mini|Philippinische Priester und Bischof, 2019 mini|Katholische Priester in Soutane, Rom, 2006 Ein katholischer Priester bekleidet ein geistliches Amt in einer katholischen Kirche, etwa in der römisch-katholischen Kirche oder in den altkatholischen Kirchen. In den Stand des Priestertums wird eine Person durch die Priesterweihe aufgenommen. Geweiht werden in der römisch-katholischen Kirche in der Regel nur unverheiratete Männer. In den meisten altkatholischen Kirchen steht die Weihe verheirateten und unverheirateten Frauen und Männern gleichermaßen offen. Römisch-katholische Priesteramtsanwärter legen im Rahmen der vorhergehenden Weihe zum Diakon ein Zölibatsversprechen ab. Die altkatholischen Kirchen kennen kein verpflichtendes Zölibatsversprechen.

Die Mehrzahl der römisch-katholischen Priester sind Diözesanpriester („Weltpriester“), die ihren Dienst als Angehörige eines bestimmten Bistums tun. Leitet ein Priester eine Pfarrei, wird er zugleich als Pfarrer bezeichnet. Ordensleute, die die Priesterweihe erhalten haben, werden Ordenspriester genannt. Ende 2021 gab es weltweit 407.872 römisch-katholische Priester, sowohl Ordens- als auch Diözesanpriester.

Etymologie Das deutsche Wort ‚Priester‘ (ebenso wie das englische priest) ist von dem neutestamentlichen griechischen Begriff Presbyter (griechisch πρεσβύτερος ‚Ältester‘) abgeleitet. Insofern legt der deutsche Begriff den Schwerpunkt auf die hierarchische Gemeindeleitung. Noch deutlicher wird dieser Aspekt im Polnischen, wo für ‚Priester‘ das Wort ksiądz benutzt wird, das auf einer urslawischen Entlehnung des urgermanischen Etymons *kuningaz (‚König, Fürst‘) beruht und nur im Polnischen, Tschechischen (kněz) und Sorbischen (knjez) die Bedeutung ‚Priester‘ annahm (vergleichbar auch kùnigas im Litauischen, das unter polnischem Einfluss entstand). In den übrigen slawischen Sprachen dominieren die jeweiligen Entsprechungen für „Pope“ (aus grch. pápas ‚Vater, Bischof‘).

In manchen romanischen Sprachen hat sich das lateinische Erbwort sacerdos in den landessprachlichen Bezeichnungen für den Priester erhalten, so im Spanischen, Katalanischen und Portugiesischen, sehr formell auch im Italienischen (sacerdote). Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Sakralfunktion, der Priester wird in erster Linie als Darbringer des Opfers begriffen. Im Französischen (prêtre), Italienischen (prete) und anderen Sprachen wie dem Rumänischen (preot) gibt es aber auch von Presbyter abgeleitete Benennungen. Umgangssprachlich benutzt man im Spanischen und Portugiesischen auch das Wort cura, das auf die Seelsorgefunktion abstellt (lat. cura, ‚Sorge‘); ähnliche Wortbildungen bezeichnen im Italienischen und Französischen den Ortspfarrer (curato, curé), vergleichbar auch englisch curate (Kurat, leitender Seelsorger). Auch Bezeichnungen, die auf dem mittellateinischen Wort capellanus (‚Mantelwächter, Hofkleriker‘) beruhen, werden in einigen Sprachen wie dem Katalanischen (capellà) und Polnischen (kapłan) als allgemeine Bezeichnung für katholische Priester verwendet (vgl. das deutsche Kaplan, engl. chaplain). Hierauf basiert auch das polnische Wort kapłaństwo (‚Priestertum‘, englisch priesthood). In den erwähnten romanischen Sprachen außer dem Rumänischen (preoția) ist das Substantiv ‚Priestertum‘ stets vom lateinischen sacerdotium hergeleitet (frz. sacerdoce, ital. sacerdozio, span. sacerdocio usw.).

Theologische Grundlegung Bibel Das erbliche Priestertum des Alten Testaments wird im Neuen Testament nicht fortgeführt. Jesus Christus ist der einzige Hohepriester des neuen Bundes (). Die Mittlerstellung zwischen Gott und den Menschen übt er allein aus: „Einer ist Gott, einer ist auch Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus“ (). Alle Getauften haben jedoch Teil am Priestertum aller Gläubigen ().

