Die Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e. V. ist ein psychoanalytisches Ausbildungsinstitut in München. Sie ist eine staatlich anerkannte Ausbildungsstätte nach § 6 des PsychThG (a. F.) und anerkannt von der Bayerischen Landesärztekammer zum Erwerb der Zusatzbezeichnungen Psychotherapie und Psychoanalyse. Das Institut ist Mitglied der Vereinigung für analytische und tiefenpsychologisch fundierte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Deutschland e. V. (VAKJP), anerkanntes Ausbildungsinstitut und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) sowie Mitglied des Netzwerks Freie Institute für Psychoanalyse und Psychotherapie (NFIP)Netzwerk Freie Institute für Psychoanalyse und Psychotherapie (NFIP). Die Akademie hat über 360 Mitglieder und 180 in Aus- und Weiterbildung befindliche Teilnehmer.

Geschichte Im Jahr 1911 wurde durch den Nervenarzt Leonhard Seif und einige seiner Kollegen die Münchener Ortsgruppe der freudianisch geprägten Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) gegründet. Da sich die freudianisch geprägte Psychoanalyse in München nicht etablieren konnte, wurde die IVP-Ortsgruppe München 1918 in „Gesellschaft für angewandte Seelenkunde“, eine nationalsozialistisch propagierte Ausrichtung, umbenannt. Aus dieser Gesellschaft ging 1920 die erste individualpsychologische Ortsgruppe außerhalb Wiens hervor, die „Gesellschaft für vergleichende Individualpsychologie“. In den 1920er Jahren ging die in der Weimarer Republik etablierte Neue Deutsche Heilkunde in die im Nationalsozialismus propagierte „Deutsche Seelenheilkunde“ über.

1939 wurde die Zweigstelle Bayern des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie (das sogenannte „Göring-Institut“) unter der Leitung von Leonhard Seif und Lucy Heyer gegründet. 1940 begann die Ausbildung in zwei schulenspezifischen Kursen (jungianisch nach C. G. Jung und gemeinschaftspsychologisch nach Felix Scherke). 1943 erfolgte, in Anlehnung an das neue Reichsinstitut Berlin, die Umbenennung der Zweigstelle Bayern in „Arbeitsgemeinschaft München“ und Otto Curtius wurde Nachfolger von Leonhard Seiff.

