mini|Waldbrände und Überschwemmungen in Griechenland und Unterstützung durch die EU (Stand 6. September)|alt=Übersichtskarte mit eingezeichneten Waldbrandpositionen und Zahlenangaben unter anderem zur verbrannten Fläche
Die Waldbrände in Griechenland 2023 umfassen die Wald- und Buschbrände der Waldbrandsaison 2023. Bis Ende September verbrannten bei 55 größeren Wald- und Buschbränden über 174.000 Hektar Land und damit etwa der vierfache Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2022, der bei 43.490 Hektar liegt. Damit waren 1,3 Prozent der Landesfläche betroffen. Schwere Waldbrände begannen 2023 Mitte Juli in mehreren Gebieten in der Region Attika sowie auf den Inseln Rhodos, Korfu und Euböa. Die Waldbrandgefahr wurde durch die vorherrschende Trockenheit und eine lange andauernde Hitzewelle sowie starke Winde erhöht. Auf Rhodos mussten etwa 19.000 Menschen evakuiert werden. Beim Absturz eines Canadair-Löschflugzeugs nahe Karystos starben am 25. Juli zwei griechische Piloten. Am 19. August brach im Nordosten Griechenlands bei Alexandroupoli ein Waldbrand aus, bei dem 18 Menschen ums Leben kamen. Insgesamt kam es im Jahr 2023 im ganzen Land zu mindestens 25 Todesfällen. Über 70 Feuerwehrleute wurden verletzt.
70.640 Hektar der verbrannten Fläche befanden sich innerhalb Gebieten des Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000.
Ursachen der Waldbrände Hitzewellen mini|Hitzewelle in Südeuropa: Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen für 9. bis 15. Juli mini|Höchsttemperaturen in Europa für 13. bis 19. August 2023
Verlauf der Hitzewellen Als Hitzewelle wird in Griechenland ein Zeitraum von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen mit Temperaturhöchstwerten von 37 °C und Temperaturtiefstwerten von 26 °C definiert. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat im Rahmen der Klimakrise die Anzahl von Hitzewellen in Griechenland zugenommen. Die bisher längste Hitzewelle des Landes ereignete sich im Jahr 1998 und dauerte 14 Tage. In den Jahren 2007 und 2021 gab es zwei Hitzewellen von jeweils 10 bzw. 11 Tagen. Das Nationale Observatorium Athen prognostizierte für ganz Griechenland ab dem 11. Juli 2023 eine anhaltende Hitzewelle mit einem Höhepunkt ab dem 14. Juli und örtlichen Höchsttemperaturen über 42 °C. Ursache für die Hitzewelle war der Zustrom sehr heißer Luftmassen aus Nordafrika in Verbindung mit einer Abwärtsbewegung von Luftmassen, was den Temperaturanstieg zusätzlich verstärkte. Hervorgehoben wurde die Gefahr, dass die heißen und trockenen Bedingungen das Auftreten und die Ausbreitung von Waldbränden begünstigen. Ab dem 12. Juli herrschten im gesamten Mittelmeerraum hohe Temperaturen mit Höchstwerten in Spanien, Tunesien, Italien, Griechenland und Zypern. Das Hochdruckgebiet Kleon () verursachte in Zentralmakedonien, Thessalien und Mittelgriechenland verbreitet Temperaturen über 39 °C, im thessalischen Larisa wurde die 40-Grad-Marke fast erreicht. Wie vorhergesagt stiegen die Temperaturen am 13. Juli landesweit an. Die Höchsttemperaturen pendelten sich auf sehr hohem Niveau ein und überstiegen in vielen Gebieten die 40-°C-Marke. 168 Wetterstationen verzeichneten Höchstwerte über 37 °C, an 26 Wetterstationen wurden Höchstwerte über 40 °C gemessen. Die absolute Höchsttemperatur betrug 42 °C in Larisa. Durch die hohen Temperaturen steigt die Waldbrandgefahr, da sich die Brände in extrem trockener Vegetation schneller ausbreiten können. Der Höhepunkt der zweiten Phase der Hitzewelle wurde am 23. Juli erreicht. Nach Angaben des Netzwerks automatischer Wetterstationen des Nationalen Observatoriums Athen überstiegen die Tageshöchsttemperaturen an 180 Wetterstationen 40 °C, von diesen lagen bei 87 die Höchsttemperatur über 42 °C. Die absolute Höchsttemperatur wurde in Gythio mit 46,4 °C verzeichnet, was die bisherige Rekordtemperatur vom 2. August während der zweiten Hitzewelle 2021 in Makrakomi mit einem Wert von 46,3 °C übertraf. Der nationale Temperaturrekord von Juli 1977 liegt bei 48 °C. Für den 23. Juli wurde für fast das gesamte Land nach dem Fire Weather Index eine hohe bis extrem hohe Waldbrandgefahr eingestuft. Gegen 28. Juli fand die Hitzewelle ein Ende und die Temperaturen in den meisten Landesteilen fielen auf um die 36 °C.
