mini|Blick vom Schlossplatz zur Stadtfassade mit dem Torturm mini|Das Eutiner Schloss von Westen aus der Luft gesehen Das Eutiner Schloss in Eutin in Ostholstein bildet den kulturellen Mittelpunkt und die Keimzelle der Stadt. Es gehört neben dem Gottorfer und dem Glücksburger Schloss zu den bedeutendsten höfischen Profanbauten Schleswig-Holsteins. Die vierflügelige Anlage ging aus einer mittelalterlichen Burg hervor und wurde während mehrerer Jahrhunderte zur Residenz ausgebaut.
Nutzung mini|Pavianstatue an der Schlossbrücke mini|hochkant|Replik des Eutiner Rolands von 1583. Standort: bis 1773 am alten Rathaus, danach am Eutiner Schloss. Das Original befindet sich seit 1905 im Schloss.
Das Schloss befand sich ursprünglich im Besitz der Lübecker Fürstbischöfe, später wurde es zur Sommerresidenz der Herzöge von Oldenburg. Es wurde bis ins 20. Jahrhundert regelmäßig bewohnt, die Innenausstattung ist zu einem Großteil erhalten.
Heute beherbergt das Schloss ein Museum und ist der Öffentlichkeit von März bis Anfang Januar zugänglich. Der Zugang zum Schloss erfolgt über eine Brücke. Sie wird durch zwei Figuren von Fabeltieren bewacht. Links oberhalb des Portals ist die Replik einer Rolandstatue zu sehen. Die Brücke führt in den Innenhof. Die Räume präsentieren größtenteils die Originalausstattung mit Gemälden, Möbeln und Arbeiten des Kunsthandwerks aus der Zeit vom Spätbarock bis zum Klassizismus. Bekannt sind besonders mehrere große Schiffsmodelle, die als Geschenke der russischen Zarenfamilie auf die verwandtschaftlichen Verbindungen nach Eutin verweisen. Da es keine moderne Heizanlage gibt, ist das Schloss aus klimatischen Gründen jährlich vom 6. Januar bis Ende Februar geschlossen. Die seit 2001 bestehende Horn-Sammlung im Schloss Eutin im zweiten Obergeschoss präsentiert Hörner (Musikinstrumente) aus verschiedenen Regionen der Welt und aus verschiedenen Jahrhunderten.Stiftung Schloss Eutin (Hrsg.): Die klangvolle Welt des Horns. Sammlung Uwe Bartels und Manfred Hein. Flyer, ca. 2017.
Der frühere Barockgarten wurde im 18. und 19. Jahrhundert in einen Landschaftspark umgestaltet, dieser ist alljährlicher Austragungsort der Eutiner Festspiele. In der „Ländlichen Gegend“ des ParksHenrike Schwarz: Zur Wiederherstellung der Ländlichen Gegend im Eutiner Schlossgarten. In: Denkmal. Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. 10/2003, , S. 61–65. jenseits der Schlossbucht befindet sich deren Freilichtbühne. Die 1951 zu Ehren von Carl Maria von Weber gegründeten Festspiele mit Opern-, Operetten- und Musicalaufführungen finden im Juli und August eines jeden Jahres statt. Die in die Jahre gekommene Zuschauertribüne wurde in den Jahren 2023 und 2024 für circa 17 Millionen Euro mit etwa 2000 Plätzen neu errichtet und am 28. Juni 2024 feierlich eröffnet.Bernd Schröder: Glanzvolle Eröffnung der neuen Tribüne auf www.eutiner-festspiele.de, abgerufen am 7. Juli 2024.
Geschichte Burg der Lübecker Bischöfe mini|hochkant=1.2|Stadt und Burg Eutin 1586 Eutin verdankt den Bau einer ersten Burg an der Stelle des späteren Schlosses der Tatsache, dass es zwischen den Lübecker Bischöfen und der Bürgerschaft der Stadt immer wieder zu Spannungen kam, da sich die Lübecker in weltlichen Dingen keine Vorschriften seitens der Geistlichkeit machen lassen wollten.Geschichte des Schlosses auf eutin.de Die Konflikte zwischen geistlichen und weltlichen Herren sorgten dafür, dass die Bischöfe, die ihre Domkirche St. Johannis in Oldenburg hatten und sie erst 1160 nach Lübeck verlegten, ihre Residenz auf halbem Wege zwischen den Orten und in sicherer Entfernung zur Stadt errichten ließen.
