Remigius Albulanus Trevirensis oder Remigius Albanus Hessus (* um 1500/10, ≈ wahrscheinlich an einem 1. Oktober (Remigiustag) in Trier, Kurtrier; † Juni 1547 in Bacharach, Kurpfalz) war Schulmeister in Kassel und evangelisch-lutherischer Pfarrer in Herford und Bacharach.

Leben Remigius Albulan wurde in Trier geboren. Nach dem Studium schon in jungen Jahren (a teneris annis) an einer bisher noch nicht identifizierten Universität – vielleicht in seiner Heimatstadt Trier – erwarb er den Magistergrad.„Postquam promeruit studiorum praemia digna, utque Magisterij nomen adeptus habet, … (= Nachdem er für die Studien die würdige Auszeichnung erhalten hatte, dass er (nämlich) den Titel eines Magisters erlangte, …“).Hieronymus Lauterbach: Epicedion D. Remigij Albulani Treuirensis fidelis quondam Euangelicae professionis ministri, apud Bacharanos, in christo defuncti. In: Erasmus Rotenbucher (Hrsg.): Oratio paraenetica ecclesiam verbo Dei gubernari. Johannes Daubmann, Nürnberg 1551, Bl. B8 (Google-Books).

Schulrektor in Kassel In den 1530er Jahren (seit 1533 belegt) war Magister Albulanus Schulmeister und RektorKassel, Stadt Kassel. In: Historisches Ortslexikon (lagis-hessen.de; Stand: 26. November 2022). der Stadtschule in Kassel.Antonius Corvinus: Expositio Decalogi, Symboli Apostolici, Sacramentoru[m], & Dominicae Praecationis. Neuauflage Schumann, Leipzig 1540, Widmung vom 14. Februar 1539, Witzenhausen, Bl. A2 (Google-Books); Hieronymus Lauterbach: Epicedion D. Remigij Albulani Treuirensis fidelis quondam Euangelicae professionis ministri, apud Bacharanos, in christo defuncti. In: Erasmus Rotenbucher (Hrsg.): Oratio paraenetica ecclesiam verbo Dei gubernari. Johannes Daubmann, Nürnberg 1551, Bl. B5–C4 (onb.ac.at), (Google-Books); vgl. Bl. A8–B1 (Google-Books). Der spätere Kasseler Pfarrer Johannes Pfluck (1528–1591) war, wie er selbst berichtete, einer seiner Schüler, Magister Petrus Nigidius (ab 1539) sein Kollege oder Nachfolger.Hugo Brunner: Lebensläufe einer Anzahl von Geistlichen in Kassel und den Dörfern der drei Kasseler Gerichte aus dem Jahre 1569. In: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte 4 (1911), S. 187–198, bes. S. 193 (Google-Books); Oskar Hütteroth, Hilmar Milbradt: Die althessischen Pfarrer der Reformationszeit, Bd. II M–Z. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 22,2). Elwert, Marburg 1958 (Nachdruck 1966), S. 260 (ub.uni-marburg.de). Albulanus „schrieb einen gewandten und witzigen Brief an Johann NordeckJohann Nordeck († 1580), hessischer Sekretär und Rat, Korrespondenzpartner von Antonius Corvinus. mit allerlei Andeutungen über seine häuslichen und sonstigen Verhältnisse und einen Antrag auf Verbesserung des Schulwesens in Kassel“.Oskar Hütteroth: Die althessischen Pfarrer der Reformationszeit, Bd. I A–N. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 22,1). Elwert, Marburg 1953 (Nachdruck 196k}6), S. 3.Nach Karl Friedrich Weber: 2. Beitrag. Zusätze und Berichtigungen zur Geschichte der städtischen Gelehrtenschule zu Cassel (Einladungsschrift zu den im Gymnasialgebäude … stattfindenden Prüfungen und Schulfeierlichkeiten). Fischer, Kassel 1849. Theobald Thamer (* um 1502; † 1569) aus Oberehnheim, der von Martin Bucer empfohlen worden war, war 1534 kurzzeitig Kollege („hypodidas[calus]“ = Unterlehrer) von Remigius Albulan.Gury Schneider-Ludorff, Reinhold Friedrich, Wolfgang Simon: Martin Bucer Briefwechsel/Correspondance: Band XI (Januar 1534 – Juli 1534). Brill, Leiden 2023, S. 286–288 (Google-Books).

Studium in Marburg 1535 immatrikuliert sich „Remigius Albulanus Treuirensis, Ludimagister apud Cassellenses“Julius Cäsar: Catalogus studiosorum scholae Marpurgensis, Bd. I Per annos MDXXVII–MDCXXVIII descriptus. Elwert, Marburg 1875, S. 16 (Google-Books). unter Belassung seiner Marburger AltarpfründeWilhelm Daniel Wolff: Die Entwicklung des Unterrichtswesens in Hessen-Cassel vom 8. bis zum 19. Jahrhunderts. Wolff, Kassel 1911, S. 273 und 277 (Google-Books). (Schulstelle) zum Studium in Marburg. Auf eine Anfrage des Marburger Professors Nikolaus Asclepius in Auftrag des hessischen Kanzlers Johann Feige, ob Kassel mehr als drei Stipendiaten für die Hessische Stipendiatenanstalt präsentieren könne, sagte „m. Remigius, … es seien geschickte knaben genug, wan man in sust (= ihnen nur sonst) helfen wolt“.Friedrich Küch: Beitrage zur ältesten Geschichte der Marburger Universität. Beilage 1. (Nicolaus Asclepius Barbatus) schildert dem Kanzler Feige die Übelstände an der Universität, 1536 Januar–März. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 56 (1927), S. 1–43 (S. 28–33), bes. S. 29 (vhghessen.de).

