Die Geschichte von Lindau beschreibt die geschichtliche Entwicklung des Fleckens Lindau in Niedersachsen. Er wurde 1184 erstmals urkundlich erwähnt.
Frühgeschichte Über die vormittelalterliche Geschichte des heutigen Lindaus lassen sich nur vage und auf wenige Funde und Erkenntnisse gestützte Aussagen machen. Bis zum heutigen Tage fanden Forschungen und Ausgrabungen größeren Ausmaßes nicht statt.
Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurden einige Funde gemacht, die auf eine frühere Besiedlung Lindaus hinweisen. So wurde z. B. im Jahre 1938 auf dem Lindauer Schulhof vom damaligen Bürgermeister Heinrich Leinemann eine sehr gut erhaltene Pfeilspitze aus prähistorischer Zeit gefunden. Spätere Forschungen ergaben jedoch, dass die ca. 8000 Jahre alte Spitze aus den USA stammen muss. Wie sie nach Lindau kam, ist nie ganz geklärt worden. Als 1986 der Kanal am Mushaus zugeschüttet wurde, fand man ein mittelalterliches Gefäß, das jedoch wegen der nicht erfolgten Erforschung des Geländes nicht näher datiert werden konnte. Anders als die Pfeilspitze stammt dieses Gefäß jedoch aus dem Mittelalter.
An den Hängen des Lindauer Klingenberges ließen sich Faustkeile und weitere Kleingeräte aus der Alters- und Mittelsteinzeit finden. Ebenfalls am Klingenberg sowie am Hang Am Brande und im Bereich der Mordmühle ließen sich Klingen aus Feuerstein auffinden.
Mit diesen Funden ist bewiesen, dass eine Besiedlung des heutigen Lindaus schon vor ungefähr 10.000 Jahren stattgefunden hat.
Hingegen ließen sich nur wenige Keramikfragmente finden, die jedoch mit Vorsicht auf die vorrömische Eisenzeit (800 v. Chr. bis Christi Geburt) datiert werden können. Trotz der widrigen Umstände bei Feldbegehungen und der damit erklärbaren geringen Funde geht man davon aus, dass dieses Gebiet in vorchristlicher Zeit eher dünn besiedelt war.
In unmittelbarer Nähe des heutigen Lindaus werden zwei heute nicht mehr existente Dörfer (Wüstungen) vermutet: Meginwardeshusen und Tappenhusen. Der erst genannte Ort wird in der Nähe der Mordmühle vermutet. Der Name wird 1105 erstmals urkundlich erwähnt. Wann der Ort verschwand, ist nicht bekannt, jedoch bestand die Siedlung 1341 noch. Der Name der Ortschaft änderte sich über die Jahre des Öfteren und im Jahre 1785 hieß die Flur, wo man diesen Ort vermutete, Word Mühle. Aus diesem Namen lässt sich die Bezeichnung „Mordmühle“ erklären.
Tappenhusens Ersterwähnung erfolgte erst 1504. Auch in diesem Falle ist das Ende dieses Ortes nicht bekannt. Wo genau sich Tappenhusen befand, lässt sich auch nicht abschließend klären, auch hier fehlen Untersuchungen. Man vermutete Tappenhusen etwa 2 km von Lindau entfernt. Entweder befand er sich zwischen Lindau und Bilshausen oder zwischen Lindau und Gieboldehausen.
Die alte Lindauer Burg mini|Auf diesem Feld hat sich vermutlich die alte Burg befunden Die neue Lindauer Burg, von der heute einzig das Mushaus Lindau noch besteht, wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Doch schon vorher besaß Lindau eine Burg, die sich an einer Senke östlich der Rhumebrücke am Ortsausgang nach Gillersheim befunden haben könnte. An dieser Stelle wird eine Wasserburg vermutet, die im 12. und 13. Jahrhundert bestand. Dennoch ist der genaue Standpunkt der alten Lindauer Burg umstritten, den erst eine Ausgrabung nachweisen könnte. Dennoch ist die auf einem Luftbild erkennbare Senke der wahrscheinlichste Ort für die alte Burg, wofür die Verkehrslage an einem Flussübergang und an der Straße von Lindau nach Nörten spricht.
Gegenüber diesem Gelände erinnert der Flurname „Burgwall“ an die Burg.