Die von Jesus Christus eingesetzten zwölf Jünger werden nicht Priester, sondern Apostel genannt. Sie wählen als Nachfolger im Leitungsamt Bischöfe aus, denen wiederum Presbyter – von hier her das Wort Priester – an die Seite gestellt wurden.

Römisch-katholische Lehre Das Weihesakrament in seinen drei Stufen – Diakonat, Presbyterat, Episkopat – nennt der Katechismus der Katholischen Kirche das „Sakrament des apostolischen Dienstes“. Dieses gehört mit dem Wort Gottes und den sakramentalen Zeichen, denen es dient, zu den konstitutiven Elementen der Kirche.

Repräsentant Christi und Mitarbeiter des Bischofs mini|Bischof und Priester, St.-Stephans-Basilika (Budapest), 2011 Der Priester repräsentiert in der Kirche „Christus als Haupt, Hirten und Bräutigam der Kirche“, heißt es in Pastores dabo Vobis. Insofern steht er nicht nur in der Kirche, sondern auch der Kirche gegenüber.

Das christliche Priestertum in seiner Fülle haben die Bischöfe inne. Daran nehmen die Priester als Mitarbeiter der Bischöfe teil:

Vollmacht und Weihe mini|Handauflegung in der Priesterweihe, Schwyz 2006 Nach katholischem Verständnis werden Priester und Bischof zur Spendung der Sakramente durch eine ihnen verliehene sakramentale Vollmacht (lateinisch postestas sacra) befähigt. Diese wird nicht einfach verliehen, sondern wird durch das Sakrament der Weihe übertragen. So gehört die Priesterweihe zu den Sakramenten, der den Geweihten durch einen unauslöschlichen Charakter prägt, sodass das Priestertum den Menschen nicht nur für eine bestimmte Zeit, sondern für immer in Dienst stellt.

Aufgaben Die Priester führen zusammen mit den Bischöfen „nach dem Bilde Christi“ die Aufgaben Jesu Christi weiter. In der heiligen Messe handeln sie in persona Christi („in der Person Christi“). Durch das Weihesakrament sind sie durch Christus befähigt „in seinem Namen zu handeln und seine Vollmacht als Haupt in der Kirche zu repräsentieren“.

Der Auftrag der Priester ist deshalb eine Fortführung des Auftrags Jesu Christi:

Einheit mit Bischof und Presbyterium thumbnail|Handauflegung der Priester während der PriesterweiheMit den Bischöfen, deren Mitarbeiter sie sind, sind die Priester auch durch ihr Gehorsamsversprechen verbunden.

Die Priester sind untereinander Teil des gemeinsamen ordo presbyterorum, des Presbyteriums, in das sie durch die Weihe aufgenommen werden. Diese Einheit „kommt liturgisch im Brauch zum Ausdruck, daß beim Weiheritus nach dem Bischof auch die Priester den Neugeweihten die Hände auflegen.“

Lebensweise Gebet und Liturgie Wie alle Kleriker sind die Priester zum täglichen Stundengebet verpflichtet. Sie sind außerdem „nachhaltig eingeladen, täglich das eucharistische Opfer darzubringen“, also die heilige Messe zu zelebrieren (Can. 276 CIC).

Das Kirchenrecht begründet die priesterlichen Aufgaben mit der Pflicht eines besonderen Strebens nach Heiligkeit. Um diese Vollkommenheit erreichen zu können:

Zölibat Der römisch-katholische Priester soll zölibatär leben: Das heißt er soll ehelos und sexuell enthaltsam leben und kein Konkubinat praktizieren.

Kirchenrecht Nach dem Kirchenrecht sind Priester zur Ehelosigkeit verpflichtet:

Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat „um des Himmelreiches willen“ beizubehalten. Dazu berufen, sich ungeteilt dem Herrn und seiner „Sache“ zu widmen (vgl. ), geben sie sich ganz Gott und den Menschen hin. Der Zölibat ist ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird; mit freudigem Herzen auf sich genommen, kündigt er strahlend das Reich Gottes an (vgl. P0 16).