Ludwig Zeise (1898–1961): „Ein Gerechter unter den Völkern“

Zeise gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Instituts. Er kam 1920 aus Berlin nach München, studierte dort an der Ludwig-Maximilians-Universität Psychologie, Philosophie und Psychotherapie und schrieb seine Dissertation bei Erich Becher und dann (nach dessen Tod) bei Kurt Huber – später Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Ab 1939 arbeitete Zeisig am Deutschen Institut für Psychologie und Psychotherapie in Berlin und absolvierte in den letzten Kriegsjahren seine Lehranalyse am Göring-Institut (Berlin). Weil seine erste Ehefrau (Anna Zeisig, geb. Elischak) jüdischer Herkunft war, hatte er einen schweren Stand blieb aber, auch nach der Trennung und dem Zusammenleben mit seiner späteren zweiten Frau (Erika Zeise, geb. Lengnik), mit ihr verheiratet. Vermutlich bewahrte er als „Arier“ und Leutnant im Ersten Weltkrieg so Anna Zeisig vor der Deportation. Nach der Rückkehr nach München war er von 1948 bis 1956 Oberassistent am Psychologischen Institut der LMU (Lehrstuhl für Psychologie und Pädagogik Prof. Lersch) und habilitierte sich mit einer Schrift über Psychagogik (ca. 1952). Nach seinem dortigen Ausscheiden war er als Dozent und außerplanmäßiger Professor tätig. Zeise war bereits in der Anfangsphase der Gründung des Berufsverbands Deutscher Psychologen (BDP) ein wichtiger Akteur und war sowohl im Vorstand auf Bundesebene (1948–1956) als auch im Vorstand der Landesgruppe Bayern tätig, 1948 wurde er dort zum Vorsitzenden gewählt. Von 1955 bis zu seinem Tod leitete er die BDP-Sektion „Psychotherapie und Psychagogik“. Bereits 1945 nahm Zeisig eine bedeutsame Rolle hinsichtlich der Aufarbeitung des Nationalsozialismus ein. In einer Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Bayern (13. Juli 1945) heißt es im Protokoll: „Dr. Zeise ist von amerikanischer Seite aus gebeten worden, einen Plan zur politischen Umerziehung des deutschen Volkes zu entwerfen. Zeise ist sich darüber klar, dass das die Kräfte eines einzelnen übersteigt und schlägt die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft vor, die sich zur Aufgabe setzt, die politischen Zusammenhänge nach allen Richtungen aufzuzeigen und einen Feldzug zur Umerziehung und politischen Aufklärung des Volkes zu unternehmen. (…) Das Institut in seiner Gesamtheit wird auch nicht in der Lage sein, die Umerziehung des deutschen Volkes zu bewerkstelligen. Dazu ist eine Volksbewegung notwendig. Um diese zu starten, sei allerdings die Arbeit des Instituts außerordentlich wichtig. (Protokoll der Mitgliederversammlung vom 13. Juli 1945).“ (Grunert 2008, 206) Erstaunlich ist eine Passage im Protokoll der Mitgliederversammlung des Instituts am 16. September 1947: Auf Vorhaltungen Zeises hinsichtlich fehlender Wärme und Kameradschaftlichkeit antwortet Scherke (Geschäftsführer), dass gerade er (Scherke) es gewesen sei „der Göring auf die Gebote der Kameradschaftlichkeit aufmerksam gemacht und ihn veranlasst habe, etwas für Zeise zu tun, als dieser von der Gestapo gesucht wurde.“ (ebd. 238). Dass Zeise von der Gestapo gesucht wurde, bestätigte Erika Zeise in einem Interview 2004. Ihr Mann hatte sich 1944/45 an seinem Tätigkeitsort bei der IG Farben/BASF (dort hielt er psychologische Kurse ab) darüber ausgelassen, dass er sich nun verabschiede, der Krieg gehe zu Ende und er den Kollegen wünsche, es kämen lieber die Amerikaner, als die Russen (Lück & Bettenhausen & Zeise 2023, 27). Weil Erika Zeise und Ludwig Zeise im September 1943 bis Mitte Oktober 1943 die 22-jährige Jüdin Ruth Lilienthal (sie war „Halbjüdin“, galt aber wegen ihrer Mitgliedschaft in der jüdischen Gemeinde als „Volljüdin“) in ihrer Wohnung in Berlin versteckten und sie, die zu diesem Zeitpunkt schwer an Diphtherie erkrankte, pflegten und versorgten (überwiegend wohl Erika Zeise) und damit vor dem sicheren Tod bewahrten, wurden sie vom Staat Israel (Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem) 2006 als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Erika Zeise erlebte das nicht mehr (sie verstarb im Dezember 2005) hatte aber davon erfahren und sich sehr darüber gefreut (ebd.).

In der Münchner Mitgliederversammlung am 13. Juli 1945 wurde der neue Name der bisherigen „Arbeitsgemeinschaft München“ beschlossen: „Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie“, das sich als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie (Berlin) verstand. 1946 erfolgte mit Genehmigung der Militärbehörden die Gründung des „Instituts für Psychologische Forschung“ – der heutigen Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München, einige der Gründungsmitglieder hatten sich nach 1933 öffentlich zum Nationalsozialismus bekannt. Zum Institutsdirektor wurde Max Steger gewählt, Felix Scherke (der gegen Kriegsende mit der Kasse und Unterlagen des Reichsinstituts nach Bayern geflüchtet war) wurde Geschäftsführer. Nach dem Unfalltod Stegers wurde der als Mitläufer eingestufte Otto Curtius im Februar 1948 sein Nachfolger. Scherke trat im März 1948 aufgrund vieler Querelen im Institut (u. a. im Zusammenhang finanzieller Auseinandersetzungen mit dem Berliner Institut und zuletzt wegen seines undemokratischen Versuchs, die Mitglieder bei der Wahl des Nachfolgers von Max Steger zu beeinflussen) zurück. Noch im Jahr seiner Wahl (1948) verstarb der schwer herzkranke Curtius. Nachfolger wurde nach kontroverser Diskussion Walter Seitz, Internist, Direktor der Medizinischen Poliklinik der Universität München, der als Lehrstuhlinhaber (Innere Medizin) erstmals die Psychosomatik in sein Fach einführte, zugleich selbst aber nicht psychotherapeutisch ausgebildet war. Er bekleidete sein Amt von 1948 bis 1967. Seitz war Mitglied der Berliner Widerstandsgruppe „Onkel Emil“. Sie bildete sich im Winter 1938 um die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich und ihren Lebensgefährten, den Dirigenten Leo Borchard und blieb bis zur Befreiung unentdeckt. Onkel Emil half verfolgten Jüdinnen und Juden (Unterschlupf, Lebensmittel, Papiere) und verteilte, nach der Ermordung von Hans und Sophie Scholl im Februar 1943, Flugblätter der Weißen Rose in München.