Herren der neuen Lindauer Burg Folgende Burgherren der neuen Burg sind in Lindau nachgewiesen: 1322 Ludolf von Wedeheim und Burkhard von Wittenstein 1338 Conrad von Rosdorf, Jan von Hardenberg nachher die von Tastungen, von Bortfeld ein Burglehen hinterm Mußhause an die Herren von Uslar und von diesen 1453 an Heinrich von Bodenhausen ein Burglehen derer von Reventloh 1383 an Albrecht von Leuthorst etwa 1530 Heinrich und Caspar von Hardenberg und etwa 1577 Dietrich und Heinrich von Hardenberg
Reformation bis zum Siebenjährigen Krieg Während der Reformation hatte Lindau dem Kurfürsten und Erzbischof von Mainz unterstanden. Dies hieß, dass die Lindauer Bevölkerung katholischen Glaubens war. Nach der Reformation sollte sich dies unter dem Einfluss des Hardenbergschen Adelsgeschlechtes jedoch vorübergehend ändern. So war im Jahre 1558 die Mehrzahl der Bevölkerung protestantisch geworden.
Doch schon zwischen 1574 und 1582 leitete der Mainzer Kurfürst die Gegenreformation ein, die jedoch von wenig Erfolg gekrönt war. Letztlich spielten auch die angrenzenden welfischen Gebiete eine Rolle, sie blieben nämlich protestantisch und beeinflussten somit auch Lindau. Noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts herrschte in Lindau der Protestantismus vor. Erst als repressive Maßnahmen gegen die noch verbliebenen Protestanten eingeführt worden waren, kehrte der Ort allmählich zum Katholizismus zurück.
Die nächsten Jahre verliefen für Lindau in ruhigen Bahnen. Dies änderte sich mit dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648). Die ersten Jahre des Krieges hatten Lindau noch nicht erreicht, dennoch lebten die Bürger verängstigt durch Berichte aus bereits verwüsteten Ortschaften in Angst und Schrecken.
Unter der Führung des Herzogs Christian (genannt: „der Tolle“) von Braunschweig wurden weite Teile des Eichsfeldes vernichtet. Am 25. April 1626 wurde Lindau zerstört, selbst die Kirche war verwüstet worden, so dass sie sich nur noch notdürftig wiederherrichten ließ und 1758 abgetragen und durch die heutige St. Peter und Paul ersetzt wurde. Einzig das Mushaus hatte die Vernichtung überstanden. Die folgenden Jahre stellten die Lindauer auf schwere Proben. Als schließlich die Pest ausbrach, war Lindau fast vollständig am Ende.
Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) blieb Lindau eine erneute Zerstörung erspart. Dennoch bedeutete auch dieser Krieg für die Lindauer Jahre des Leides und der Entbehrung.
Kurmainzischer Herrschaft (1521–1802) Zusammen mit dem Eichsfeld hatte sich Lindau seit 1521 unter der Herrschaft des Mainzer Erzbistums befunden. Da Hardenbergscher Adel lange Zeit einen sehr hohen Einfluss in Lindau gehabt hatte, setzte das Erzbistum keine Angehörigen der Hardenberger mehr als Amtmänner ein. Der politische Einfluss konnte somit zurückgedrängt werden.
Über all die Jahre vollzog sich ein Streit mit dem Bistum Hildesheim, das Lindau zunächst nur an Mainz verpfändet hatte. Durch geschickte Verhandlungen gelang es Mainz jedoch stets Lindau in seinem Einflussgebiet zu halten. Beispielsweise im Jahre 1785 versuchte das Bistum Hildesheim zum wiederholten Male Lindau aus dem Bund mit Mainz herauszulösen, mit dem Verweis darauf, dass Lindau nur verpfändet sei.
Die Größe des Amtes Lindau hat infolge der Randlage an verschiedene Herrschaftsgebiete immer wieder variiert. Einzig Lindau und Bilshausen bildeten stets das Amt Lindau, während andere Ortschaften (z. B. Berka, Bodensee, Krebeck, Renshausen und Thiershausen) nur vorübergehend diesem Amt angehörten. Seit dem 17. Jahrhundert nahm die Größe des Amtes jedoch ab und 1692 sagte Mainz von seinen Ansprüchen über Berka gänzlich ab, nachdem es immer wieder Streitereien verschiedener Mächte um diesen Ort gegeben hatte. 1782 schließlich bestand das Amt Lindau nur noch aus Lindau und Bilshausen.