Pfarrer in Herford Anfang der 1540er Jahre wurde „Remi(n)gius Albanus Hessus“ nach dem Tod von Johannes Hunschius († 1540)Johann Sebastian Gottfried Holzapfel: Kurzgefaßte Geschichte der Kirchenverbesserung in Lemgo. Meyer, Lemgo 1817, S. 36 (Google-Books). durch Vermittlung von Magister Rudolph Moller (1500–1568)Superintendent in Hannover und Hameln. als Kollege von Albert Lonicerus (Gießenbier) († 1560)Ralf Michael Nickel: Zwischen Stadt, Territorium und Kirche: Franziskus’ Söhne in Westfalen bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges (diss phil.). Bochum 2007, S. 164 (deutsche-digitale-bibliothek.de). Pfarrer am Herforder Münster.„Herforti docuit dogmata vera Dei (= in Herford lehrte er reine Lehren von Gott)“.Hermann Hamelmann: Historia ecclesiastica renati Evangelii per inferiorem Saxoniam et Westphaliam (1586/87), darin: Ecclesia Hervordensis. In: Ernst Casimir Wasserbach (Hrsg.): Hermanni Hamelmanni … Opera Genealogico-Historica. Henrich Wilhelm Meyer, Lemgo 1711, S. 1037 (Google-Books); Ausgabe Klemens Löffler (Hrsg.): Hermann Hamelmanns geschichtliche Werke, Bd. II. Aschendorff, Münster 1913, S. 311f. (ub.uni-paderborn.de); Fortgesetzte Sammlung von alten und neuen theologischen Sachen. Braun Erben / Bock, Leipzig 1726, S. 374 (Google-Books). Da er wegen seines hochdeutschen (moselfränkischen) „Dialektes“ (propter idioma superioris linguae) nur von wenigen verstanden wurde, verlor er die Anstellung wieder, obwohl er als fromm und gelehrt galt, und lebte in großer Armut. Unterstützung erhielt er von „Junker Löuin von Obrich“ (Edelherr Levin von Oberg) (* vor 1500; † zwischen 1566 und 1574)Urkunde vom 29. Juni 1523; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (U 126u Familie von der Horst (Dep.) Urkunden, Nr. 65); Urkunden von 1556, vom 12. April 1561 („Ältester seines Stammes“), 29. Januar 1566 und von 1573 u. ö; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Wolfenbüttel (Bestand 27 Alt Lehnsregistratur, Nr. 1101; Bestand 82 Familie von Oberg, Urk I L Nr. 2, 5 und 10a).Jürgen Huck: Die Bock von Wülfingen, Bd. I (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens 122). Hahn, Hannover 2000, bes. S. 115 und 410f. (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Die Oberg standen wie Hesehuyss im Dienst der Grafen von Schaumburg, Levin von Oberg war im September 1538 Bürge, diente 1552 der Landgrafschaft Hessen als Leutnant; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 3 Politisches Archiv Landgraf Philipps des Großmütigen, Nr. 1063 und 1508). und dem Herforder Ratsmann Bartelt Hesehuyss.Exemplar eines Rechtgeschaffnen Christlichen Testaments oder letzten willens. Johann Daubman, Nürnberg 1550, Widmungsvorschrift, Bl. Aii–Aiii. Albulans Nachfolger wurde der gebürtige Herforder Jodocus Coccius, der „von den adeligen Befehlshabern“ des Deutschen Ordens aus dem Pfarramt in Riga vertrieben worden war (ex Livonia, … ex Rigensis ecclesiae ministerio eiectus), weil er – in der Rückschau geradezu „prophetisch“ – gepredigt hatte, dass der Deutsche Orden nicht vom himmlischen Vater stamme und daher bald beseitigt werden müsse, und schon 1547 wieder vom Pfarramt in Herford zurücktrat.Friedrich Wilhelm Bauks: Die evangelischen Pfarrer in Westfalen von der Reformationszeit bis 1945. Luther-Verlag., Witten 1980, Nr. 3316, S. 262.

Reise nach Wittenberg Nach seinem dreijährigen AufenthaltExemplar eines Rechtgeschaffnen Christlichen Testaments oder letzten willens. Johann Daubman, Nürnberg 1550, Widmungsvorschrift, Bl. Aiiii. in der Freien Reichsstadt Herford reiste Albulanus um 1543/44 offenbar an die Universität Wittenberg (Leucorea), „bewegt vom Ruhm ‘seines’Im Kontext des Epicediums wörtlich: „deines“. heiligen Luthers“ (motus fama sancte Luthere tui), der zu dieser Zeit noch lebte, und um Philippus (Melanchthon) zu hören.

Letzte Jahre als Pfarrer in Bacharach