1968 wurde Anton Schelkopf (1914–1975), ein mit tatkräftiger Unterstützung seines späteren Lehranalytikers Fritz Riemann 1958 in das Institut aufgenommener Filmproduzent und CSU-Parteimitglied, für das Amt des Geschäftsführers nominiert. Wegen seiner von Lotte Köhler aufgegriffenen, ungeklärten NS-Vergangenheit zog er seine Kandidatur aber schließlich zurück. Es kam zu Spaltungen zwischen Unterstützer und Gegner Schelkopfs, der seinerseits mit juristischen Mitteln und später auch mit seinem Austritt aus dem Verein drohte. Im Verlauf der zermürbenden Auseinandersetzung im Institut trat Köhler schließlich im September 1969 aus dem Institut aus. Schelkopf blieb Mitglied, verzichtete aber auf die von ihm zunächst geforderte Rehabilitationserklärung.

Als 1968 die Wahl des Vorstands anstand, zog Seitz seine Kandidatur wegen der „Schelkopf-Affaire“ zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Siegfried Elhard, der zuvor von 1960 bis 1968 das Amt des Geschäftsführers bekleidet hat, gewählt; neuer Geschäftsführer wurde Gert Halbach. Im Zuge der 68er-Bewegung begann sich im Münchner Institut einiges zu bewegen. Die Ausbildungsteilnehmer wunderten sich über den Namen des Instituts schweigen über die Geschichte des Instituts und knüpften Kontakte zu Kandidaten (so die damals übliche Terminologie) anderer Ausbildungsinstitute. Die Auseinandersetzungen um den Geschäftsführer (Schelkopf) gaben einen wichtigen Anstoß zu einem Klärungs- und Neuorientierungsprozess, der mit dem Vorsitz von Siegfried Elhardt, der Ausbildungsleitung durch Siegfried Langhans (Amtszeit 1967–1974) und der Geschäftsführung durch Gert Halbach einsetzte und mit dem im Februar 1974 beginnenden Direktorat (Titel des Vorsitzenden: 'Direktor') von Siegfried Langhans entschieden und engagiert fortgeführt wurde" (Grunert 2008: 230).

Im Jahr 1974 erfolgte die Umbenennung des „Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie“ in „Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie e. V. München“ und – damit verbunden – die endgültige Distanzierung und Abkehr vom synoptischen Gedanken und den Theorien von Harald Schultz-Hencke. Dass diese von Riemann weiterentwickelten Theorien so lange gelehrt worden waren, hatte sicherlich auch mit seiner Loyalität seinem früheren Lehranalytiker gegenüber zu tun.

Der Direktor Siegfried Langhans (Amtszeit 1974–1982), der Ausbildungsleiter Ludwig Barth (Amtszeit 1974–1984) und sein später Nachfolger Wolfgang Mertens (Amtszeit 1985–1995) sorgten endgültig für die psychoanalytische Ausrichtung der Akademie.

Von Frank Schwarz, dem (letzten) „Direktor“ von 1985 bis 1995 gingen wichtige Impulse für eine damals noch kaum beachtete und oft auch ignorierte Öffnung der Psychoanalyse gegenüber psychotischen Erkrankungen aus. Er gründete und leitete mit Helmut Remmler (1973–1986, Mitglied der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse – MAP) 1992 die „Überregionale Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie“; nach dem Tod von Helmut Remmler trat 1997 Günter Lempa dessen Nachfolge an und leitet die ab Mai 2014 zur Akademie hinzugekommene Abteilung Analytische Psychosentherapie (APT).