Das Eutiner Schloss geht auf einen Bischofshof Gerolds von Oldenburg zurück. Die Ländereien erhielt Gerold 1156 von Adolf II. zum Geschenk und er erbaute hier den Berichten Helmolds von Bosau zufolge ein Haus. Der Hof wurde unter Bischof Johannes von Tralau zwischen 1260 und 1275 ausgebaut und erhielt ein größeres, steinernes Gebäude, das heute den Kern des Ostflügels bildet. 1293 wurde die erste Kapelle errichtet. Über die genaue Gestalt der ersten Burganlage ist wenig überliefert. Es handelte sich wohl um eine von Wällen umgebene gewöhnliche Burg der Zeit, in der die Bauten noch ohne Verbindung zueinander standen und die optische Wirkung hinter der Funktion zurückstehen musste. Zwischen 1277 und 1283 und zwischen 1299 und 1317 hatte Bischof Burkhard von Serkem erneute Auseinandersetzungen mit den Lübeckern. Dies führte dazu, dass die Burg zu einer kleinen Festung erweitert und unter seinen Nachfolgern um 1350 mit einem Graben bewehrt wurde.Hans u. Doris Maresch: Schleswig-Holsteins Schlösser, Herrenhäuser und Palais. Husum Verlag, Husum 2006, S. 60.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Hamburg, Schleswig-Holstein. Deutscher Kunstverlag, München 1994, S. 232–234.
Von 1439 bis 1486 wurden in verschiedenen Abschnitten weitere Bauwerke hinzugefügt; der Kern des heutigen Torturms entstand in dieser Zeit. Bis zum 16. Jahrhundert wurden die einzelnen Häuser miteinander zu einem bescheidenen Renaissanceschloss verbunden, woraus sich bis heute der unregelmäßige Grundriss (vor allem der stadtseitigen Fassade) ergibt.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Hamburg, Schleswig-Holstein. Deutscher Kunstverlag, München 1994, S. 233, 234.
mini|hochkant|Unter Fürstbischof Christian August wandelte sich das Schloss zur Barockresidenz. Gemälde des 18. Jahrhunderts
Residenz der Fürstbischöfe aus dem Hause Gottorf Im Zug der Reformation gelangten die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf ab 1586 in den Besitz von Eutin und stellten von da an die Fürstbischöfe. Während des Dreißigjährigen Krieges drohte dem Bistum die Säkularisation, konnte aber durch Johann X. abgewendet werden – was sich dieser mit der Bindung des fürstbischöflichen Amtes an das Haus Gottorf danken ließ.Frank Trende: Historische Orte in Schleswig-Holstein erzählen Geschichte. Verlag Boyens, 2004, S. 66. Die Bindung des Bischofsamtes an das Haus Gottorf führte zu andauernden Unstimmigkeiten mit dem dänischen Königshaus, die 1705 in einer Besetzung und teilweisen Zerstörung des Schlosses durch die Dänen gipfelten. Bereits 1689 wurden die Stadt und das Schloss bei einem Brand schwer beschädigt und anschließend auf den alten Grundmauern wieder aufgebaut. Die Vorburg wurde in diesem Zusammenhang zu einem großen Schlosshof umgestaltet.
Seine Glanzzeit erreichte Schloss Eutin im 18. und 19. Jahrhundert. In der Zeit von Christian August bis Friedrich August I. verwandelte es sich in einen barocken Fürstenhof und Eutin wurde zu einem gesellschaftlichen Zentrum des Landes. Während dieser Epoche wurden am Schloss, an der Inneneinrichtung und am Park bedeutende Erweiterungen vorgenommen, die dazu führten, dass Eutin zu einer den wenigen großen Barockresidenzen in Schleswig und Holstein wurde.Informationen zur Schlossgeschichte auf eutin.de Die Arbeiten leitete der schwedisch-pommersche Hofbaumeister Rudolph Matthias Dallin in den Jahren von 1717 bis 1727. Pläne für einen umfangreichen Neubau des Schlosses wurden zwar erwogen, aber aus finanziellen Gründen nie umgesetzt.
mini|Eutiner Schloss, die Stadtfassade und der äußere Schlosshof. Stich von Johann Christian Lewon, Zustand um 1743 Der Schlosspark wurde nach französischem Vorbild umgestaltet und neben der Gartenanlage des Gottorfer Schlosses zu einem der größten Barockparks des Landes erweitert. Im Schlosspark trafen Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, die Nichte von Friedrich August I. und spätere Zarin Katharina die Große, und ihr ungeliebter Gatte Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf 1739 das erste Mal aufeinander.
