Das 9K37 Buk (, „Buche“) ist ein mobiles Mittelstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem, das in der Sowjetunion entwickelt wurde und heute unter anderem von den Streitkräften Russlands verwendet wird. Die NATO-Codenamen lauten je nach Ausführung SA-11 Gadfly, SA-17 Grizzly und SA-27.
Entwicklung Im Jahr 1971 erstellte man in der Sowjetunion eine Studie zur Entwicklung eines Nachfolgesystems für die Flugabwehrsysteme 2K12 Kub (NATO-Codename SA-6 Gainful) und 2K11 Krug (NATO-Codename SA-4 Ganef).Michal Fiszer & Jerzy Gruszczynski: Russia's Roving SAM’s. Journal of Electronic Defense (JED), July 2002. Die Studie kam zum Schluss, dass die größte Schwachstelle der 2K11 und 2K12-Systeme die Verwundbarkeit der zentralen Feuerleitradars der Batterien war. Wurde dieses Feuerleitradar zerstört oder mit Elektronischen Gegenmaßnahmen gestört, bedeutete dies den Ausfall der ganzen Batterie.Ray Austen, Roland Wenger, Adrian Ochsenbein: The Buk Air Defense Missile System. Defense Threat Information Group (DTIG), November 2013. Aufgrund dessen empfahlen die Studienverfasser, dass bei dem künftigen System das Feuerleitradar zusammen mit den Lenkwaffen auf einem Kettenfahrzeug untergebracht werden sollte. Ebenso sollten die neuen Lenkwaffen mit einem Feststoffraketentriebwerk und nicht wie die Vorgängermodelle mit einem Staustrahltriebwerk ausgerüstet sein. Im Januar 1972 erteilten das Zentralkomitee der KPdSU und der Ministerrat der UdSSR den Entwicklungsauftrag für das 9K37 Buk-System. Das neue System sollte sowohl bei den Luftverteidigungstruppen der Landstreitkräfte der UdSSR als auch bei der Sowjetischen Marine zum Einsatz kommen. Unter der Leitung vom Wissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsbüro Tichomirow (NIIP) in Schukowski begann am 13. Januar 1972 die Entwicklung. Weiter waren die Unternehmen Dolgoprudny Research Production Enterprise (DNPP), das Konstruktionsbüro Nowator, Fasotron-NIIR und das Mechanische Werk Uljanowsk (UMZ) an der Entwicklung beteiligt. Die Entwicklung der Marine-Ausführung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Konstruktionsbüro Altair-MNIIRE.Tony Cullen & Christopher F. Foss: Jane’s Land-based Air-Defence, Edition 2000–2001. 2001, S. 145–148. Während der Entwicklung wurde im Jahr 1974 gefordert, das 9K37-System in die bereits im Einsatz stehenden 2K12-Kub-Systeme zu integrieren und somit einen parallelen Einsatz beider Flugabwehrsysteme zu ermöglichen. Nach Anpassungen am 9K37-System und Werktests im Jahr 1975, fanden im Jahr 1976 Truppenversuche statt. Das so entstandene System wurde 2K12M4 Kub-M4 bzw. 9K37-1 Buk-1 bezeichnet und wurde 1978 in Dienst gestellt. Die Werktests und Schießversuche mit der Vorserienversion 9K37-1 Buk-1 fanden in den Jahren 1977 bis 1978 statt. Zeitgleich wurden die ersten Systeme für Truppenversuche an die Landstreitkräfte der UdSSR ausgeliefert. Die eigentliche Serienversion 9K37 Buk war im Jahr 1980 operationell.
Technik Das 9K37 Buk dient zur Bekämpfung von Kampfhubschraubern, Kampfflugzeugen, unbemannten Luftfahrzeugen, Marschflugkörpern und Luft-Boden-Lenkwaffen in niedrigen bis mittleren Höhen. Ab der Ausführung 9K37M1-2 Buk-M1-2 können auch ballistische Kurzstreckenraketen abgefangen werden. Es dient der Flugabwehr über dem Gefechtsfeld und zum Schutz von motorisierten und mechanisierten Verbänden. Buk kann mobil im Gelände eingesetzt werden und ist allwetterfähig. Sämtliche Komponenten sind auf GM-567, GM-569 und GM-579-Kettenfahrzeugen installiert. Somit kann sich Buk auf der Straße und auch im Gelände bewegen. Das System benötigt keine vorbereiteten Stellungen und diese können sich irgendwo im Gelände befinden. Das Herstellen der Gefechtsbereitschaft dauert fünf bis sieben Minuten. Die Fahrzeuge benutzen zur Datenübertragung ausfahrbare Antennen.
