JLG/JLG – Godard über Godard (Originaltitel: JLG/JLG, autoportrait de décembre; im Weiteren nur: JLG/JLG) ist ein Film von Jean-Luc Godard. Im Film heißt es, und Godard hat es in Interviews betont: „Ein Selbstporträt, keine Autobiographie.“

Entwurf Ideen und Entwürfe für sein Selbstporträt notierte Godard seit Anfang der 1990er Jahre, zu einer Zeit also, in der er parallel und mit Priorität an seinem langjährigen Projekt Geschichte(n) des Kinos (Histoire(s) du cinéma) arbeitete. In einem Text mit dem Titel „Scénario 2“ aus 1993 heißt es:

Der Film wurde schließlich im Auftrag von Gaumont anlässlich der Feierlichkeiten im New Yorker MoMA zum 100-jährigen Bestehen des Filmkonzerns produziert.film-documentaire.fr: „Une commande de la Gaumont pour ses cent ans fêtés au MoMA de New York.“ (abgerufen am xx. xxx 2023).

Inhalt Einige der eigenen realisierten Filme – dabei bevorzugt eher unbekanntere – finden Erwähnung, auch das Thema der nicht realisierten Filme klingt an, aber zu wesentlichen Elementen des Films sind diese zunächst vorgesehenen Teile nicht geworden. An ihre Stelle sind zahlreiche zum Teil mit Quellenangabe versehene, zum Teil ohne Quellenangabe vorgetragene Zitate aus (kunst-)historischer und philosophischer Literatur getreten. – In feinerer Aufgliederung als in Godards Entwurf können folgende Elemente identifiziert werden: Zahlreiche Aufnahmen vom Ufer des Genfer Sees und der Landschaft auf seiner Schweizer Seite im Kanton Waadt (frz. Vaud), einige Innenaufnahmen aus Godards Haus in Rolle – auffallend häufig von den Gemälden, Zeichnungen, Drucken an den Wänden, Godard, zitierend aus BüchernEine – unvollständige – Liste der zitierten Autoren findet sich im Textbuch JLG/JLG Selbstporträt im Dezember (s. Literatur) – allerdings ohne Angaben zu den Werktiteln. – Zwei Beispiele für Godards freien Umgang mit den Zitaten: Kurz vor Ende des Films zitiert eine alte, an einem Waldrand sitzende Frau auf Latein eine Passage aus Ovids Metamorphosen. Aus der „romana potentia“ (der Macht Roms) bei Ovid wird bei Godard die „americana potentia“ (die Macht Amerikas). Die letzten Sätze des Films sind kein wörtliches Zitat, sondern eine Abwandlung, zumindest eine Variation der letzten Sätze von Jean-Paul Sartres autobiographischer Schrift Die Wörter. Bei Godard heißt es am Ende: „un homme / rien qu'un homme / et qui n'en vaut aucun / mais qu'aucuns ne valent“ – „ein Mensch, nichts als ein Mensch, nicht besser als irgendjemand, und niemand besser als er“; so oder ähnlich wurde der Satz, der selbst zu Deutungen Anlass gegeben hat, übersetzt. oder eigene Gedanken darlegend, Filmzitate – mal gezeigt auf kleinen Monitoren, mal nur im Ton dokumentiert, kurze fiktive Sequenzen: Kontrolleure eines „Centre du cinéma“ inspizieren Godards Bücher- und Videokassetten-Regale, oder: eine junge, blinde Schnittassistentin bewirbt sich bei Godard (und macht ihre Arbeit sehr gut), Godard in Alltagssituationen – wie beim schon im Entwurf vorgesehenen Tennisspielen. Die Musik des Films besteht aus kurzen, jeweils deutlich ein- und aussetzenden Ausschnitten klassischer und sogenannter Neuer Musik. Die Komponisten der verwendeten Musikstücke sind Arvo Pärt, Ludwig van Beethoven, Werner Pirchner, Paul Hindemith, Dino Saluzzi und David Darling.Eine detaillierte Auflistung der Musikstücke, mit Timecode und Längenangabe ihrer Verwendung im Film, gibt Jürg Stenzl in Jean-Luc Godard – musicien (s. Literatur), S. 307–308. Neben Sprache, Atmo-Geräuschen und Musik setzt Godard in JLG/JLG drei häufig wiederkehrende Tonelemente ein, die auch in den Histoire(s) du cinéma und anderen Filmen derselben Periode Verwendung fanden: das Schrillen eines Telefons (damit beginnt der Film, noch vor den ersten Bildern), das Schreien von Krähen sowie ein „Klaviercluster-Schlag [tiefer Töne] mit sehr langem Nachhall“ (Jürg Stenzl).

Godard setzt sich abwechselnd in zwei Typisierungen ins Bild: Mal ist er der konzentriert, mit Bleistift in der Hand, erst Wittgenstein, dann Diderot zitierende Bibliophile, mal wirkt er mit Bommelwollmütze und der unvermeidlichen Zigarre als der etwas verwirrte Alte.

Aufführungen Die Uraufführung von JLG/JLG fand am 6. Mai 1994 in Anwesenheit von Godard in New York im Rahmen einer mehrmonatigen Gaumont-Retrospektive statt.Gemäß Richard Brody: Everything is Cinema. The Working Life of Jean-Luc Godard. Metropolitan Books, New York 2008.

Die deutsche Erstaufführung von JLG/JLG fand im Februar 1995 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin statt, wo der Film in der Programmreihe „Panorama“ lief.Siehe Programmblatt bei berlinale.de (abgerufen am xx. xxx 2023). – Die deutsche Fernseh-Erstaufführung war am 1. Februar 2001 im ZDF.

Rezeption – Einige Beschreibungen von Godards Verfahren

Literatur Jürg Stenzl: Jean-Luc Godard – musicien. Die Musik in den Filmen von Jean-Luc Godard. edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München 2010, ISBN 978-3-86916-097-9, S. 304–310. Jean-Luc Godard: JLG/JLG Selbstporträt im Dezember (orig. JLG/JLG Phrases; aus dem Französischen übersetzt von Thomas Laugstien). Diaphanes, Zürich-Berlin 2014, ISBN 978-3-03734-330-2.

DVD-Veröffentlichung Jean-Luc Godard Collection No. 1. Tobis / Universum Film, 2006. – Dort als Disc 3: Bonusmaterial. Französisch, wahlweise mit deutschen Untertiteln.

Weblinks

Trailer (französisch ohne Untertitel) auf tv.apple.com.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1994 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Schweizer Film Kategorie:Jean-Luc Godard