Sommersitz der Herzöge von Oldenburg 1773 erhielten die Lübecker Fürstbischöfe durch die Vereinigung ihres Gebietes mit Oldenburg und Delmenhorst als Folge des Vertrags von Zarskoje Selo Rang und Titel des Herzogs von Oldenburg. Friedrich August regierte noch bis zu seinem Tod 1785 aus Eutin. Für seine Frau wurde anschließend das Witwenpalais errichtet, das sie jedoch nicht mehr nutzte. Seine Nachfolger residierten nach der Säkularisation des Hochstifts Lübeck, das zum Fürstentum Lübeck wurde, ab 1803 im Oldenburger Schloss. Eutin lag nun in einer Exklave des Oldenburger Herrschaftsgebiets und wurde nur noch als Sommerresidenz genutzt, was der Bedeutung des Ortes aber vorerst keinen Abbruch tat. Der mittlerweile veraltete Barockgarten wurde in dieser Zeit in einen modernen Landschaftspark umgestaltet. Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert erhielt der Hof den Ruf, ein „Weimar des Nordens“Artikel zum 750jährigen Stadtjubiläum im Hamburger Abendblatt zu sein, was auf das Wirken so verschiedener Künstler wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Friedrich Gottlieb Klopstock oder Franz Anton von Weber und das Mäzenatentum Herzog Peter I. zurückzuführen ist.
Um 1820 wurden Pläne entwickelt, den äußeren Schlosshof klassizistisch umzugestalten. Der alte Hof wurde abgebrochen und stattdessen ab 1828 ein offener Schlossplatz von J. F. Limpricht geschaffen, der mit Kavaliershaus, Remise und Marstall umstellt wurde. Bis 1840 erhielt auch das Schloss eine klassizistische Umgestaltung in den Innenräumen und zudem bis 1845 eine Aufstockung um ein Geschoss.
Von der Abdankung zum Ende des Zweiten Weltkriegs Eutin war bis zum Thronverzicht Friedrich August II. 1918 regelmäßige Sommerresidenz der herzoglichen Familie. Nach deren Abdankung wurde das Schloss nicht mehr bewohnt und ein erstes Schlossmuseum eingerichtet.
Die Stadt und das Schloss überstanden beide Weltkriege ohne Schäden. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges kam eine große Flüchtlingswelle, vor allem aus den deutschen Ostgebieten, ins Land und das leerstehende Eutiner Schloss wurde zu einem Auffanglager umfunktioniert.Hans u. Doris Maresch: Schleswig-Holsteins Schlösser, Herrenhäuser und Palais. Husum Verlag, Husum 2006, S. 61. Anfangs bewohnten mehrere hundert Menschen das Schloss und die hygienischen Bedingungen waren zum Teil katastrophal. So soll es zeitweise im ganzen Haus lediglich vier Toiletten gegeben haben und allein im Rittersaal waren bis zu 90 Personen untergebracht. Die Flüchtlinge mussten sich selbst versorgen und kochten auf kleinen Küchenöfen, deren Rauch dem Stuck der Innenräume schadete. Bis zu Beginn der fünfziger Jahre verließen die Flüchtlinge das Schloss und erhielten privaten Wohnraum zugewiesen.
Stiftung und Schloss heute Das Schloss blieb im Besitz der ehemals herzoglichen Familie, die mit der Sicherung und dem Unterhalt des Gebäudes wirtschaftlich schwer belastet war. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es bis 1969 unter anderem dem Afrikaforscher und vormaligen Gouverneur von Togo, dem mecklenburgischen Herzog Adolf Friedrich, als Wohnsitz. Nach einer umfassenden Restaurierung wurde es ab 1957 der Öffentlichkeit im begrenzten Umfang wieder zugänglich gemacht und diente 1972 als Kulisse für Teile des Films „Cabaret“ mit Liza Minnelli. Nachdem in den achtziger Jahren weitere Sanierungen notwendig waren, unterstützen Land und Bund weitere Arbeiten finanziell. 1992 brachte die herzogliche Familie Schloss und Garten in die neugegründete Stiftung Schloss Eutin ein.Satzung der Stiftung Schloss Eutin, Fassung von 2023, abgerufen am 28. Oktober 2023 Mit dem Auftrag der Bewahrung, Öffnung und Präsentation von Schloss und Garten, finanziert durch Zuwendungen des Landes und eigene Einnahmen, verbindet sie den Auftrag zu Bildung, Forschung und Dokumentation.Leitbild der Stiftung Schloss Eutin, abgerufen am 28. Oktober 2023
Der erste Abschnitt des Schlosses wurde nach knapp zehn Jahren Sanierungsarbeit 1997 wieder für Besichtigungen freigegeben. Die Arbeiten an den Innenräumen folgten in einzelnen Abschnitten und so ist beispielsweise der Rittersaal seit 2006 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
mini|hochkant|Hoffassade des Westflügels, der aus verschiedenen Einzelbauten zu einem Gebäude zusammengewachsen ist
Bauwerk