mini|Ortsansicht mini|Ehemaliges Wohlfahrtshaus, heute Schule mini|Wohnanlage auf dem früheren Krankenhausgelände mini|Marktplatz mini|Kapelle Mariä Himmelfahrt mini|Ehemaliges Bahnhofsgebäude

Petřkovice (deutsch Petrzkowitz, ab 1907 Petershofen; polnisch Pietrzkowice) ist ein Stadtbezirk von Ostrava in Tschechien. Er liegt fünf Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums linksseitig der Oder.

Geographie Das Waldhufendorf Petřkovice befindet sich in den Ausläufern der Vítkovská vrchovina (Wigstadtler Berge) am Unterlauf des Baches Ludgeřovický potok vor dessen Mündung in die Oder. Südöstlich erhebt sich der Landek (Landecke; 280 m. n.m.), gegenüber dem die Ostravice (Ostrawitza) in die Oder mündet. Durch den Ort führt – im nordwestlichen Abschnitt auf der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Kravaře ve Slezsku–Chałupki, ansonsten auf der früheren Straßenbahntrasse – die Staatsstraße I/56 zwischen Hlučín (Hultschin) und Ostrava. Südlich – am rechten Oderufer – verläuft die Autobahn D 1. Gegen Norden erstreckt sich der Černý les (Schwarzwald), westlich der Ludgeřovický les (Ludgerstaler Wald).

Nachbarorte sind Šilheřovice (Schillersdorf) und Chałupki (Annaberg) im Norden, Paseky (Passek), Antošovice (Antoschowitz) und Amerika im Nordosten, Koblov (Koblau) im Osten, Hrušov (Hruschau) im Südosten, Přívoz (Oderfurt) im Süden, Lhotka (Ellguth-Hultschin) im Südwesten, Nový Dvůr (Neuhof), Bobrovníky (Bobrownik) und Malánky (Malanken) im Westen sowie Vrablovec (Wrablowetz) und Ludgeřovice (Ludgerstal) im Nordwesten.

Geschichte Archäologische Funde belegen eine frühzeitliche Besiedlung der Gemarkung. Auf dem Hügel Landek befand sich eine Siedlungsstätte von Mammutjägern des Gravettien. In den Feuerstätten wurden Kohlenreste entdeckt, die aus dem Flözausbiss unterhalb des Hügels stammen. Als bedeutendster Fund gilt die Landeker Venus. Am Fuße des Hügels verlief eine Trasse der Bernsteinstraße. Im 8. Jahrhundert entstand eine slawische Burgstätte und in der Mitte des 13. Jahrhunderts die mährische Grenzburg Landek.

Das nach einem Lokator benannte Dorf entstand wahrscheinlich während des großen Landesausbaus in der Mitte des 13. Jahrhunderts durch deutsche Siedler. Die erste schriftliche Erwähnung von Petrzkowicz erfolgte im Jahre 1377Zakládání sídel hlucinskavlastiveda.cz im Zuge der Teilung des Herzogtums Troppau. Das Gut, als dessen Besitzer ein gewisser Pašek erwähnt wurde, verblieb dabei beim Troppauer Anteil, der den Brüdern Herzog Wenzel I. und Přemysl I. zugefallen war. Petrzkowicz gehörte jedoch nie zur Burgherrschaft Landek, sondern bildete ein eigenes Gut, als dessen Besitzer sich verschiedene Adlige abwechselten. Im Jahre 1492 verpfändete der böhmische König Ladislaus Jagiello das Rittergut Petrzkowitz zusammen mit der Herrschaft Hultschin und Burgruine Landek an den Teschener Herzog Kasimir II. Seit dieser Zeit blieb das Gut Petrzkowitz immer mit der Herrschaft Hultschin verbunden. Bernhard von Zwole vereinigte Petrzkowitz schließlich 1518 mit Hultschin. Nachfolgende Besitzer waren von 1542 bis 1629 die Freiherren von Würben und Freudenthal, danach bis 1727 die Grafen Gaschinsky von Gaschin, anschließend Karl Anton Gianini, Marchese Carpineti und nach dem Gianinischen Konkurs ab 1772 Adam Johann von Gruttschreiber.

Der Dreißigjährige Krieg führte zum Niedergang des Dorfes. Petrzkowitz wurde zunächst von dänischen Truppen heimgesucht, die wenig später von kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Waldstein wieder aus der Gegend vertrieben wurden; zehn Jahre später fiel ein schwedisches Heer ein. Nach dem Ende des Krieges, als sich die Bevölkerungszahl bereits halbiert hatte, brach eine Pestepidemie aus. Im Karolinischen Kataster von 1723 sind für Petrzkowitz acht Bauern -darunter der Erbrichter und zugleich Rittergutsbesitzer sowie der Müller - 13 Gärtner und sieben Häusler aufgeführt.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Petrzkowitz 1742 wie fast ganz Schlesien an Preußen. Die neue Grenze wurde entlang der Oder gezogen; die Gegend rechtsseitig des Flusses verblieb bei der k.k. Monarchie, wobei bei der Landstrich südlich von Petrzkowitz zu Mähren und der oberhalb der Mündung der Ostrawitza zu Österreichisch Schlesien gehörte. 1743 wurde Petrzkowitz dem neugebildeten Kreis Leobschütz zugeordnet.

