Die Operation Alba (italienisch: „Morgendämmerung“, aber auch angelehnt an Albanien) bezeichnet den Einsatz einer multinationalen Schutztruppe, die im April 1997 unter einem Mandat des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen nach Albanien entsandt wurde. Unter der Führung Italiens sollte die Mission die albanische Regierung bei der Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Land nach dem „Lotterieaufstand“ unterstützen.

Art der Mission Die albanische Übergangsregierung, geleitet von Bashkim Fino, hatte sich am 28. März 1997 über ihren UN-Vertreter an den UN-Sicherheitsrat gewandt und um ein internationales Eingreifen zur Befriedung der Unruhen gebeten. Parallel dazu hatte Italien einen Tag zuvor signalisiert, dass es sich eine führende Rolle in einer von den Vereinten Nationen legitimierten Mission vorstellen könnte.

Am 28. März 1997 verabschiedete der Sicherheitsrat dann die Resolution 1101. In der Resolution heißt es:

Bei der Operation Alba handelte es sich um keine „klassische“ UN-Friedensmission. Mit der Resolution wurde der Fokus der Mission eindeutig auf die Gewährleistung humanitärer Hilfe und den Schutz der internationalen Hilfsorganisationen gelegt. Italien übernahm die Führungsrolle in einer sog. „coalition of the willing“ (etwa: Koalitation der Willingen/Wollenden). Die in der UN-Resolution enthaltene Formulierung „multinationale Schutztruppe“ wurde von Italien übernommen und auf Italienisch mit „Forza Multinazionale di Protezione (FMP)“ bezeichnet. Die Soldaten trugen aber keine blauen Uniformstücke („Blauhelme“), noch waren die Fahrzeuge, Helikopter usw. der Schutztruppe in Weiß lackiert, der traditionellen Farbe bei klassischen UN-Einsätzen. Auch die Kennzeichnung der Fahrzeuge lautete nicht „UN“, sondern „FMP“ und in einigen Fällen auch „AFMP“ für „Albania Forza Multinazionale di Protezione“.

Ettore Greco nennt das Vorgehen des UN-Sicherheitsrats demzufolge „delegated peacekeeping“ (delegierte Friedenssicherung), während Shalini Chawla den Begriff „subcontractor peacekeeping“ (etwa: Friedenssicherung durch Auftragnehmer) verwendet. Diese damals noch recht neue Form der Friedensmission, hatte sich u. a. bereits 1995 in den Einsätzen der IFOR und SFOR nach dem Bosnienkrieg (Teil der Jugoslawienkriege) bewährt. Tatsächlich wurde eine „klassische“ UN-Friedensmission zu keinem Zeitpunkt vom Sicherheitsrat erwogen.

Die Kosten der Operation Alba trugen die teilnehmenden Staaten selbst. Auch dies ist ein deutlicher Unterschied zu regulären UN-Friedensmissionen.

Gründe für die Intervention mini|Sali Berisha (2006) Zu Beginn des Jahres 1997 entwickelten sich nach dem Zusammenbruch großer Pyramidensysteme zahlreiche Unruhen in der Bevölkerung. Viele Albaner hatten unter hohen Zinsversprechungen ihre Ersparnisse in diese „Schneeballsysteme“ investiert und verloren. Die Bevölkerung beschuldigte primär den Staatspräsidenten Sali Berisha, war zudem unzufrieden mit der herrschenden Korruption und über die groben Unregelmäßigkeiten bei den vorangegangenen Parlamentswahlen des Jahres 1996. Dies führte in weiten Teilen des Landes zu Protesten, die besonders im Süden in eine Rebellion gegen die albanische Regierung und Vertreter der Demokratischen Partei auswuchs. Sali Berisha verhängte den Ausnahmezustand über das Land, aber dies konnte die Lage nicht mehr beruhigen. Auch der Rücktritt der Regierung unter Aleksandër Meksi Anfang März half nicht: Die Aufständischen forderten seinen Kopf.