Zu Lindau gehörten im 18. Jahrhundert also nur noch sehr wenige Ortschaften. Da sich Kurmainz jedoch nie sicher sein konnte, wie lange es Lindau in seinem Besitz halten könnte, ist anzunehmen, dass die Größe des Amtes Lindau bewusst klein gehalten wurde. Folgende Amtsvögte sind bekannt: mini|Das kurmainzische Amt Lindau im Jahr 1759 1500 Johann von Minnigerode 1545–1549 Kaspar von Hardenberg 1549–1579 Nikolaus von Lenthorst 1589 Hans Voss 1617–1635 Johannes Grobecker 1656–1685 Jodocus Adrian Schott 1685–1722 Johann Andreas Schott 1748–1756 Georg Karl Klinckhardt 1791 Heinrich Schuchardt (Quelle:)
Herrschaft Preußens (1802–1806) Lindau war wie das gesamte Eichsfeld in vielerlei Hinsicht mit dem Mainzer Erzbistum verbunden. Da der Landesherr als Mainzer Erzbischof gleichzeitig Erzkanzler des Deutschen Reiches war, wurde das Eichsfeld in viele europäische Kriege hineingezogen. Die Teilnahme des Mainzer Kurfürsten an den Kriegen zur Niederschlagung der Französischen Revolution überstand der Kurstaat nicht. Somit wurde das gesamte Eichsfeld im Jahre 1802, im Vorgriff auf die Regelungen des Reichsdeputationshauptschlusses vom Februar 1803, von Preußen in Besitz genommen.
Die Lindauer waren mit der neuen Herrschaft alles andere als zufrieden und wünschten sich schon bald die alten Herrschaftsverhältnisse zurück. Massive steuerliche Belastungen und die geplante – aber nie vollzogene – Auflösung des Amtes Lindau trugen nicht zu einem freundlichen Klima gegen Preußen bei.
Die erste Epoche preußische Herrschaft sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein. Preußen wurde im Oktober 1806 in der Schlacht bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen. Das Eichsfeld geriet nun in französischen Besitz.
Königreich Westphalen (1807–1813) mini|Die deutschen Gebiete mitsamt dem Königreich Westphalen 1807 wurde vom französischen Kaiser Napoléon I. das Königreich Westphalen gegründet. Als König setzte Napoléon seinen jüngeren Bruder, Hieronymus Bonaparte, ein. Das von König Hieronymus regierte Königreich umfasste neben dem Eichsfeld auch u. a. den größten Teil des preußischen Besitzes zwischen Elbe und Lippe, sodann hessisches, braunschweigisches und anderes Gebiet.
Das neue Königreich wurde nach französischem Vorbild eingeteilt. Und so wurde das Eichsfeld (somit auch Lindau) dem Departement des Harzes zugeteilt und Lindau als einziger Ort des Eichsfeldes dem Distrikt Osterode. Innerhalb dieses Distriktes bildete Lindau mit Wulften, Berka, Hattorf und Dorste den Kanton Lindau. Diese Verwaltungsreform berücksichtigte also, wie sich schnell erkennen lässt, die konfessionelle Zugehörigkeit der Bevölkerung nicht. Die neue Verwaltung war eine für damalige Verhältnisse äußert moderne und effiziente Einrichtung.
Auf einen Befehl Napoleons mussten alle ihm untergebenen Gebiete ihre Friedhöfe nach außerhalb verlegen, da man eine Verunreinigung des Grundwassers befürchtete. Deshalb wurde der sich zunächst an der katholischen Kirche befindliche Friedhof an seinen heutigen Platz an der Bundesstraße verlegt. Der neue Friedhof wurde 1820 geweiht.
Die napoleonischen Kriege, an denen das Königreich Westphalen teilnahm, ließen es ausbluten und brachten auch für Lindau Hungersnöte. Im Frühjahr 1813 gelang es einem preußischen Freikorps die westphälischen Truppen aus dem Eichsfeld zu vertreiben. Die Eichsfelder schlossen sich sofort den preußischen Truppen an um die verhassten französischen Besatzer aus ihrem Gebiet zu vertreiben. Als die napoleonischen Armeen bei der Völkerschlacht von Leipzig vernichtend geschlagen wurden, hatten sich Lindau und das Eichsfeld bereits eigenständig befreit.
Es folgte eine zweite, diesmal jedoch sehr kurze Epoche unter preußischer Herrschaft. Schon schnell richtete sich der Unmut erneut gegen Preußen. Lindau musste, wie die übrigen preußischen Gebiete, große Mengen an Sachgütern und Naturalien abliefern und hatte, wie der Rest des Eichsfeldes, die Pflicht ein sehr großes Soldatenkontingent zu stellen. Letztlich blieben dadurch fast ausschließlich Kinder und Alte zurück.
Erst mit dem Wiener Kongress sollten für Lindau wieder bessere Zeiten anbrechen.
Wiener Kongress bis Erster Weltkrieg (1815–1918) 29 Ortschaften des Untereichsfeldes kamen zum Königreich Hannover, auch Lindau, welches im Zuge von Verwaltungsreformen an Bedeutung verlor. Das alte Amt Lindau wurde nicht wiederhergestellt, stattdessen ein Amt Gieboldehausen-Lindau, welches Gieboldehausen zum Verwaltungssitz hatte. Im Jahre 1832 erfolgte schließlich die Zusammenlegung des Amtes Katlenburg mit dem ehemaligen Amt Lindau zum neuen Amt Catlenburg-Lindau.