mini|hochkant=0.85|Jason Arday (2024) Jason Arday (* 9. Mai 1985 in London, Vereinigtes Königreich; † 14. August 2026 ebenda) war ein britischer Soziologe, Hochschullehrer und Autor. Er war von 2023 bis 2026 Professor für Bildungssoziologie an der University of Cambridge.

2026 geriet er wegen Plagiatsvorwürfen sowie Unstimmigkeiten in Angaben, die er zu seiner Biografie gemacht hatte, in die öffentliche Kritik und trat im August 2026 von seiner Professur zurück. Wenige Tage später wurde er tot aufgefunden.

Leben Arday war der zweitjüngste von vier Söhnen ghanaischer Eltern und wuchs in einer Sozialsiedlung in Clapham im Süden Londons auf. Seine Mutter war Psychiatrie-Krankenschwester und sein Vater Koch. Bei Arday wurden seiner eigenen Aussage nach im frühen Kindesalter Autismus und eine allgemeine Entwicklungsverzögerung diagnostiziert. In seinen späteren autobiografischen Darstellungen schrieb er, bis zum Alter von elf Jahren nicht gesprochen und erst mit 18 Jahren (2003) lesen und schreiben gelernt zu haben.

Arday studierte Sport und Pädagogik an der University of Surrey und schloss dort 2008 als Bachelor ab. 2011 erwarb er an der St Mary’s University, Twickenham einen Master-Abschluss in Pädagogik und am Institute of Education in London ein Certificate in Education. 2013 erreichte er an der Liverpool John Moores University den Mastergrad in Education und das Post-Graduate Certificate in Teaching and Learning in Higher Education. An derselben Hochschule wurde er 2015 im Fach Pädagogik zum Ph.D. promoviert. Seine Dissertation wurde von Phil Vickerman betreut,Jason A. K. Arday: An exploration of peer-mentoring among student teachers’ [sic] to inform reflective practice within the context of action research (online auf ljmu.ac.uk), S. 14: “Additionally, I am indebted too my supervisor Prof. Phil Vickerman, for your guidance and support.” einem Professor für inklusive Pädagogik und Vizekanzler der Universität.

Von 2006 bis 2019 war Arday an verschiedenen Hochschulen als Sportdozent tätig und am 23. Juli 2012 einer der 8000 olympischen Fackelträger vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London.

Arday war seit 2012 Mitglied des Runnymede Trust, einer britischen Denkfabrik für Gleichstellung der Ethnien (race equality), und der British Sociological Association. 2018 veröffentlichte er seinen ersten wissenschaftlichen Aufsatz und bekam einen Lehrauftrag an der Roehampton University, bevor er als Associate Professor für Soziologie an die Durham University wechselte. Er war Senior Fellow der Higher Education Academy. 2019 war er Gastprofessor am Lehrstuhl für Critical Studies in Higher Education der Nelson Mandela University in Südafrika. 2021 wurde er Professor für Bildungssoziologie an der School of Education der University of Glasgow und war damit zu dieser Zeit einer der jüngsten Professoren im Vereinigten Königreich. Am 6. März 2023 wurde Arday an der University of Cambridge auf den Lehrstuhl für Bildungssoziologie an der Fakultät für Bildungswissenschaften berufen. Mit damals 37 Jahren war er der jüngste schwarze Professor in der Geschichte der Universität. Zugleich war er Fellow des Jesus College.

Nachdem die Universität Cambridge eine Untersuchung seiner Angaben zu seinen Qualifikationen und früheren akademischen Positionen angekündigt hatte, trat Arday am 5. August 2026 von seiner Professur zurück. Dabei erklärte er, die seit seiner Berufung andauernde öffentliche Infragestellung seiner Person und die damit verbundenen persönlichen Angriffe gegen ihn hätten ihn und ihm nahestehende Menschen stark belastet. Am 14. August 2026 wurde Arday in einer Wohnung im Londoner Stadtteil Battersea tot aufgefunden.

Arday war verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Forschung Ardays Forschung befasste sich vor allem mit ethnischer Ungleichheit und Rassismus im Bildungswesen, insbesondere deren langfristigen Auswirkungen im Hochschulbereich. Weitere Schwerpunkte waren Intersektionalität, psychische Gesundheit und Neurodiversität sowie kulturwissenschaftliche Themen. Er veröffentlichte hierzu Zeitschriftenaufsätze und Buchbeiträge und war Autor bzw. Herausgeber mehrerer Bücher.