Nachdem der Markscheider Scholze 1781 durch den Flözausbiss an den Hängen der Landecke eine Steinkohlenlagerstätte erkannt hatte, wurde im Jahr darauf sowohl auf Petrzkowitzer als auch Koblauer Flur mit deren Abbau begonnen. Bei Petrzkowitz wurde ab 1783 im Juliane-Stollen und Wilhelmine-Stollen unter primitiven Verhältnissen Kohle abgebaut, die Fördermengen waren unbedeutend. Im Jahre 1783 hatte Petrzkowitz 150 Einwohner. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wechselten die Besitzer der Herrschaft Hultschin in rascher Folge. Am 9. Dezember 1815 erfolgte die Verleihung des Steinkohlenberg werks „Wilhelm“. Im Zuge der Kreisreform vom 1. Januar 1818 wurde Petrzkowitz dem Kreis Ratibor zugewiesen. Der Freiherr Spens von Booden veräußerte nach 1819 das Rittergut Petrzkowitz zusammen mit der Herrschaft Hultschin an Ernst von Czadersky. 1825 standen in Petrzkowitz bzw. Petrzkowic 55 Häuser; das Dorf hatte 230 Einwohner, darunter zehn Protestanten und vier Juden. Im Ort bestanden eine dem Patrimonialgericht Hultschin unterstellte freie Erbrichterei, eine katholische Tochterkirche der Pfarrei Hultschin sowie eine Wassermühle. Außerdem gab es zwei, im Eigentum der Gemeinden Petrzkowitz und Koblau stehende Sandsteinbrüche. Grundherr war die Oberschlesische Landschaft, die die Grundherrschaft Hultschin kurz zuvor von Czadersky übernommen hatte.Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Graß, Barth und Comp., Breslau 1830, S. 565. Die 1830 am Landek aufgenommene Steinkohlengrube „Ferdinands Glück“, später „Anselm“ genannt, hatte großen Einfluss auf den Wandel des bäuerlich geprägten Dorfes zur Bergarbeitersiedlung. Die einklassige Dorfschule wurde 1839 eröffnet. Unter dem nachfolgenden Besitzer der Grundherrschaft, Victor Wichura, erfolgte 1842 der Ausverkauf des östlichen Teils der Herrschaft mit den Dörfern Bobrownik, Ellguth-Hultschin, Ludgierzowitz und Petrzkowitz an den Besitzer des Gutes Hoschialkowitz, den Mährisch Ostrauer Kaufmann Römisch.

Im Jahre 1845 bestand Petrzkowitz bzw. Pietrzkowice aus 83 Häusern. In dem Dorf mit 524 Einwohnern, darunter 20 Protestanten und sieben Juden, gab es eine freie Erbrichterei unter herrschaftlicher Jurisdiktion, eine katholische Schule, ein Wirtshaus, eine Wassermühle sowie fünf, den Gemeinden Petrzkowitz und Koblau gehörige, Sandsteinbrüche. Außerdem wurden zwei gewerkschaftliche Steinkohlengruben: „Ferdinands Glück“ und „Dreifaltigkeit“. Grundherr war Johann Römisch auf Hoschialkowitz, die Gemeinde unterstand dem dortigen Patrimonialgericht. Pfarrort war Ludgierzowitz.Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, nebst beigefügter Eintheilung des Landes nach den Bezirken der drei Königlichen Regierungen, den darin enthaltenen Fürstenthümern und Kreisen, mit Angabe des Flächeninhaltes, der mittleren Erhebung über der Meeresfläche, der Bewohner, Gebäude, des Viehstandes u.s.w. 2. Auflage. Breslau 1845, S. 487. Zur Lösung des Kohlenfeldes gegenüber der Landecke wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts südwestlich von Petrzkowitz der Reicheflöz Erbstollen vorgetrieben. Salomon Meyer von Rothschild, der im selben Jahre von Wichura die Grundherrschaft Hultschin erworben hatte, kaufte am 20. April 1847 die Rittergüter Hoschialkowitz und Ludgierzowitz für 263.000 Taler zurück. Die Erbrichtereien Bobrownik und Petrzkowitz erwarb er am 30. August desselben Jahres für 27.000 Taler. Rothschild gab der Grube „Ferdinands Glück“ nach seinem Sohn den neuen Namen „Anselm“ und leitete eine Modernisierung des Grubenbetriebs ein. Durch den Zuzug von Bergleuten, die auch aus dem Ausland kamen, verdoppelte sich die Einwohnerzahl von Petrzkowitz zwischen 1840 und 1864 fast. Im Jahre 1864 gliederte sich die Gemarkung Petrzkowitz, auch Petrkovice bzw. Pietrzkowice genannt, in die Gemeinde und das Rittergut. Die Gemeinde bestand aus sieben Bauernhöfen, 13 Gärtnern, 45 Groß- und Kleinhäuslern sowie einer Wassermühle am Dorfbach. Petrzkowitz hatte 809 Einwohner. In der Schule wurden 170 Kinder unterrichtet. Zu den Flurgrößen gibt die Quelle keine Auskunft. In den Gruben „Anselm“ und „Dreifaltigkeit“ waren 94 Bergleute beschäftigt. Ein Teil der Bewohner arbeitete im Nebenerwerb in den umliegenden österreichischen Kohlengruben und Fabriken.Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien; Breslau 1864; Erste Hälfte, S. 710.