mini|hochkant|Philipp Pauli Anton Philipp Pauli (* 21. März 1855 in Chios, Sandschak Sakız, Osmanisches Reich; † 13. Juni 1935 in Gräfelfing) war ein deutscher Mediziner und Standespolitiker.

Leben Herkunft Pauli war der Sohn des Hofrats Friedrich Wilhelm Pauli, der als hanseatischer Vizekonsul auf der damals türkischen Insel Chios tätig war.Friedrich von Rohden: Der ärztliche Verein zu Lübeck – 1809–1959. Verlag Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1959, S. 49.Standesamt Königsberg, Heirat von Anton Philipp Pauli und Margarethe Papendieck, Heiratsregister-Eintrag Nr. 368 vom 11. September 1894; eingesehen auf ancestry.de am 11. Juli 2026. Sein Vater ließ sich 1879 in Lübeck als Arzt in der Fleischhauerstraße 140 (heute Nr. 58) nieder und trat dem Ärztlichen Verein zu Lübeck bei.D.: Professor Dr. med. Philipp Pauli. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1928/29 – Weihnachtsnummer, Nr. 6, Ausgabe vom 22. Dezember 1928, S. 23.

Ausbildung und berufliche Laufbahn Pauli besuchte die Landesschule Pforta und studierte anschließend Medizin in Marburg, Freiburg und Leipzig, wo er das Staatsexamen ablegte und zum Dr. med. promovierte. Danach war er Assistent in Zürich beim Anatomen Hermann von Meyer sowie in der von Edmund Rose geleiteten chirurgischen Klinik der Universität Zürich.

Ab dem 1. April 1880 arbeitete Pauli in Lübeck gemeinsam mit seinem Vater als Wundarzt. Am 24. Januar 1880 hatte er sich erfolglos um das neu geschaffene Amt des Polizeiarztes beworben.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 22. Jg., Nr. 8, 28. Januar 1880, S. 12. Ab Juni 1880 war er zwölf Jahre lang Armenarzt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 22. Jg., Nr. 56, 14. Juli 1880, S. 332.

Pauli spezialisierte sich früh auf die Behandlung von Kindern. Ende 1882 übernahm er nebenamtlich die Leitung des Lübecker Kinderhospitals, das seinerzeit die einzige Kindereinrichtung der Stadt war.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 24. Jg., Nr. 102, 20. Dezember 1882, S. 610.Jacob Meyer: Prof. Philipp Pauli †. In: Lübeckische Blätter, 77. Jg., Nr. 27, 7. Juli 1935, S. 506–507.

1883 eröffnete Pauli eine eigene Praxis in der Hüxstraße 291, die er in den Folgejahren mehrfach verlegte: 1884 in die Johannisstraße 11, 1886 in die Breite Straße 31, 1887 in die Musterbahn 5b und 1898 an die Mühlenbrücke 5. In seinem Kinderhospital leitete er eine Diphtherie-Abteilung, deren operative Behandlung er in Lübeck eingeführt hatte. Er gehörte zu den Mitbegründern der frühen Säuglings- und Schulkinderfürsorge in Lübeck.

Als Standespolitiker vertrat Pauli über Jahrzehnte die Interessen der Lübecker Ärzteschaft. Am 18. Dezember 1899 wurde er in den Vorstand der lübeckischen Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft gewähltLokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 41. Jg., Nr. 52, 24. Dezember 1899, S. 686. und war 1901 an der Organisation der Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Lübeck beteiligt, bei der er die Eröffnungsansprache hielt.Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft zu Lübeck am 5. bis 8. Juni 1901. In: Lübeckische Blätter, 43. Jg., Nr. 23, 9. Juni 1901, S. 287–292.

Pauli war zudem Vertrauensarzt mehrerer Krankenkassen, Obergutachter beim Oberversicherungsamt und Arzt am Erziehungsheim Wakenitzhof. Er wirkte längere Zeit als Referent für Kinderheilkunde in den Therapeutischen Monatsheften, einer von 1887 bis 1921 im Verlag Julius Springer erschienenen medizinischen Fachzeitschrift. Zwischen 1902 und 1904 stiftete er dem Germanischen Nationalmuseum 17 von über 160 Sachspenden für dessen medizinhistorische Sammlung.KulturGUT – Aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseums

Im Ersten Weltkrieg übernahm Pauli als Stabsarzt die Leitung mehrerer Reservelazarette in Lübeck und Umgebung.Physikus Dr. Riedel und der erste Weltkrieg. In: Friedrich von Rohden: Der ärztliche Verein zu Lübeck – 1809–1959. Verlag Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1959, S. 50–52. Nach dem Krieg verkleinerte er seine Praxis, die sich zuletzt in der Breiten Straße 97 befand. Nach dem Tod seiner dritten Frau zog er im Dezember 1928 zu seiner Tochter in die Nähe von München.