Der gemeinsam mit Heidi Safia Mirza herausgegebene Sammelband Dismantling Race in Higher Education: Racism, Whiteness and Decolonising the Academy (2018) behandelt insbesondere institutionellen Rassismus, „Whiteness“ und die Dekolonisierung britischer Hochschulen.

Kritisch äußerte sich 2021 der britische Journalist Christopher Silvester in der konservativen Zeitschrift The Critic über Ardays Positionspapier Black British History in the National Curriculum. Er bemängelte insbesondere dessen aus seiner Sicht jargonreiche Sprache und kritisierte Ardays Konzeption des Geschichtsunterrichts als unzureichend an fachwissenschaftlichen Methoden und Inhalten orientiert.

Kontroverse Beim Londoner Magazin Times Higher Education lief schon seit 2025 eine Recherche mit Plagiatswürfen gegen Arday, die aber von einer von Arday beauftragten Londoner Anwaltskanzlei behindert wurde.Elena Witzeck, Wer waren die Phantasten ?, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 23. August 2026, S. 43.

2026 entstand um Ardays wissenschaftliche Arbeiten und seine Angaben zu seiner akademischen und persönlichen Biografie eine öffentliche Kontroverse. Neben möglichen Verstößen gegen wissenschaftliche Standards wurden dabei unter anderem Angaben zu früheren akademischen Positionen, sportlichen und wohltätigen Aktivitäten sowie zu seiner Sprach- und Schriftsprachentwicklung in britischen Medien angezweifelt. Zugleich und insbesondere infolge seines Todes wurde kontrovers diskutiert, ob die öffentliche und mediale Behandlung der Vorwürfe angemessen oder teilweise sogar rassistisch motiviert gewesen sei. Angehörige Ardays erklärten, er sei seit seinem Ruf nach Cambridge einer anhaltenden Kampagne aus Anfeindungen und Falschinformationen ausgesetzt gewesen, und erhoben Mobbingvorwürfe.Verstorbener Cambridge-Professor: Zehntausende Menschen verlangen Untersuchung im Fall Jason Arday, spiegel.de vom 16. August 2026.

Bedenken wegen möglicher unzureichender Kennzeichnung übernommener Textpassagen in Ardays wissenschaftlichen Arbeiten bestanden bereits vor der öffentlichen Kontroverse von 2026. Bereits 2023 hatte ein emeritierter Hochschullehrer auf Probleme in einigen Veröffentlichungen Ardays hingewiesen; in der Folge erschienen zu zwei seiner Aufsätze in der Fachzeitschrift Social Sciences umfangreiche Korrekturhinweise. Die breitere öffentliche Kontroverse eskalierte im Juli 2026, nachdem ein früherer Mitarbeiter der Universität Cambridge, der Forscher Nathan Cofnas, Plagiatsvorwürfe gegen Arday erhoben und dessen biografische Angaben angezweifelt hatte.

Cofnas, der 2022 eine Fellowship als Junior-Forscher (Leverhulme Early Career Fellow) an der Philosophischen Fakultät in Cambridge angetreten hatte,https://web.archive.org/web/20260422224133/https://nathancofnas.com/wp-content/uploads/2026/03/CV-March-2026.pdf bezeichnete sich selbst als „race realist“, eine Eigenbezeichnung von Anhängern des biologischen Rassismus; seine Stelle in Cambridge war 2024 nach einer Kontroverse um seine Aussagen über Schwarze und Meritokratie gekündigt worden. Cofnas gab an, Ardays Dissertation mit einer Plagiatserkennungssoftware untersucht und zahlreiche Passagen gefunden zu haben, die wörtlich oder nur leicht verändert aus älteren wissenschaftlichen Arbeiten übernommen worden seien. Daraufhin gestand Arday Mängel ein und erklärte, für diese die Verantwortung übernehmen zu wollen. Eine Charakterisierung seiner Person als Lügner lehnte er jedoch ab und führte die Fehler, die ihm in seiner Dissertationsschrift unterlaufen seien, auf eine unzureichende Betreuung im Hinblick auf seinen Autismus und seine Lernschwierigkeiten sowie auf die Tatsache, dass er sich kein professionelles Korrektorat habe leisten können, zurück. Zudem vertrat er die Auffassung, seit seiner Berufung nach Cambridge einer rassistisch motivierten Kampagne ausgesetzt gewesen und von Kritikern von Maßnahmen zur Förderung von Diversity, Equity and Inclusion als Symbolfigur missbraucht worden zu sein.