Das Buk-System besteht im Groben aus den folgenden Komponenten: Einem Feuerleitstand, einem Überwachungsradar, den Lenkwaffenstartern mit den Lenkwaffen und dem Feuerleitradar, Nachladefahrzeuge mit Kran sowie weiteren Komponenten für den autonomen oder verbundenen Einsatz.
Feuerleitstand Mit dem Buk-System kommt ein zentraler Feuerleitstand zum Einsatz. Bei den ersten Ausführungen wird dieser 9S470 bezeichnet. Der Feuerleitstand ist auf einem GM-579-Kettenfahrzeug installiert. Dieses hat eine Länge von 8,37 m, ist 3,25 m breit und hat eine Höhe von 2,96 m (ohne Antennen). Das Fahrzeug wiegt 28,9 Tonnen und erreicht auf der Straße eine Geschwindigkeit von 65 km/h. In dem Feuerleitstand laufen die Aufklärungsdaten des 9S18-Überwachungsradars sowie die der Feuerleitradare von den Lenkwaffenstartern zusammen und werden dort mit redundanten Echtzeit-Computersystemen verarbeitet. Aus dem Feuerleitstand führen sechs Bediener den Feuerkampf, wobei sie auch Anweisungen von einem übergeordneten Gefechtsstand erhalten können. Der Feuerleitstand verfügt über umfangreiche Kommunikationseinrichtungen, die es dem Kampfführungspersonal erlauben, mit verschiedenen Aufklärungs- und Führungssystemen zu kommunizieren. Im Feuerleitstand können zeitgleich die Flugrouten von 46 bis 75 Flugzielen (je nach Version) verfolgt werden. Davon können von sechs die Zielparameter ermittelt werden und diese an die Lenkwaffenstarter gesendet werden. Der Feuerleitstand führt folgende Aktionen aus: Kontrolle / Koordination von bis zu sechs Lenkwaffenstartern der Batterie Akquisition, Identifikation, Verfolgung der Luftziele Freund-Feind-Erkennung (IFF) Prioritätszuweisung der einzelnen Luftziele und die Weitergabe der gefährlichsten an die Feuerleitradare der Lenkwaffenstarter Kontrolle und Koordination der elektronischen Gegenmaßnahmen Datenaustausch mit benachbarten Einheiten sowie der übergeordneten Stufe
Je nach Buk-Ausführung trägt der Feuerleitstand die Bezeichnung 9S470M1, 9S470M1-1 oder 9S470M2. Ab der Ausführung 9K317 Buk-M2 trägt er die Bezeichnung 9S510.
Überwachungsradar mini|9S18M1-Überwachungsradar Das Überwachungsradar der Ursprungsversion 9K37-1 Buk-1 war das 9S18 Kupol (NATO-Codename Tube Arm). Dieses war auf einem Kettenfahrzeug vom Typ MT-S installiert. Es hatte eine Besatzung von drei Mann und wog 28,5 Tonnen. Das Überwachungsradar verwendet eine Torusantenne, mit der Ziele in einem 360°-Rundkreis erfasst und begleitet werden konnten. Die Drehgeschwindigkeit der Antenne war stufenlos zwischen 4,5 bis 18 Sekunden pro Umdrehung wählbar. Beim Transport wurde die Radarantenne auf das Fahrzeugdach abgesenkt. Dieses Überwachungsradar war ein frequenzgesteuertes Impulsradar mit einer durchschnittlichen Impulsleistung von 3,5 Kilowatt. Das Radar arbeitete im S-Band im Zentimeterbereich. Das Radarsystem verfügte über eine Freund-Feind-Erkennung (IFF) und hatte eine Reichweite von 110 bis 120 km. Ein großes Flugziel in einer Flughöhe von 3.000 m konnte auf eine Distanz von 110 bis 120 km begleitet werden. Ein Flugziel in einer Flughöhe von 30 m konnte auf rund 45 km geortet werden. Das 9S18-Überwachungsradar erwies sich in der Praxis als wenig zuverlässig. Die Radarkomponenten arbeiteten unzuverlässig und Softwareprobleme führten regelmäßig zu Datenverlusten und Totalausfällen des Systems. Ebenso war das Radar anfällig gegenüber elektronischen Gegenmaßnahmen. Wegen dieser Mängel wurde es bald aus dem Einsatz genommen und durch ein leistungsstärkeres Radar ersetzt.