Das Nationale Observatorium verzeichnete für den Juli 2023 höhere durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen als im Zeitraum von 2010 bis 2019. Für Thessalien, Zentralgriechenland, die Peloponnes, Kreta und die Ägäis-Inseln war es der wärmste Juli seit 2010, für Nordgriechenland und Epirus der zweitwärmste Monat der letzten 14 Jahre. Die stärksten Temperaturabweichungen wurden auf Kreta beobachtet, wo die Werte um etwa 2,8 °C über dem saisonalen Normalwert lagen. Die größten Temperaturabweichungen wurden landesweit zwischen dem 13. und 27. Juli verzeichnet, mit maximalen Abweichungen von gebietsweise mehr als 10 °C. Im Großraum Athen betrug die durchschnittliche monatliche Abweichung der Höchsttemperatur +1,9 °C, wobei 23 der 31 Tage des Monats wärmer als der jahreszeitliche Normalwert waren. In Thessaloniki waren 18 Tage des Monats wärmer als der Durchschnittswert des Zeitraums 2010–2019. Die meisten Tage mit einer positiven Temperaturabweichung wurden in Mittelgriechenland mit 30 Tagen in Livadia beobachtet, gefolgt von Amfiklia und der nordkretischen Stadt Rethymno mit 29 jeweils Tagen.Σταύρος Ντάφης, Γιώργος Κύρος, Κωνσταντίνος Λαγουβάρδος: Ιούλιος 2023: Ο πιο θερμός Ιούλιος για την Κεντρική και Νότια Ελλάδα από το 2010. meteo.gr, 2. August 2023 (griechisch)
Ende August kam es zu einer weiteren Hitzewelle, die in einigen Gebieten erneut Temperaturen über 40 °C erreichte.
Ursachen der Hitzewellen Im Jahr 2023 treffen gleich drei die globalen Temperaturen erhöhende Ereignisse zusammen und verursachen auf allen Kontinenten extreme Temperaturen sowie im Wechsel extreme Trockenheit und extreme Niederschläge.
El-Niño-Ereignis: Die in unregelmäßigen Abständen von 2 bis 7 Jahren auftretende natürliche Schwankung der pazifischen Meeresströme El Niño findet seit dem Frühjahr 2023 erneut statt und wird die globalen Temperaturen voraussichtlich noch bis zum Jahr 2024 erhöhen. Vulkanausbruch: Der gewaltige Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Haʻapai im Jahr 2022 emittierte eine gigantische Menge Wasserdampf in die Stratosphäre. Ihr Wassergehalt wurde um 10 bis 15 % erhöht. Dies verstärkt den Treibhauseffekt signifikant für vermutlich mehrere Jahre. Das Risiko, dass in den 5 Jahren nach dem Vulkanausbruch das 1,5-Grad-Ziel überschritten wird, steigt durch die Folgen der Tonga-Eruption um rund sieben Prozent. Klimawandel: Nach einer Attributionsstudie der World Weather Attribution Initiative zu den Hitzewellen im Juli in der nördlichen Hemisphäre wären die Höchsttemperaturen in Südeuropa ohne globale Erwärmung „so gut wie unmöglich“ gewesen. Im aktuellen, bereits erwärmten Klima seien entsprechende Hitzewellen dagegen alle 10 Jahre zu erwarten. Die Temperaturanomalien folgen dem vom UN-Weltklimarat (IPCC) vorhergesagten Muster, wonach sich das Mittelmeer zu einem „Klimawandel-Hotspot“ entwickelt. Laut dem 2022 erschienenen Sechsten Sachstandsbericht des IPCC ist anzunehmen, dass durch Hitze verursachte Feuerwetterlagen in Südeuropa um 14 % zunehmen werden, wenn sich der Planet um 2,5 °C erwärmt. Für das zukünftige Waldbrandrisiko spielen jedoch beispielsweise auch gesellschaftliche Faktoren eine Rolle.