Kinderhospital Lübeck mini|Kinderhospital Lübeck Unter Paulis Leitung wurde das Kinderhospital 1884 um eine Sommerbaracke und ein Infektionshaus zur Behandlung chronischer Knochenerkrankungen erweitert. Mit seinem Amtsantritt begann eine kontinuierliche ärztliche Betreuung der Einrichtung sowie deren wissenschaftliche Weiterentwicklung. Ab 1911 gehörte auch die Behandlung erkrankter Säuglinge dazu.

1892 wurde Pauli zum leitenden Arzt des Kinderhospitals berufen. Eine testamentarische Spende des Lübecker Kaufmanns Johann Matthias Priess ermöglichte den Bau einer neuen Klinik, die 1913 an der Kahlhorststraße eingeweiht wurde und ein Haupthaus mit Säuglingsstation, eine medizinische sowie eine chirurgische Abteilung und ein Isolierhaus umfasste.1913 wurde das Kinderhospital verstaatlicht und als Städtische Kinderklinik am Krankenhaus Süd fortgeführt, bis diese 1999 in einen Neubau des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein verlegt wurde. Pauli leitete die Klinik bis 1918.Krankenhäuser. In: Friedrich von Rohden: Der ärztliche Verein zu Lübeck – 1809–1959. Verlag Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1959, S. 195–196.

Bei seinem Rücktritt 1918 verlieh ihm der Lübecker Senat in Anerkennung seiner Verdienste um die Kinderheilkunde den Professorentitel.Krankenhäuser. In: Friedrich von Rohden: Der ärztliche Verein zu Lübeck – 1809–1959. Verlag Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1959, S. 195–196. Die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit zeichnete ihn mit ihrer Silbernen Denkmünze aus.

Familie Pauli war dreimal verwitwet. Sein älterer Sohn starb in den Vereinigten Staaten. Sein Sohn Hermann Pauli (* 1. April 1896) besuchte das Katharineum zu Lübeck und meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger.Kriegsfreiwillige Oberprimaner des Katharineums. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1913/14, Nr. 46, 23. August 1914, S. 189–191. Er diente an der Front in den Vogesen, wurde 1915 verwundet und starb später an einer weiteren schweren Verwundung.Erinnerungstafel. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1915/16, Nr. 10, 5. Dezember 1915, S. 42–51. Seine Tochter Cornelie, Gründungsmitglied der 1902 gegründeten Damen- und Mädchen-Abteilung des Ersten Lübecker Schwimmvereins,Die Gründung der Damen- und Mädchen-Abtheilung des „Ersten Lübecker Schwimmvereins“. In: Lübeckische Blätter, 44. Jg., Nr. 20, 18. Mai 1902, S. 254–255. zog nach Gräfelfing bei München. Pauli lebte nach dem Tod seiner dritten Frau bei ihr. Er wurde nach seinem Tod in Lübeck beigesetzt.

Standespolitisches Wirken Pauli war neben dem Stadtphysicus Otto Riedel einer der führenden Vertreter der Lübecker Ärzteschaft in der Frühzeit der Sozialversicherung. Zwölf Jahre lang war er Vorsitzender der Vertragskommission der Ärztekammer Lübeck und setzte sich für die wirtschaftlichen Interessen der Kassenärzte ein.Entwicklungsphasen, Pauli, der Kinderarzt, Fürsorgearzt und Standespolitiker. In: Friedrich von Rohden: Der ärztliche Verein zu Lübeck – 1809–1959. Verlag Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1959.

Ab 1884 verhandelte Pauli für die Ärzteschaft mit der Ortskrankenkasse Lübeck, die rund 3000 Mitglieder zählte. Die vom Ärztlichen Verein zu Lübeck angestrebte freie Arztwahl wurde 1904 wesentlich auf seine Initiative hin durchgesetzt.Kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassen. In: Friedrich von Rohden: Der ärztliche Verein zu Lübeck – 1809–1959. Verlag Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1959, S. 152–155.