Ab der ersten Serienversion 9K37 Buk kommt das verbesserte 9S18M Kupol-M (NATO-Codename Snow Drift) 3D-Überwachungsradar zur Anwendung. Dieses Radar ist auf einem GM-567M1-Kettenfahrzeug installiert und hat eine Besatzung von drei Mann. Das Fahrzeug hat eine Länge von 9,95 m, ist 3,25 m breit und hat eine Höhe von 3,25 m (ohne Radarantenne). Das Fahrzeug wiegt rund 35 Tonnen und erreicht auf der Straße eine Geschwindigkeit von 65 km/h. Das Überwachungsradar verwendet eine rechteckige Phased-Array-Antenne mit Schlitzstrahler, mit der Ziele in einem 360°-Rundkreis erfasst und begleiten werden können. Die Antenne rotiert stufenlos zwischen 3 und 14 Umdrehungen pro Minute. Daneben kann sie auch stillstehen und für einen statischen Suchsektor mit einem horizontalen Öffnungswinkel von 30° eingesetzt werden. In der vertikalen Ebene wird ein Öffnungswinkel von 0 bis 40° eingesetzt. Es können so Ziele bis in eine Flughöhe von 25 bis 35 km erfasst und begleitet werden (je nach Version). Beim Transport wird die Radarantenne auf das Fahrzeugdach abgesenkt. Das Radar arbeitet im I-Band im Zentimeterbereich. Die mittlere Impulsleistung liegt bei 0,7 Kilowatt und die maximale beträgt 700 Kilowatt. Der maximale Fehler bei der Azimutauflösung liegt bei 20 Bogenminuten. Der maximale Fehler bei der Distanzmessung liegt bei 100 bis 400 m (je nach Version). Die Installierte Radarreichweite beträgt bei der neusten Ausführung 160 km. Ein Flugziel in einer Flughöhe von 100 m kann auf rund 35 km geortet werden. Flugziele im Tiefflug sollen auf Distanzen von 20 bis 25 km erfasst und begleitet werden können. Zeitgleich können 50 bis 120 Flugziele (je nach Version) begleitet und von sechs davon die Zieldaten ermittelt werden. Das Radarsystem verfügt über ein eigenes Freund-Feind-Erkennungs-System (IFF) und die ermittelten Zieldaten werden automatisch an den 9S470-Feuerleitstand weitergeleitet. Je nach Buk-Ausführung trägt das Überwachungsradar die Bezeichnung 9S18M Kupol-M, 9S18M1 Kupol-M1, 9S18M2 Kupol-2 oder 9S18M3 Kupol-3.
Lenkwaffenstarter Der Lenkwaffenstarter, welcher mit der ersten Ausführung 9K37 Buk zum Einsatz kam, war der 9A38. Bei den späteren Buk-Ausführungen wird dieses Fahrzeug 9A310 und 9A317 bezeichnet. Der Lenkwaffenstarter ist auf einem GM-569-Kettenfahrzeug installiert und hat eine Besatzung von vier Mann. Das Fahrzeug hat eine Länge von 9,30 m, ist 3,25 m breit und hat eine Höhe von 3,25 m. Das Fahrzeug wiegt 32,4 bis 35 Tonnen (je nach Version) und erreicht auf der Straße eine Geschwindigkeit von 65 km/h. Auf dem Fahrgestell ist eine in der horizontalen Ebene 360° drehbare Plattform mit vier Lenkwaffen und dem Feuerleitradar untergebracht. Der Werferrahmen mit den Lenkwaffen ist in der vertikalen Ebene bis maximal 75° anstellbar.