Menschlicher Auslöser Die erhöhten Temperaturen schaffen mit Trockenheit und Wind nur die Bedingungen für Waldbrände, zünden jedoch kein Feuer. Auslöser für 90 % der Waldbrände ist menschliches Fehlverhalten. Nach Aussage des griechischen Ministers für Klimakrise und Katastrophenschutz Vasilis Kikilias waren für einen Großteil der Waldbrände fahrlässiges Handeln und Brandstifter verantwortlich. In Griechenland machen allgemein unter den nachgewiesenen Ursachen für Waldbrände Brandstiftung etwa 23 % und Fahrlässigkeit etwa 12 % aus. Hauptursache sind mit etwa 33 % Brandrodungen.
Verlauf der Waldbrände mini|Waldbrände in Gebieten um Athen Stand 18. Juli Insgesamt verbrannten Stand 30. September 2023 nach Angabe des European Forest Fire Information System bei 55 Waldbränden (erfasst ab einer Fläche von etwa 30 ha) über 174.700 Hektar Land und damit mehr als im gesamten Vorjahr und dem Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2022, der bei 43.490 ha liegt, mit Höchstwerten in den Jahren 2007 (271.715 ha) und 2021 (130.744 ha). Die 2023 insgesamt verbrannte Fläche entspricht 1,31 Prozent der Landesfläche Griechenlands. Im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2022 waren es dagegen 0,33 Prozent der Landesfläche jährlich. Schwere Waldbrände begannen 2023 Mitte Juli in mehreren Gebieten in der Region Attika sowie auf den Inseln Rhodos, Korfu und Euböa. Auf Rhodos mussten etwa 19.000 Menschen evakuiert werden. Beim Absturz eines Canadair-Löschflugzeugs nahe Karystos starben am 25. Juli zwei griechische Piloten. Am 19. August brach im Nordosten Griechenlands bei Alexandroupoli ein Waldbrand aus. Am 22. August wurden 18 Todesopfer aufgefunden. Über 70 Feuerwehrleute wurden in der Waldbrandsaison verletzt.
Juli Attika Am 17. Juli brachen in Ostattika etwa 27 Kilometer südöstlich von Athen Waldbrände aus, die eingedämmt werden konnten, jedoch vorher angefacht durch starken Wind mehrere Gebäude zerstörten, darunter Ferienhäuser und beispielsweise ein Tierheim. Insgesamt verbrannte etwa eine Fläche von 3869 Hektar. Ein Waldbrand in Böotien etwa 30 Kilometer nordwestlich von Athen im Gemeindebezirk Dervenochoria brach ebenfalls am 17. Juli aus, der bis zum 21. Juli eine Fläche von über 11.708 Hektar verbrannte und mehrere Häuser beschädigte.
Peloponnes Am 17. Juli brach zudem in Isthmia ein Waldbrand aus. Am Folgetag wurde in Loutraki, einem Ferienort am Golf von Korinth, der Katastrophenfall ausgerufen und Evakuierungen eingeleitet. Der Waldbrand verbrannte bis 20. Juli eine Fläche von 1196 ha und beschädigte Häuser in Agios Charalambos, einem Dorf am Saronischen Golf.
Rhodos mini|Waldbrand auf Rhodos (modifizierte Sentinel-Satellitenbeobachtungen vom 23. Juli, Nordwestrichtung oben) mini|Verbrannte Strand-Bar und Vegetation auf Rhodos