Die University of Cambridge verwies zunächst darauf, dass Vorwürfe hinsichtlich Ardays Dissertation von der Liverpool John Moores University untersucht worden seien, ohne dass wissenschaftliches Fehlverhalten habe festgestellt werden können; Vorwürfe zu einzelnen Zeitschriftenaufsätzen seien von den Redaktionen der betreffenden Publikationen geprüft worden. Die Hochschule verteidigte Arday zunächst öffentlich, leitete später jedoch eine eigene Untersuchung seiner Angaben zu seinen Qualifikationen und früheren akademischen Positionen ein. Nach seinem Rücktritt kündigte sie zudem eine unabhängige Untersuchung seines Berufungsverfahrens an. Auch die Universitäten Durham und Glasgow begannen im August 2026 mit der Untersuchung der Umstände seiner dortigen Anstellung.

Die Kontroverse führte innerhalb und außerhalb der Wissenschaftswelt zu widersprüchlichen Reaktionen. Bis zum 1. August 2026 hatten mehr als 12.000 Personen, darunter mehrere britische Abgeordnete und Wissenschaftler der Universität Cambridge, eine vom Good Law Project initiierte Petition zur Unterstützung Ardays unterzeichnet. Während einige Wissenschaftler die Vorwürfe als rassistische Kampagne oder unverhältnismäßige öffentliche Verfolgung bewerteten, hielten andere eine sachliche Prüfung der Vorwürfe für notwendig, um die wissenschaftlichen Standards zu verteidigen. Auch unter schwarzen britischen Wissenschaftlern bestand keine Einigkeit: Afua Hirsch berichtete von schon länger bestehenden Zweifeln einiger schwarzer Soziologen an Ardays akademischem Profil, kritisierte aber die mediale Behandlung des Falls als unverhältnismäßig und warnte davor, ihn gegen Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung von Minderheiten auszuspielen.

Arday gab an, einen Master in Psychodynamik am Birkbeck College erworben zu haben. Birkbeck bestritt, jemals einen Studenten namens Jason Arday gehabt zu haben. Laut britischen Medienberichten vom August 2026 dementierten mindestens drei Universitäten Angaben Ardays zu akademischen Positionen, die er bekleidet haben will. Während die Ohio State University und die University of Glasgow erklärten, über keine Aufzeichnungen über eine Gastprofessur Ardays zu verfügen, stellte die Durham University klar, dass Arday dort zwar tätig gewesen sei, aber nicht als Honorary Professor.

Ebenso wurden frühere Angaben Ardays zu seinen sportlichen und wohltätigen Aktivitäten 2026 in britischen Medien hinterfragt. So hatte er in Interviews, seinem Buch und bei öffentlichen Auftritten geäußert, 30 Marathonläufe in 35 Tagen sowie 600 Meilen (ca. 965 km) in sechs Tagen gelaufen und über einen Zeitraum von rund 20 Jahren mehr als fünf Millionen Pfund für wohltätige Zwecke gesammelt zu haben. Arday nahm zu den Berichten Stellung und relativierte einzelne seiner Angaben. Zur Spendensumme erklärte er, diese sei über rund 20 Jahre gemeinsam mit verschiedenen, von ihm nicht näher benannten Wohltätigkeitsorganisationen gesammelt worden.

Veröffentlichungen (Auswahl) Cool Britannia and Multi-Ethnic Britain: Uncorking the Champagne Supernova. Routledge, Abingdon 2019, ISBN 978-1-138-21740-9. mit Dave Thomas (Hrsg.): Doing Equity and Diversity for Success in Higher Education: Redressing Structural Inequalities in the Academy. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2021, ISBN 978-3-030-65657-7. mit Heidi Safia Mirza (Hrsg.): Dismantling Race in Higher Education: Racism, Whiteness and Decolonising the Academy. Palgrave Macmillan, London 2018, ISBN 978-3-319-60260-8. mit Eve Claxton: Great and Unfortunate Things. A Memoir. Simon & Schuster/37 Ink, New York 2026, ISBN 978-1-6680-8557-8; Simon & Schuster UK, London 2026, ISBN 978-1-398-54274-7.

Weblinks

ResearchGate-Profil von Jason Arday Tabellarische Biografie (PDF, englisch) (Archiv, Stand Anfang 2020)