Am 26. Oktober 1898 wählte ihn der Senat als Nachfolger von Theodor Eschenburg in das Medizinalkollegium, Die Besonderheit im lübeckischen Systems des Medizinalkollegiums bildete im Gegensatz zu den Deputationen wie der Baudeputation, in die die Bürgerschaft regulär Bürgerliche Deputierte mit vollem Stimmrecht entsandte, blieb das Medizinalkollegium aufgrund seines hochgradig fachspezifischen Charakters eine reine Expertenbehörde. Stattdessen übte die Bürgerschaft ihren Einfluss durch übergeordnete Finanz- und Haushaltskommissionen aus, wenn es um den Bau neuer Krankenhäuser oder die Bewilligung von Sanitätsbudgets ging. Reine Macht- und Kernbereiche der Exekutive (wie das Polizeiamt, das Medizinalamt sowie das Stadt- und Landamt) waren von der bürgerlichen Mitwirkung ausgeschlossen und blieben rein in der Hand des Senates. Außer dem Physikus gehörten dem Kollegium auch drei Mitglieder des Ärztlichen Vereins an. die oberste Gesundheitsbehörde des Staates Lübeck.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 40. Jg., Nr. 45, 6. November 1898, S. 579. 1909 war Pauli an der Ausrichtung des 37. Deutschen Ärztetages in Lübeck beteiligt, der mit 580 Teilnehmern der bis dahin größte war.Vom 37. Deutschen Aerztetage in Lübeck. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1909, Nr. 27, 4. Juli 1909, S. 105–108.

Pauli war 1896 und 1910 Vorsitzender des Ärztlichen Vereins zu Lübeck, der ihn 1925 zu seinem vierten Ehrenmitglied seit 1847 ernannte.

Schulärztliches Engagement Als Stellvertreter des Vorsitzenden des Vereins für Schulgesundheitspflege, Paul Hoffmann, setzte sich Pauli für die Einführung von Schulärzten in Lübeck ein, wo diese Frage – anders als in Hamburg und Bremen – noch länger diskutiert wurde.Schulärzte in Lübeck?. In: Lübeckische Blätter, 47. Jahrgang, Nr. 37, 10. September 1905, S. 512–513. Am 30. Oktober 1907 beschloss der Rat- und Bürgerausschuss die Einrichtung von Schulärzten in einzelnen Bezirken. Ab 1. April 1908 war Pauli als Schularzt für die Berend-Schröder-Schule, die Dom-Knaben- und Dom-Mädchenschule sowie die Petri-Knabenschule des Bezirks II zuständig.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 50. Jg., Nr. 5, 2. Februar 1908, S. 69.

Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit mini|Bei Aufnahme bzw. Entlassung aus der Walderholungsstätte Wesloe Sommer 1911 Pauli engagierte sich in mehreren Tochtergesellschaften der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. Während der Choleraepidemie von 1892 in Hamburg leitete er die Gesundheitskommission für das Johannis-Quartier in Lübeck.Gesundheits-Commission. In: Lübeckische Blätter, 34. Jg., Nr. 62, 28. August 1892, S. 402. 1893 bildete er im Rahmen der Epidemievorsorge 41 Schüler des Lübeckischen Lehrer-Seminars zu Hilfskrankenpflegern aus.Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. In: Lübeckische Blätter, 35. Jg., Nr. 85, 22. Oktober 1893, S. 494.

1894 war Pauli Vorsitzender des Vergnügungsausschusses der 67. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Lübeck und hielt dort einen Vortrag zu einem traumatisch entstandenen Aortenaneurysma.Die 67. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. In: Lübeckische Blätter, 36. Jg., Nr. 2, 6. Januar 1895, S. 10–11. Er war zudem Mitbegründer und Leiter des Philharmonischen Chores sowie langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins der Musikfreunde. Ab Dezember 1918 war er Vorsteher der zweiten Kleinkinderschule.Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. In: Lübeckische Blätter, 60. Jg., Nr. 49, 8. Dezember 1918, S. 610.

Ferienkolonie Wesloe Pauli wirkte an der 1907 gegründeten Walderholungsstätte Wesloe mit, einer humanitären Einrichtung des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz unter der Leitung von Martha Rösing.Walderholungsstätte für Männer in Wesloe. In: Lübeckische Blätter, 50. Jahrgang, Nr. 7, 16. Februar 1908, S. 95–97. Gemeinsam mit den Hauptlehrern der Lübecker Schulen wählte er die zur Erholung aufzunehmenden Kinder aus und war im Sommer für deren Betreuung mitverantwortlich.

Literatur D.:Hinter der Chiffre D. verbarg sich in den Lübeckischen Anzeigen deren Verleger Wilhelm Dahms. Professor Dr. med. Philipp Pauli. In: Vaterstädtische Blätter. Jahrgang 1928/29 – Weihnachtsnummer, Nr. 6, Ausgabe vom 22. Dezember 1928, S. 23. Jacob Meyer: Prof. Philipp Pauli †. In: Lübeckische Blätter. 77. Jg., Nummer 27, Ausgabe vom 7. Juli 1935, S. 506–507.