Die Situation eskalierte in den nächsten Tagen immer mehr. Es kam in weiten Teilen des Landes zum Zusammenbruch der Rechtsstaatlichkeit, zu zahlreichen Plünderungen und Gewalt. Das Land stand am Anfang eines Bürgerkriegs. Zahlreiche Polizei- und Militäreinheiten desertierten und viele Waffendepots wurden durch die aufständischen Zivilisten geplündert. Durch die Plünderungen der Waffenlager gelangten nach Schätzungen westlicher Diplomaten über 100.000 AK-47 Sturmgewehre (nach anderen Quellen bis zu 650.000), große Mengen an Munition und Handgranaten sowie zahlreiche schwere Waffen in die Hände der Bevölkerung. Die staatlichen Organe hatten die Kontrolle praktisch im ganzen Land verloren.

In verschiedenen Regionen wurden lokale „Komitees von Aufständischen“ gegründet, die die Verwaltung übernehmen sollten und rigoros kontrollierten, wer in ihr „Gebiet“ einreiste. Die Aufständischen setzen sich aus aufgebrachten Zivilisten, Anhängern politischer Parteien, Kriminellen und anderen bewaffneten Banden zusammen. Oftmals stand die kriminelle Bereicherung durch Raub und Plünderung mehr im Vordergrund als politische Motive, aber auch auf Geheimpolizisten wurde aus Rache gezielt Jagd gemacht. Die Zahl der Toten bei den bürgerkriegsähnlichen Unruhen im Land, wird bis Anfang April auf etwa 2.000 Zivilisten, Soldaten, Militärangehörige und Geheimpolizisten geschätzt.

Unter Vermittlung des OSZE-Sonderbeauftragten Franz Vranitzky erklärte Berisha am 9. März den Rücktritt. Eine breit abgestützte Übergangsregierung unter dem Sozialisten Bashkim Fino sollte das Land bis zu Neuwahlen leiten, die vorzeitig stattfinden würden. Die Lage beruhigte sich aber nur wenig, und die provisorische Regierung hatte nur wenig Einfluss.

Das daraus resultierende Chaos veranlasste Mitte März 1997 mehrere Länder unabhängig voneinander, ihre Staatsangehörigen aus Albanien zu evakuieren. Die Bundeswehr führte im Rahmen dieser Evakuierungen die Operation Libelle durch. Während dieser Operation wurden bei einem Feuergefecht auf einem Militärflughafen in Tirana von deutschen Soldaten die ersten Schüsse im Kampf seit dem Zweiten Weltkrieg abgegeben. Weitere Evakuierungsoperationen im März des Jahres waren die Operation Silver Wake durch die US Marines und die Operation Cosmas durch die griechische Marine.

Im Zuge der Unruhen nahm auch die Zahl der albanischen Flüchtlinge erheblich zu. Insbesondere Italien war Ziel dieses neu entstandenen Migrationsstroms, der mit etwa 10.000 bis 13.000 über das Adriatische Meer geflüchteten Menschen Mitte März 1997 besorgniserregende Ausmaße annahm. Eine Katastrophe ereignete sich am 28. März 1997, als die italienische Korvette „Sibilla“ der Minerva-Klasse das Flüchtlingsboot „Katëri i Radës“ rammte. Beim als Schiffsunglück von Otranto bekannt gewordenen Ereignis, kamen mehr als 80 albanische Migranten ums Leben oder wurden anschließend vermisst.

Italien, als Nachbarland mit traditionell zahlreichen Verbindungen und Interessen in Albanien, rechnete nun zunehmend damit, dass zur Wiederherstellung der Ordnung in Albanien auch militärische Gewalt notwendig sein würde, und bemühte sich um ein Mandat der Vereinten Nationen und die Unterstützung der OSZE. Zusätzlich warb die italienische Regierung um die Beteiligung einer Reihe von Verbündeten an einer möglichen Militärmission. Als dieses Ziel erreicht war, verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 28. März die Resolution 1101 zur Stabilisierung der Lage in Albanien und leitete damit die Operation Alba ein.

Organisation der Operationsführung Italien wurde mit der Führung der Mission und der Schutztruppe () beauftragt. Der Chef des italienischen Generalstabs, Admiral Guido Venturoni, wurde zum Oberbefehlshaber der Gesamtmission ernannt. Im Führungsstab der Mission in Rom (COFIA, Comando Operativo Forze Intervento in Albania, engl. Operational Command Intervention Forces in Albania) waren auch Verbindungsoffiziere der anderen truppenstellenden Nationen permanent vertreten. Das italienische 3. Armeekorps unter dem Kommando von General Luciano Forlani übernahm die Führung der gesamten militärischen Operation. Ihm zur Seite stand ein multinationales Hauptquartier in Tirana, zu dem auch ein Team albanischer Militärs gehörte.