Von dem Gelübde der Ehelosigkeit kann der Papst dispensieren, z. B. wenn verheiratete evangelische Pfarrer konvertieren und die Priesterweihe erbitten.

Im November 2014 entschied Papst Franziskus, dass nicht nur in den traditionellen ostkirchlichen Territorien verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden können, sondern auch weltweit. So gilt auch für ihre Gemeinden in der Diaspora künftig keine Zölibatspflicht mehr, soweit dort eigene ostkirchliche Strukturen bestehen.Zölibat: Mit Rom unierte Ostkirchen dürfen weltweit verheiratete Männer weihen

In der altkatholischen Kirche steht der Zugang zum priesterlichen Amt verheirateten und nicht verheirateten Frauen und Männern gleichermaßen offen.

Biblische Begründungen Die ersten Christen waren Juden, und die jüdische Tradition hat den Ehestand immer als spiritueller angesehen als den Zölibat.Encyclopedia Judaica, second ed, vol 4, 2007, New York: Thomson Gale, 537. Einige christliche Traditionen messen der Keuschheit jedoch einen höheren spirituellen Wert bei. Der Bibel zufolge hatte der Apostel Petrus eine Ehefrau. Aus den Evangelien geht hervor, dass Petrus’ Schwiegermutter fieberkrank war (, , )Audet, Jean, Structures of Christian Priesthood, New York: Doubleday 1961. und aus der Erwähnung des Paulus, dass Petrus eine gläubige Frau in seinem Dienst mitnahm .

In 1. Korinther 7 macht Paulus deutlich: „Ich wünschte, alle Menschen wären unverheiratet wie ich. Doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so“ . Weiterhin empfiehlt er: „Den Unverheirateten und den Witwen sage ich: Es ist gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist nämlich besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren“ . Trotzdem sorge sich ein unverheirateter Mann „um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. […] Dies sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr euch in rechter Weise und ungestört immer an den Herrn haltet“ .

Geschichte Von Anfang an wurde die Idee des geistlichen Zölibats an kanonischen Gerichten, in der Theologie und in religiösen Praktiken angefochten.

Die Synode von Elvira in Spanien war das erste Konzil, das zum geistlichen Zölibat aufrief. Die Synode erließ Vorschriften zur Lebensführung für Kleriker. Unter anderem wurde ein Verbot des ehelichen Verkehrs und der Zeugung von Kindern für Bischöfe, Priester und Diakone beschlossen (can. 27–33).

Im Februar 385 schrieb Papst Siricius das Directa ad decessorem, einen langen Brief an den spanischen Bischof Himerius von Tarragona, in dem er auf die Anfragen des Bischofs zu verschiedenen Themen antwortete, die einige Monate zuvor an Papst Damasus I. geschickt worden waren. Es war das erste von einer Reihe von Dokumenten, die vom Lehramt der Kirche veröffentlicht wurden und in denen der apostolische Ursprung des geistlichen Zölibats beansprucht wurde.

Für die lateinische Kirche wurde das Zölibatsgesetz von Papst Gregor VII. auf der römischen Synode von 1074 verbindlich eingeführt.Helen Parish, Clerical Celibacy In The West: c. 1100–1700, p. 100, footnotes 45 and 46 (Ashgate Publishing Limited, 2010). ISBN 978-0-7546-3949-7 Das Gesetz schreibt vor, dass ein Mann nicht verheiratet sein darf, um Kandidat für die Priesterweihe zu werden. Dieses Gesetz ist in der lateinischen Kirche nach wie vor in Kraft, allerdings nicht für die Priester der katholischen Ostkirchen, die weiterhin ihrer eigenen Disziplin unterstehen. Der Pflichtzölibat wird in der lateinischen Kirche debattiert.

Frauenpriestertum Laut dem katholische Kirchenrecht empfängt die Priesterweihe „gültig nur ein getaufter Mann“ (CIC, can. 1024).

Der Katechismus der Katholischen Kirche bestätigt dies und erklärt weiter:

Darüber hinaus habe niemand ein Recht darauf, das Sakrament der Weihe zu empfangen: „Keiner maßt sich dieses Amt selbst an. Man muß dazu von Gott berufen sein“.