgebiet ab. Auch wurden Seattle und Tacoma, sowie die kanadischen Häfen Vancouver und Victoria (British Columbia) endgültig in das Liniennetz der DDG Kosmos einbezogen. Eine Rundreise dauerte dann bis zu acht Monate und es wurden 60 Häfen angelaufenNotizbüchlein von Kapitän Richard Kopp (1855-1942) mit Angaben über seine Reisen von 1905 bis 1911. - Ansichtskarten von Richard Kopp, die er in den Jahren 1902 bis 1912 seinen Verwandten geschickt hat. (Haus zum Dolder, Sammlung Dr. Edmund Müller, Beromünster, CH).
Zusammenarbeit deutscher Reedereien 1903 bestand die Flotte der DDG Kosmos aus 29 Dampfern mit 110 735 BRT und sie fuhr weiterhin zur Westküste Südamerikas in einer Betriebsgemeinschaft mit der HAPAG. Sie beschaffte größere Schiffe von 6000 und 7000 BRT. mini|Die Athesia der Hapag, ab 1902 als Uarda bei der DDG Kosmos Ab Ende 1904/Anfang 1905 engagierte sich die Hapag auch stärker, als sie mit der Polynesia und ihren Schwestern auch drei Kombischiffe in den Dienst einbrachte, die den Kosmos-Schiffen bis auf das größere Platzangebot für Fahrgäste entsprachenKludas: Passagierschiffahrt, Bd. III, S. 102 f.. Nach Aufgabe der gemischten Passagier- und Frachtlinie nach Ostasien kamen auch freigewordene Schiffe der Rhenania-Klasse auf der Kosmos-Linie zum Einsatz, die ein erheblich größeres Fahrgastangebot machen konnten. Die Versuche der Hapag, den Passagierverkehr zu erhöhen, waren aber nicht erfolgreichKludas: Passagierschiffahrt, Bd. III, S. 108 und kamen zu spät. Im Frachtverkehr setzte die Hapag jetzt „A-Dampfer“ ein, von denen die Athesia schon 1902 der DDG Kosmos verkauft worden war und als Uarda eingesetzt wurde.
Mit der neugegründeten Bremer Roland-Linie trat dann 1905 doch ein ernstzunehmender Konkurrent auf, hinter dem der Norddeutsche Lloyd (NDL) stand. Schließlich einigten sich NDL und Hapag aber zum Jahresende 1906 im Rahmen weltweiter AbsprachenKludas: Passagierschiffahrt, Bd. III, S. 107.. Ab 1910 setzte vor allem durch die Fertigstellung der Bahnverbindung von Buenos Aires nach Santiago/Valpareiso ein Abschwung ein. Die DDG Kosmos reagiert durch Verkleinerung der Passagiereinrichtung ihrer Linienschiffe und die Einstellung reiner Frachter (schon ab 1905) in ihren Dienst. Am 1. Januar 1914 hatte die DDG Kosmos 28 Schiffe mit 160789 BRT und lag auf Platz sieben der deutschen Seereedereien.
Kriegseinsatz Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs befanden sich nur wenige Schiffe der DDG Kosmos in der Heimat. Verloren ging sofort der Frachter Serak (1906, 4703 BRT), der in Swansea von den britischen Behörden beschlagnahmt wurde. mini|Die zweite Amasis, zuletzt als Uarda im Dienst von Kosmos und Hapag Der deutsche Kleine Kreuzer Leipzig wurde auf seinem Marsch von Mexiko zum über den Pazifik marschierenden Kreuzergeschwader des Grafen Spee von der Amasis (1914, 7224 BRT) versorgt, mit der der Kreuzer am 19. September 1914 bei der Insel Chatham zusammentrafHerbert: Kriegsfahrten Deutscher Handelsschiffe, S. 71. Am 3. Oktober marschierten die beiden Schiffe von den Galapagos-Inseln weiter zur Osterinsel, wo das Zusammentreffen mit dem Geschwader am 14. stattfand. Unterwegs hatten sich dann noch die Kosmos-Dampfer Karnak (1912, 7044 BRT) und Anubis (ex Luciana, 1898, 4763 BRT) der Leipzig angeschlossen, die Vorräte und Kohlen für das Geschwader an Bord hatten. Die Amasis marschierte mit dem Tross des Geschwaders zur St. Quentin Bucht im Golf von Penas im Süden Chiles, wo ab dem 21. November die letzte große Versorgung des Geschwaders stattfand, während die beiden anderen Kosmos-Dampfer nach Chile entlassen wurden. Zum Versorgungspunkt in der St. Quentin Bucht brachten die vier Kosmos-Dampfer Memphis (1913, 7074 BRT), Luxor (1913, 7109 BRT), Ramses (1912, 7125 BRT) und Rhakotis (1907, 6982 BRT) Versorgungsgüter und Kohlen, die sie an die Kriegsschiffe und den verbleibenden Tross verteilten. Die fünf Kosmos-Dampfer wurden dann nach Chile entlassenHerbert: Kriegsfahrten, S. 72.
Zwei Frachtdampfer der Kosmos wurden 1917 in den Vereinigten Staaten beschlagnahmt und dann als Armee-Transporter eingesetzt: die Serapis (1906, 4756 BRT) als Osage in San Francisco und die Setos (1905, 4730 BRT) in Honolulu, die als Ithasca und dann USS Honolulu eingesetzt wurde. Die meisten der Schiffe der DDG Kosmos verblieben während der Kriegszeit in Chile (14 Dampfer / 84808 BRT).
Wiederaufbau und Fusion Die wenigen Schiffe der Gesellschaft in der Heimat und die bei den Kanaren befindlichen Schiffe wurden gemäß den Kapitulationsbedingungen zügig ausgeliefert und unter den Siegermächten verteilt. Die Rückführung der in Südamerika befindlichen Schiffe verzögerte sich, da die Besatzungen häufig die Maschinen unbrauchbar gemacht hatten. Als die letzten Schiffe 1921 in Europa eintrafen bestand für diese Schiffe auf Seiten der Siegermächte kein Bedarf mehr und sie wurden den deutschen Vorbesitzern zum Kauf angeboten. So kaufte die DDG Kosmos neun ihrer ehemaligen Schiffe zurück. Zuerst wird im Juli 1921 die Nitokris zurückgekauftSchmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1919–1939, S. 39, die 1922 in Dienst kommt. mini|Die Osiris als Babitonga der HSDG