Es handelte sich um den ersten multinationalen Militäreinsatz unter italienischer Führung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Ein „Lenkungsausschuss“, der sich aus hochrangigen Vertretern der Außen- und Verteidigungsministerien der beteiligten Länder zusammensetzte und in dem der Staatssekretär des italienischen Außenministeriums den Vorsitz führte, sorgte für die politische Führung und strategische Ausrichtung der Operation. Die Einrichtung dieses Gremiums, das während der gesamten Dauer der Mission 19 Mal zusammentrat, war der innovativste Aspekt der Operation Alba. Der Lenkungsausschuss wurde von einem Sekretariat unterstützt, das im italienischen Außenministerium angesiedelt war. Der Entscheidungsfindungsprozess basierte auf Konsens, was den Zusammenhalt der beteiligten Nationen stärkte und in der Folge die Verteilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten erleichterte. Die italienische Regierung förderte den Lenkungsausschuss und betrachtete ihn als geeignetes Instrument zur Vermeidung störender Kontroversen zwischen den Teilnehmerländern, wie sie während der UN-Operation UNOSOM II in Somalia aufgetreten waren. Eine der Hauptaufgaben des Ausschusses bestand darin, die Aktivitäten der Schutztruppe (FMP) zu überwachen, um sicherzustellen, dass das vom UN-Sicherheitsrat genehmigte Mandat erfüllt wurde. Der Ausschuss legte dem Sicherheitsrat, wie in der Resolution 1101 gefordert, insgesamt elf Berichte vor, darunter einen Abschlussbericht nach dem Abzug der Truppe. Der Ausschuss übermittelte die entsprechenden Informationen auch an die OSZE, die Europäische Union, die Westeuropäische Union und die NATO. Vertreter der albanischen Regierung nahmen regelmäßig als Beobachter an den Sitzungen des Lenkungsausschusses teil.

Beteiligte Staaten und Gliederung der Schutztruppe mini|hochkant=2|Zusammensetzung der FMP nach Truppengattung und Stärke Insgesamt beteiligten sich elf europäische Staaten an der Operation. Diese stellten unterschiedliche Truppengattungen in folgender Stärke:Krech (S. 82) nennt deutlich niedrigere Zahlen für die Truppenstärke; Italien lediglich 2.500 Soldaten, Frankreich 1.000 Soldaten und gesamt nur 5.930 Soldaten

Nation Anzahl TruppenHauptquartier 3800 (Führung)Tirana 950Durrës 800 oder 803Elbasan, Vlora 760Tirana 400Gjirokastra 350Lezha 110Durrës 60Tirana 20 15 Gesamtstärke 7265

Auf italienischer Seite, als dem größten Einzelkontingent der FMP, nahmen folgende Einheiten an der Operation teil: 9. Fallschirmjäger-Sturmregiment „Col Moschin“ Luftbewegliche Brigade „Friaul“ 18. Bersaglieri-Regiment (Teil der Bersaglieri-Brigade „Garibaldi“), heute 1. Bersaglieri-Regiment, Cosenza 187. Fallschirmjägerregiment (Teil der Fallschirmjägerbrigade „Folgore“) 151. Infanterieregiment (Teil der mechanisierten Infanteriebrigade „Sassari“) 1. Fallschirmjäger-Carabinieri-Regiment „Toscana“ 1. Marineinfanterie-Brigade „San Marco“ Einheiten der Heeresflieger AVES kleine Trupps von Spezialeinheiten

Weitere Einheiten anderer beteiligter Nationen waren beispielsweise: Dänemark – leichte Aufklärungseinheit (verstärkter Zug) aus Bornholm mit Mowag EAGLE-I Fahrzeugen Slowenien – Sanitätszug (der erste Einsatz slowenischer Truppen im Rahmen einer multinationalen Friedensmission) Frankreich – 2. Marineinfanterie Regiment, Commando-Marineinfanterie des „Commando Jaubert“ und ein verstärkter Trupp vom Fallschirm-Fernspähregiment der „Forces spéciales“ Spanien – 10. Bataillon (X Bandera) der Spanischen Legion und eine Kompanie vom Logistikunterstützungskommando des Heeres

Durchführung der Operation mini|Italienischer Soldat der FMP in einem albanischen Dorf